„Wir sind wie die Welthungerhilfe und sie sind McDonalds“ - so OLPC-Chef Nicholas Negroponte nach dem kurzen Techtelmechtel mit dem Chip-Giganten Intel. Dieser Gigant bekommt außerdem zunehmend Ärger mit den Wettbewerbshütern weltweit. Dabei hat er jetzt leistungsfähige Produkte und hätte „potenziell kartellrechtliche Vergehen“ nicht nötig.
MIT-Professor Negroponte wirft dem Ex-Partner unter anderem vor, das mit einem AMD-Prozessor bestückte XO-Notebook des One-Laptop-Per-Child-Projektes bei potenziellen Abnehmerländern mies gemacht zu haben (S. 27). Mit Vermiesungstechniken gegenüber AMD scheint sich Intel ja ohnehin gut auszukennen - gegenüber der EU hat Intel am 7. Januar nach zweimaliger Verlängerung die eingeforderte Stellungnahme zum Vorwurf des Marktmissbrauchs in letzter Sekunde abgegeben. Das heißt, zunächst nahm Intel das Recht in Anspruch, die Stellungnahme erst einmal einem Anhörungsbeamten (Hearing Officer) der Wettbewerbskommission vorzulegen, der, bis er alles eingehend geprüft hat, zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Erst dann wird er der Kommission in Gestalt seiner Chefin, der Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, Bericht erstatten, das kann also noch zwei, drei Monate dauern.
Derweil hat man aber auch in Intels Heimatland erkannt, dass man der Corporation genauer auf die Wettbewerbsfinger schauen muss. Nach den nunmehr schon seit Jahren laufenden Ermittlungen der Kartell-Behörden in Japan, Korea und Europa hat jetzt der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo eine umfassende Untersuchung der Geschäftspraktiken des Prozessorherstellers Intel angekündigt. „Nach einer sorgfältigen vorläufigen Betrachtung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Vorwürfe bezüglich Intels potenzieller kartellrechtlicher Vergehen eingehend untersucht werden müssen“, so Cuomo.
Das kann Intel sehr, sehr teurer kommen. Also muss jetzt noch schnell viel Geld verdient werden, insbesondere, solange Konkurrent AMD noch mit Bugs hadert. Und so überraschte Intel auf der CES die Szene mit den neuen Core-2-Duo-Prozessoren in 45-nm-Technik, die nicht nur wie erwartet für Notebooks, sondern auch schon für Desktop-PCs herauskamen, wenn auch zunächst nur mit Dual-Cores (siehe Seite 24).
Die rührige Hongkong-chinesische Website HKEPC.com hat unterdessen etliche Neuigkeiten zum geplanten Nehalem-Prozessor von nicht genannten Mainboard-Herstellern abgegraben (also aus „vermutlich vertrauenswürdiger Quelle“) - mit neuen Codenamen und mit der Erkenntnis, dass „gewöhnliche“ Desktop-Prozessoren ohne die neuen seriellen Links QPI (Quick Path Interface), dafür aber mit integriertem Speichercontroller (für zwei DDR3-SDRAM-Kanäle) und PCIe-2.0-Port (16x) sowie in einigen Versionen mit Grafikkern ausgestattet sein werden. Die unter dem Namen Lynnfield (Quad) und Havendale (Dual) vorgesehenen Desktop-Prozessoren sollen das PCI-Express-ähnliche Direct Media Interface (DMI) nutzen, um einen neuartigen Platform Controller Hub (PCH) mit Codenamen Ibexpeak anzubinden. Der PCH ersetzt die bisher bei Intel-Chipsätzen übliche Kombination aus (Graphics) Memory Controller Hub (GMCH/MCH, Northbridge) und I/O Controller Hub (ICH, Southbridge), die schon heute per DMI angeschlossen sind.
Dass die von der Oregon-Crew um Fellow Glenn J. Hinton entwickelten Nehalem-Prozessoren wieder mit Hyper-Threading aufwarten werden, wie einst der ebendort entwickelte Pentium 4, hatte Intel schon auf dem IDF in Peking im letzten Frühjahr verraten. Ein Quad-Core verhält sich dann so wie acht logische Prozessoren. Allerdings - so HKEPC - wird auf dem Quad-Core Lynnfield anders als bei dem Dual-Kollegen kein Platz mehr für den Grafikkern sein.
Auch zur Leistungsaufnahme der kommenden Intel-Prozessoren veröffentlichten die Chinesen erste Werte. Demnach sollen die Havendale-Doppelkerne 75 Watt und Lynnfield 20 Watt mehr benötigen. Mit 75 Watt TDP läge ein Havendale-Prozessor ungefähr auf dem Niveau eines aktuellen Core 2 Duo der E-Serie zusammen mit einem (G)MCH.
Ähnlich dürfte die Sachlage bei den mobilen Nehalems Clarksfield (Quad) und Auburndale (Dual) aussehen, nur dass die etwas energiesparender sind. Der Verbrauch (Clarksfield bis 55 Watt, Auburndale 45 Watt) liegt dabei im Rahmen der aktuellen Penyrn-Prozessoren, wenn man die Northbrigde (10 bis 12 Watt) mit hinzuaddiert. Es heißt, dass Nehalem bei gleicher Performance etwa 30 Prozent weniger Energie verbraucht - oder eben bei gleichem Energieverbrauch etwa 30 Prozent schneller sein soll als Penyrn.
Zunächst aber ist noch für Ende dieses Jahres geplant, die Xeon-Versionen des Nehalem für Server und Workstations herauszubringen, mit zwei (Xeon DP, 5000er-Serie) sowie mit vier und mehr CPU-Fassungen (Xeon, 7000er-Serie), die je nach Ausführung bis zu vier QuickPath-Links besitzen werden. Die kleineren Xeons wie etwa die Dual-Core-Version Gainestown steuern gepufferten DDR3-Speicher an, die größeren FB-DIMMs. Aber Intel hat auch einen Memory-Translator-Chip „Millbrook“ in petto, der den Anschluss von DDR3-Speicher am FB-DIMM-Interface gestattet. Bei den großen MP-Xeons ragt mit bis zu acht Kernen auf einem Chip der Beckton heraus, dessen Erscheinen Intel-Chef Otellini für Ende 2008 versprochen hat. Vier FB-DIMM-Kanäle, vier QP-Links, 24 MByte L3-Cache - das wird ein wahres Monster. Daneben soll mit dem Bloomfield Intels erster nativer Quad-Core im Rahmen der Extreme-Edition für High-End-Desktop-Rechner erscheinen mit neuem 1366-poligen Sockel und 130 Watt TDP. Bloomfield dürfte genauso wie die Nehalem-Xeons neben dem integrierten Memory Controller für drei DDR3-Speicherkanäle zumindest einen QPI-Link besitzen, über den er mit dem Chipsatz Tylersburg kommuniziert.
Ob denn aber Nehalem wirklich als erster Prozessor mit QuickPath-Interface herauskommen wird, ist fraglich, denn es gibt noch einen Konkurrenten: den aus dem Itanium-Lager stammenden Tukwila. Dieser Quad-Core soll in der zweiten Jahreshälfte erscheinen und dank QPI dann praktischerweise die Chipsatz-Infrastruktur der Nehalem-Xeons mitbenutzen. Ein Janus-System, das wahlweise bestückt werden kann, ist aber nach Aussage von Pat Gelsinger nicht geplant - zumindest noch nicht. (as)
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