Schon im Vorfeld des geplanten Stapellaufs – der, wie alle Internet-Welt weiß, in der zweiten Septemberwoche stattfinden soll – macht Intels Lynnfield-Prozessor viel von sich reden. Viel Lärm gibts auch um die von der EU gegen Intel verhängten Strafe.
Noch ist er gar nicht da, doch hier und da wird Intels Lynnfield-Prozessor bereits in Online-Shops angeboten. Die offenbar sehr begehrten, preiswerten Quad-Cores mit nur zwei Speicherkanälen und integriertem PCIexpress 2.0 kommen als Core i7-8xx mit Hyper-Threading (HT) und 8 MByte L3-Cache oder als Core i5-7xx ohne HT heraus. Für sie sind neue Boards mit dem LGA1156-Sockel nötig. Diese Boards kann man jetzt schon ordern, ab etwa 96 Euro (Gigabyte GA-P55M-UD2).
Fürs vierte Quartal, vielleicht schon im Oktober, sind dann die ersten Prozessoren in 32-nm-Technik vorgesehen. Um mit UV-Licht von 193 nm solche nanoskopischen Strukturen hinzaubern zu können, wird nun auch Intel Flüssigkeiten zwischen Linsen und Wafer einsetzen (Immersionslithografie), so wie es die Konkurrenz bereits bei 45 nm macht.
Schön hübsch bunt: Intel/Microns neuer 32-GBit-Flash-Baustein in 34-nm-Technik
Zunächst sind unter dem Codenamen Clarkdale Dual-Core-Prozessoren geplant, deren verkleinerte Architektur auf den Namen Westmere hört. Gegenüber der aktuellen Nehalem-Architektur in 45 nm gibt es keine größeren Änderungen, es kommen lediglich ein paar Befehle fürs Ver- und Entschlüsseln hinzu.
Allerdings ist der Speichercontroller herausoperiert und befindet sich in dem im Gehäuse zusätzlich integrierten Grafik-Chip. Dieser Chip wird noch in bewährter 45-nm-Technik gefertigt. Unter den Codenamen Arrandale und Clarksfield sollen im Herbst auch die Mobile-Versionen von Lynnfield respektive Clarkdale herauskommen.
So wie’s ausschaut, wird bei den Clarkdales mit Core im Namen das Hyper-Threading immer aktiviert sein, der i5-6xx taktet dabei bis hinauf auf 3,46 GHz, die langsameren Ausführungen mit 3,06 und 2,93 GHz firmieren unter Core i3-540 respektive -530.
Auf der über die chinesische Website it168 durchgesickerten Roadmap taucht auch die Low-Cost-Version des Prozessors ohne Hyper-Threading auf, die sich mit 2,8 GHz Takt, 3 MByte L3 und DDR3-1066 begnügt. Sie soll den Namen Pentium weiter hochhalten und daher als Pentium G6950 ins Rennen gehen. Westmere-Chips ohne integrierten Grafik-Chip und mit sechs Kernen sind für den weiteren Verlauf des Jahres 2010 als Nachfolger für den aktuellen Core i7 mit LGA-1366 auch vorgesehen (Gulftown).
Intel will in Kürze auch die zusammen mit Micron entwickelten neuen NAND-Flash-Bausteine mit 32 GBit Kapazität herausbringen. Diese werden in einem 34-nm-Prozess hergestellt und enthalten, wie bei der Toshiba- und Sandisk-Konkurrenz auch, 3 Bits pro Speicherzelle. Letztere haben bislang aber nur 16 GBit im groben 56-nm-Prozess fabriziert, wollen aber in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls mit 32 GBit in Toshibas 43-nm-Prozess aufwarten und dann 2010 sogar mit 64 GBit mit 4 Bits pro Speicherstelle. So viele Bits pro Zelle bietet die derzeit im Insolvenzschutz nach Chapter 11 befindliche Firma Spansion mit ihren MirrorBit-Quad-Flashes (NOR) schon länger, aber nur bis maximal 2 GBit.
Intel musste in der letzten Bilanz ja über eine Milliarde Euro als Strafgebühr für wettbewerbsfeindliches Verhalten ausweisen, die an die EU auszuzahlen sind. Nun beklagt Intel, dass die Art des Verfahrens der Europäischen Kommission gegen die Menschenrechte verstoße. Man habe keine in Gerichtsverfahren üblichen Möglichkeiten gehabt, sich zu verteidigen. Bevor die Corporation jetzt aber in Straßburg beim dafür zuständigen Europäischen Gerichtshof vorstellig wird, hat sie erst einmal den normalen Klageweg beschritten und die Klage vor dem Europäischen Gericht erster Instanz in Luxemburg eingereicht. Im Zuge der Vorbereitung auf diesen Prozess hat Intel Interview-Protokolle eingefordert, aber nicht erhalten, woraufhin sich Intel beim Ombudsmann P. Nikiforos Diamandouros beschwerte. Das ist nicht irgendwer, sondern der vom Europäischen Parlament gewählte oberste Bürgerbeauftragte, der Beschwerden über Missstände in den Organen und Einrichtungen der EU abhandelt.
Diamandouros hat laut Wall Street Journal in einem bislang noch nicht veröffentlichten Report dann auch gerügt, dass ein leitender Dell-Manager als möglicher Entlastungszeuge nicht formgerecht von der Wettbewerbskommission interviewt wurde. Über das Treffen mit dem Manager im Jahre 2006 mit der EU-Wettbewerbsbehörde lägen nämlich keine Interview-Protokolle vor, nur ein nachträglich angefertigtes internes Memo, an das Intel nicht herankommt. Der Manager soll angeblich nicht Druck von Intel, sondern mangelnde Performance der damaligen AMD-Prozessoren als Grund für Dells Marktentscheidung angeführt haben.
„Intel habe das Recht, sich zu verteidigen“ sagte dazu lapidar EU-Sprecher Alain Bloedt. Dieser Formfehler dürfte wohl nichts an der Kommissions-Entscheidung ändern, wonach Intel sich wettbewerbswidrig verhalten hat. Bei dem bislang nicht genannten Dell-Manager könnte es sich gut um den ehemaligen langjährigen Dell-CTO Kevin Kettler handeln, der auch schon im Rambus-Fall 2003 als Zeuge vor der Federal Trade Commision ausgesagt hatte. Nach seinen Worten hatten Dell und AMD einen sieben Jahre währenden „komplexen“ Anpassungsprozess benötigt, bevor Ende 2006 die ersten Dell-Computer mit AMD-Chips auf den Markt kamen.
Nicht nur im Intel-Fall wirken sich Entscheidungen der EU auf amerikanische IT-Firmen aus, auch bei der geplanten Übernahme von Sun durch Oracle hat die Wettbewerbsabteilung der EU ein Wörtchen mitzureden. Deren Entscheidung ist für den 3. September angekündigt. Mindestens bis dahin sind Sun-Kunden Freiwild für IBM und HP, die sich derzeit geradezu zerreißen, mit gut ausgearbeiteten Migrationsplänen die Sun-Klientel abzuwerben. Die Unsicherheit um die Zukunft der Sun-Hardware, etwa des UltraSparc-RK-Prozessors (Rock), tut dabei ihr Übriges. Dass dieser eingestampft wird, gilt als nahezu sicher. Neueren Gerüchten zu Folge soll vor allem seine enttäuschende Performance dafür ausschlaggebend gewesen sein. Der Niagara III mit 16 leichtgewichtigen Kernen hätte das Rock-Schwergewicht locker abgehängt.
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