Noch sind es Prototypen, aber HP, Compaq und andere werden es sich wohl kaum nehmen lassen, ihre neuen 64-Bit-Boliden auf der CeBIT - zumindest hinter den Kulissen - vorzustellen. Auch AMD dringt allmählich in die höheren Gefilde der Workstations und Server ein. Daneben nutzt die taiwanische Firma VIA als Dritte im x86-Bunde die Chance, sich als Prozessorhaus vorzustellen.
Fast von der CeBIT-Bildfläche entschwunden, präsentiert sich jedoch die PowerPC-Gilde. Vor Jahren noch glänzten sie mit ganzen Hallen - und nun vor allem nur noch durch Abwesenheit. Weder IBMs noch Motorolas Halbleiter-Töchter werden zugegen sein und auch Hauptkunde Apple bleibt der CeBIT fern. So wird man wohl nicht einmal einen 500-MHz-G4 bewundern können.
Intel selbst (H11, B48) will vorrangig Netzwerklösungen präsentieren, darunter die von der Tochter Level One entwickelten Netzwerkprozessoren, in deren Inneren ein StrongARM-Prozessor wirbelt. Ob man jedoch Intels neue 64-Bit Rechnergeneration außerhalb konspirativer Hinterzimmer wird bestaunen können, ist bislang noch offen. Hier gibt es natürlich die üblichen restriktiven Vorschriften von Intel - doch die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass der eine oder andere Hersteller durchaus über genügend Zivilcourage verfügt, sich darüber hinwegzusetzen. Wer wirklich interessiert ist und hartnäckig nachfragt, wird sicherlich einen Blick auf den Itanium (Codename ‘Merced’) werfen können.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Rolle des Intel-Partners Hewlett-Packard, die ziemlich ambivalent scheint, da HP parallel zu IA64 die eigene PA-RISC-Schiene zumindest noch einige Jahre bis zum PA 8900 weiter ausbauen will. Das führt natürlich zu marketingmäßigen Klimmzügen: So soll beispielsweise laut HP-Roadmap für die voriges Jahr eingeführte N-Serverklasse erst der Itanium-2Nachfolger McKinley als Upgrade alternativ zum PA8700 infrage kommen - klar, sonst hätte HP die teuren N-Server kaum noch verkaufen können. HPs PC-Abteilung will jedoch mit den NetServern (unter Windows NT/Win2000) ganz vorne auf dem Itanium-Markt mitspielen. Schließlich hat der zweitgrößte IT-Konzern das Design der IA64-Architektur maßgeblich mitgestaltet und dafür Sorge getragen, dass der Prozessor nicht nur seine nativen Befehle (auch für HP-UX) samt Hardware-Emulation von iA32 beherrscht, sondern auch mit dem PA-RISC-Binärcode umgehen kann. Die dafür erkürte dynamische Übersetzungsmethode wird dem geneigten Leser vielleicht vertraut vorkommen:
| HP will iA64 und PA-Risc noch geraume Zeit parallel fahren. |
‘Das Dynamic-Translation-Verfahren ist in der Lage, die Befehle während der Übertragung zu optimieren, wobei beispielsweise Code-Bereiche im Speicher gehalten und wieder verwendet werden, wenn Unterprogramme und Schleifen durchlaufen werden.’
Hat nicht erst unlängst Transmeta mit einem recht ähnlichen Verfahren unter dem Namen Code-Morphing viel Aufmerksamkeit erregt? Man darf gespannt sein, ob sich hier nicht wieder Patentstreitigkeiten entwickeln.
Dass Itanium kein 32-Bit-Renner ist, hat Intel ja schon frühzeitig zugestanden. Hierfür ist ein neuer IA32-Typ namens Willamette gedacht, über den inzwischen ein paar mehr Details bekannt wurden: 423-poliger Sockel mit 100-MHz-QDR (Quad Data Rate). Damit erzielt Willamette 3,2 GByte/s - genau richtig, um zwei aktuelle Rambus-Kanäle zu versorgen.
Als sicher gilt, dass sich die Vorteile von Willamette aber erst richtig erschließen werden, wenn man den Code neu für den Prozessor kompiliert. Das gibt dann traumhafte Werte bei den SPEC-Benchmarks, gängige Soft-ware profitiert jedoch erst mal nur vergleichsweise mäßig von den Fähigkeiten des Neuen. Auf dem Intel Developer Forum (IDF) eine Woche vor der CeBIT will Intel Einzelheiten zu Willamette enthüllen. Vorher stellt Intel auf der ‘International Solid State Circuit Conference’, ISSCC, schon mal eine Verbesserung des bestehenden 0,18-µm-Prozesses (mit Aluminium-Interconnects) vor, die nicht nur Willamette, sondern auch den aktuellen Coppermine auf 1 GHz und mehr beschleunigen soll. Die ‘Yieldrate’ sei laut Intel-Sprecher Peter Green sehr gut. Inoffizielle Quellen vermelden gar, Intel erwäge, den ursprünglich für Oktober geplanten Einführungstermin für Willamette nach vorne zu verlagern.
Auf der ISSCC wird man noch von vielen weiteren interessanten Technologien hören. IBM beispielsweise stellt unter anderem das Interlocked-Pipelined-CMOS-Design vor, mit dem sich Logikbausteine mit bis zu 4,5 GHz Takt realisieren lassen.
AMD (H13, D08) demonstrierte auf der ISSCC bereits erste Prototypen des Kupfer-Athlon mit integriertem L2-Cache (Thunderbird) bei 1,1 GHz Takt und liefert jetzt 850-MHz-Versionen aus. Um in der Workstation-Szene mitmischen zu können, sind vor allem auch Multiprozessorsysteme wichtig: Wenn alles gut läuft, wird man auf der CeBIT auch die ersten Athlon-Multiprozessorsysteme bewundern dürfen, vermutlich auf Basis des Tsunami-Chipsatzes von Compaq/Digital.
Mit VIA (H13, D86) kommt nun richtig Farbe in den x86-Reigen. VIA hat Cyrix und IDT aufgekauft und wird zunächst beide Linien fortsetzen. Als erstes neues Produkt stellt der taiwanische Konzern auf der CeBIT Joshua vor, den ersten Clone für den Celeron-Sockel PGA370. Mit 64 KByte L1- und 256 KByte L2-Cache ist er deutlich besser bestückt als sein Celeron-Konkurrent, hinzu kommt die 3DNow!-Erweiterung und ein Frontside-Bustakt von 133 MHz. Vermutlich wird der in 0,18 µm gefertigte Joshua mit Takten um 533 MHz aufwarten. Auf Intels Gegenstück, den Celeron als abgespeckten Coppermine für den FC-PGA-Sockel, wartet man derzeit noch - vielleicht wird das ja Intels Bonbon für die Messe in Hannover. (as)
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