14.06.2003
Bei einer Lagebesprechung des US-Verteidigungsministeriums (Department of Defense, DoD) wurde am gestrigen Freitag die Bedeutung des angehenden neuen Protokollstandards für die Internet-Datenkommunikation IPv6 diskutiert. Dem Briefing saßen Pentagon-Sprecher Bryan Whitman und der IT-Chef des Verteidigungsministeriums, John Stenbit, vor.
Im Pentagon laufen Stenbit zufolge zahlreiche Projekte, die dazu führen sollen, die interne Kommunikation durch die intensivere Nutzung von Computernetzwerken zu verbessern. Gerade das Funktionieren des so genannten Future Combat System (FCS) sei von einem funktionierenden Netz abhängig. Derzeit finde sämtlicher Datenaustausch im Internet, und damit auch im Verteidigungsministerium, über IPv4 statt, erklärte er. Das bringe drei schwerwiegende Probleme mit sich, an deren Beseitigung das DoD interessiert sei: Erstens stehe nur eine begrenzte Anzahl von IP-Adressen zur Verfügung. Während in den USA die Adressenknappheit nicht ganz so ausgeprägt sei, würden die Rufe aus Europa nach mehr IP-Adressen immer lauter. Zum zweiten sei es um die Sicherheit von einem Ende der Kommunikationsstrecke zur anderen bei IPv4 nicht sonderlich gut bestellt. Zwar habe die Industrie einige Lösungen präsentieren können, um die Datenübertragung via IPv4 abzusichern, aber diese seien eben nicht Bestandteil der IPv4-Spezifikation. Drittens ließe IPv4 Wünsche nach Quality of Service offen. IPv6 löse diese Probleme und vereine sie in einem angehenden Standard, dessen Einführung von großer Bedeutung für das Verteidigungsministerium sei.
Stenbit führte weiter aus, dass die meisten der zurzeit am Markt erhältlichen Netzwerkkomponenten beide Standards unterstützten. Und so plädiere er für eine mehr oder minder sanfte Migration zu IPv6 bis zum Jahr 2008. Mehr, weil erst einmal Pilotprojekte notwendig seien, um die Praxistauglichkeit des neuen Standards zu testen, und minder, weil bereits heute sämtliche Projekte den Einsatz von IPv6 erwägen müssten, damit zu einem unbestimmten Zeitpunkt, der aber nicht nach 2008 liegen solle, das gesamte DoD-Netzwerk auf IPv6 umgestellt werden könne. Er schätzte, dass der größte Teil der Anlagen im Verteidigungsministerium bereits im Jahr 2005 unter IPv6 laufen werde.
Bei all dem, so Stenbit, komme dem Verteidigungsministerium jedoch in erster Linie die Rolle eines Verbrauchers zu. Die Innovationen und dazugehörigen Produkte müssten aus der Wirtschaft kommen. Auch wenn einige Anbieter lieber in der Vergangenheit weilten, weil sich mit IPv4-Komponenten immer noch treffliche Geschäfte machen ließen, habe die Industrie längst erkannt, dass IPv4 die Ansprüche an moderne Kommunikation nicht mehr erfüllen könne. Zu erkennen sei das an den vielen IPv6-Lösungen, die bereits am Markt verfügbar seien. Wann immer sich abzeichne, dass das Internet auf IPv6 umgestellt werde, solle das Verteidigungsministerium bereit sein, den Umstieg naht- und problemlos mitzumachen. Auf die Frage eines Teilnehmers, mit welchen Kosten denn zu rechnen sei, reagierte Stenbit ausweichend: Zwar müsse das Verteidigungsministerium in neue Software investieren, aber das Kostengerüst im Ganzen werde sich dadurch nicht maßgeblich ändern.
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