Zum fünften Mal hat die Göttinger Sernet GmbH zur samba eXPerience, einer Konferenz über die freie Windows-Server-Alternative Samba, eingeladen. Rund 150 Teilnehmer kamen, darunter wieder viele Mitglieder des Samba-Entwicklerteams.
Die Botschaft der Vorträge am ersten Konferenztag auf der diesjährigen samba eXPerience war eindeutig: Die Weiterentwicklung von Samba 3 - der aktuellen, für den produktiven Einsatz gedachten Version - hat zu einer neuen Agilität gefunden. Zirka alle vier Monate sei mit einem Upgrade zu rechnen, versprach Release Manager Gerald Carter. Samba 4 bleibt bis auf weiteres eine Plattform, um künftigen Code zu testen. Es erlaubt den Betrieb als Domain Controller für ein Active Directory. Außerdem dient es dazu, Entwicklungsideen auszuprobieren, etwa die Code-Generierung für RPCs.
Die Agilität von Samba 3 untermauerte Sernet-Mitgründer und langjähriges Team-Mitglied Volker Lendecke mit ein wenig Statistik: Die Unterschiede (diffs) der letzten Versionen seit 3.0.20, umfassen rund 100 000 Zeilen, wenn es sich nicht um reine Bug-Fix-Versionen handelt. Ebenso umfangreich fallen die Änderungen auf Version 3.0.23 aus, die vor der Konferenz als Vorabversion veröffentlicht worden war und Ende Mai fertig sein soll. Im Vergleich dazu haben es alle Versionen zwischen 3.0.3 und 3.0.14 zusammen gerade mal auf eine solche sechsstellige (diff-)Zeilenzahl gebracht.
Viele der Neuerungen in Samba 3 stammen schon aus der Version 4, die Gerald Carter „ein Buffet nützlicher Einzelteile“ nannte. So verwenden die Entwickler den für Samba 4 ausgedachten Ansatz, RPCs über eine spezielle Sprache (IDL) zu beschreiben und durch einen eigenen Compiler übersetzen zu lassen. Auch der Code für Qualitätstests der Version 3 ist aus Samba 4 in die Produktivversion zurückgeflossen. Ein Teil der Änderungen geht auch auf den Code-Audit zurück, den das US-amerikanische Department of Homeland Security kürzlich in Auftrag gegeben hatte.
Selbst wenn das Samba-Team ausschließlich mit Samba 3 beschäftigt wäre, ginge die Arbeit so schnell nicht aus. So wenden die Entwickler der Client-Seite mehr Aufmerksamkeit zu, indem sie winbind für den Offline-Betrieb erweitern (3.0.23) und spezielle RPC-Aufrufe bereitstellen, die Attribute zu Unix-Benutzerkonten zurückliefern (3.0.24).
Samba 3.0.23 wird überarbeitete Funktionen mitbringen, die zwischen den User-IDs der Unix-Welt und den SIDs unter Windows vermitteln. Dieser Code hatte in der Vergangenheit immer wieder für Kollisionen gesorgt. Mit diesen Änderungen geht eine Renovierung der Administrationswerkzeuge für Benutzer und Gruppen einher und Samba unterstützt erstmals so wie Windows Gruppen, die Gruppen enthalten dürfen. Die Details und Implikationen dieser Änderungen beschreiben die Release Notes der 3.0.23-Vorabversion im Detail.
Auf der SambaXP entflammte mal wieder die Diskussion darüber, ob die Konfigurationsdatei von Samba (smb.conf) viel zu viele Optionen kenne und vereinfacht werden müsse. Gerald Carter erntete mit seinem Vorschlag, einen Großteil in die Samba-eigene Registry(-Emulation) zu verbannen (per RPC manipulierbar), mehr Heiterkeit als Begeisterung.
Auch wenn Samba 4 wegen noch fehlender Funktionen wie Druckdiensten für den produktiven Einsatz nicht gedacht ist, will das Team weiterhin Technology Previews veröffentlichen; die dritte Preview könnte mit Erscheinen dieser c't-Ausgabe schon erhältlich sein. Eine Alpha-Version von Samba 4 wird es erst dann geben, wenn der Code die Reife erreicht hat, die er mit Samba 2.2 im Hinblick auf NT4-Domänen hatte. Es werden also die grundlegenden Funktionen eines Active Directory implementiert sein, aber längst nicht alle Feinheiten, etwa für Forests, Domain-Trusts et cetera. Ein idealer Tester für diesen Code hat in den Augen der Entwickler Erfahrungen mit Kerberos und Co, setzt aber noch kein Active Directory ein.
Bereits am Ende des ersten Konferenztags war klar, dass Sernet auch nächstes Jahr wieder Samba-Entwickler und -Nutzer zur SambaXP einladen wird.
(ps)
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