Ein Ausfall des Computers versetzt seinen Besitzer schnell in Panik - vor allem, wenn der Rechenknecht für Beruf oder Ausbildung unentbehrlich ist. Viele PC-Krankheiten lassen sich aber mit etwas Fachwissen heilen.
Abstürze, Bluescreens, kryptische Fehlermeldungen, unerklärliche Neustarts oder schlichte Befehlsverweigerung: Die Liste der Computer-Pannen ist lang. Man könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass die Chips im PC ihre Abermillionen Transistoren vor allem dazu nutzen, möglichst heimtückische Fehler auszutüfteln. Gemessen an der enormen Komplexität aktueller x86-Computer - nicht nur in Bezug auf die Hardware, sondern auch auf die Software - ist die Ausfallrate jedoch eher gering. Diese Tatsache tröstet zwar wenig, wenn der eigene PC streikt; man sollte die gigantische Zahl potenzieller Fehlermöglichkeiten jedoch im Hinterkopf behalten, falls man eigene Diagnose- und Reparaturversuche wagt: Wenn man sein Blickfeld dabei von vornherein auf wenige vermutete Fehlerursachen einengt, kommt man womöglich nie ans Ziel. Andererseits ist es unmöglich, wirklich alle denkbaren Fehlerquellen durch sorgfältige Prüfung auszuschließen.
Die Erfolgschancen der PC-Fehlersuche erreichen also niemals die magische 100-Prozent-Grenze; man braucht neben viel Geduld und Sorgfalt eben auch ein bisschen Glück. Diesem kann man auf die Sprünge helfen, wenn man nicht bloß ziellos im PC herumstochert, sondern die häufigsten Fehlerquellen systematisch abklopft. Auf den folgenden Seiten finden Sie einen Leitfaden, mit dem sich viele typische Hardware-Probleme von x86-Computern enttarnen lassen. Weil manche PC-Pannen auch mit Treiber-Bugs zusammenhängen, gibt es auch einige Tipps zu Windows-Treibern. Das Ziel ist eine stabile PC-Plattform mit sauber laufendem Betriebssystem.
Wenn der PC ernsthaft muckt und nicht bloß sporadische Abstürze oder „Hänger“ auftreten, muss man zuallererst wichtige Daten in Sicherheit bringen. Festplattendefekte gehören zu den häufigsten Fehlerquellen bei PCs (und vor allem Notebooks). Dazu bedrohen Bedienungsfehler (versehentliches Löschen, Überschreiben oder Partitionieren) die Datensicherheit. Vor allen Diagnose-Versuchen, ganz besonders vor Eingriffen in die System-Hardware, sollte man also seine Daten von der Festplatte auf ein sicheres Backup-Medium kopieren, etwa einen USB-Speicherstick, eine andere Festplatte oder CDs beziehungsweise DVDs. Falls das defekte System auch mit einem alternativen Betriebssystem keinen Zugriff auf die Festplatte(n) erlaubt, muss man diese ausbauen und an einen anderen Computer anschließen. Dabei leistet ein externes Festplattengehäuse mit USB- oder FireWire-Anschluss gute Dienste [1]; mittlerweile gibt es auch Ausführungen für SATA-Laufwerke [2] und USB-IDE-Adapter ohne Gehäuse drum herum [3].
Von den einzelnen Partitionen der Festplatten aus dem kaputten PC fertigt man möglichst komplette Kopien an („Images“). Sofern allerdings das Laufwerk selbst im Verdacht steht, defekt zu sein, sollte man zunächst versuchen, die wichtigsten Daten zu retten - möglicherweise läuft die Platte nur noch wenige Minuten lang. Nach dem Kopieren der wichtigen Daten kann man dann probieren, ob sich das Laufwerk noch sektorweise auslesen lässt - einige Disk-Imaging-Werkzeuge kennen dazu einen Rettungsmodus, aber es gibt auch Spezialwerkzeuge wie das DOS-Tool h2copy oder dd_rescue unter Linux (siehe Soft-Link). Manches Partitions-Kopierwerkzeug [4] bleibt beim Versuch, Daten aus defekten Festplattenbereichen zu lesen, einfach hängen - damit gehen wertvolle Sekunden verloren, was bei einem sterbenden Laufwerk fatal sein kann. Wenn nichts mehr geht, können nur noch professionelle Datenrettungslabors weiterhelfen; die Kosten hierfür schnellen aber rasch auf mehrere tausend Euro hoch.
Langwierige und nervenzermürbende Datenpuzzles lassen sich nur mit stets aktuellen Backups [5] sowie einer sorgfältig strukturierten Datenhaltung [6] sicher vermeiden. Deshalb ist es empfehlenswert, eigene Dateien unter Windows eben nicht unter „Eigene Dateien“ auf der Systempartition (meist Laufwerk C:) abzulegen, sondern auf einer separaten Datenpartition. Das erleichtert sowohl regelmäßige Backups als auch im Falle eines Ausfalles die Suche nach Datenbruchstücken.
Äußerst hilfreich kann auch ein parallel installiertes Notfall-Windows sein, das auf die eigentliche „Nutz-Partition“ zugreifen kann, falls diese nicht mehr auf die Beine kommt. Hält man ein solches Zweit-Windows (dazu später mehr) schön schlank und aktuell und fertigt regelmäßig Sicherungskopien an, eignet es sich auch zum gefahrlosen Test von Treibern und Software. Geht es nur um die Systemrettung, genügt auch ein Live-Betriebssystem von CD [7, 8, 9] oder ein Schmalspur-Linux.
Wenn alle Daten in Sicherheit sind, kann die eigentliche Arbeit am ausgefallenen Computer beginnen. Dabei führt planvolles Vorgehen schrittweise vom Einfachen zum Komplizierten und von den häufigen Fehlerquellen zu den selteneren. Auf die bereits erwähnte Datensicherung folgt die Lektüre der Gerätedokumentation. Erst dann sollte man sich mit der Hardware materiell auseinander setzen. Hier wiederum steht die Prüfung der Stromversorgung, ohne die der PC schließlich nicht laufen kann, vor der tiefer gehenden Untersuchung einzelner Komponenten und ihrer Konfiguration. Ein schriftliches Protokoll der Diagnosestufen hilft, den Überblick zu behalten und bringt Vorteile, wenn man defekte Geräte beim Händler oder Hersteller reklamiert.
Bevor man viel Zeit (und oft auch Geld) mit Hersteller-Hotlines verplempert, sollte man die gesamte verfügbare Dokumentation durcharbeiten. Dazu gehören alle Anleitungen und Datenblätter zum PC, auch die hoffentlich selbst notierten Änderungen der ursprünglichen Konfiguration - so manches hartnäckige Einstellungsproblem hat seine Ursache darin, dass der Anwender Automatikfunktionen eigenhändig abgeschaltet hat. Der Autor ist selbst schon oft in solche Fallen getappt: Im BIOS-Setup des Mainboards manuell konfigurierte PCI-Interrupt-Leitungen oder Laufwerksparameter verhindern beispielsweise die Erkennung neuer Komponenten, die sorgfältig konfigurierte Firewall im DSL-Router tut, was sie soll und schluckt an unbekannte Ports adressierte Pakete kommentarlos.
Auch die Internet-Suche nach Informationen zur defekten Hardware liefert oft hilfreiche Verweise. Nach den Hersteller-Webseiten sollte man unbedingt auch Web-Foren (vor allem die der Mainboard- und Prozessor-Hersteller) und News-Groups per Suchmaschine abgrasen. Lesen, mitdenken und verstehen helfen bei der Fehlersuche besser als wütende Anrufe bei einer überlasteten Hersteller-Hotline; zudem erspart man sich vielleicht sehr peinliche Momente.
Manche Ausfälle lassen sich vermeiden, wenn man seinen PC ab und zu wartet und auf typische Fehleranzeichen achtet. Aktuelle Rechner, die schon im unbelasteten Zustand mindestens 60 Watt elektrischer Leistung konsumieren und unter Volllast mehr als 200 Watt verheizen, benötigen eine stets funktionsfähige Kühlung. Vor allem auf flauschigen Teppichen, in Zimmern von Rauchern oder in selten vom Staubsauger besuchten Studentenbuden setzen sich die Luftkanäle ziemlich schnell mit Staub zu. Es kann sich also vor allem im Hochsommer lohnen, den Rechner vorsichtig zu reinigen. Bei Arbeiten am offenen (und dann vom Stromnetz getrennten) PC sollte man aber darauf achten, keine elektrischen Kontakte zu berühren, auch nicht mit dem Staubsaugerrohr.
Einige Handhabungshinweise zu elektronischen Baugruppen fallen ebenfalls in die Rubrik Vorbeugung: Beim Handhaben von PC-Steckkarten, Speichermodulen, Mainboards oder Festplatten ist die Berührung aller metallischen Kontaktflächen tabu. Elektrostatische Ladungen, wie man sie etwa vom Ausziehen von Wollkleidung oder vom Gehen auf Synthetik-Teppichböden kennt, sind für Halbleiterchips sehr gefährlich. Deshalb schreiben die meisten Hardware-Hersteller vor, dass man bei der Baugruppenmontage ein elektrisch leitfähiges Armband tragen soll, das über einen „hochohmigen“ Ableitwiderstand mit der Schutzerde der Elektroinstallation verbunden sein soll. Für kleinere Arbeiten reicht es nach unserer Erfahrung allerdings aus, vor dem Anfassen elektronischer Baugruppen den eigenen Körper durch das Berühren eines geerdeten Metallkörpers - meistens wohl eines Heizkörpers oder eines elektrischen Gerätes mit geerdetem Metallgehäuse - zu entladen.
Ebenfalls Schäden vorbeugende Wirkung haben ein sauberer Hardware-Aufbau des PC sowie eine möglichst übersichtliche Verkabelung der Peripheriegeräte. Beschriftete Kabelenden schützen davor, versehentlich den falschen Stecker aus der Buchse zu ziehen.
Zu guter Letzt sollte auch klar sein, dass sämtliche Übertaktungsfunktionen bei der Fehlersuche abgeschaltet sein müssen. Es heißt nun einmal Übertaktung, weil die Arbeitsfrequenz jenseits der vom Hersteller maximal zugelassenen Betriebsfrequenz des jeweiligen Bauteils liegt. Darunter fällt auch der Betrieb von Speichermodulen mit kürzeren Latenzzeiten, ebenso das Absenken der Prozessorkernspannung zum Zwecke des Energiesparens.
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[1] Boi Feddern, Mobilmacher, Externe Festplattenleergehäuse von 2,5 bis 5,25 Zoll, c't 19/04, S. 146
[2] Boi Feddern, Flexibler Rahmen, externes Gehäuse mit USB-Anschluss für 3,5-Zoll-Festplatten mit SATA- oder PATA-Interface, c't 20/05, S. 73
[3] Boi Feddern, Übersetzer, USB-IDE-Adapterkabel UD 200 von Goodway (rund 45 Euro bei Arp Datacon oder Partsdata), c't 5/05, S. 65
[4] Karsten Violka, Notfallkonserven, Vier Festplatten-Imager im Praxistest, c't 2/05, S. 170
[5] Axel Vahldiek, Jo Bager, Backup per Knopfdruck, Eigene Dateien unter Windows sichern, c't 8/03, S. 160
[6] Axel Vahldiek, Abwehrkräfte, Windows installieren und sichern, c't 26/03, S. 96
[7] Karsten Violka, Notfall-Windows selbst gebacken, Der PE Builder bringt Windows auf eine bootfähige Live-CD, c't 18/05, S. 122
[8] Karsten Violka, Henk de Jong, Windows XP live auf CD, Die ultimative Rettungs-CD mit Windows PE, c't 2/04, S. 180
[9] Projektseite zur PE-Builder-c't-Edition: www.heise.de/ct/projekte/pebuilder/
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