Prozessoren - die bieten unsere Jubiläums-Artikel zum Thema 25 Jahre x86-Architektur ab Seite 90 zuhauf, jedenfalls solche mit Intel-Architektur. Grund und Platz genug, um sich hier mal bei den anderen umzusehen, etwa bei den PowerPCs und in der Embedded-Szene - denn wissen Sie, wer den besten Telemark liefert?
Die Gerüchteküche in der PowerPC-Szene brodelt rund um den PPC970 immer heftiger (siehe c't 13/03 S. 42). Wird Apple den IBM-Prozessor auf der bevorstehenden Entwicklerkonferenz in neuen G5-Systemen zeigen? Mit 1,8 GHz und 64-Bit-Architektur liegt der PPC dann wirklich mal „in par“ mit dem aktuellen High-End der x86-Szene, dem Opteron. Bei der Performance, etwa bei SPECint/fp, bleibt der PPC970-1,8 zwar mit 937/1051 noch ein Stückchen hinter dem Opteron (1170/1219) oder dem schnellsten Pentium 4 (1200/1229) zurück, aber das sind ja alte PPC-Werte vom Microprocessor Forum im Herbst 2002. Vielleicht hat die PowerPC-Fraktion ja bei den Compilern inzwischen noch einiges draufgelegt.
Den Gerüchten zufolge will Apple auch noch eine weitere AMD-Spezialität den G5-Systemen mit auf den Weg geben: HyperTransport. Schließlich ist Apple schon seit Jahren Mitglied im HyperTransport-Konsortium. IBM ist das allerdings nicht, und so besitzt der PPC970 zwar eine bidirektionale Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit einer effektiven Bandbreite von bis zu 6,4 GByte/s wie bei HyperTransport auch, aber das Buskonzept ist etwas anders; dafür skaliert es mit dem Prozessortakt („Elastic I/O“).
Hier wird sich wohl einfach ein Brückenbaustein (Bridge) zu HyperTransport einsetzen lassen. Im September werden dann IBM, Apple und AMD gemeinsam ins Horn stoßen, um dem Endverbraucher klarzumachen, warum dieser unbedingt 64-Bit-Power auf dem Schreibtisch benötigt. Schreibtisch-Platzhirsch Intel schaut sich das in Ruhe an, senkt erst einmal die Preise für Mobile-Prozessoren um bis zu 38 Prozent und launcht in Kürze den nächsten Itanium-2-Prozessor für Server und Workstations. Doch jeder weiß, dass Intel auch für Desktops was 64-Bittiges in petto hat.
Motorola hingegen - die derzeitige Prozessor-Quelle der Mac-Systeme - will sich stärker auf die Embedded-Szene verlagern. Schließlich ist der Embedded-Markt recht lukrativ, werden hier doch zum Teil Stückzahlen etwa in der Telekommunikation abgesetzt, von denen Desktop-Prozessor-Hersteller nur träumen können. Und Motorola ist hier seit Urzeiten kräftig im Geschäft.
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Telekommunikations-Benchmark Telemark |
Das war auch ein Grund dafür, warum sich die Wege von AMD und Motorola bei der Chip-Herstellung „freundschaftlich“, wie beide Firmen betonen, getrennt haben. Auf dem Smart Network Developer Forum in Paris präsentierte sich Motorola nun als Performance-Leader im Embedded-Bereich, etwa bei den in dieser Szene so wichtigen Benchmarks des Embedded Microprocessor Benchmark Consortium, kurz EEMBC. Motorolas nächste PowerPC-Generation MPC7447 soll hier mit 1,3 GHz Takt und einem EEMBC-Wert von 164 für den Telekommunikations-Benchmark Telemark (optimiert) den Schanzenrekord markieren. Hilfreich zum Erzielen solcher Weiten sind die neuen AltiVec-Bibliotheken, die Motorola jetzt - frei - für Linux herausgebracht hat und die auch dem PPC970 im Apple-G5 ein wenig auf die Sprünge helfen können.
Doch die Embedded-Konkurrenz schläft nicht, das wird sich spätestens jetzt auf dem am 16. Juni beginnenden Embedded Processor Forum 2003 in San José deutlich abzeichnen. MIPS will hier eine komplett neue Mikroarchitektur vorstellen, mit höheren Taktfrequenzen als alle anderen synthetisierbaren Mikroprozessoren - und MIPS-Lizenznehmer Intrinsity hat immerhin schon 2-GHz-Prozessoren (FastMATH) im Programm, die mit einem Telemark-Wert von 868 Motorolas PowerPC kräftig in die Schranken weisen. Auch die dicken DSPs von Texas Instruments (C64xx) kursieren in anderen Performance-Regionen. Bei 720 MHz Takt erzielen sie einen Telemark-Wert von 629 - und die Gigahertz-Versionen stehen auch schon vor der Tür (angekündigt fürs 1. Halbjahr 2004). Da muss sich „Performance-Leader“ Motorola schon was einfallen lassen. Weitere Konkurrenten scharren mit den Hufen, etwa Hitachi und STMicroelectronics, die die SIMD-Fähigkeiten ihres SH-5-Prozessors auf dem Embedded Forum analog zu AltiVec mit einer GNU-Vektor-Erweiterung unter Beweis stellen und das SIMD des Nachfolgeprozessors SH-6 skizzieren wollen.
Infineon ist auch zugegen und will zeigen, dass in Hardware gegossenes Multithreading nicht nur für Pentium-4-Prozessoren, sondern auch für Low-Power-, Low-Cost-Anwendungen sinnvoll und machbar ist. Natürlich darf ARM auf dem Forum als der Überflieger bei den Embedded-Prozessoren nicht fehlen und stellt ebendort unter anderem den neuen internen Bus Amba 3.0 vor. Alles Weitere zum Forum dann in der nächsten Ausgabe. (as)
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Einen echten Supercomputer auf dem Schreibtisch - das hat heute mit ein bisschen Verzögerung zur aktuellen Szene fast jeder (siehe Grafik in c't 13/03 auf S. 91). Aber Look & Feel einer echten Cray? Okay, wer kein tonnenschweres Monster zu Hause beherbergen will oder nicht einmal Kraftstromanschluss hat - er kann sich dem Cray-Cyber-Projekt anschließen und online stolz über Cray-Maschinen herrschen. Seit Juli 2002 steht eine Cyber-960 zur Verfügung und jetzt ging auch eine Cray YMP-EL, Baujahr 1991, online - ein Geschenk des Leibniz-Rechenzentrums in München. Die Maschine ist binär-kompatibel zur guten alten Cray-1 aus dem Jahre 1976 und kommt mit ihren vier Prozessoren auf eine Spitzenperformance von 460 MFLOPS - etwa die Leistung eines Pentium 4 mit 1,5 GHz. Sponsoren der stromhungrigen Cray-Oldtimer werden übrigens noch gesucht ...
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