Raumgewinn

Stereoskopische PC-Spiele auf 3D-Fernsehern

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Grafikkartenhersteller versprechen, Hunderte PC-Spiele räumlich auf die Glotze zu bringen. Doch Grafikfehler und Performanceverluste verleiden einem so manche stereoskopische Spielesession. Welche Titel taugen tatsächlich zur Stereoskopie und worauf muss man beim Hardware-Setup achten?

Mit der Einigung der Hersteller auf den Standard HDMI 1.4 und den neuesten Grafikkarten und -Treibern von AMD und Nvidia ist die stereoskopische Ausgabe von PC-Spiele inzwischen auch auf aktuellen 3D-Fernsehern und -Beamern möglich (Überblick ab Seite 98 in c't 4/11). Die Fernsehhersteller legen ihren Geräten eigene Shutter-Brillen bei, sodass man auf die Modelle der Grafikkartenanbieter verzichten kann. Wer hingegen lieber am Notebook stereoskopisch spielen will, findet aktuelle Geräte im Test ab Seite 92 in c't 4/11.

Während sich Filme nachträglich nur schwer und mit unbefriedigenden Ergebnissen 3Disieren lassen, haben PC-Spiele es wesentlich einfacher. Weil hier alle Objekte sowieso in einem dreidimensionalen Raum berechnet werden, reicht im einfachsten Fall ein Treiber-Update der Grafikkarte aus, um die Szenerie in stereoskopischem 3D auszugeben. Der PC muss dazu statt einem zwei Bilder für das rechte und linke Auge berechnen. Das verlangt ihm aber nicht nur mehr Leistung ab, sondern erfordert auch penible Abstimmungen, damit er jedes Objekt tatsächlich auch mit der richtigen Tiefeninformation darstellt.

Wer jedoch in voller HD-Auflösung mit 1080p stereoskopisch im Wohnzimmer spielen will, wird enttäuscht sein. Zwar unterstützt HDMI 1.4 die stereoskopische Ausgabe in 1080p, allerdings nur mit 24 Bildern pro Sekunde. Dieser Modus ist vor allem für 3D-Blu-ray-Filme vorgesehen, die mit genau dieser Bildrate abgespeichert wurden. PC-Spiele hingegen benötigen höhere Bildwiederholraten, um flüssig zu laufen. Deshalb werden Spiele nur mit 720p (1280 x 720 Bildpunkte) und idealerweise 60 Hz übertragen (50 Hz werden ebenfalls unterstützt). Ausnahmen wie Civilization V, das nur in Full HD mit 24 Bildern pro Sekunde stereoskopisch läuft, bestätigen diese Regel.

Weil die Bilder für das rechte und linke Auge gemeinsam in einem Paket mit 1280 x 1470 Punkten übertragen werden (inklusive eines Trennstreifens von 30 Pixeln), muss der PC doppelt so viele Pixel wie sonst berechnen. Hinzu kommt noch die Kantenglättung (Antialiasing). Sie ist vor allem bei großen Fernsehern mit Full-HD-Auflösung nötig, um Treppenbildung und Flirren an Objektkanten zu verhindern; beides stört bei stereoskopischer Betrachtung empfindlich.

Noch mehr als bei der monoskopischen Ausgabe nervt es bei der Stereoskopie, wenn die Bilder für das rechte und linke Auge auseinanderreißen, weil sie nicht zur Bildwiederholrate des Fernsehers synchron laufen. Deshalb sollte man im Setup des Spiels oder im Grafikkartentreiber unbedingt die vertikale Synchronisation (VSync) einschalten.

Alles in allem kommen bei der stereoskopischen Spielausgabe selbst performanteste CPUs und Grafikkarten ins Schwitzen, wenn sie trotz der relativ geringen Auflösung von 720p wegen Antialiasing und VSync die Framerate stabil über 30 fps halten sollen. Denn nur dann bewegen sich die Figuren auch tatsächlich flüssig.

Nvidia und AMD unterstützen erst mit ihren neuesten Baureihen die Ausgabe auf HDMI 1.4. Bei Nvidia reicht die Auswahl von der passiv gekühlten GeForce GT 430 (ab 65 Euro) über die mit Lüfter ausgerüstete GTS 450 (etwa 120 Euro), die Mittelklasse GTX 460 (ab 160 Euro) bis zu den High-End-Modellen GTX 570 und 580 (ab 330 Euro). AMD hat derzeit vier Modelle mit Unterstützung für HDMI 1.4 im Programm, die allesamt aus der Radeon HD 6000er Reihe stammen und zwischen 180 und 330 Euro kosten: Radeon 6850, 6870, 6950 und 6970.

Zwar führt AMD anders als Nvidia keine passiv gekühlten Karten mit HDMI 1.4, für die Ausgabe von stereoskopischen 3D-Spielen sind diese mangels Rechenleistung aber sowieso ungeeignet. Als Minimal-Konfiguration haben wir deshalb unseren optimalen PC aus [1] mit Intel-Prozessor Core i3 560 jeweils mit der GTX 460 von Nvidia und AMDs Radeon HD 6850 sowie ein High-End-Modell mit Core i7 860 und einer GTX 570 beziehungsweise Radeon HD 6950 ausgerüstet. Auf dem mit 6 GByte RAM bestückten PC kam die 64-Bit-Fassung von Windows 7 zum Einsatz.

Nvidia unterstützt stereoskopische Spiele seit gut anderthalb Jahren mit dem Shutter-Brillen-Set 3D Vision. Mittlerweile hat der Hersteller eine umfangreiche Datenbank angelegt, in der Tausende PC-Spiele aufgelistet sind und nach ihrer stereoskopischen Tauglichkeit bewertet werden. Hierunter findet man 15 speziell auf 3D Vision optimierte Spiele sowie Hunderte weitere, die laut Nvidia „exzellent“ oder zumindest „gut“ laufen sollen. Die im aktuellen Beta-Treiber 266.35 mittlerweile integrierte Datenbank listet dabei für jedes Spiel etwaige Grafikprobleme und Konfigurationstipps auf, die das Finden der optimalen Grafikeinstellungen erleichtern.

Wer jedoch eine Nvidia-Grafikkarte an einen 3D-Fernseher mit HDMI 1.4 anschließen will, benötigt entweder den 3D-Vision-USB-Adapter oder eine mit 35 Euro zu Buche schlagende Software-Lizenz namens „3DTV Play“ – sonst kommt am Fernseher kein stereoskopisches Bild an. Die 3D-Ausgabe muss zudem vom Nutzer einmalig konfiguriert werden. Bevor man diese Konfiguration jedoch startet, sollte man unbedingt die Bildschirmauflösung auf 1280 x 720 einstellen, weil sonst Fernseher irritiert werden können.

Vergrößern Auf Nvidia-Karten demonstriert der schwarze Ritter in Batman Arkham Asylum eindrucksvoll die technischen und spielerischen Vorzüge der Stereoskopie.

ATI überlässt die Unterstützung stereoskopischer Spiele Drittherstellern wie Tridef und iZ3D. Während iZ3D nur Spezialmonitore unterstützt, hat Tridef in seinem DDD-Treiber 4.4 inzwischen auch die Ausgabe für HDMI 1.4 übernommen. Tridef verlangt 50 US-Dollar für den Treiber, von dem es immerhin eine 14-tägige Probeversion gibt (siehe c’t-Link am Ende des Artikels).

Während Nvidia die 3D-Unterstützung nahtlos im Treiber integriert und automatisch die richtigen Einstellungen beim Start eines Spiels lädt, ist bei Tridef Handarbeit vonnöten. So bietet der Hersteller für Hunderte von Spielen speziell angepasste Profile an. Auf einem einblendbaren Onscreen-Menü lassen sich alle möglichen Parameter verstellen, die unter anderem die Tiefe der räumlichen Darstellung, die Position der Objekte vor und hinter der Bildschirmebene sowie die Art und Genauigkeit der 3D-Berechnung verändern.

Doch nicht nur die Qualität der grafischen Ausgabe beeinflusst das Spielerlebnis, sondern auch Typ und Steuerung des Spiels an sich. So strengt die stereoskopische Bildausgabe die Augen deutlich mehr an als die monoskopische [2], weil die aktuelle Technik mit aktiven Shutter-Brillen arbeitet, die vor jedem Auge mit 60 Hz flimmern. Darüber hinaus muss die Augenlinse stets auf die Bildschirmoberfläche fokussieren und nicht auf den scheinbaren Abstand der gezeigten Objekte. Die Belastung wird umso stärker, je kürzer der Abstand vom Auge zum Bildschirm ist und je schneller die Bilder wechseln.

Am großen Fernseher im Wohnzimmer ist deshalb die Steuerung eines Spiels mit Maus und Tastatur wenig sinnvoll, weil der Spieler hier meist in aufrechter Haltung dicht vor dem Bildschirm sitzt. Viel angenehmer ist die entspannte Steuerung mit einem Gamepad, wie man es von Konsolen her kennt. So lässt sich beispielsweise der Xbox-360-Controller von Microsoft per USB-Kabel oder per Funkadapter am PC anschließen und wird von Windows automatisch erkannt und installiert. Seine Tastenbelegung ist in vielen Spielen bereits zu finden, sodass sich die Titel wie auf der Xbox 360 steuern lassen.

Aber längst nicht alle Spiele unterstützen eine Gamepad-Steuerung, selbst wenn sie auch auf Konsole erschienen sind. Behelfen kann man sich in solchen Fällen mit Tools wie dem Xpadder, der Gamepad-Befehle auf Tastatur- und Mauseingaben umleitet. Allerdings ist hiermit einiger Konfigurationsaufwand verbunden und die Abstimmung der Mausbewegungen auf den Analogstick des Pads ist nicht gerade ideal. (hag)

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 4/2011.

3D wie im Kino

Artikel zum Thema "3D wie im Kino" finden Sie in c't 4/2011:

  • Stereoskopische PC-Spiele auf 3D-Fernsehern - Seite 86
  • Notebooks mit 3D-Display - Seite 92
  • Displays und Beamer für die 3D-Wiedergabe - Seite 98

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