Auch wenn Marktforscher im Detail zu unterschiedlichen Prognosen kommen, einig sind sie sich alle darin, dass der Markt für biometrische Erkennungssysteme vor einem Boom steht und sich die Umsätze (weltweit 119 Millionen US-Dollar im Jahr 2000) bis zur Mitte des Dezenniums vervielfachen werden. Grund: stark wachsender Bedarf nach IT-Sicherheitssystemen - zusätzlich noch gesteigert durch die Anschläge des vergangenen Septembers.
Die biometrische Personenidentifizierung setzt auf Kör-per- und Verhaltensmerkmale, in denen sich Menschen mit hochgradiger (aber nicht zweifelsfreier) Sicherheit unterscheiden lassen, etwa: Fingerabdruck, Gesicht, Iris, Stimme, Unterschriftdynamik. Als bedeutendster Sektor gilt die Fingerabdrucktechnik; ihr prophezeit das Marktforschungsunternehmen Frost and Sullivan einen 50-prozentigen Marktanteil im Jahre 2006. Mit Abstand folgen Stimm- und Gesichtserkennung. Die Erfolgsaussich-ten der Iris-Analyse hingegen schätzen die Analysten nur gering ein. Nicht von ungefähr finden sich diese Relationen auch auf der CeBIT wieder, wo ganz eindeutig Verfahren zur Fingerbildanalyse dominieren.
Nicht mehr ganz neu ist die am USB-Port von Windows-Rechnern anzuschließende ID Mouse Professional (c't 21/99, S. 116) von Siemens, welche beispielsweise bei der Systemanmeldung das Passwort durch einen Fingerprint-Check ersetzt. Auch Applikationen oder Office-Dokumente lassen sich auf diese Weise schützen.
Eine andere Anwendung dieser Technik erarbeitet Siemens in Zusammenarbeit mit dem Automobilhersteller Audi. So lässt sich der in der Mittelkonsole eines Autos angebrachte Sensor nicht nur dazu nutzen, auf ‘eindeutigen’ Fingerdruck die Wegfahrsperre aufzuheben, sondern zugleich auch sämtliche individuellen Einstellungen zu aktivieren: von der Sitzstellung bis zum Lieblingssender im Radio.
Ebenfalls in Kooperation mit Siemens stellt die österreichische Firma Ekey Biometric Systems ein Online-Banking-Verfahren mit Fingerabdruck vor. Die Erstregistrierung erfolgt in den Räumen einer angeschlossenen Bank. Bei Transaktionen von zu Hause legitimiert sich der Kunde per Finger-Scan. Während die persönlichen Daten des Kunden bei der Bank verbleiben, geschieht der Abgleich mit den Referenzdaten jeweils bei Ekey. An den Start gehen soll das System im Herbst, zunächst beschränkt auf Österreich.
Weitaus weniger verbreitet ist das Authentisierungs-Verfahren der US-amerikanischen Firma Nuance: Ihr Programm Verifier 3.0 nutzt nicht Finger-, sondern Sprachabdrücke als Identifizierungskriterium. Basierend auf den individuell ausgeprägten Lautbildungsmerkmalen wie Stimmbandlänge oder Kehlkopfgröße sowie persönlichen Artikulations- und Aussprachegewohnheiten des Menschen bringt es der Verifier nach Firmenangaben auf eine Falscherkennungsrate von unter 0,1 Prozent. Das Nuance-Produkt analysiert den Energieverlauf und die spektrale Entwicklung beim Sprechen und vergleicht dieses Muster mit einer hinterlegten Sprachprobe. Gedacht ist der Verifier unter anderem für Institutionen, deren Mitarbeiter häufig finanzielle Transaktionen über das Telefon abwickeln.
Einziger Aussteller mit Iris-Scanning-Technik im Präsentationsgepäck ist Senex aus Süd-Korea. Ihr neues ID-System TrueEYE zeichnet per Infrarotkamera das menschliche Irismuster auf, digitalisiert dieses und entscheidet, ob der anschließend generierte Code mit einem Datenbankeintrag übereinstimmt. TrueEYE, das mit einer Datenmenge von 128 Byte auskommt, um charakteristische Merkmale der Iris aufzuzeichnen, soll laut Senex auch bei Brillen- und Kontaktlinsenträgern einwandfrei funktionieren. Setzt sich der Iris-Scan langfristig durch, wollen die Koreaner ihre Technik auch für das Internet-Geschäft fit machen.
Das Fraunhofer Institut IPSI gewährt auf der CeBIT Einblicke in den aktuellen Forschungsstand bei der Handschriftenerkennung. Mit ihrer Herangehensweise könnten die Darmstädter Wissenschaftler auf einen Spitzengalopper im Biometriewettstreit gesetzt haben - schließlich lässt sich diese Anwendung ohne weiteres auch auf Geräte wie PDAs, Touchscreens oder Grafiktabletts portieren. Ausgerüstet mit spezieller Software analysieren die portablen Computer sowohl Geschwindigkeit als auch Beschleunigung beim Schreiben und vergleichen diese höchst menscheneigene Dynamik in Echtzeit mit Kontrolldaten.
Der Bochumer Anbieter von Systemen zur automatischen Gesichts- und Personenerkennung ZN Vision demonstriert am Siemensstand sein weltweit vermarktetes Zutrittskontrollsystem ZN-Face. Es vergleicht gespeicherte Gesichtsbilder mit Kamera-Shots von Einlass suchenden Personen. Wen das System nicht erkennt, bleibt außen vor. Auch einen richtigen ‘Big Brother’ hat ZN Vision im Programm: Das Videoüberwachungssystem ZN-SmartEye kann auf Flughäfen, in Kaufhäusern und Sportstätten eine unauffällige Überprüfung der Besucher durchführen. Ein ähnliches Aufgabenspektrum umfasst das FaceVACS-Identify von Cognitec. Als Ergänzung zur konventionellen Zugangskontrolle kommt die automatische Gesichtsidentifikation insbesondere in Hochsicherheitsbereichen zum Einsatz. (ae/pmz)
Cognitec, Halle 17, C31/22
Ekey, Halle 18, 1. OG, C15
Fraunhofer Institut IPSI, Halle 11, A14
Nuance, Halle 13, E58
Senex, Halle 9, D82-1
Siemens, Halle 17, F12 sowie Halle 27, C32
ZN Vision, Halle 17, F12 (bei Siemens)
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