AMD holt sich finanzielle Hilfe aus dem Morgenlande und hat erst mal noch mit Bugs im K10-Design zu kämpfen, den Markt der Billigst-PCs überlässt AMD zunächst einmal Konkurrent Intel. Aber halt, in Taiwan gibts ja noch wen, der zumindest in den Schwellen- und Entwicklungsländern ein Wörtchen mitreden möchte.
Nu isser da, AMDs Phenom - doch von Begeisterung allenthalben keine Spur (siehe Seite 22 in c't 25/07). Allein der niedrige Preis lässt aufhorchen, so viel Silizium (280 mm2) für so wenig Geld (ab 169 Euro), das klingt rekordverdächtig - zumindest für Desktop-Prozessoren. Ja, früher bei den ersten Pentiums im 0,8-µm-Prozess, da waren Chipgrößen von 290 mm2 an der Tagesordnung, auch später beim Pentium Pro und den mit riesigen Caches bestückten Xeon-MPs, aber für Desktop-PCs? Ob sich das rechnet? Aber zum Glück gibts ja jetzt eine Finanzspritze aus dem Morgenland: Die Scheichs kaufen nicht nur die nordische Börse OMX und zuhauf Airbusse (samt A380 als fliegenden Palast), jetzt will das Emirat Abu Dhabi auch als neuer Großaktionär bei AMD einsteigen und für 622 Millionen Dollar über den staatlichen Investmentfonds 8,1 Prozent der Aktien aus dem AMD-Bestand übernehmen. Allerdings muss der Kauf noch genehmigt werden, und schon kocht in rechten US-Kreisen die Volksseele über: Die Moslems rissen sich die amerikanische Hightech-Industrie unter den Koran. Die Börsenanalysten (wie Caris & Company) halten trotz der Aussicht auf neuen Cash an ihrer Empfehlung „Sell“ für AMD-Aktien fest und empfehlen lieber HP oder Cisco.
Abu Dhabi, das klingt ja so ähnlich wie Apple und als Emirat lässt sich Steve Jobs Führungsstil ja auch stilvoll umschreiben, da wundert es nicht, dass Fox News die schöne Ente fabrizierte, Apple hätte sich das Aktienpaket von 8,1 Prozent gesichert (hübsch anzuschauen in youtube). Das mag vielleicht noch kommen, derzeit ist Jobs aber noch mit Intel verheiratet.
Keine Probleme mit dem 65-nm-Prozess, wie immer wieder behauptet wird, sondern ein blöder Speedpath im Zusammenspiel des Translation Lookaside Buffer (TLB) mit dem L3-Cache, so AMD, beschränke den Takt im aktuellen B2-Step des K10 nach oben. Ab 2,4 GHz gibt es zuweilen unter Volllast Ärger - na, da kann man auf baldige schneller getaktete Triple-Cores hoffen, wo die Volllast aller vier Kerne ja per se nicht auftritt. Neuere Revision Guides für K10 gibts noch nicht und an die ausführlicheren NDA-Errata-Sheets kommt man ohnehin nicht heran. Aber in dem älteren Revision Guide vom September ist unter Fehler 254 ein Bug aufgelistet, „Internal Resource Livelock with Cached TLB“, der möglicherweise genau diesen Speedpath betrifft. Genaueres weiß man nicht, denn alles wird ganz im Sinne der neuen Großaktionäre nur sehr verschleiert beschrieben. Natürlich kann man den TLB auch einfach per BIOS abschalten, aber das kostet reichlich Performance.
Ähnliche Probleme bereiten aber auch der Konkurrenz Kopfschmerzen, Nvidia und Intel zum Beispiel. Bei den neuen nForce-780/790i-Chipsätzen mit Triple-SLI etwa klappt das Zusammenspiel mit Intels 45-nm-Prozessoren noch längst nicht so wie gewünscht, genauer gesagt, es gibt massive Probleme. So klagt VoodooPC-Guru Rahul Sood (jetzt bei HP unter Vertrag), dass HP deshalb die von vielen erwarteten neuen SLI-tauglichen Systeme verschieben müsse.
Als Spieleplattform hat es der PC ohnehin immer schwerer. Zwar putzen die Prozessor- und mehr noch die Grafikkartenhersteller immer stärker genau diese Fähigkeit heraus, aber der Markt hat seine eigenen Gesetze. Während die Konsolen, allen voran Nintendo Wii, boomen, ist der Spieleabsatz im PC-Geschäft stark rückläufig, so verlautete es auf der von Nvidia organisierten LAN-Party „Geforce Lan 4“ in Kalifornien. Der PC-Spielemarkt habe in den USA im Jahre 2001 noch bei 1,5 Milliarden US-Dollar gelegen, im vorigen Jahr nur noch bei 900 Millionen. In einer Diskussionsrunde beklagten sich selbst die Hardcore-Gamer bei den Hard- und Softwareherstellern, dass sie nicht bereit seien, alle paar Monate eine neue High-End-Grafikkarte zu kaufen, ohne die die neuen Spiele nicht vernünftig laufen - aber was heißt hier eine: In Intels Spieleplattform Skull Trail gehören derer vier!
Intel ficht das alles nicht an, und die Corporation zeigt derweil genüsslich zeitgleich zu AMDs partiellem Phenom-Launch den Extreme Edition QX9770 mit 3,2 GHz/FSB1600 herum. Nein, ins Weihnachtsgeschäft soll der nicht mehr, sondern erst Anfang nächsten Jahres auf den Markt. Intel kann sich jetzt auch viel Zeit lassen und sich geruhsam auf neue Absatzmärkte konzentrieren, dort wo AMD ohnehin nichts zu bieten hat. Etwa bei den Eee- und Classmate-PCs, wo superpreiswerte, winzige Chips erforderlich sind. Intel hat ja erst kürzlich hierfür einen speziellen neuen Prozessor angekündigt: Diamondville - gut möglich, dass der auch schon die von Transmeta eingekaufte besonders sparsame LongRun2-Technik verwenden wird.
Bei preiswerten, winzigen Chips ist allerdings noch jemand im x86-Rennen, wiewohl die Firma ein bisschen aus dem Blickfeld geraten ist: VIA. Aber totgesagte Hosen leben bekanntlich länger (diejenigen aus Düsseldorf, die unter anderem den eisgekühlten Bommerlunder erfunden haben, nun schon über 25 Jahre). Nur 31,7 mm2 groß ist der aktuelle VIA-Chip C7-M (Esther), der sich zum Beispiel als C7-M ULV bei 1 GHz auf 3,5 Watt TDP beschränkt und im Leerlauf sogar auf 0,1 W. Er wird mit bis zu 2 GHz Takt von IBM im 90-nm-Prozess hergestellt. Für anspruchsvollere Aufgaben ist er aber ein bisschen schlapp. Anfang nächsten Jahres wird jedoch endlich Jesaja („CN“) erwartet, den der legendäre Chef der VIA-Prozessorschmiede Centaur, Glenn Henry, schon vor über drei Jahren auf dem Microprocessor Forum begeistert vorstellte. Der Chip soll 65-nm-Prozess, dreifach skalaren Out-of-Order-Kern, 64 Bit, einen erweiterten Instruktionssatz, eine viermal schnellere FPU und einen achtmal größeren L2-Cache von 1 MByte bieten und im Schnitt bei gleichem Takt doppelt so schnell sein wie C7-Esther.
Eigentlich war er mal für Mitte 2006 angekündigt, aber mit leichter Verzögerung soll es nun bald so weit sein. Aus dem Chipsatzgeschäft, so hört man, will VIA aussteigen und sich ganz auf das Geschäft mit Billigst-PCs konzentrieren. Höchste Zeit, damit Intel hier richtige Konkurrenz bekommt. (as)
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