Es stapelt sich: Pentium D beziehungsweise Pentium Extreme Edition hier, Dual-Core-Opteron da, jetzt geht das Doppelspiel so langsam los. Und wir schauen darüber hinaus, wie es dann mit den Vierfach-Kernen AMD K9 und Intel Whitefield weitergehen soll.
So’n richtiger Launch wars ja nicht gerade: Intel schickte ein paar Testsysteme ins Land (siehe S. 18) und Hoflieferant Dell bot kurze Zeit später tatsächlich auch ein System an (Dimension XPS GEN 5), aber darüber hinaus war er noch nicht wirklich sichtbar: der erste Doppelkern-Prozessor aus dem Hause Intel. Ob es überhaupt einen ordentlichen Launch geben wird oder Intel den Prozessor einfach ohne viel Aufhebens ausliefert, ist noch unklar. Demgegenüber wird, wie es scheint, Konkurrent AMD für seinen Doppelkern einen solchen „ordentlichen Launch“ zelebrieren, mit allen gebotenen Feierlichkeiten. Hoch gehandelt wird hierfür der 21. April.
Die von „gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen“ lancierte inoffizielle AMD-Roadmap sieht für den Lauch einen Dual-Core-Opteron für Server mit bis zu 2,2 GHz Takt - zunächst das Model 875 (Egypt) für Vier-Sockel-Systeme, später dann 175 (Denmark) und 275 (Italy) für ein respektive zwei Sockel - voraus. Diese bleiben weiterhin genauso wie die für Anfang nächsten Jahres geplanten 2,4-GHz-Versionen im aktuellen thermischen Rahmen von 95 Watt. In ihrer Performance werden sich diese bei gleichem Takt nicht wesentlich von herkömmlichen Dual-Opteron-Systemen unterscheiden. Mit dem Launch sollen auch diverse Systeme vorgestellt werden. Zum Jahresende ist mit der Desktop-Variante Toledo (für Sockel 939) zu rechnen.
Gegen Ende 2006 soll dann nach diesen Informationen ein etwas verbesserter Kern (K8+) mit schnellerem Speicherinterface und 2,6 GHz / 95 W herauskommen, der Mitte 2007 auf 2,8 GHz Takt beschleunigt wird - dann aber schon im neuen „thermal envelope“ von 140 Watt. Den benötigt man zur Vorbereitung auf den K9 (oder wie immer der nächste heißen wird), der gegen Ende 2007 mit vier Kernen zu erwarten steht.
Demgegenüber plant Intel in diesem Zeitraum mit Whitefield (Xeon MP), Woodcrest (Xeon DP) und Conroe (Desktop) die Abkehr von der stromschluckenden Pentium-4-Netburst-Architektur. Whitefield - Intels Vier-Prozessor-Gegenstück zum K9 - soll sich bei 2,6 GHz auf etwa 89 Watt beschränken. Nach internen (natürlich geheimen) Simulationsergebnissen dürfte Whitefield dabei in der Performance mindestens gleichauf liegen, etwa mit 86 gegenüber 83 SPECint2000rate (estimated), die der K9 mit 3 GHz erzielen könnte. Dafür dürfte Letzterer bei SPECfp2000rate etwas flotter sein (64 gegenüber 53 Punkte). Und der Dual-Core Woodcrest liegt nach den bisherigen Schätzungen bei 2,3 GHz auf SPEC-Augenhöhe mit dem K8+ (45 SPECint2000rate und 41 SPECfp2000rate), wobei er sich aber mit 41 Watt begnügt. Das klingt nicht schlecht, ist aber fernere Zukunftsmusik. Vorher nämlich dürfte der bereits auf dem letzten IDF vorgeführte Dual-Core-Prozessor Dempsey bei 3,8 GHz Takt AMDs 140-Watt-Marke noch toppen, ohne dass er in der Performance mit dem konkurrierenden K8+ (oder gar dem Woodcrest) ganz mitkommt.
Alle Werte sind natürlich recht vorläufig, insbesondere die Termine. Aber sie zeigen auf, dass die Geschwindigkeit langsam abnimmt, mit der höher getaktete Prozessoren herauskommen, dafür geht es nun in die vielkernige Breite.
Am „AMD Tech Day“ Ende März hatte AMD auch sein Gegenstück Pacifica zu Intels Vanderpool-Technologie kurz umrissen. Diese Technik (benannt nach einem netten kleinen Küstenort bei San Francisco) soll bei der Virtualisierung der Maschine helfen, um mehrere Betriebssysteme parallel fahren zu können. Allgemein wird erwartet, dass Pacifica weitgehend analog zu Intels Vanderpool ist, die versprochene Veröffentlichung der technischen Details lässt allerdings noch auf sich warten. Ein bisschen Zeit kann sich AMD auch lassen, denn Pacifica soll erst im Jahre 2006 eingeführt werden. Eng verwandt mit der Virtualisierungstechnik ist die Sicherheitstechnik, die bei Intel unter LaGrande und bei AMD unter Presidio läuft (nach einem Park von San Francisco, der durch den gleichnamigen Film mit Sean Connery bekannt geworden ist). Bei beiden benötigt man beispielsweise geschützte Speicherbereiche. Vanderpool ist wahrscheinlich schon in allen aktuellen Pentium-4-Prozessoren enthalten, nur noch nicht freigeschaltet - ähnlich wie es früher mal mit dem Hyper-Threading der Fall war. Irgendwann im Laufe des Jahres will Intel den offiziellen Startschuss dafür geben.
Auf dem lokalen IDF in Taiwan hat Intel derweil einen preiswerten neuen Chipsatz für den Celeron M vorgestellt, den i854 für bis zu 2 GByte DDR333, der für Mini-Boards gedacht ist, die mit VIAs EPIAs bei Multimedia-Anwendungen konkurrieren sollen. Vorgestellt wurden beispielsweise damit bestückte Settop-Boxen von Tatung und ein DVD-Harddisk-Player von Toshiba.
Apropos Asien: Hier will Intel offenbar die Konkurrenten AMD, VIA und Transmeta mit allen Mitteln vom Markt fegen, und sei es mit fragwürdigen Methoden. So gab es Ärger mit der japanischen Kartellbehörde JFTC wegen wettbewerbsfeindlicher Ausschlussklauseln in Verträgen mit japanischen Händlern. Damit konnte Intel im Jahr 2003 den Marktanteil erheblich aufbessern. Intel akzeptierte jetzt zwar die Empfehlungen der Behörde; irgendwelches Missverhalten oder Fehler wollte der Marktführer damit aber nicht eingestehen. (as)
[#anfang Seitenanfang]
[#anfang Seitenanfang]
Bis zu 10 000 Dollar kann man verdienen, wenn man noch eine Original-Ausgabe der Electronics Volume 38, Nr. 8 vom 19. April 1965 in neuwertigem Zustand besitzt. Das bietet nämlich Intel auf der Ebay-Wantitnow-Seite (unter 6955863859) für die Ausgabe, die den Originalartikel „Cramming more Components onto integrated Chips“ von Gordon Moore enthält. Hierin hat er sein berühmtes Gesetz - mutig hochgerechnet aus gerade mal fünf Messpunkten - formuliert. Bis Redaktionsschluss wurde Intel offenbar noch nichts offeriert, aber auch nach dem Jubiläumstag, am Dienstag, dem 19. April läuft dieses Angebot: Also liebe ältere Leser, vielleicht liegt auf dem Boden im Stapel der alten Funkschauen (damals war gerade „die Erweiterung älterer UKW-Empfänger auf Rundfunk-Stereophonie“ akut und die DY51 kam auf den Markt) noch die ein oder andere Electronics? Wer übrigens ähnliche Summen für eine alte c't ausgeben will - er kann sich bei mir melden.
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Heft bestellen
Permalink: http://heise.de/-289874
Kommentare lesen (11 Beiträge)
Das aktuelle Heft ist jetzt im Handel erhältlich.
Ältere Artikel können Sie über unser Zeitschriften-Archiv bestellen.