Alle Jahre wieder nutzen die großen PC-Markenhersteller Intels Chipsatz-Präsentationstermine, um ihrerseits neue Firmen-Computer einzuführen.
Bei den Rechnern für professionelle Anwender behauptet Intel unangefochten seine Marktführerschaft und ist seit geraumer Zeit mit den jeweils 18 Monate lang aktuellen „Stable-Platform“-Chipsätzen erfolgreich, die immer einen Grafikprozessor enthalten.
Die aktuelle Stable-Platform-Chipsatz-Inkarnation heißt i945G (Lakeport-G), kommt mit der Southbridge ICH7 oder ICH7R und ist für Intels aktuelle Ein- und Zweikern-Prozessoren im LGA775-Gehäuse gedacht, die mittlerweile vom Celeron D über den Pentium 4 5xx und 6xx bis zu Pentium D durchgängig mit EM64T-Erweiterungen lieferbar sind. Der i945G unterstützt außer FSB533, FSB800 sowie FSB1066 und steuert auch PC2-5300-Speicher aus DDR2-667-Chips mit den vollen 333 MHz an; meistens dürfte aber PC2-4200/DDR2-533-RAM zum Einsatz kommen. Zusatzfunktionen wie die Fernwartungsfunktion Active Management Technology (AMT) oder Matrix RAID mit RAID-5 lassen sich bei Wahl der passenden Chip-Varianten (Gigabit-Ethernet-Adapter 82573E, ICH7R) auf dem Mainboard realisieren. PCI Express (ein x16-PEG-Port an der Northbridge, vier bis sechs PCIe-x1-Ports an der Southbridge) und HD Audio sind nun bereits in der zweiten Intel-Chipsatz-Generation zu haben. Der GMA-950-Grafikprozessor soll schneller sein als sein GMA-900-Vorgänger und kann jetzt zwei Displays (einmal VGA, DVI über ADD2-Karte im PEG-Slot) mit unterschiedlichen Bildern versorgen.
Zeitgleich zu Intels i945G/P-Start Ende Mai stellte Fujitsu-Siemens (FSC) die Esprimo-Baureihe vor, die die Scenic-Modelle ablöst. Mit dem i945G sind zunächst die beiden Modellreihen Esprimo E (Microtower) und P (Desktop) bestückt, die kompakte „Small-Form-Factor“-(SFF-)Variante Esprimo C arbeitet noch mit i915G. Die neuen Chipsätze sind auch in bleifreien, also RoHS-kompatiblen Ausführungen zu haben; FSC fertigt nun alle Profi-Rechner entsprechend der Elektronikschrott-Richtlinie.
Schadstoffarm im Sinne der RoHS sollen auch die neuen Produkte von Dell und HP sein. Dell setzt bei den vier Gehäusetypen des OptiPlex GX620 auf den BTX-Formfaktor, die leicht abgespeckte Version GX520 ist nur in drei Größen zu haben. HP hat den HP Compaq dc7600 in drei Varianten vorgestellt. Bei allen drei Herstellern (und auch IBM/Lenovo, deren i945G-Systeme noch ausstehen) haben die kompakten SFF- und superkompakten Ultra-Small-Form-Factor-Gehäuse an Stellenwert gewonnen. Die kleinsten Modelle von Dell und HP lassen sich sogar hinter einem Flachdisplay montieren („Zero Footprint“).
Die äußerlich recht unscheinbaren Bürorechner der drei Hersteller, die zusammen im letzten Jahr (laut Gartner) etwa 66 Millionen der rund 189 Millionen weltweit verkauften Desktop-PCs, Notebooks und x86-Server ausgeliefert haben, unterscheiden sich nur in Details. Diese allerdings können für Großfirmen, die gleichzeitig tausende davon in Betrieb nehmen und warten müssen, von erheblicher Bedeutung sein. So fertigen alle genannten PC-Firmen unterschiedliche Modelle, die mit dem gleichen Betriebssystem-Image und teilweise sogar demselben BIOS arbeiten. Fernwartungs-Optionen und spezielle Service-Angebote - etwa bis zu drei Jahre (fünf bei FSC) Vor-Ort-Support mit vier Stunden Reaktionszeit - gehören in dieser PC-Klasse genauso zum Standard wie längere Ersatzteil-Verfügbarkeit oder Zertifizierungen für bestimmte Software- und Betriebssystem-Versionen.
Zu den technischen Details gehört beispielsweise die Wahl des Netzwerk-Adapters; alle drei Hersteller setzen dabei auf PCIe-Chips von Broadcom. Bei HP ist optional eine Zusatzkarte mit Intel-Chip zu haben, FSC bietet alternativ eine Variante mit Intels AMT-Adapter 82573E sowie zusätzlich eine PCIe-Karte von Syskonnect (mit Marvell-Chip) an. Alle drei Hersteller liefern einige Systeme mit einem Trusted Platform Module (TPM), das SmartCard-ähnliche Kryptofunktionen ermöglicht. FSC hat noch ein TCG-1.1-TPM im Angebot, das im Broadcom-Netzwerkchip steckt (BCM 5751T). Dell und HP verwenden TCG-1.2-TPMs, die nach den vorläufigen Microsoft-Spezifikationen eine Voraussetzung dafür sind, dass die Systeme das Gold-Logo für Longhorn-kompatible Business-Rechner erhalten.
Während Dell mit dem BTX-Formfaktor vorprescht, ohne indes mit der Spezifikation in jeder Einzelheit voll kompatibel zu sein, nutzen FSC und HP eher ATX-ähnliche, aber ebenso proprietäre Bauformen. Beim Esprimo P hat FSC beispielsweise das Netzteil an der Seitenwand oberhalb des Prozessors untergebracht, sodass die Kühlung von Netzteil, CPU und Mainboard mit nur einem leisen Lüfter gelingt. Bei Dell soll das Thermal Module nach BTX-Standard mit großem Lüfter hinter der Frontplatte für Ruhe sorgen.
Fujitsu-Siemens und HP löten den HD-Audio-Stereo-Codec Realtek ALC260 auf ihre Mainboards, Dell greift noch auf einen AC-97-Chip zurück. Auch beim Speicher bleibt Dell konservativ: Nur PC2-4200 ist lieferbar, FSC und HP bieten bereits PC2-5300 an. Dell stellt im Online-Shop bisher ausschließlich Windows XP 32-Bit als Betriebssystem zur Auswahl, während HP alternativ nur ein DOS installiert und anscheinend über Suse-Linux nachdenkt. FSC kündigt die Suse-Linux-Kompatibilität an und liefert wahlweise auch Windows XP Professional in x64-Version. Mehr als ungefähr 3,5 GByte RAM lassen sich mit dem i945G allerdings nicht adressieren.
Auch Acer - 2004 nach Stückzahlen weltweit fünftgrößter PC-Hersteller - hat bereits seine neuen Business-Rechner Veriton 7800 und 6800 mit i945G angekündigt. Genau wie Acer verbauen auch die kleineren PC-Hersteller Transtec und Wortmann ATX-Standardkomponenten - auch hier sind bereits i945G-Modell zu haben. (ciw)
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