Leseprobe aus c't 3/05
Kleine Firmen, Privatleute und Vereine verfügen weder über sechsstellige Budgets noch über hauptamtliche Webmaster für ihre Online-Präsenzen. Ihnen verhelfen Website-Baukästen, die außer Speicherplatz auch ein Content Management System mit repräsentativen Layout-Schablonen enthalten, schnell und einfach zu einer schicken Site, HTML-Kundigen sparen sie Zeit und Arbeit - versprechen zumindest die Provider.
Hätte er beim Fußballstammtisch mal nicht mit der Familien-Homepage geprahlt: Gestern nahm ihn der Vorsitzende zur Seite und drückte ihm den Neuentwurf der Sportclub-Homepage auf. Und schnell soll es gehen, zur 50-Jahr-Feier in einer Woche muss die Site am Netz sein. Den Kumpel, der ihm bei seinen privaten Seiten geholfen hat, kann er nicht fragen, der ist im Urlaub. Da steht er jetzt - kaum Ahnung von HTML, aber Webmaster von Fortuna Kleinkleckersdorf.
Alles halb so schlimm, verkünden die Provider. Egal, ob mal eben die Vereinsseiten aus dem Boden gestampft werden sollen, ein kleines Unternehmen eine Homepage eröffnen oder ob sich eine Familie im Web präsentieren möchte - Baukästen sollen es einfach machen, eine Website aufzubauen und zu verwalten: Dabei wählt der Benutzer aus einer Palette vom Hoster bereitgestellter Layouts ein Design aus. Über Formulare oder Word-ähnliche WYSIWYG-Editoren pflegt er die Inhalte ein. Um die HTML-Quelltexte, die Verknüpfung von Layout und Inhalt, die Verlinkung, kurz: Um den ganzen technischen Rattenschwanz kümmert sich das so genannte Content Management System (CMS) auf dem Server.
In diesem Artikel nehmen wir Komplettpakete von Providern unter die Lupe, die neben dem Webspace ein Content Management System sowie Layout-Vorlagen umfassen. Der Artikel auf Seite 168 bespricht als Alternative Desktop-CMS, die Website-Struktur und -Aussehen vom PC aus pflegen helfen. Außerdem stellt er eine Auswahl von käuflich erworbenen Layouts vor, die Anwender mit wenig Web-Grundwissen für ihre Sites anpassen können. Ab Seite 174 beschreiben wir, wie man einem Layout von der Stange eine individuelle Note verpasst.
Wir haben die jeweils günstigsten Angebote getestet, die einen Website-Baukasten enthalten. Dabei haben wir mit allen Probanden versucht, eine kleine Unternehmens-Site zu bauen. Die Ergebnisse haben wir mit den wichtigsten aktuellen Browsern betrachtet - Internet Explorer, Firefox und Opera - und mit dem W3C Validator getestet.
Das Preisspektrum für die Benutzung eines CMS liegt zwischen 69 Cent und 15 Euro pro Monat. Allerdings ist es in der häufig unübersichtlichen Angebotsvielfalt der Hoster nicht immer einfach, sich für das richtige Paket zu entscheiden.
Das Testfeld lässt sich grob in zwei Klassen aufteilen: Canhost, Lycos und Schlund (WordPress) stellen ihren Kunden fertig installierte Open-Source-CMS bereit, die die Kunden selbst auf ihre Bedürfnisse zuschneiden müssen. Die Einstiegshürde und der Administrationsaufwand liegen hier höher als bei den anderen Providern. Dafür erhält der Kunde mehr Funktionen und Gestaltungsfreiräume, zum Beispiel vollen Zugriff auf alle Skriptdateien und Quelltexte. Insbesondere bei diesen technisch anspruchsvolleren Systemen ist es notwendig, bei Problemfällen auf einen leistungsfähigen Support zurückgreifen zu können.
Die anderen Provider, einschließlich Schlund mit dem WebsiteCreator, stellen dem Kunden auf die Bedürfnisse von Endanwendern (beziehungsweise auf schnelle Ergebnisse) zugeschnitte Homepage-Generatoren bereit, die sich sehr einfach bedienen lassen, aber einen vergleichsweise engen Gestaltungsfreiraum geben.
Den Content der Seiten können die Benutzer nur in ganz engen Grenzen bearbeiten, den Inhaltsbereichen, die das System ihnen für eigene Inhalte öffnet. Und auch dort können sie nicht beliebiges HTML eingeben, sondern nur Text, den der Editor des Systems zulässt. Die Navigation und das Gesamterscheinungsbild der Site erzeugt das Content Management System automatisch nach Vorgaben des Benutzers.
Bei denjenigen Providern, deren CMS statische HTML-Seiten produzieren, kann man per FTP- oder Web-FTP-Zugang immerhin noch Änderungen am HTML-Code vornehmen - siehe Tabelle. Die Hoster raten aber davon ab, da spätestens beim nächsten Publizieren der Site per CMS die Änderungen des Kunden wieder überschrieben werden.
Bei den Website-Generatoren sind die Funktionen und die Anzahl der vom CMS verwalteten Seiten gestaffelt - die günstigsten Pakete ermöglichen mitunter nur eine Hand voll Seiten. Für eine kleine private Homepage mag dies zunächst völlig ausreichen. Findet der Site-Betreiber Gefallen am Ausbau der Online-Präsenz, will er vielleicht weitere Funktionen, zum Beispiel ein Gästebuch oder eine Bildergalerie. Wenn er seinen Besuchern nicht Scroll-Orgien in überlangen Dokumenten zuzumuten will, sind auch zehn oder 15 Seiten - häufig die Grenze bei den Einstiegspaketen - schnell überschritten.
Für kleine Firmen mag es anfangs ausreichen, das Unternehmen schnellstmöglich und ohne großen Aufwand mit einem zum Geschäftsfeld passenden Outfit im Internet zu präsentieren. Doch auch hier kann es notwendig werden, dass die Site wächst, zum Beispiel um einen Newsticker, einen grafischen Lageplan, Umfragen oder ein Feedback-Formular.
Zwar bieten die Provider mit einem Wechsel in einen höheren Tarif an, mehr Seiten zu verwalten oder zusätzliche Funktionen des CMS freizuschalten. Allerdings sollte man einen Blick in die Tabelle werfen, wann das Angebot an seine Grenzen stößt. (jo)
Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Printausgabe.
| "Websites ruckzuck" | |
| Weitere Artikel zum Thema Homepage-Baukasten finden Sie in der c't 3/2005: | |
| Homepage-Baukästen vom Provider | S. 160 |
| Mit Vorlagen schnell zum Web-Auftritt | S. 168 |
| Web-Design: Layout-Schablonen individualisieren | S. 174 |
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