Auf der anlässlich der Supercomputer-Konferenz SC05 (siehe S. 22, c't 25/05) präsentierten 26. Top500-Liste konnte IBM den ohnehin großen Vorsprung in der obersten Klasse der Supercomputer noch weiter ausbauen. Mit 280 TeraFlop/s hat das weltschnellste System nun gegenüber der letzten Liste vom Juni 2005 mehr als die doppelte Leistung - bis zu den PetaFlop/s ist es nun nicht mehr weit.
IBM hat die Zahl der Prozessoren im Spitzensystem der Lawrence Livermore National Labs im Herbst auf 131 072 BlueGene-Prozessoren verdoppelt. Mit nunmehr 280,6 TeraFlop/s ist es bezüglich des zugrunde liegenden Linpack-Benchmarks schneller als die auf der Liste folgenden fünf Systeme zusammengerechnet. Auch Platz zwei wird von einem IBM-BlueGene-eServer gehalten, der bestückt mit 40 960 Prozessoren in IBMs Thomas J. Watson Research Center auf 91,3 TeraFlop/s kommt. Und zum Triumph-Einlauf gehört auch noch die Bronze-Medaille: das ASC-Purple-System in den LLN-Labs ist ebenfalls ein IBM-Rechner, aber nicht ein spezieller massivparalleler BlueGene-Zahlenknacker, sondern eine Farm von P5-570-eServern, zusammengesetzt aus 1280 „Squadron“-Knoten mit jeweils acht Power5-1,9-GHz-Single-Prozessoren. Insgesamt kommt die bisherige Ausbaustufe mit ihren 10 240 Prozessoren auf 63,4 TeraFlop/s (bei 7,5 Megawatt Energieaufnahme. Zum Vergleich: Der über viermal so schnelle BlueGene/L verbraucht etwa 3 Megawatt). Bis Jahresende sollen noch 256 Knoten hinzukommen, die das System dann auf 76 TeraFlop/s beschleunigen.
Der Itanium-Cluster „Columbia“ der NASA, mit dem Intel und SGI im vergangenen Jahr den Platz eins erklimmen wollten, ist mit seinen 51,9 TeraFlop/s nun auf Platz vier verdrängt. Insgesamt hat Itanium deutlich an Boden im High Performance Computing verloren: Waren im Juni noch 79 Systeme unter den schnellsten 500 verzeichnet, so sind es jetzt nur noch derer 46. Dennoch konnten Intel-Prozessoren dank zahlreicher Xeons (81 davon mit Xeon-EM64T) genau zwei Drittel aller Top500-Systeme beseelen, vor IBM Power (73) und AMD Opteron (55). Und Intel landete zusammen mit Dell auch einen prestigeträchtigen Überraschungscoup: Der Xeon-Cluster „Thunderbird“ an den Sandia Labs konnte sich mit seinen 8000 Xeon-3,6-GHz-Prozessoren nämlich knapp vor den 10 000 Opteronen im Cray-Cluster „Red Storm“ desselben Instituts platzieren.
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Intel dominiert bei den Prozessoren, aber der Itanium verliert. |
Dann folgt der erste nicht amerikanische Rechner, der japanische Earth Simulator, der jahrelang die Szene mit 35,8 TeraFlops/s angeführt hatte - und schließlich dahinter der schnellste Europäer: der MareNostrum-Rechner in Barcelona, bestückt mit PowerPC970-Prozessoren. Das schnellste deutsche System steht an der Stuttgarter Uni: Der NEC-SX8-Vektorrechner auf Platz 37 erreicht 8,9 TeraFlop/s.
Die Gesamtleistung aller in der Top500-Liste aufgeführten Systeme ist mit 2,3 PetaFlop/s mehr als doppelt so hoch wie im Jahr zuvor. Die Mindestleistung, um auf die Liste zu kommen, ist auf 1,64 TeraFlop/s gestiegen (850 GigaFlop/s im Jahr zuvor).
IBM dominiert mit 43,8 Prozent der Top500-Systeme beziehungsweise mit 52,8 Prozent der Gesamtperformance, gefolgt von HP mit 33,8 Prozent der Systeme, welche aber nur 18,8 Prozent der Gesamtperformance erreichen. HP betont jedoch, dass IBM zwar die Spitzensysteme stellt, der breitere Mittelstand im High-Performance-Markt jedoch fest in HP-Hand sei, sodass summa summarum HP der Marktführer sei.
Die USA bauen ihren großen Vorsprung weiter aus: 305 der 500 aufgelisteten Systeme stehen dort, Europa mit 100 und Asien mit 66 Systemen verlieren ein wenig den Anschluss. Innerhalb Europas gab es im Verlauf des vergangenen halben Jahres eine große Umwälzung zu Ungunsten Deutschlands. War man hier im Juni mit 40 Systemen und 80,4 TeraFlop/s zumindest in der Anzahl an erster Stelle, weit vor Großbritannien mit 32 Systemen (die allerdings mehr Leistung von 85,6 TeraFlop/s aufwiesen), so hat sich das Verhältnis jetzt umgekehrt: Großbritannien führt mit 41 Systemen (124,4 TeraFlop/s) in beiden Aspekten klar vor Deutschland, das nur noch 24 Systeme mit 71,3 TeraFlop/s platzieren konnte. (as)
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Wie bei Pisa - so auch bei den Supercomputern: Deutschland ist nur noch Mittelklasse, hier die Supercomputerperformance der Top500 gewichtet nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP nominal, IWF, Sep. 2004).
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| Die Top Ten der 26. Top500-Liste der Supercomputer | ||||||
| Platz | Rechner (Hersteller) | Betreiber | Land | Platz im Juni 2005 | Prozessoren | Rmax [TFlop/s] |
| 1 | eServer BlueGene (IBM) | DOE/NNSA/LLNL | USA | 1 | 131 072 PowerPC 440, 700 MHz | 280,6 |
| 2 | eServer BlueGene (IBM) | IBM, Thomas Watson | USA | 2 | 40 960 PowerPC 440, 700 MHz | 91,3 |
| 3 | ASC Purple - eServer pSeries p5 570 | DOE/NNSA/LLNL | USA | - | 10 240 Power5, 1,9 GHz | 63,4 |
| 4 | Columbia (SGI) | NASA | USA | 3 | 10 160 Itanium 2, 1,5 und 1,6 GHz | 51,9 |
| 5 | Thunderbird Dell PowerEdge 1850 | Sandia National Laboratories | USA | - | 8000 Xeon, 3,6 GHz | 38,3 |
| 6 | Red Storm (Cray XT3) | Sandia National Laboratories | USA | - | 10 000 Opteron 2,0 GHz | 36,2 |
| 7 | Earth Simulator (NEC) | Earth Simulator Center | Japan | 4 | 5120 NEC SX6 | 35,9 |
| 8 | MareNostrum (IBM) | Barcelona Supercomputer Center | Spanien | 5 | 4800 PPC970, 2,2 GHz | 27,9 |
| 9 | eServer BlueGene (IBM) | ASTRON/Uni Groningen | Niederlande | 6 | 12 288 PowerPC 440, 700 MHz | 27,5 |
| 10 | Jaguar (Cray XT) | Oak Ridge National Labs | USA | 10 | 5200 Opteron, 2,4 GHz | 20,5 |
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