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Strategien zur Verteidigung der Online-Privatsphäre

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Wer sich in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter betätigt, sollte genau abwägen, welchen Nutzerkreisen er welche Inhalte zukommen lässt. Aber auch über Internet-Abstinenzler können schützenswerte Informationen ins Netz sickern.

Schöne neue Online-Welt: Soziale Netzwerke wie Facebook machen es so einfach wie nie, sich mit Geschäftspartnern und Freunden zu vernetzen und alte Schulfreunde wiederzufinden. Mit (Mikro-)Blogdiensten wie Twitter oder Tumblr wird Otto Normalsurfer zum Publizisten: Im eigenen Blog kann jedermann seine Meinung zu aktuellen Themen veröffentlichen.

So nützlich und unterhaltsam das Mitmachweb auch sein mag; seine offene Atmosphäre und die einfache Bedienbarkeit bergen auch das Risiko, zu viel preiszugeben. Dieser Artikel soll ein wenig für die Datenschutz-Risiken des Mitmachwebs sensibilisieren. Am Beispiel meiner Einstellungen für Facebook zeigt er, wie man seine persönlichen Informationen verwaltet.

Etliche Benutzer haben die Erfahrung, im Internet zu offen zu sein, bereits auf die harte Tour machen müssen. Der Engländer zum Beispiel, der am 6. Januar erfuhr, dass der Flughafen, von dem er wenig später fliegen wollte, wegen schwerer Schneefälle vorübergehend geschlossen werden sollte. Frei übersetzt, twitterte er: „Robin-Hood-Flughafen ist geschlossen. Ihr habt gut eine Woche, um euren Scheiß auf die Reihe zu kriegen, sonst sprenge ich den Flughafen in die Luft!!“. Die Polizei nahm ihn beim Wort, verhaftete ihn und verhörte ihn stundenlang. Er wurde schließlich wegen des Versendens „einer bedrohlichen Nachricht“ zu einer Strafe von 1000 britischen Pfund verdonnert und verlor seinen Job.

Dieses Beispiel ist zugegebenerweise extrem; allerdings wirft es in seiner Radikalität ein Licht auf ein grundlegendes Problem, das viele Nutzer mit sozialen Medien zu haben scheinen: Es mangelt an einem Gefühl, einem sechsten Sinn für die Privatsphäre im digitalen Raum. Der Twitterer war davon ausgegangen, dass nur seine 600 Follower seine Tweets lesen können. Pech für ihn, dass ein Mitarbeiter des Flughafens mit der Twitter-Suchmaschine nach dem Namen des Airports fahndete, das Posting fand und es der Polizei meldete.

Und so passiert es täglich massenweise, dass Menschen, die Fremden auf der Straße nicht einmal den Wohnort verraten würden, in ihren Online-Profilen wie selbstverständlich vom Foto und dem Geburtsdatum über die Telefonnummer und der politischen Einstellung bis hin zum Beziehungsstatus und der sexuellen Ausrichtung intimste Informationen für jedermann zugänglich machen.

Insbesondere die sozialen Netzwerke üben einen subtilen Druck aus, der den Benutzer bei der Stange halten und ihn dazu bewegen soll, sich mit immer mehr Informationen zu verewigen. Wer zum Beispiel bei Xing nicht jedes Feld seiner Profilseite komplett ausgefüllt hat, der wird deutlich auf den Mangel hingewiesen: „Ihr Profil ist zu 71% vollständig“. Facebook macht Mitgliedern neue Vorschläge zu potenziellen Freunden; hat der Benutzer mit einem Kontakt für längere Zeit nicht kommuniziert, schlägt der Dienst vor: „Tritt mit ihm wieder in Verbindung.“ Und Xing wie Facebook informieren Nutzer per E-Mail über neue Kontaktanfragen oder neue Nachrichten auf der Statusseite.

Es macht natürlich auch Spaß, sich online mit seinen Bekannten zu vernetzen. Dass auch Fremde mit den Standardeinstellungen der sozialen Netzwerke etliche der eingestellten Informationen sehen können – damit setzen sich Benutzer allerdings oft nicht auseinander. Das hat unter anderem damit zu tun, dass man sich bei Facebook und Co. einloggen und mit seinen Freunden explizit verknüpfen muss, was das Gefühl vermittelt, geschützt innerhalb eines geschlossenen Systems zu agieren.

Die sozialen Netze machen viele Informationen aber mittels eigener Suchmöglichkeiten und öffentlicher Profilseiten der Allgemeinheit zugänglich. Damit können Suchmaschinen wie Google darauf zugreifen. Über Programmierschnittstellen können externe Dienste den Datenstamm sogar besonders komfortabel durchforsten.

Bei populären Diensten wie Twitter und Facebook hat sich bereits ein regelrechtes Ökosystem von Zweitverwertern herausgebildet, die sich des jeweiligen Datenstamms bedienen und alle erdenklichen Analysen damit gestatten. Twitnest zum Beispiel scannt das Twitter-Netzwerk eines Nutzers und analysiert es nach zusammenhängenden Nutzergruppen (siehe c’t-Link). Klout ermittelt die wichtigsten Begriffe und Themen, mit denen sich ein Twitterer auseinandersetzt, welche anderen Twitter-Mitglieder ihn beeinflussen und durch welche er beeinflusst wird. Mit solchen Tools lässt sich schon ein sehr detailliertes Bild der Interessen und des Twitter-Freundeskreis eines Nutzers zeichnen.

Vergrößern Ob diese Facebook-Nutzer so offenherzig posten würden, wenn sie von Suchmaschinen wie Openbook wüssten?

Einige solcher Zweitverwerter machen explizit auf Datenschutzprobleme aufmerksam. Openbook soll vor zu laxen Einstellungen und zu leichtfertigen Status-Updates bei Facebook warnen. Der Dienst durchsucht die Gesamtheit aller für die Öffentlichkeit freigegebenen Updates sämtlicher Mitglieder im Volltext. Ob wirklich jeder Updates der Art „am Wochenende total besoffen gewesen, abgekotzt“ auf seinem Profil veröffentlichen würde, wenn er wüsste, dass sein Chef gezielt nach einschlägigen Begriffen suchen kann?

Jetzt könnte man ja einwenden, dass so ein peinlicher Beitrag kein wirkliches Problem sei: Man löscht ihn und er ist aus der Welt. Aber leider ist dies nicht so einfach, das Internet hat keinen Löschknopf. Sobald ein Beitrag erst einmal veröffentlicht wurde, können zum Beispiel Suchmaschinen-Robots auf ihn zugreifen. Wurde eine Seite erst einmal indexiert, lebt sie in Caches wie dem von Google oder dem Internet Archive weiter – das letztere ist sogar auf zeitlich unbeschränkte Archivierung ausgelegt.

Und dann gibt es noch Facebook-„Freunde“ oder andere Surfer, die Beiträge kopieren und wiederveröffentlichen. In den USA hat man auf diese Weise die Chance, mit Postings zu ungewollter Popularität bei einem Dienst wie Failbook oder dem Facebook Fail Blog zu kommen. Diese Dienste sammeln besonders peinliche oder dämliche Beiträge – immerhin anonymisiert.

Oft ist es unmöglich, einen erst einmal veröffentlichten Beitrag wieder ungeschehen zu machen. Deshalb sollte sich jeder, bevor er sich auf einer sozialen Plattform betätigt, mit deren Datenschutzeinstellungen vertraut machen, um Beiträge nur für die Mitgliederkreise zu öffnen, denen man vertraut. Facebook hat vor kurzem seine Seite für die Datenschutzeinstellungen renoviert. Exemplarisch soll hier daran erklärt werden, worauf man achten sollte.

Vergrößern Facebooks Datenschutzübersicht gibt nur einen groben Überblick.

Unter „Konto/Privatsphäre“ zeigt Facebook in einer tabellarischen Übersicht, welche Inhalte des Mitglieds welche anderen Nutzerkreise oder gar die Allgemeinheit zu Gesicht bekommen. Die von Facebook empfohlenen Einstellungen sind sehr lax. Sie sehen zum Beispiel vor, dass jedermann die Fotos und den Familienstand zu Gesicht bekommt.

Sie können jederzeit Facebooks Einstellungsempfehlungen sehen, indem Sie auf die Schaltfläche „Empfohlen“ klicken. Davon bleiben die eigenen Einstellungen unberührt; diese kommen wieder zum Vorschein, wenn Sie auf „Benutzerdefiniert“ klicken. Eine allgemeingültigen Empfehlung zu den Datenschutzeinstellungen bei Facebook für jedermann gibt es nicht. Die Screenshots geben als recht konservative Richtschnur meine eigenen Einstellungen wieder.

Der Punkt unter „Andere“ bei „Religiöse Ansichten und politische Einstellung“ ist irreführend, da ich diese Informationen nur für Freunde freigegeben hatte. Wer also in der Übersicht einen Punkt bei „Andere“ findet, sollte auf jeden Fall unter „Benutzerdefinierte Einstellungen“ nachsehen, was Facebook meint. Denn erst dort erfährt er, wofür das „Andere“ eigentlich steht. In den benutzerdefinierten Einstellungen lässt sich für jedes Feld der Profilseite festlegen, wer es sehen kann.

Apropos „Religiöse Ansichten und politische Einstellung“: Dieses und einige weitere Felder habe ich leer gelassen, etwa auch den „Beziehungsstatus“ oder „Familienmitglied“. Solche Informationen gehen ausschließlich Menschen etwas an, die ich auch außerhalb von Facebook kenne und mit denen ich im echten Leben über diese Themen sprechen kann. Auf diese Weise kann es mir nicht passieren, dass ich die Informationen aus Versehen für die falschen Nutzerkreise freigebe.

Oberhalb der Tabelle findet sich der Punkt „Allgemeine Informationen“ mit dem Link „Einstellungen anzeigen“. Er führt zu weiteren Einstellungsmöglichkeit, die man, anders als der Link suggeriert, sich nicht nur anzeigen lassen, sondern auch verändern kann. Warum Facebook diese Optionen auf eine eigene Seite auslagert, bleibt das Geheimnis des Betreibers. Ich habe die Sichtbarkeit meiner Freundesliste auf „Nur Freunde“ gesetzt: Nicht jeden, der auf meinem Profil landet, geht es etwas an, mit wem ich verknüpft bin.

Ärgerlicherweise stellt Facebook Anwendungen die Freundesliste immer zur Verfügung. Außerdem weist das soziale Netzwerk darauf hin, dass die Verknüpfungen „unter Umständen an anderer Stelle ebenfalls sichtbar sein“ können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn andere Nutzer andere Vorgaben für deren Freundesliste haben. Dann wird man in deren Freundesliste angezeigt, gegebenenfalls auch in den öffentlichen. Wer das vermeiden will, muss die Option „Möglichkeit auf Facebook nach mir zu suchen“ auf „Nur Freunde“ einschränken. Nützlich ist die Funktion „Vorschau für mein Profil“. Dort zeigt Facebook, wie das eigene Profil bei anderen Nutzern erscheint – eine gute Möglichkeit, zu prüfen, ob eine Einstellung übersehen wurde.

Auch die Einstellungen für Anwendungen, Spiele und Webseiten befinden sich auf einer eigenen Seite. Zu ihr findet man über den Link bei „Anwendungen und Webseiten“ links unter der Tabelle auf der zentralen Datenschutz-Seite. Anwendungen benutzen Facebook als Plattform; die Betreiber sind aber Dritte. Die Inhalte, die man auf Facebook einstellt, können das soziale Netzwerk also verlassen, wenn man den Betreibern von Spielen den Zugriff darauf gestattet.

Nach der letzten Umstellung der Datenschutzoptionen sollen Anwendungen und Webseiten angeben, auf welche persönlichen Daten sie zugreifen wollen, und sich dies erlauben lassen – mit einer Einschränkung: Ausgerechnet auf die mitunter schützenswerteste Information, die Freundesliste, haben Anwendungen immer Zugriff. Ich habe daher, nachdem Facebook dies ermöglicht hat, den Zugriff der Anwendungsplattform für meinen Account komplett deaktiviert.

Wer die Plattform nicht deaktiviert, sollte wissen, dass dann mitunter die Anwendungen von Freunden auf seine Daten zugreifen können – sogar, wenn er selbst keine Anwendung einsetzt und sich mit keiner Webseite verknüpft. Daher sollte man unter „Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind“ keine Häkchen setzen. Entsprechend sollte man auch die „Umgehende Personalisierung“ ausgeschaltet lassen, die einigen Websites Direktzugriff auf Profildaten gibt.

Über die generellen Personenkreise „Freunde“, „Freunde von Freunden“ und „Alle“ der Privatsphäre-Einstellungen hinaus können Facebook-Nutzer Inhalte auch nur für selbstdefinierte Personenkreise oder einzelne Personen freigeben. Dazu müssen Sie unter dem Menüpunkt „Freunde“ Listen anlegen. Praktisch: So können Sie Postings, die nur für private Kumpels bestimmt sind, von solchen für Kollegen trennen.

Wenn Sie Inhalte veröffentlichen, also etwa Neuigkeiten-Postings oder Bilder, bietet Facebook mit dem Schloss-Symbol die Option, den Empfängerkreis festzulegen. Wählen Sie dort „Benutzerdefiniert“ und im sich öffnenden Dialogfenster unter „Dies sichtbar machen für“ den Punkt „Bestimmte Personen“, so öffnet sich ein Textfeld, in dem Sie den Namen der Person oder der Gruppe angeben können.

Viele der Einstellungen bei Facebook beziehen sich auf Daten, die der Benutzer explizit für die Anzeige bei anderen Nutzern freigibt. Dass der Betreiber Daten auch für die eigenen Zwecke nutzt, um zum Beispiel personalisierte Werbung schalten zu können, muss der Benutzer hinnehmen. Eine Einstellungsmöglichkeit dafür fehlt.

Das gilt zum Beispiel auch für Facebooks Social Plugins. Damit können die Betreiber einer Website auf ihren Seiten einen „Like“-Button einbetten. Facebook-Nutzer, die die Seiten besuchen, sehen dann, wie vielen Facebook-Mitgliedern die betreffende Seite gefällt. Der Like-Button ist, wie die anderen Social Plugins auch, als IFrame realisiert. So kann Facebook, zumindest wenn der Benutzer noch angemeldet ist, nachverfolgen, dass er die Seite aufgerufen hat.

Mehr als 100 000 Websites haben bereits Social Plugins eingebaut. Damit wird Facebook zu einem omnipräsenten Begleiter seiner Nutzer, der immer aktuell mitverfolgen kann, welche Websites seine Benutzer interessieren. Wer das nicht möchte, sollte immer dafür sorgen, dass er sich ausloggt, wenn er Facebook verlässt oder das soziale Netzwerk ausschließlich mit einem eigenen Browser nutzen, den man für andere Surf-Touren nicht nutzt. Kommt beides nicht in Frage, hilft ein Werbeblocker wie AdBlock Plus für Firefox.

Dort legt man die neue Filterregel

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an, die dafür sorgt, dass Firefox Facebook-Inhalte nur anzeigt, wenn man sich auf Facebook selbst befindet; auf anderen Seiten werden Facebook-Inhalte wie die Social Plugins nicht nachgeladen. Unter dem c’t-Link am Ende des Artikels findet sich eine Anleitung, die die entsprechenden Einstellungen auch für die Werbeblocker anderer Browser enthält.

Facebook ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das versucht, Surfer im Web zu verfolgen. Auch Online-Werbevermarkter möchten möglichst viel über Surfer herausfinden – vom Beruf über den Verdienst, den Familienstand, Wohnort et cetera. Denn je besser sie jemanden kennen, desto genauer können sie ihre Werbung auf ihn abstimmen.

Dabei kommt den großen Werbenetzen zugute, dass sie auf vielen verschiedenen Websites Werbung schalten. Mit Cookies erkennen sie einen Benutzer (genauer gesagt: seinen Browser) wieder. Im Laufe der Zeit ergibt sich aus den Besuchen verschiedener Sites ein detailliertes Bild. Der Surfer sucht in letzter Zeit nach Flachbildfernsehern? Dann darf er sich bei seinen Surf-Streifzügen nicht über entsprechende Bannerwerbung wundern. In der Regel kennen Werbevermarkter den Surfer nicht persönlich. Aber es ist nur ein winziger Schritt, die detaillierten Profile mit einem Klarnamen zu verknüpfen, der etwa bei einem sozialen Netzwerk hinterlegt ist.

Wie kleinteilig die Profile sind, lässt sich in Googles Datenschutz-Center einsehen. Klicken Sie dort auf den Link „Manager für Anzeigeneinstellungen“, zeigt Google unter „Ihre Interessen“ an, auf welche Interessen es aus Ihrem Surfverhalten schließt. Klicken Sie auf den Knopf „Interessen hinzufügen“, zeigt Google den gesamten Themenkatalog an, nach dem es Surfer kategorisiert. Im Manager für Anzeigeneinstellungen lässt sich Googles Werbe-Cookie auch deaktivieren.

Google ist nur einer von vielen Werbevermarktern. Mehrere Dutzend großer Werbenetze haben sich zur Network Advertising Initiative (NAI) zusammengeschlossen. Auf deren Homepage lassen sich die Cookies aller Mitglieder einsehen (siehe c’t-Link). Es versetzt mitunter einen heilsamen Schock, zu sehen, von wie vielen Unternehmen man sich bereits Cookies eingefangen hat. Die Übersichtsseite bei der NAI listet dies übersichtlich auf, informiert über die einzelnen Werbenetze – und ermöglicht es, die Cookies zu deaktivieren.

Während sich klassische Cookies auch mit den Mitteln der Browser mittlerweile gut handhaben lassen, ist bereits die nächste, wesentlich mächtigere Cookie-Version im Einsatz: Flash Cookies. Damit können Werbevermarkter per Voreinstellung bis zu 100 MByte an Daten hinterlegen. Mit den Browsern lassen sich Flash Cookies nicht verwalten. Vor allem aber funktionieren Flash Cookies Browser-übergreifend. Egal, ob Sie mit Firefox, Opera oder Chrome surfen – Sie werden wiedererkannt. Wollen Sie Ihr System von Flash Cookies reinigen, müssen Sie sie entweder mit Macromedias Einstellungsmanager entfernen oder, bequemer, von Hand [1] .

Auch die Website-Betreiber interessieren sich für das Surfverhalten ihrer Besucher, dem sie mit ausgefeilter Analyse-Software auf den Leib rücken. Besonders populär ist hierfür das kostenlose Google Analytics, das auf zehntausenden Websites in Form eines eingebetteten JavaSripts zum Einsatz kommt – und außer den Website-Betreibern auch Google tiefe Einblicke in das Surfverhalten der Netzgemeinde gestattet.

Google hat vor kurzem eine Erweiterung für die Browser Internet Explorer, Firefox und Chrome herausgebracht, die es verhindern soll, dass der von Google in die Webseiten eingebettete JavaScript-Code Informationen über den Website-Besuch an Google Analytics übermittelt. Wer der Google-Lösung nicht vertraut, sollte auf einen herkömmlichen Werbeblocker setzen; auch AdBlock Plus und Co. können Google Analytics aussperren.

Außer den Inhalten, die Surfer bereitwillig ins Netz stellen, und Daten, die Unternehmen für eigene Zwecke hintenrum aus dem Verhalten der Surfer generieren, gibt es eine weitere Gattung von Informationen, die die Online-Privatsphäre berühren und die einen immer größeren Raum einnimmt: Daten, die von Dritten ins Netz gestellt werden. Diese Gattung ist besonders heikel, denn wer nicht von der Veröffentlichung weiß oder aktiv nach publizierten Inhalten sucht, merkt oft gar nicht, dass Inhalte im Netz kursieren, die seine Privatsphäre angreifen.

Das derzeit am meisten behandelte Beispiel ist Google StreetView. Hier hat sich die Öffentlichkeit recht gut mobilisieren lassen: Die Möglichkeit, dass der eigene Vorgarten, das eigene Haus, das Auto nebst Kennzeichen oder man selbst auf einer weltweiten Plattform für jedermann sichtbar wird, hat viele auf die Barrikaden gehen lassen. Als dann noch publik wurde, dass Google mit seinen StreetView-Autos Schnipsel des WLAN-Verkehrs mitschnitt, wurde der Druck auf Google so groß, dass das Unternehmen jegliche Fahrten bis auf Weiteres stoppte.

Google hat eine Reihe von Möglichkeiten eingerichtet, mit denen Betroffene Inhalte aus StreetView entfernen lassen können. Mit einer Mail an streetview-deutschland@google.com zum Beispiel soll man Google kontaktieren, wenn man das Bild des eigenen Hauses entfernen lassen will. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis Google StreetView auch nach Deutschland kommt. In Zukunft wollen Google und sein Konkurrent Microsoft übrigens Nutzer noch viel mehr als bisher dazu animieren, eigene Bilder zu den Kartendiensten hochzuladen [2] .

Im allgemeinen Geraune um StreetView sind andere Fälle von Datenveröffentlichung durch Dritte ein wenig untergegangen. Ein besonders krasses Beispiel findet sich wieder bei Facebook. So ermöglicht der Dienst Teilnehmern, das E-Mail-Adressverzeichnis oder das Handy-Adressbuch zu importieren. Dies soll es ihnen scheinbar nur erleichtern, ihre bereits auf der Plattform vorhandenen Freunde wiederzufinden. Doch Facebook speichert die E-Mail-Adressen von Personen, die nicht auf der Plattform teilnehmen, und verschickt Werbung an sie – besonders fatal, denn auf diese Weise entsteht beiden Seiten ein Schaden: Nicht-Nutzer von Facebook verlieren die Kontrolle über ihre Daten, die ohne ihr Wissen hochgeladen werden. Die dafür verantwortlichen Facebook-Nutzer wiederum kriegen Ärger von ihren Freunden, Kollegen und Bekannten, wenn diese von der Datenveruntreuung erfahren.

Aber auch in vielen anderen Diensten kann der eigene Name plötzlich auftauchen – etwa wenn man in einem Gruppenfoto mit Namen markiert wurde. Die Anonymität im Netz und die Einfachheit, mit der sich Postings veröffentlichen lassen, verleiten leider auch immer wieder einzelne dazu, andere Menschen anzugreifen – vom derben Kommentar auf der Facebook-Seite bis hin zur Beleidigung in einem öffentlichen Forum bis zu regelrechtem Mobbing.

Hier sind insbesondere Eltern und Lehrer gefragt, ein Gespür dafür zu entwickeln, was auf den Plattformen passiert, auf denen sich ihre Schützlinge tummeln. So ist ein peinliches Foto eines Mitschülers schnell in eine SchülerVZ-Gruppe hochgeladen. Es gibt eine Reihe von guten Informationsquellen, die Schülern, Eltern und Lehrern die Möglichkeiten und Risiken von SchülerVZ und Co. aufzeigen und erklären, was bei Missbrauch zu tun ist (siehe c’t-Link).

„War gestern mit XYZ im Bett, was wohl ihr Alter dazu sagt?“ – mit Twitter genügen ein paar Dutzend Zeilen, um jemanden bloßzustellen, ob die Information im Tweet stimmt oder nicht. Wichtig ist, dass man früh davon erfährt, um möglichst schnell darauf reagieren zu können – je schneller man einen missliebigen Inhalt entfernt, desto kleiner ist die Chance, dass er sich fortpflanzt. Daher ist es kein Zeichen eines ungesunden Egos, gelegentlich einmal mit Google oder mit einer Personensuchmaschine wie Yasi nach dem eigenen Namen zu suchen. Mit Google Alerts kann man sich täglich oder wöchentlich alle neuen Fundstellen zusenden lassen, die die Suchmaschine findet.

Eine ganze Reihe von Diensten hat sich darauf spezialisiert, missliebige Inhalte wieder aus dem Internet zu entfernen. Kein billiges Vergnügen: Dein guter Ruf zum Beispiel berechnet pro zu entfernendem Eintrag 30 Euro. Eine Garantie, jeden Eintrag entfernen zu lassen, gibt der Dienst aber nicht. Für solche Fälle versucht er unter anderem durch gezielte Suchmaschinenoptimierung, „Negativeinträge zu relativieren, zu kommentieren und im Ranking weiter hinten zu positionieren“.

Egal, ob Sie selbst rege im Mitmachweb aktiv sind oder überhaupt nicht surfen: Sie müssen etwas tun, um Ihre Privatsphäre im Netz zu schützen – und sei es nur gelegentliches Ego-Surfen. Es gibt heute einfach zu viele Orte, an denen intime Daten ins Netz sickern können. Und das Netz vergisst nichts, wenn man nicht selbst aktiv wird.

Ärgerlicherweise macht es insbesondere das beliebteste soziale Netzwerk, Facebook, seinen Nutzern unnötig schwer bis unmöglich, ihre Inhalte unter Kontrolle zu behalten: Einstellungen sind dort zu kompliziert und verleiten den Benutzer, zu viel über sich und Dritte preiszugeben. Bei anderen Plattformen ist es glücklicherweise einfacher, seine digitale Privatsphäre zu schützen. (jo)

[1] Herbert Braun, Jo Bager, Tratschtanten, Was Browser an Daten sammeln und preisgeben, c’t 21/09, S. 108

[2] Peter Schüler, Peter König, Die Welt als Bilderpuzzle, Wohin die Reise bei Google Maps und Bing Maps geht, c’t 9/10, S. 76

www.ct.de/1014118

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