Verkehrssicherheit, Trinkwasserverteilung, Koordination der Helfer in Katastrophengebieten – viele der eingereichten Projekte beim internationalen Technologiewettbewerb Imagine Cup wollen die Lebensbedingungen der Menschen in unterschiedlichen Gesellschaften verbessern.
An dem von Microsoft ausgerichteten Programmierwettbewerb nahmen in diesem Jahr weltweit rund 350 000 Studentinnen und Studenten aus 183 Ländern teil. Mehr als 400 Teilnehmer waren vom 8. bis 13. Juli in der letzten Runde des Imagine Cup in New York dabei. Ein Großteil der Teilnehmer ist männlich, doch die Zahl der Frauen, die sich fürs Finale qualifizierten, war in diesem Jahr immerhin mehr als doppelt so hoch wie 2010. Der Wettbewerb wird in mehreren, teilweise von Jahr zu Jahr wechselnden Kategorien ausgetragen. Als Königsdisziplin gilt die Kategorie Software Design, weitere wichtige Sparten sind Embedded Development, Game Design, Digital Media und – neuerdings – Windows Phone 7.
Zum Finale von Microsofts Technologiewettbewerb trafen sich über 400 Studierende aus aller Welt.
Im Frühjahr wurden in nationalen Vorausscheidungen die besten Wettbewerbsbeiträge eines Landes prämiert. Die deutsche Endausscheidung fand im April im Deutschen Museum in München statt. Gleich mehrere Teams von der TU Dresden konnten sich über Preise freuen, darunter in der Kategorie Software Design das Team majiRanger über den ersten Platz. Sein Projekt majiSolutions will in Entwicklungsländern bei der effizienten Verteilung sauberen Trinkwassers helfen. Es schafft die Grundlage für ein effektives Datenmanagement und geeignete Visualisierung zur Analyse von Informationen über Wasservorkommen. Anhand der aufbereiteten Daten lassen sich neue Anlagen und Transporte planen, um eine gleichmäßige Trinkwasserbereitstellung sicherzustellen.
Die vier Studenten vom Team majiRanger hatten im November 2010 mit der Arbeit am Projekt begonnen. Teammitglied Johannes Schuricht war während eines 14-monatigen Aufenthalts in Tansania auf die Idee zu dem System gekommen. Vor dem Finale reiste er zum zweiten Mal in das afrikanische Land, um mit NGOs, Sponsoren und der tansanischen Regierung über eine konkrete Umsetzung zu sprechen. Für den Herbst ist eine erste Pilotstudie in einer räumlich begrenzten Region des Landes geplant.
In New York schied das Dresdener Projekt leider bereits in der ersten Runde aus, ebenso wie die beiden anderen deutschen Beiträge, JofNET (job offering network) von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in der Kategorie Embedded Development sowie das Projekt AWA vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in der Sparte IT Challenge.
Sieger in der Kategorie Software Design wurde in diesem Jahr das Team Hermes aus Irland. Die Iren entwickelten ein System fürs Auto, mit dem sich das Fahrverhalten und die Straßenverhältnisse überwachen lassen. Droht Gefahr, so informiert das System den Fahrer und den Fahrzeugbesitzer. Vor Ort hatten die irischen Teilnehmer ihre Lösung noch einmal in New Yorker Taxis ausprobiert. Nach ihrem Sieg können sie sich über einen Preis in Höhe von umgerechnet 17 600 Euro freuen.
Die Plätze zwei und drei im Software Design gingen an Teams aus den USA und Jordanien und in der Kategorie Embedded Development lagen Teams aus Taiwan, China und Rumänien vorn. Die Kategorie Games Design gliederte sich in diesem Jahr in die drei Bereiche Windows/Xbox, Web und Mobile. Die drei ersten Plätze belegten Studenten aus Brasilien, Polen und Frankreich. Microsoft kündigte ein Förderprogramm in Höhe von insgesamt drei Millionen US-Dollar an, das auf drei Jahre ausgelegt ist und Teilnehmer sowohl finanziell unterstützen als auch mit technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how bei der praktischen Umsetzung helfen soll.
Den Studenten vom Team majiRanger machte möglicherweise eine Design-Entscheidung einen Strich durch die Rechnung, die sie im April nach dem deutschen Finale trafen. „Wir haben uns noch mal zusammengesetzt und überlegt: Was sind die Stärken unserer Lösung?“, berichtete Johannes Schuricht vor der Abreise nach New York. Danach einigten sich die Teammitglieder darauf, mit der Programmierung noch mal ganz neu anzufangen, so Schuricht im Gespräch mit c’t. Das System sei im zweiten Anlauf zwar flexibler geworden, doch ob sie damit gegen die sicherlich ausgereifteren Projekte der Mitbewerber eine Chance hätten, konnten die Dresdener vor der Abreise nicht einschätzen. Obwohl es nicht zu einem der vorderen Plätze reichte, war die Teilnahme in New York ein Erlebnis, auch wegen der Gelegenheit, Steve Ballmer das Projekt vorzustellen.
Dass es vor allem darauf ankommt, eine Projektidee bis zur praxistauglichen Anwendung auszubauen, zeigt etwa eine Navigationsanwendung, die von einer Gruppe tschechischer Studenten beim Imagine Cup 2010 vorgestellt wurde. Sie ist für den Einsatz in Katastrophengebieten gedacht. Zwar schied das tschechische Team in Warschau bereits in der ersten Finalrunde aus, doch inzwischen konnte ihr System mit Unterstützung der tschechischen Hilfsorganisation „Hand for Help“ bereits mehrfach produktiv eingesetzt werden. Nach der Tsunami-Katastrophe wird es nun auch in Japan genutzt, um bei der Koordination von Hilfskräften den Austausch von geografischen Informationen zu erleichtern. Das tschechische Team hat inzwischen eine eigene Firma gegründet.
Die Kategorien des Imagine Cup 2012 werden in Kürze bekannt gegeben. Das Thema „Technologie für eine bessere Welt“ bleibt bestehen. Interessierte können sich bereits für die Teilnahme registrieren.
(dwi)
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