Andreas Stiller
Prozessorgeflüster
Von Marshal- und anderen Plänen
Nun gibt es bei Dell doch Systeme mit AMD-Prozessoren - wenn auch nur über den Umweg des Zukaufs von Alienware. Ex-Intel-Chef Grove ist erbost über AMDs Erfolge und klagt bei den Managern mehr Kampfbereitschaft ein. Im Business-Bereich soll ein neues Gütesiegel her, und Deutschland will man auch nicht AMD überlassen, sondern sich hierzulande stärker in der Mikroprozessorforschung engagieren.
Weil AMD so erfolgreich war und Intel Marktanteile abgeknapst hat, musste sich - wie erst jetzt im Forbes-Magazin herauskam - Intels Vizechef Gelsinger im Dezember eine heftige Kopfwäsche von seinem Ex-Chef und Förderer Andy Grove gefallen lassen. Er hat mich „windelweich geprügelt“ (beat the tar out of me), so Gelsinger, weil er nicht kämpferisch (confrontational) genug sei. Schließlich hatte Grove die Paranoia zum Firmenprinzip erhoben („Only the Paranoid survive“) und sich allzeit kampfbereit gezeigt - dem Vernehmen nach soll er sich auch lautstarke Schrei-Duelle mit dem damaligen Microsoft-Chef Gates geliefert haben. Dass jetzt sogar Google zuhauf Opteron-Server kauft, obwohl Intel-Chef Paul Otellini im Google-Aufsichtsrat sitzt, dürfte Groves Rage noch angeheizt haben.
Intels Raketenwerfer
AMDs aktueller Markterfolg in Ehren, doch Intel, so Forbes weiter, bringe gegen deren Messerangriff jetzt Raketenwerfer in Stellung. Gemeint ist die neue Mikroarchitektur, die ab Sommer mit den Conroe-, Woodcrest- und Merom-Versionen auf breiter Front angreifen soll. Für die wichtige Linie der Business-PCs will Intel überdies ein „Branding“ ähnlich wie Centrino oder Viiv einführen, also ein Markenzeichen mit Logo, das für die Mindestanforderung an einen Büro-PCs bürgt, so Verkaufsmanager Anand Chandrasekhar in einem Interview. Der „geprügelte“ Pat Gelsinger kommt kurz nach Ostern nach München, um die vorgesehene Plattform fürs digitale Büro namens „Averill“ vorzustellen, da wird er wohl mehr verraten.
Wie sich Intel den PC fürs digitale Büro vorstellt, etwa in Bezug auf Sicherheit, Vernetzung und Handhabbarkeit, steht aber alles schon in der Broschüre: „Digital Office, Desktop Platform Vision Guide 2006“, er fehlt nur ein zugkräftiger Name. Zur „professionellen“ Büro-PC-Ausstattung gehören danach ein Conroe-Doppelprozessor, Virtualisierung, 64 Bit, NX, Intel Active Management Technologie, 1 GByte Speicher sowie ein Trusted Platform Module 1.2. Apropos Sicherheit, für dieses Gebiet (inklusive Zugangskontrolle, Biometrie, Sicherheitssoftware und Risiko-Analyse-Tools) hat Intel vor kurzem ein neues Trademark eintragen lassen: „Marshal“.
Vielkernmenüs
Gleichzeitig mit Gelsinger kommt auch sein Nachfolger im Amte des Intel-Cheftechnologen Justin Rattner nach Deutschland, um am 24. April in Braunschweig zusammen mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff das neue Microprocessor Lab Germany zu eröffnen. Vor sechs Jahren hatte Intel in der niedersächsischen Minimetropole die Firma Giga Gruppe gekauft und seitdem hier Bausteine für die optische Nachrichtentechnik entwickelt, darunter auch so genannte Transport-Prozessoren. Hinzu kam ein Validierungslabor für optische Netzwerksysteme. Nun wird in Gestalt des Microprocessor Lab ein weiteres Labor Einzug halten, dessen Aufgabe es sein soll, im „Vielkern“-Bereich zu forschen. Viele, viele Kerne auf einem Chip - ein Lieblingsthema von Rattner, dem er sich auf dem letzten IDF ausführlich widmete. Dabei kann Intel auf Erfahrungen mit den IXP-Netzprozessoren aufbauen, die schon mit bis zu 16 Microengines ausgestattet sind.
Konkurrent Sun ist im Vielkernbereich mit dem T1 mit seinen acht physischen und 32 logischen Kernen schon einen Schritt weiter, und nun hat die Firma Azul Systems den Vega 2 vorgestellt - einen Java-Chip mit gleich 48 Kernen und 812 Millionen Transistoren, hergestellt von TSMC im 0,13-µm-Prozess. Dessen Vorgänger Vega 1 mit 24 Kernen hatte Azul-Cheftechnologe Scott Sellers auf dem Herbstprozessorforum 2005 knapp umrissen - je acht Kerne mit eigenen L1-Caches von zweimal 16 KByte, die sich einen gemeinsamen L2 von 1 MByte teilen. Ansonsten hüllte sich Sellers über die innere Struktur des Vega-Prozessors in Schweigen; er verriet nur, dass der 64-Bit-Prozessor speziell für Enterprise-Applikationen mit J2EE ausgelegt und „interoperabel“ zu SPARC-Solaris und Intel-iA32-RedHat sein soll.
(as)
Tridekadisches Turnier
Apple (siehe Editorial) schaut zum ersten April auf 30 Jahre wechselhafte Geschichte zurück. Ein wichtiger Erfolgsgarant für Apple war der 6502-Prozessor von MOS Technologies, der auch in den Atari-Systemen 400 und 800 und Commodore PET verbaut wur-de und der später dann zum Herzstück des legendären C64 avancierte. Designt hatten ihn ehemalige Motorola-Entwickler - der erste Schuss namens 6501 war dem Original-6800 der Ex-Firma aber zu ähnlich. Motorola intervenierte patentrechtlich und so mussten sie den 6502 - unter anderem die Pinbelegung - etwas umstricken. Die Zeitschrift elektor würdigt in ihrer aktuellen Aprilausgabe den Oldtimer mit seinen 4300 Transistoren, und stellt auch einen Nachbau mit LS-Logik-ICs, RAM und EPROMs (rund 40 Chips) vor.
Der Erzkonkurrent des 6502, der Z80-Prozessor, kann just dieser Tage ebenfall seinen 30. Geburtstag feiern. Wie jener war auch er von einem „Überläufer“ designt worden, von Federico Faggin, der bei Intel für die Entwicklung des 8080 verantwortlich zeichnete. Faggin überwarf sich jedoch mit seinen Chefs und gründete 1974 seine eigene Firma ZiLOG. Wie er erst kürzlich c't gegenüber mitteilte, hielt er Ende März 1976 den ersten funktionierenden Z80-Chip in seinen Händen - im Juli kam der Prozessor dann auf den Markt. Er wurde in CP/M-Systemen und später auch in den kleinen Sinclair-Rechnern ein Riesenhit und wischte Intels 8-Bitter 8080 schnell vom Tisch.
Lustigerweise sorgte ausgerechnet Microsoft für eine sehr erfolgreiche Ehe zwischen dem Apple II mit 6502 und dem Z80: mit der Z80-Softcard. Die war nämlich schon gebündelt mit einem Betriebssystem - nein, nicht mit DOS, sondern eben mit CP/M von Digital Research. Während heute der 6502 aus dem Blickpunkt weitgehend verschwunden ist, wiewohl hier und da noch eine Waschmaschine von einem 6502-Abkömmling getrieben wird, hat sich die Z80-Architektur in zahllosen embedded Designs gehalten (neben ZiLOG unter anderem gefertigt von Toshiba und Sharp). In der DDR wurde er - ohne Lizenz - zuhauf als U880 nachgebaut. Mit seiner 30-jährigen Geschichte gehört der Z80 zu den erfolgreichsten Prozessoren überhaupt - übertroffen wohl nur von den Nachfahren des Motorola (heute Freescale) 6800. Allein der 68HC05 überschritt bereits vor fünf Jahren die Verkaufsmarke von 5 Milliarden Stück.



