Pinguin für die Hosentasche

Smartphone mit Linux-Betriebssystem Maemo 5

Der für Mobilgeräte gedachte Debian-Ableger Maemo kommt beim N900 erstmals in einem Touchscreen-Smartphone zum Einsatz.

Der für Mobilgeräte gedachte Debian-Ableger Maemo kommt beim N900 erstmals in einem Touchscreen-Smartphone zum Einsatz. Dazu hat Nokia die Bedienoberfläche überarbeitet und die Organizer-Funktionen aktualisiert, in einigen Punkten aber auch Mut zur Lücke bewiesen.

Das mit zwei Zentimetern recht dicke und schwere Smartphone liegt wie ein Backsteinchen mit abgerundeten Ecken in der Hand. Auf der Front findet man abgesehen vom Touchscreen keine Bedienelemente, der Einschalter, der Schieber für die Eingabesperre, der Kameraauslöser und die Wipptaste für die Lautstärke und das Zoomen sind am breiten Rand des N900 untergebracht. Das resistive Touchdisplay zeigt gute Kontraste und bleibt auch in der Sonne lesbar.

Schiebt man den dünneren Displayteil nach oben, erscheint die dreizeilige Schreibtastatur, deren Tasten deutliche Druckpunkte haben und sich treffsicher bedienen lassen. Das ungewohnte Layout – die Leertaste ist nach rechts versetzt, ein Steuerkreuz fehlt – stört dagegen.

Das Linux-Betriebssystem Maemo hat Nokia bislang nur in seinen Internet-Tablets eingesetzt, die abgesehen von den Mobilfunk-Komponenten eine ähnliche Ausstattung besitzen. Im ersten Smartphone kommen die aktuelle Version 5 und eine neue Bedienoberfläche zum Einsatz, die mit vier Startbildschirmen für Shortcuts, Lesezeichen, Kontakte und Widgets, zwischen denen man per Fingergeste blättert, an Android erinnert.

Das Menüsymbol links oben ruft ein Hauptmenü mit 15 Icons auf, unter denen die Hauptanwendungen wie Internet, Kontakte, E-Mails, Telefon und die Einstellungen zu finden sind. Tippt man auf „Mehr…“ erscheint ein zweites Menü mit weiteren Programmen. Anders als das erste Menü ist es mit dem Finger verschiebbar und kann beliebig viele Icons enthalten. Laufende Anwendungen erscheinen als Fenster und lassen sich per Fingertipp aufrufen oder beenden. Bei zu vielen gleichzeitig laufenden Programmen meldet das System, der Arbeitsspeicher reiche nicht aus. Einen Zurück-Button gibt es in vielen Dialogen nicht. Um in die nächst höhere Menüebene zurückzukehren, tippt man auf eine freie Stelle zwischen den Icons oder auf den unscharf gehaltenen Hintergrund am Rand. Obwohl ein Stift mitgeliefert wird, braucht man ihn nur selten.

Beim Telefonieren punktet das N900 mit sehr guter Sprachqualität, auch die Freisprechfunktion gefällt. Die übersichtliche Telefonanwendung nutzt wahlweise Mobilfunk oder ein VoIP-Konto – Skype und ein SIP-Client sind vorhanden. Obwohl das Smartphone eine Zweitkamera auf der Displayseite hat, kennt es keine Videotelefonie. Eine Sprachsteuerung sucht man ebenso vergebens wie MMS-Versand.

Das gute Adressbuch bietet umfangreiche Eingabefelder und integriert Kontakte aus Communities und Diensten, beispielsweise Skype. Der Terminkalender enthält auch eine Aufgabenliste, der jedoch eine Sortierung nach Prioritäten fehlt. Über Nokias PC Suite gleicht man Organizer-Daten mit Outlook ab.

Anders als die Symbian-Smartphones nutzt das N900 verfügbare WLANs automatisch und wechselt erst zur Mobilfunkverbindung, wenn kein bekanntes WLAN verfügbar ist. E-Mail-Accounts (POP3 oder IMAP4) bei bekannten Anbietern lassen sich einfach einrichten; das Programm stellt eingehende Mails übersichtlich dar. Der mitgelieferte Viewer Documents to Go für die Anzeige von Office-Dateien wie .doc, .pps, .xls und .pdf muss vor dem Benutzen mit Namen und Mail-Adresse registriert werden, trotzdem erhält man nur eine 30-Tage-Test-Version; die Vollversion kostet 20 US-Dollar.

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