OpenSuse Leap 42.1: Der Nachfolger von OpenSuse

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Bei der neuen OpenSuse-Distribution Leap liefert Suse Linux Enterprise den technischen Unterbau. Die Anwendungen hingegen stammen aus der Rolling-Release-Distribution Tumbleweed und sind auf der Höhe der Zeit.

Das OpenSuse-Projekt hat die erste Version der Linux-Distribution Leap freigegeben. Die wichtigste Neuerung des Nachfolgers der als OpenSuse bekannten Distribution ist versteckt: Das Basissystem von Leap besteht weitgehend aus Software-Paketen, die Suse Linux Enterprise 12 (SLE12) in Kürze mit dem Service Pack 1 (SP1) erhält. Viele dieser Komponenten sind daher älter oder so alt wie beim Vorgänger OpenSuse 13.2.

Viele Desktop-Anwendungen hingegen sind aktuell: Sie stammen aus Tumbleweed, das seit einem Jahr als Rolling-Release-Distribution des OpenSuse-Projekts funktioniert. Anders als in Tumbleweed, das stets die aktuellen Programmversionen enthält, sollen Anwendungen in Leap aber nicht permanent aktualisiert werden. Stattdessen sollen sie erst mit neuen Leap-Version größere Versionssprünge machen.

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich weitere Unterschiede zum Vorgänger: Von CD/DVD oder USB-Stick direkt ausführbare Live-Fassungen gibt es von Leap ebensowenig wie eine Variante für 32-Bit-x86-Systeme (x86-32). Anders als beispielsweise Ubuntu muss man das für 64-Bit-x86-Systeme erhältliche Leap daher klassisch installieren, um es ausprobieren zu können.

Das Fehlen von Live- und x86-32-Varianten sind Folgen des neuen Unterbaus, denn diese Varianten gibt es auch bei Suse Linux Enterprise nicht. SLE 12 basiert freilich auf Teilen von OpenSuse 13.1 und 13.2, die es auch als Live-System gab; daher wäre auch für Leap ein Live-System sicherlich realisierbar gewesen.

Richard Brown, der Vorsitzende des OpenSuse-Leitungsgremiums, erklärte gegenüber heise open, man habe die zum Bau der Live- und der 32-Bit-Version erforderliche Arbeitszeit lieber in Qualität der x86-64-Version von Leap investiert. Die Download-Zahlen der Live- und x86-32-Varianten seien ohnehin rückläufig gewesen.

Der Rückgriff auf den SLE-Unterbau soll den OpenSuse-Entwickler die Wartung erleichtern, schließlich versorgen Mitarbeiter des OpenSuse-Sponsers Suse die SLE-Pakete ohnehin mit Korrekturen für Fehler und Sicherheitslücken. Unter den aus SLE übernommenen Paketen sind unter anderem Dinge wie die Standard-C-Library Glibc, der für die grafische Bedienoberfläche zuständige X-Server sowie Compiler und Laufzeitumgebungen wie GCC oder Python.

Anders als ursprünglich vorgesehen übernimmt Leap den Linux-Kernel nicht von SLE12SP1. Stattdessen verwendet die neue Distribution einen Kernel, der auf dem im Juni veröffentlichten Linux-Kernel 4.1 aufbaut, der zwei Jahre Pflege bekommt. Dieser enthält mehr und bessere Treiber als der SLE-12-Kernel, der auf dem vor zwei Jahren veröffentlichten Linux 3.12 aufbaut; bei ihm hat Suse zwar einige, aber längst nicht alle Treiber aktualisiert.

Auch die standardmäßig installierten 3D-Treiber von Mesa übernimmt Leap nicht aus SLE12SP1; die OpenSuse-Entwickler haben stattdessen Mesa 11.0 integriert. Damit ist Leap 42.1 hier auf dem gleichen Stand wie das Ubuntu 15.10 und Fedora 23, die beide nur wenige Tage vor der ersten Leap-Version erschienen sind. Genau wie beim neuen Fedora beherrschen die quelloffenen AMD-Grafiktreiber bei Leap OpenGL 4.1.

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