Wen Kaffeemaschinen im Internet nicht vom Hocker reißen konnten, den überzeugt vielleicht ein PDA, der per Funknetz hilft, wenn die Waschmaschine die kryptische Fehlermeldung ‘F03’ anzeigt und die Bedienungsanleitung unauffindbar ist.
Entwickler des Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) haben einen iPAQ-PDA so modifiziert, dass er an Funketiketten erkennt, ob er sich vor der Waschmaschine, der Heizung oder dem Backofen befindet. Über das WLAN lädt er dann ‘kontextsensitiv’ die gewünschte Handbuchseite vom Heimserver herunter. So bekommt der Nutzer nur so viel an Hilfe angeboten, wie er gerade benötigt.
Die mobile Bedienhilfe entstand im Duisburger inHaus, einem vom IMS betriebenen Wohnhaus mit angeschlossenem Labor, in dem 17 Hausgeräte- und Netzwerkhersteller die Vernetzungsfähigkeit und Akzeptanz ihrer Produkte realitätsnah erproben (www.inhaus-duisburg.de). Mit der Interoperabilität ihrer Produkte warben die Aussteller und Redner auf der dreitägigen Kongressmesse e/home Ende August in Berlin um Vertrauen bei den Bauherren, Installationsfirmen und Heimwerkern, die die Vielfalt der Plattformen und Standards derzeit eher abschreckt.
Die private Haustechnik vollzieht jetzt nach, was vor etwa 15 Jahren mit der strukturierten Verkabelung in Bürogebäuden begann. Die internationale Norm ISO/IEC 15018 beschreibt eine offene Infrastruktur für die Hausversorgungsnetze und ist hierarchisch aufgebaut. Sie steht kurz vor der Verabschiedung und behält die Funktionstrennung der vier Netztypen zur Strom- und Fernsehverteilung, Hausgerätesteuerung und Multimediavernetzung bei. ‘Der Versuch, alles in ein Netz zu zwängen, ist müßig’, erläuterte der Normungsexperte Walter von Pattay in Berlin. Dazu sind die Ansprüche der Anwendungen zu unterschiedlich: Die Bandbrei-te von Powerline-Übertragung (PLC) reicht für die TV-Verteilung nicht aus, und die niederbitratige Hausautomatisierung direkt ins LAN einzubinden wäre technischer Overkill. Dort wo es sinnvoll ist, steht die neue Norm dem Zusammenwachsen jedoch nicht im Weg.
‘Zuerst kommt wahrscheinlich die Vernetzung von Geräten der Unterhaltungselektronik’, meinte Jonathan Cluts, Microsofts Director eHome Consumer Prototyping and Strategy (www.microsoft.com/windows/ehome/), zum Auftakt der Veranstaltung. Bill Gates hatte bereits Anfang Juli auf der CES in Las Vegas das Konzept ‘Freestyle’ angekündigt: Windows XP als Schaltzentrale der in TV-, Video- und DVD-Geräten verteilten Intelligenz und zur Verlagerung der Multimedia-Erlebnisse per Fernbedienung vom PC auf alle Räumlichkeiten. Das Produkt heißt inzwischen Windows XP Media Center Edition und soll Ende des Jahres in den USA und Kanada, Anfang 2003 dann in Europa erscheinen.
Bei T-Systems Nova endet das intelligente Haus nicht an der Eingangstür. Mit ihrer Plattform T-TeleHome will die hundertprozentige Telekom-Tochter noch einen Schritt weiter gehen und über ein Service-Portal die gesamte Haustechnik an das externe Telefonnetz oder Internet anbinden. Darüber können Bewohner oder Dienstleister das Heim von Ferne überwachen und einzelne Geräte per Handy oder Webbrowser fernsteuern. Das führte T-Nova vom Messestand zum inHaus Duisburg mit Alarm-Benachrichtigung, dem Schalten einzelner Geräte, der Fernwartung und Programmierung eines Videorecorders vor.
Den attraktiven Markt der Ferndiagnose und Hausüberwachung haben viele im Visier: So schlägt das modular aufgebaute Service Gateway H-1000 der Kölner Emness AG mit EHS-, LON- und WLAN-Adaptern nicht nur eine Brücke zwischen unterschiedlichen Hausnetzstandards, sondern dient via GSM-Mobilfunk und DFÜ-Modem auch als Residential Gateway. Es arbeitet mit Linux, Java und dem Service Management Framework (SMF) des Kooperationspartners IBM.
Die Prosyst AG stellte ihre Smart Home Suite vor, ein Paket aus Embedded-Software, Entwicklungsumgebung und Administrationstools, mit dem Gerätehersteller ihre Steuerungen an die verschiedenen Standards und Protokolle anpassen können. Der britische Kooperationspartner Homeportal Inc. zeigte seinen Homeportal Server 1.0, der auf Prosysts Remote-Access-Plattform Anwendungen und Dienste für Home Service Provider anbietet.
Deren Geschäftsmodell beruht letztlich - nicht unähnlich dem von Steuerberatern - auf der Komplexität des Themas. Undenkbar, dass der Privatkunde den Zugriff auf einzelne Komponenten seines Home Networks konfiguriert und selbst die Firewall einrichtet, damit Versorger Verbrauchsdaten erfassen können, der Wachschutz Alarmanlagenmeldungen bekommt oder der Arzt per Telemedizin die Blutwerte des bettlägerigen Patienten einholt. Den Knoten wollen die Home Service Provider auflösen, indem sie als Mittler die Dienste bündeln und dem Kunden ein Web-Interface zur Administration seines Hausnetzes zur Verfügung stellen.
Das dafür nötige, bei jeder Gelegenheit wie ein Gütesiegel herausgestellte Merkmal heißt ‘OSGi-kompatibel’. In der vor drei Jahren ins Leben gerufenen Open Services Gateway Initiative haben sich rund 50 Firmen zusammengeschlossen, darunter Motorola, Sun, Telekom, Siemens und Toshiba. Sie wollen über das Zusammenspiel von Netzen hinaus den interoperablen Austausch von elektronischen Dienstleistungen standardisieren (www.osgi.org). Die jetzt vorliegende Spezifikation 2.0 versucht, mit der Definition von Anwendungs-Programmierschnittstellen (APIs) eine einheitliche Schicht zu schaffen, die den bunten Zoo von Hausnetztechniken - Bluetooth, WLAN, IEEE 1394, HAVi, EIB, X10, HomeRF, Jini, UPnP - verdeckt.
Bislang ist das vernetzte Eigenheim noch ein Minimarkt. Nach den auf der e/home genannten Zahlen wurden 2001 weltweit mit Hard- und Software erst 1,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Dagegen gehen Sonnenbrillen jährlich für 20 Milliarden Dollar über den Tresen. Doch die Prognosen zeigen alle nach oben, Schätzungen zufolge soll das Marktvolumen bis 2006 auf 7 bis 13 Milliarden Dollar ansteigen. Allein im deutschsprachigen Raum, so schätzen Fachleute, bieten sich rund 50 Millionen Wohnungen, Häuser und Kleingewerbestätten zur Hausvernetzung an. ‘In etwa zehn Jahren’, ist inHaus-Projektleiter Klaus Scherer überzeugt, ‘wird das intelligente Haus für jedermann eine Selbstverständlichkeit sein’. (ea)
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