Gateway ist erbost, AMD erfreut, Motorola zuversichtlich und Intel, wie immer, paranoid. Neue Chipsätze wirken ‘beschleunigend’, neue Benchmarks manchmal auch.
Ungewöhnlich scharf hat Gateways neuer CEO Jeff Weitzel gegen Intel Front gemacht und die erwarteten Einbußen des Direktversenders von 250 Millionen Dollar voll in Intels Schuhe geschoben. Grund seien Lieferschwierigkeiten und das Marktgebahren des paranoiden Chip-Riesen. Originalton: ‘Wir werden nicht hinnehmen, dass die Aktionen anderer Firmen diktieren, welche Gateway-Produkte unsere Kunden kaufen können.’ Und so ist es nur konsequent, dass Gateway nun wieder AMD-Prozessoren ins Lieferangebot aufgenommen hat - wenn auch etwas halbherzig nur in der Mittelklasse.
Derweil stellte Intel gleich am Anfang des Jahres den wohl letzten hauseigenen Prozessor der 0,25-µm-Ära vor, den Celeron-533 (OEM-Preis 167 Dollar), der gleichzeitig auch der letzte Vertreter des Sockel-PGA370 sein dürfte. Immerhin hatte dieser eine ‘Sockellebenszeit’ von 20 Monaten überdauert. Für seinen Nachfolger FC-PGA wird in Kürze neben dem Coppermine auch eine abgespeckte Celeron-Version erhältlich sein (ebenfalls zunächst mit 533/66 MHz, als 533A gekennzeichnet). Der Chip dafür ist schon lange fertig: man nimmt einfach einen Coppermine-Kern her und halbiert den L2-Cache. Eine ähnliche Verstümmelung hat Intel ja schon erfolgreich beim Dixon/Mobile Celeron durchgeführt. Es handelt sich also um ein inzwischen offenbar gängiges ‘Einpassverfahren’ für das Prokrustes-Bett des Marktes.
Solche und andere lustige Methoden des so genannten ‘Down Binning’ sind im Halbleitergeschäft (und nicht nur dort) gang und gäbe. Wer beispielsweise einen Athlon-500 erwirbt, weiß gar nicht, welcher Wolf im Schafpelz da zuweilen wirklich drin ist. Athlon-User haben sich mal die Mühe gemacht und diverse Gehäuse geöffnet und nachgeschaut. Zwischen 500 und 650 MHz schwankten die Prozessorbezeichnungen und die Caches variierten zwischen 3,0 und 4,0 ns.
Auch der Athlon wird im Laufe des Jahres auf den Sockel kommen, der mit 462 Pins noch etwas größer als Intels nächste Sockelgeneration für Willamette (423 Pins) ausfällt. Doch zunächst hat AMD die 800-MHz-Version (noch im Slot A) termingetreu am Dreikönigstag herausgebracht. Benchmarkergebnisse dazu folgen in der nächsten Ausgabe, für uns waren die Ergebnisse der Bords mit dem VIA-Chipsatz KX133 für Athlon viel spannender (siehe c't 2/2000, Seite 32).
Viel Wirbel machte im Internet das so genannte Super-Bypass-Feature des Athlon-Irongate-Chipsatzes. Was es damit auf sich hat, konnten c't-Leser schon in Ausgabe 24 unter Athlon-Tuning nachlesen. In der gleichen Ausgabe waren auch Benchmarkergebnisse mit der neuen Chipsatz-Revision C6 wiedergegeben, die vor allem wegen des nunmehr funktionierenden Bypasses um bis zu zehn Prozent bessere Ergebnisse erzielten. Was wir den Lesern jedoch vorenthielten, ist, dass das c't-Tool ctia.exe natürlich auch den Bypass (und anderes) nachträglich ein- oder abschalten kann, man muss es halt nur im undokumentierten Editor-Modus (/ED) aufrufen. Mit ‘BP=on’ lässt sich dann der Bypass aktivieren.
Wie ein Prozessor sogar ganz von allein an Performance gewinnen kann, ohne dass man an der Hardware irgendetwas ändern muss, zeigt die neue SPEC-2000-Suite, die noch rechtzeitig am Silvesterabend des letzten Jahrtausends vorgestellt wurde. Der Nachfolger der SPEC95 besteht aus einer Fülle neuer Benchmarks (insgesamt 12 für Integer und 14 für Gleitkomma), wobei der eine oder andere bekannte Name aus der alten Suite noch auftaucht. Aber deren ‘Workloads’ wurden erheblich verändert, insbesondere müssen die Prozessoren nun deutlich größere Datenbereiche beackern.
Das hat zur Folge, dass beispielsweise die Integer-Benchmarks, die früher nahezu vollständig im L1-Cache abliefen, nun weitgehend L2- Cache- und speichersensitiv gerieten. Davon profitieren natürlich die bei diesen Zugriffen leistungsfähigeren Prozessoren, allen voran der Alpha, der nach den ersten veröffentlichten SPEC2000-Ergebnissen nun in der Integer-Disziplin am Coppermine und den anderen Konkurrenten locker vorbeizieht. Und im Gleitkommabereich baut er seine ohnehin vorhandene Vormachtstellung noch weiter aus.
Insgesamt zeigt die Änderung der Gewichtung, dass selbst bei sorgfältigster Auswahl und nach langjährigen Diskussionen Benchmarkergebnisse immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus der Performance-Wirklichkeit repräsentieren, insbesondere dann, wenn man sie auf ein oder zwei Gesamtwerte reduziert.
Immerhin kann man der SPEC nicht vorwerfen, von einem einzelnen Hersteller beeinflusst zu sein, denn in der System Performance Evaluation Corporation sind nahezu alle relevanten Prozessor- und Systemhäuser vertreten. Außerdem ist die Suite transparent, dass heißt, sie ist komplett im Source-Code erhältlich (für 500 Dollar bei www.spec.org).
Beides kann man von anderen Benchmark-Suites, wie etwa SYSmark2000, nicht unbedingt behaupten. Weder weiß man hier genau, was sie so treiben, noch kann man sich ihrer Unabhängigkeit beziehungsweise Fairness sicher sein: zumindest bei dem Photoshop-Benchmark der SYSmark2000 sind nach unseren ersten Messungen Zweifel angebracht (siehe c't 2/2000, Seite 33).
Am 19. Januar will Transmeta nun endlich den Schleier über den Crusoe-Prozessor lüften, zwei Wochen später folgt die ebenfalls mit Spannung erwartete ISSCC, wo diverse neue Prozessoren vorgestellt werden sollen. So erhofft man sich dort die Demonstration eines Prototyps des PowerPC-G4+-Prozessors mit 780 MHz oder mehr. Motorolas Produktmanager Kalpesh Gala hat sich bereits zuversichtlich geäußert, den G4+ in diesem Jahr auf über ein GHz heizen zu können. Doch zunächst einmal backt der texanische Konzern noch kleine Brötchen und will jetzt erst einmal den seit Monaten versprochenen 500-MHz-G4 ausliefern. Apples nunmehr ‘richtigen’ CEO Steve Jobs wirds freuen. Doch ob seine Entscheidung, die CeBIT 2000 abzusagen und sich in Deutschland fürderhin nur noch an die Publishing-Profis zu wenden, wohl richtig war? (as)
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| SPEC2000/SPEC95 (Base) | |||||||||
| Prozessor | Takt (MHz) |
SPECint2000 besser > |
SPECint95 besser > |
SPECfp2000 besser > |
SPECfp95 besser > |
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| Alpha 21264 | 667 |
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| Pentium III | 733 |
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| USparc IIi | 330 |
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| PPC RS 64-II | 340 |
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Dass sich Intel und Mattel mit Barbie PC, PC-Mikroskop (QX3) und neuerdings auch PC-Videokamera (Me2CAM) an die Zielgruppe der 6- bis 10-Jährigen wenden, macht ja Sinn. Ungewöhnlich erscheint mir nur der Kaufbutton auf www.intelplay.com mit ‘I am 18 years or older’, den ich bislang immer nur mit anders gearteten Websites in Zusammenhang brachte, etwa mit solchen wie www.microprocessor.com.
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Permalink: http://heise.de/-287458
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