Welche spezielle Attraktion offeriert die deutsche Hauptstadt Rad fahrenden Freunden freier Unix-Derivate? Wer da auf Brandenburger Tor, Grunewald oder Avus tippt, liegt weit daneben: Berlin ist die erste bundesdeutsche Stadt, für die es ein Fahrrad-Routenplanungssystem auf der Grundlage von FreeBSD und Linux gibt.
BBBike, ein 300 KByte großes Perl-Script von Slaven Rezic, erschließt den alltäglich gewordenen Komfort der Sag-mir-wie-ich-fahren-muss-Programme auch solchen Verkehrsteilnehmern, die sich weniger für Autobahnkreuze und Raststätten als eher für Radwege und trickreiche Stauflucht durch Kopfsteinpflastergassen interessieren. Da es sich um freie Software handelt, werden vermutlich viele den Ansatz aufgreifen und auf dieser Basis ein entsprechendes System, wie Rezic es zunächst für Berlin vorgelegt hat, auch für ihre eigene Heimatstadt entwickeln.
BBBike benötigt zur Installation Perl 5.004 oder 5.005. Zusätzlich ist noch Perl/Tk in Version Tk-402.002 oder neuer zu installieren. Darüber hinaus stellt der Routenplaner zumindest für Linux- und FreeBSD-Verhältnisse bemerkenswerte Ansprüche an Rechnerpower und Plattenplatz: Knapp 10 MByte freier Platz auf der Harddisk eines Pentium-PC sollten hier bereitstehen, dazu sind 32 MByte RAM zu empfehlen.
Die Entwicklungsplattform für das Programms ist FreeBSD. Der Quellcode ist in angepasster Form nicht nur für FreeBSD 2.2.8 und Red Hat Linux 5.1, sondern auch für Solaris 2.5 und sogar (mit eingeschränktem Funktionsumfang) für Windows 95/98 und NT 4.0 verfügbar. Windows-Nutzer bekommen BBBike mit dem Perl-5-Package von Activestate zum Laufen. Ein etwas älteres, aber für die Fahrrad-Routenplanung dennoch ausreichendes Perl- und-Tk-Package lässt sich unter der Adresse http://www.perl.com/CPAN/ports/win32/Standard/x86/perl5.00402-bindist04-bc.tar.gz kostenlos aus dem Internet holen. Wer lieber online rechnen lässt, für den steht unter http://user.cs.tu-berlin.de/~eserte/bbbike/cgi/bbbike.cgi auch eine Web-gestützte Version zur Verfügung, die plattformunabhängig im Browserfenster läuft.
Nach der systemüblichen, ohne Besonderheiten abgelaufenen Installation ist der Routenplaner bereit, die Angabe eines Start- und eines Zielpunkts sowie einer optionalen Zwischenposition entgegenzunehmen. Er errechnet dann den optimalen Routenverlauf. Ein- und Ausgabe können sowohl innerhalb einer Grafikoberfläche als auch im reinen Textmodus geschehen. BBBike kennt in der vorliegenden Version etwa 1800 Straßen, was dem Entwickler zufolge alle Hauptstraßen Berlins sowie etliche wichtige Nebenstraßen umfasst.
Neben der detaillierten Wegbeschreibung mit Wegzeiten und Straßennamen liefert das Programm in seiner Ausgabe noch eine ganze Reihe weiterer Informationen über Streckeneigenarten. So zeigt es neben angrenzenden U-Bahn-Stationen sogar Ampelschaltungen, informiert über die Straßenqualität und berücksichtigt diese bei der Zeitberechnung. Auch die aktuelle Witterung, die ein Server im Internet liefern soll, möchte BBBike in die Berechnung einbeziehen. Das funktionierte im Test jedoch weder mit der Linux- noch mit der Windows-Installation, was möglicherweise an vorübergehenden Problemen des betreffenden Internet-Servers lag.
Eine Dokumentation zu dem Fahrrad-Routenplanerprojekt ist übrigens online unter der Adresse http://pub.cs.tu-berlin.de/src/BBBike/README.de.html verfügbar. (psz)
BBBike 2.67, Freeware unter GPL für FreeBSD, Linux und weitere Plattformen, Download unter http://pub.cs.tu-berlin.de/src/BBBike/
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