Internet überall und jederzeit: Die Mobilfunkkonzerne und Gerätehersteller prophezeien seit langem die schöne neue Welt des mobilen Internet. Anwender zeigten sich anfangs allerdings recht enttäuscht - viel Unsinn wurde da angeboten, viel Geld sinnlos verbraten. Inzwischen aber haben Anbieter wie Verbraucher gelernt: Die Einzelteile des Puzzles ‘mobiles Internet’ sind vorhanden, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie, über neue Netze zusammengesetzt, ein Gesamtbild ergeben.
Eigentlich waren sie nur als Hilfsmittel für die Netzbetreiber gedacht und als kleines Bonbon für die Kunden - und wurden zum Millionengeschäft. SMS-Nachrichten boomten, dass es den Telekom-Firmen, die von anfänglich kostenlosen Angeboten schnell abkamen, eine Freude war.
Warum SMS hierzulande - im Unterschied etwa zu den USA - so erfolgreich wurde, vermag sich niemand so recht zu erklären. D2-Sprecher Christian Schwolow dazu: ‘Als dieser Dienst startete, haben viele Beobachter gelästert, es sei viel zu umständlich, SMS-Nachrichten zu verfassen und überhaupt sei diese Technik zu kompliziert. Das änderte nichts daran, dass ihre Benutzung rasant zunahm: 1996 wurden innerhalb von D2 21 Millionen SMS versendet, 1999 2,1 Milliarden und im Jahre 2000 schließlich 7 Milliarden!’
Die unscheinbare Kurznachricht hat sich zur Millionen-Branche entwickelt. Ein Vorbote des allseits prophezeiten mobilen Internet also? Schließlich sind E-Mails im weltweiten Netz auch der beliebteste Dienst, was liegt es da näher, als die gleichen Hoffnungen auf SMS als Verkünder der frohen neuen Botschaft vom Internet allüberall und jederzeit zu setzen.
Auch wenn das übertrieben erscheinen mag, so zeigt der Short Message Service doch den Weg für das Zusammenwachsen des Internet mit mobilen Diensten: Ungezählt sind die Gateways, die Kurznachrichten aus dem Datennetz aufs Handy versenden oder umgekehrt. Auch die Wandlung zwischen SMS, Fax, E-Mail und anderen Nachrichten-Formaten feiert als Unified Messaging Services (UMS) Erfolge. Dienste wie U-Boot verknüpfen Online- und SMS-Chat, bei T-D1 gibt es als Einstieg ins mobile Banking den aktuellen Kontostand per SMS, und ein Dienst (www.downloadslave.com) sendet gar Downloads an den heimischen PC, die man unterwegs per Kurznachricht angefordert hat.
Doch per SMS trägt man nur einen kleinen Ausschnitt des Internet in der Hand, nämlich den, der auch offline brauchbar ist. Denn die Kurznachrichten sind einfach zu langsam. So experimentierte man bei der Elektronischen Fahrplanauskunft mit einem ‘Persönlichen Reisebegleiter’, der jeweils kurz vor dem Umsteigen eine SMS mit den Daten des Anschlusszuges übermitteln sollte. Doch die Nachrichten kamen nur selten zur richtigen Zeit an.
Dass solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind, hätte den Anbietern eigentlich klar sein müssen: SMS ist eine Form der asynchronen Kommunikation, die unter anderem davon lebt, dass man eben nicht darauf angewiesen ist, den Ansprechpartner zu einer bestimmten Zeit zu erreichen. Das macht für viele Nutzer, genauso wie bei der E-Mail, ihren Reiz aus. Weder muss man als Empfänger der Nachricht direkt ansprechbar sein, noch als Absender den Partner im möglicherweise unpassenden Moment mit einem ‘Live-Gespräch’ belästigen. Dienste, die nicht zu diesem Charakter passen, lassen sich trotz aller SMS-Euphorie nicht verkaufen. Nur wer praktische, sinnvolle und nutzbare Dienste anbietet, findet auch Kunden, die dafür bezahlen.
Für viele Anwender ergibt sich momentan noch ein Puzzle, dessen Teile nicht so recht zusammenpassen wollen. Klassische Mobilfunknetze bieten plötzlich auftauchende neue Dienstleistungen, die gerne mitgenommen werden, während die Anbieter schon darauf drängen, mit den dafür noch nicht geeigneten Netzen Dienste anzubieten, die zu voller Form eigentlich erst mit neuen Techniken wie GPRS oder UMTS auflaufen ([#kasten siehe Kasten auf S. 121]). Nur: Die einzelnen Puzzle-Teile gibt es ja schon, sie ergeben aber noch kein Bild. Erst derjenige, der sie mühsam von Hand zusammensetzt, stellt plötzlich fest, dass auch heute schon mehr geht, als man spontan erwarten würde (siehe Artikel in c't 04/2001, S. 124).
Die Realität des mobilen Internet heißt in Europa derzeit Wireless Application Protocol (WAP). Doch nach Angaben der Netzbetreiber nutzen lediglich rund drei Prozent ihrer Kunden WAP. Nur jedes zwölfte bisher in Deutschland verkaufte Handy ist WAP-tauglich und nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos lehnten im September sogar 63 Prozent der deutschen Mobiltelefonierer ein WAP-Handy grundsätzlich ab, obwohl manches Komfort-Handy mit WAP ohne Aufpreis zu haben war. Immerhin: T-Mobil konnte Zuwächse auch bei der Zahl der WAP-Nutzer vermelden, bei D1 überstieg ihre Zahl im letzten Quartal 2000 erstmals die Millionengrenze.
WAP gilt als teuer - sogar der zuständige EU-Kommissar rügte die hohen Gebühren -, langsam und unattraktiv. Zu diesem Ruf trug das Design der ersten WAP-Seiten bei, die lieblos umgeschriebene WWW-Seiten waren und somit kaum zu den Möglichkeiten und Erfordernissen von WAP-Handys passten. In den vergangenen beiden Jahren haben die Web-Designer jedoch gelernt, mit WML umzugehen. Immer mehr Seiten beschränken sich auf die unterwegs wichtigen Informationen und bieten eine durchdachte Navigation. Auch bei der Gestaltung und den angebotenen Optionen setzt sich ein praktischer Minimalismus durch.
Wer zum ersten Mal im Urlaub unterwegs war und per WAP dann doch noch Informationen über das beste Restaurant am Urlaubsort erfuhr oder sich gar mit einer Kombination aus WAP-Handy, Organizer und GPS auch in unbekanntem Gelände problemlos zurechtfand, bekam einen Vorgeschmack darauf, dass ein funktionierendes mobiles Internet eine feine Sache sein kann.
Einige WAP-Sites bieten bereits sinnvolle Dienste für den Office-Alltag. So ermöglicht es beispielsweise space2go (wap.space2go.de), Aufgaben, Kontakte, Termine mit etlichen Organizer-Programmen und Handhelds abzugleichen, darunter Outlook, Notes, Palm und CE-Geräte - so hat man auch unterwegs Zugriff auf die wichtigsten Informationen, auch wenn der Organizer mal streikt.
Wer einen mobilen E-Mail-Zugang benötigt, der bekommt bei Web.de einen kostenlosen Account, der sich auch über WAP abgefragen lässt. Mobilen Zugriff auf beliebige POP-Accounts gewährt Zwap. Darüber hinaus findet der WAP-Surfer noch etliche weitere Helferlein für den Office-Alltag, von den gelben Seiten (wap.yellowmap.de) bis hin zu diversen Übersetzungsdiensten (z. B. dict.leo.org/wap)
Für Schnäppchenjäger existiert bereits eine Reihe von interessanten Angeboten. Wer etwa meint, ein besonders günstiges Angebot ausgemacht zu haben, kann bei einem Preisvergleichsdienst wie www.guenstiger.de nachsehen, ob es das betreffende Produkt nicht woanders billiger gibt. Online-Auktionshäuser wie eBay (wap.ebay.de) bieten ebenfalls einen WAP-Zugang zu ihrem Angebot. Bei eBay lassen sich darüber zwar keine neuen Auktionen starten; man kann jedoch von unterwegs ein Gebot abgeben.
Auch immer mehr Online-Broker geben ihren Kunden Zugriff per WAP aufs Depot, so beispielsweise die Comdirect Bank oder ConSors. Einzelne Banken, wie die Advance Bank, ermöglichen auch komplettes Banking per WAP, also etwa die komplette Übersicht über alle Konten oder Überweisungen.
Das WAP-Handy ist mittlerweile zum nützlichen Reisebegleiter geworden. Selbstfahrer lassen sich unter wap.abfragen.de/auto.wml die Fahrtroute berechnen und können bei Sixt (wap.sixt.de) gegebenenfalls gleich ein Auto leihen. Unterwegs informiert wap.verkehrsinfo.de über die aktuelle Verkehrslage und wap.clever-tanken.de weist nach Eingabe der Postleitzahl und des gewünschten Kraftstoffs den Weg zur günstigsten Tankstelle. Flugreisenden bietet die Lufthansa die aktuellen Flugpläne (wap.lufthansa.com), und auch Bahnfahrer finden eine Fahrplanauskunft fürs Handy (wap.hafas.de).
Wer in einer Großstadt eine Unterkunft sucht, kann auf wap.hoteldirect.de aus einer Liste den Zielort aussuchen, eine Preiskategorie auswählen und vorgeben, ob er sich alle Treffer oder nur diejenigen in Bahnhofs- oder Flughafennähe anzeigen lassen will. Zu jedem Hotel zeigt Hoteldirect eine kurze Information inklusive der Telefonnummer an. Besucher kleinerer Städte müssen sich etwas umständlich durch eine alphabetische Liste zum Zielort scrollen. Die Telefonnummer einer Taxizentrale liefert www.taxi-wap.com. Und für den abendlichen Kinobesuch informiert wap.cinema.de über das aktuelle Programm.
Solche Dienste, die abhängig vom Standort des Nutzers regionale Informationen anbieten, sind einer der Schlüssel für das mobile Internet. Der Erfolg wird dabei durch Inhalte und nicht durch Präsentation bestimmt. Der Geschäftsreisende, der das Programm eines nahe liegenden Kinos sucht, will auf seinem Handy nicht die Trailer der Filme abspielen. Eine treffende Filmkritik leistet ihm in wenigen Textzeilen bessere Dienste. Leider werden die wenigsten Angebote heute flächendeckend angeboten. Ein Hotel-Service etwa ist erst dann perfekt, wenn er überall, wo das Handy Netzzugang hat, auch informieren kann.
Die so genannten ‘Location Based Services’ (LBS) richten sich nicht nur an viel reisende Jungunternehmer, sondern können auch gebrechlichen, anfallkranken oder ängstlichen Menschen neue Mobilität bringen. Eine genaue Ortung ermöglicht Geräte, die mit einem einzigen Knopfdruck Hilfe herbeiholen. Bisher sind solche Einknopf-Hilfeholer auf die Wohnung und den näheren Umkreis beschränkt; ortbare Mobilfunkgeräte würden den Bewegungsradius auf das ganze Funknetz ausdehnen.
Dazu ist allerdings eine größere Genauigkeit der Ortung erforderlich, als sie die Netze bisher liefern. Um den Rettungsdienst in das richtige Stockwerk eines Hochhauses zu schicken, müsste das Handy auf maximal zwei Meter genau zu orten sein. Das derzeit übliche GSM-Netz kann ein Handy jedoch nur auf rund 50 bis 100 Meter genau orten. Für LBS wie den örtlichen Wetterbericht reicht das aus, um ein Taxi gezielt heranzurufen wird es schon knapp und ein Dating-Dienst, der einsame Herzen innerhalb desselben Lokals zusammenbringt, funktioniert so noch nicht. Statt auf höhere Genauigkeit durch neue Mobilfunktechniken zu warten, setzen einige Hersteller auf eine Kombination aus Handy und Ortung mittels Satellitennavigation (GPS).
D2 Vodafone bietet seit Oktober 2000 bereits Location Based Services an. Als Partner arbeiten an dem Modellprojekt der Verkehrsinformationsdienst Passo, der Hotelkatalog und der mobile Shopping-Führer Kompazz (www.kompazz.com) mit. Die LBS-Dienste funktionieren derzeit nur in einigen deutschen Städten; das Angebot soll aber laufend ausgebaut werden. Um Probleme mit dem Datenschutz zu vermeiden, muss der Kunde die Positionsbestimmung selbst auslösen. Den Aufenthaltsort verknüpft D2 Vodafone ohne Angabe der Rufnummer des Teilnehmers mit dem gewünschten Inhalt. Anmelden kann man sich unter 08 00/1 72 12 12.
Nach einer Studie des LBS-Anbieters AirFlash wären 16 Prozent der deutschen Mobiltelefonierer bereit, monatlich bis zu 19 Markt für Standort-Dienste zu bezahlen. Den größten Zuspruch unter den Befragten fanden Informationen über Schnäppchen in den Geschäften der Umgebung.
Mit einem Boom der WAP-Geräte rechnet die Branche erst zum nächsten Besuch des Weihnachtsmanns. Bis dahin hat das WAP-Forum noch etwas Zeit, an seinem Standard zu feilen. Denn viele der schönen angekündigten Dienste sind damit bisher unmöglich. Es kann bisher Ortsinformationen nicht automatisch übermitteln, was das Angebot von Standort-Diensten erleichtern würde.
Erst die aktuelle WAP-Version 1.2 sieht einen Mechanismus vor, mit dem der Server das Endgerät identifizieren kann. Dies ist aber die Voraussetzung, um die Möglichkeiten von einfachen Handys, Smartphones oder Organizern unter WAP optimal auszuschöpfen.
Zur Integration ins mobile Büro wäre es schön, Aktionen auf dem Handy ausführen zu können, wie das Speichern einer Nummer im Telefonbuch. Die nächste WAP-Version soll zumindest eine Art Cookie zur Identifizierung des Anwenders mitbringen sowie die für den M-Commerce wichtige Sicherung auf Protokoll-Ebene und eine Push-Technik zur Nutzung der Always-on-Funktion kommender Mobilfunknetze.
Push-Dienste sind die Hoffnung der Netzbetreiber, um ihre immensen Investitionen in die Mobilfunknetze über ‘Mobile Advertising’ (mobile Werbung) zu finanzieren. Damit meinen sie nicht etwa die sattsam bekannten Einsatzkommandos, die Diskos stürmen und Pröbchen verteilen, sondern die Werbung um den bewegten Kunden. Das Medium ist für Werbetreibende ideal: Die Zielgruppe Kunde ist ständig erreichbar und über die eindeutige Kennung des Handys einem Interessenprofil zuzuordnen. Die Bedenken der Datenschützer will man durch eine Freiwilligkeitserklärung der Werbeempfänger ausräumen.
Eine Studie belegt zwar, dass die vorwiegend junge Zielgruppe die heute mögliche Form des mobilen Werbens, nämlich per SMS, akzeptiert. Allerdings zahlen die untersuchten Agenturen dafür, dass man Botschaften abruft und ansieht. Ob mobile Werbung auch ohne diesen Anreiz funktioniert, mag jeder beurteilen, der schon Spam in seiner E-Mail hatte.
Zum Zugpferd soll auch der M-Commerce werden, das Einkaufen unterwegs. Hier existieren schon verschiedene Verfahren des Bezahlens mit dem Handy, die allerdings bisher komplizierter sind als die Kredit- oder Geldkarte. Um beispielsweise eine Taxifahrt über das Paybox-System zu bezahlen, ruft zunächst der Fahrer eine Hotline an und gibt dort den fälligen Betrag und die Handynummer des Kunden an. Er wartet dann, bis der Kunde einen Anruf erhält, bei dem er wiederum den zu zahlenden Betrag erfährt und durch Eingabe seiner PIN bestätigt. Der Server teilt dann beiden mit, dass die Zahlung erfolgt ist.
Weniger lästige Verfahren werden zwar derzeit entwickelt, sie setzen aber voraus, dass das Handy direkt mit einem anderen an der Verkaufsstelle installierten Gerät kommuniziert, zum Beispiel über die neue Kurzstreckenfunktechnik Bluetooth. Diese Infrastruktur ist aber ebenso ferne Zukunftsmusik wie die dafür angepassten Handys.
Eine andere Form des M-Kommerzes funktioniert dagegen schon jetzt recht einfach: Das Bestellen und Bezahlen im unterwegs erreichbaren Online-Shop. Wie beim E-Kommerz im stationären Internet sind auch hier Buchläden die Vorreiter (www.booxtra.de). Und wie der E-Kommerz kommt auch der M-Kommerz nur zögernd in Fahrt. Während man beim Einkauf im stationären Internet wenigstens im warmen Zimmer sitzt und sich die Daten der angebotenen Waren in Ruhe auf einem großen bunten Bildschirm ansehen kann, ergibt der Internet-Einkauf unterwegs eigentlich nur bei Spontankäufen einen Sinn. Im Gespräch oder durch Werbung auf ein Produkt aufmerksam gemacht, muss der Kunde sich nichts bis daheim merken, sondern kann sofort losshoppen. Im Kundeninteresse dürfte da eher die Kombination mit standortbezogenen Diensten liegen: Das Handy führt ihn nicht nur zum nächstgelegenen Opernhaus, sondern erledigt unterwegs auch gleich die Kartenvorbestellung und -bezahlung.
Den Anbietern hilft es, dass das Bezahlen schon funktioniert, bevor Anwendermassen ins mobile Netz drängen. Denn so können sie von Anfang an Daten gegen Bezahlung herausrücken, zum Beispiel Musik. Während die Musikindustrie das Internet erst für sich entdeckte, als Napster und Co. die Raubkopie in großem Maßstab populär gemacht hatten, will sie beim mobilen Netz von Anfang an dabei sein. Auf der Branchenmesse Midem Anfang des Jahres war viel die Rede vom Zusammenwachsen von Handys und Musik. Doch die viel zu geringe Bandbreite des Mobilfunknetzes verhindert bisher die Echtzeit-Übertragung, eine Art Internet-Radio auf dem Handy. Das gilt erst recht für die Übertragung von Videos. Diese Art von ‘Mobile Multimedia’ bleibt also für einige Jahre Zukunftsmusik, bis wirklich wesentlich schnellere Netze zur Verfügung stehen.
Um Multimediales per GSM-Funk langsam herunterzuladen und erst anschließend abzuspielen, fehlt es den verfügbaren Handys einfach an Speicherkapazität, von den derzeit noch horrenden Übertragungskosten ganz zu schweigen. So verzichten aktuelle MP3-Handys wie das SL45 von Siemens auf eine Möglichkeit, die eingebaute Speicherkarte über einen GSM-Zugang zu füllen. Dafür vertrauen die Entwickler lieber auf einen PC mit herkömmlichem Internet-Zugang.
Auch dem Online-Spielen unterwegs stehen eher die Handys im Wege als das Netz, denn die meisten Internet-Spiele sind auf minimale Datenübertragung optimiert, sodass die geringe verfügbare Bandbreite ausreicht. Den vernetzten Spielspaß behindern bisher die Displays, denn auch teure Hightech-Modelle weisen kleinere LCDs auf als ein viel billigerer Gameboy. Neben den aus dem Internet bekannten Baller-, Strategie- und Sportspielen bergen mobile Spielkonsolen ganz neue Ideen, wie eine Art Fuchsjagd mit den ortbaren Handys. Computerspiele werden so vom Dickmacher zum Fitnessprogramm.
Nicht nur die Außendienstler von Firmen brauchen unterwegs Zugriff auf ihr Intranet, die meisten Computer-Anwender haben Informationen in ihrem PC, die sie unterwegs gerne sehen würden. Dazu gehören die typischen Organizer-Daten wie Adressen, Termine und Aufgaben, aber auch Notizen, Skizzen, abgelegte E-Mails, PINs, Internet-Adressen oder ein Bild von der Liebsten. Für den Zugriff auf dieselben Daten von unterschiedlichsten Plattformen aus hat sich inzwischen das Schlagwort ‘Pervasive Computing’ etabliert. Speicherplatz dafür stellen Anbieter bereit, die sich oft als ‘Mobiles Büro’ bezeichnen (www.space2go.de, www.yourwap.com). Bisher sind die dort abgelegten Dinge nur über den WAP- oder Internet-Browser zugänglich. Eine Gruppe aus allen maßgeblichen Organizer-Herstellern erarbeitete zwar den Standard ‘SyncML’, der den Abgleich der Daten mit PC-Programmen, Organizer-Handys und PDAs ermöglicht. Bisher fehlt es jedoch an Geräten, die ihn unterstützen.
An eine besonders zahlungswillige Nutzergruppe wenden sich die Geschäftsanwendungen. Schon jetzt stellen Versicherungen ihren Außendienstlern einen WAP-Zugang ins Intranet bereit. Beim ZDF können die Korrespondenten per Handy auf die neuesten Agenturmeldungen zugreifen, was bei Außenterminen den Laptop erspart. Die höhere Bandbreite zukünftiger Mobilfunksysteme erlaubt dann auch Anwendungen mit größerem Datenaufkommen, etwa im Büro vom Kollegen erstellte Präsentationen beim Kunden vorzuzeigen, sobald sie fertig sind. Vor Ort geschossene Fotos oder Filme gelangen ohne Verzögerung ins Büro. Journalisten könnten ihre Artikel wieder wie Anfang des vorigen Jahrhunderts im Kaffeehaus texten und umgehend in die Redaktion ihrer Online-Publikationen befördern.
Neben existierenden Anwendungen in der Leittechnik lassen Speditionen derzeit ‘intelligente Container’ entwickeln, die über eingebaute Mobilfunkmodule auf eine bestimmte Fahrtstrecke programmiert werden.
Unterwegs kontrollieren sie per Ortung im Mobilfunknetz dauernd ihre Position und geben automatisch Alarm, wenn sie sich zu weit von der vorgesehenen Route entfernen, also möglicherweise gestohlen wurden. Ein Online-Routenplaner mit automatischer Stau-Information gehört natürlich auch dazu. Und per zeitgenauem Push-Dienst kann die Logistik-Zentrale den Fahrer anweisen, zusätzliche Aufträge zu übernehmen oder langsamer zu fahren, damit die Just-in-Time-Produktion am Ziel nicht durcheinander gerät. Unter den schon realisierten und zukünftigen Anwendungen des mobilen Internet drängt sich keine einzelne als absolute Killerapplikation auf, die dem Medium allein zum Durchbruch verhelfen kann. Doch das war beim World Wide Web auch nicht anders.
Mit jeder neu eingeführten Netzwerktechnik ([#kasten siehe Textkasten auf S. 121]) sind auch neue Handys für die Nutzer fällig, um alle Features einsetzen zu können. Updates, wie sie mancher alte Modem-Hase kennt, sind wohl nicht zu erwarten. Wenn es beim aktuellen Subventionsmodell bleibt, bringt das aber keine Mehrbelastung für den technophilen Mobiltelefonierer, denn im Mittel kauft er sich ohnehin alle 18 Monate ein neues Handy. Schließlich gibt es spätestens nach zwei Jahren Vertragsdauer wieder eins zum voll geförderten Preis.
Doch bisher waren zum Start neuer Dienste jeweils die passenden Geräte knapp. Dazu meint Christian Schwolow von D2: ‘Wichtig für den Durchbruch einer Technologie ist die Frage: Sind genug Endgeräte am Markt? WAP startete zur IFA 1999, aber erst sechs Monate später waren Handys in ausreichenden Stückzahlen da.’ Bei GPRS ist die Situation dieselbe: Bisher liegt nur ein einziges Handy in den Läden, das Motorola Timeport T 260 - und das unterstützt GPRS bauartbedingt nur mit 26,8 kBit/s.
Wer bereits mit PDA und Handy mobil surft, kennt das Problem unfreiwilliger Jonglier-Einlagen, insbesondere bei Verbindungen über Infrarotschnittstelle. Wie schön, dass die beiden elektronischen Wegbegleiter zu einer neuen Gerätekategorie zusammenwachsen, den Smartphones. Bisher gibt es zwei Smartphones, die in den europäischen Mobilfunknetzen funktionieren, den Nokia Communicator und das R380 von Ericsson. Vom Konzept her näher am Handy bieten beide ein kleineres Display als die meisten PDAs. Während das Ericsson für den mobilen Internetzugriff ausschließlich WAP nutzt, verfügt das Nokia über einen HTML-Browser. Beide beherrschen derzeit nur GSM (9,6 kBit/s); der für Mitte des Jahres angekündigte Communicator 9210 soll es mit HSCSD auf 43,2 kBit/s bringen ([#kasten siehe Kasten auf S. 121]).
Für zukünftige mobile Internetdienste scheint das Mondo von der Mitsubishi-Tochter Trium besser gerüstet, das Anfang März in die Läden kommen soll. In dem PDA mit Microsofts Betriebssystem PocketPC stecken ein GPRS-Modul und ein Browser, der nicht nur WAP, sondern auch HTML-Seiten des ‘großen’ Internet anzeigt. Auf die kommenden Dienste lässt er sich leicht durch ein Software-Update einstellen.
Anderswo akzeptieren die Anwender das mobile Internet schon besser als in Deutschland. So etwa in den USA, wo es neue Nutzerschichten mit ganz anderen Ansprüchen hervorbringt. Die Amerikaner haben einen Narren an den so genannten Appliances gefressen - Spezialgeräten, die Internet auf beliebige Art und Weise bieten. Da wäre etwa die Mailstation von Cidco für 150 US-Dollar. Das spartanische Terminal kann Mail senden und empfangen, dazu Yahoo-Nachrichten und das Yahoo-Wetter abrufen. Spätestens nach zwei Wochen ist die Mailbox voll und die alte Mail wird gelöscht. Die Firma verkauft in Spitzenzeiten bis zu 50 000 Mailstations im Monat.
Käufer dieser Mailstation pflegen eine andere Umgangsweise mit E-Mail und Internet, als es der PC-gewohnte, erfahrene Surfer sich angewöhnt hat. Mail archivieren, Dateianhänge einer Mail sehen? ‘Warum? Das ist ein Anrufbeantworter fürs Internet. Gibt es bei euch in Deutschland keine Anrufbeantworter? Speichert ihr eure Anrufer für alle Ewigkeit?’, erläutert ein Nutzer dieser kleinen Box. Wenn seine Tochter vom College aus Fotos im Anhang schicken wird, dann werde er sich halt was kaufen müssen, das diese Fotos ausdruckt. Wo ist das Problem?
Und wer hat Angst vor dem PC? Vielleicht jemand, der schon einmal an einem falsch konfigurierten Internet-Zugang oder Web-Browser verzweifelte. Die Firma Bidpath bietet eine modifizierte Kamera von Kodak. Sie ist eine eBay-Appliance: Man kann mit ihr Fotos schießen und wird dann abgefragt: Minimalgebot, eBay-Kategorie, Verkäuferdaten, alles muss mit einem Hilfscursor an einem winzigen LCD beantwortet werden. Irgendwann ist die Kamera mit eBay verbunden. Dann werden die Daten für die Auktion übermittelt und das fröhliche Bieten kann losgehen.
Appliances bieten nur eingeschränkte Funktionen und behaupten nicht - wie der PC -, alles zu können. Die Amerikaner begreifen dies als Vor- und nicht als Nachteil. Doch Firmen wie Intel oder Microsoft bekommen einen Schreck: Das mobile Internet ohne ihre Prozessoren und Software? Sie beeilen sich, den PC als ‘Zentrum des digitalen Universums’ zu propagieren, der all die Mobilgeräte mit Daten, Speicherplatz und, wenn nötig, mit einem halbstationären Internet-Zugang fürs Wohnzimmer versorgt, wenn der geplagte Surfer von seinen Wegen aus der großen weiten Welt zurückkehrt. Der Kampf um den Markt der Mobilgeräte hat begonnen - noch ist nicht ausgemacht, ob Unterhaltungselektronik-, Mobilfunk- oder PC-Branche gewinnen werden oder ob ganz neue Zusammenballungen von Hardware-Herstellern entstehen.
In Europa dominiert bislang noch die PC-Philosophie. Kein Wunder, sind doch all die praktischen Appliances für den US-Markt entwickelt und funktionieren in Europa nicht. Denn in den USA benutzen die meisten Mobilfunknetze den CDMA-Standard, und selbst die US-Lösungen für dortige GSM-Netze sind inkompatibel, weil sie bei 1,9 GHz funken statt bei 900 MHz oder 1,8 GHz wie die europäischen. Und bislang verspüren die US-Hersteller noch wenig Neigung, ihre ‘Gadgets’ an europäische Verhältnisse anzupassen. Dies könnte sich jedoch schnell ändern.
Dienste sind der Schlüssel, um neue Nutzer ins Internet zu holen - egal ob mobil oder am PC. Selbst T-Online, den meisten eigentlich als Internet-Provider und Online-Dienst, also als Zugangsanbieter geläufig, setzt auf neue Strategien. Thomas Holtrop, seit Ende vergangenen Jahres Chef der Telekom-Tochter, will T-Online ausbauen: Nicht nur mit noch mehr Kunden, die sich über den Dienst ins Internet begeben, sondern über Inhaltsangebote und E-Commerce. Bereits im letzten Jahr hat T-Online mit T-Mobil eine gemeinsame Tochtergesellschaft namens T-Motion gegründet, die Dienste fürs mobile Internet entwickeln soll.
Dem neuen Mediengiganten AOL Time Warner ist es völlig egal, wie die AOL-Kunden den Online-Dienst nutzen. Hauptsache ist das ‘Was’: Services von AOL und Nachrichten, Informationen, Filme, Musik et cetera von Time Warner. Dafür stellt der Konzern dann auch alles selbst bereit: AOL hat schon vor der Fusion keinen gesteigerten Wert auf bestimmte Zugangsformen gelegt, sondern bietet vom PC über die Settop-Box für den Internet-Surfer im Wohnzimmer bis zum Web-Terminal und dem Internet-Handy alles an. ‘AOL Anywhere’ - in der U-Bahn, am Arbeitsplatz, zu Hause, im Urwald und auf dem Mount Everest, so sieht die Zukunft des Internet nach den Vorstellungen der Amerikaner aus. Mehr noch als Internet mobil: Internet anywhere, anytime, anyhow.
So bilden sich auch seltsame Allianzen. Zwei der größten ihrer jeweiligen Branche, Microsoft und British Telecom, entwickeln gemeinsam Internet-Handys, Bertelsmann steigt einerseits mit AOL, andererseits mit der Terra Lycos, der Internet-Tochter des spanischen Telekommunikations- und Mobilfunkgiganten Telefonica, ins Boot. Der japanische Unterhaltungselektronikkonzern schließt Partnerschaften mit allen, die den eigenen Vorhaben fürs mobile Internet nützlich sein können - von der Softwareschmiede Be über CPU-Hersteller Transmeta bis hin zu den konkurrierenden PDA-Spezialisten von Palm und Psion.
Viele Anbieter - seien es Mobilfunkbetreiber, Gerätehersteller oder Diensteanbieter - haben erste Lektionen gelernt: Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll, und nicht alles, was sinnvoll ist, ist schon machbar. Die Mobilgeräte laufen langsam, aber sicher zu einer Form auf, mit der das Internet unterwegs praktikabel wird: Große Displays, einfache Bedienung und Texteingabe, schnelle Kombination mehrerer Geräte wie Handy, Notebook, Organizer und Auto-Installationen mit GPS für unterschiedliche Einsatzzwecke. (je)
[1] Dusan Zivadinovic, Pakete per Funk, Mobilfunk und Internet verheiratet, c't 21/2000, S. 152
[2] Dusan Zivadinovic, Drahtlose Mehrspur-Infobahn, Schneller Funksurfen per HSCSD-Technik, c't 22/2000, S. 214
[3] Dirk Nikolai, Klaus Daniel, Edgar Kühn, Turbolader für Funk-Bits, 10fach schneller drahtlos surfen mit EDGE, c't 19/2000, S. 190
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Mit einer Push-Technik kann das i-mode-System des größten japanischen Mobilfunkbetreibers NTT DoComo aufwarten. Etwas multimedialer als WAP ist es auch, denn viele i-mode-Handys haben ein buntes Display, einige sogar mit 120 x 120 Pixel Auflösung. Darauf zeigen sie sogar GIF-Animationen an. Server können die ID eines Handys abfragen und benutzen, um sich die Vorlieben von dessen Besitzer zu merken. i-mode-Seiten werden in cHTML (für Compact HTML) gestaltet, das aus allen HTML-Versionen die Elemente vereinigt, die sich auf den i-mode-Handys darstellen lassen. Wie WAP braucht i-mode ein Gateway, das die Seiten aufbereitet. Es wird aber mit beliebigen Internet-Seiten fertig, indem es einfach die Elemente weglässt, die nicht zu cHTML gehören. i-mode-Nutzern stehen somit nicht nur die speziell angepassten Dienste zur Verfügung, sondern auch viele weitere aus dem ‘alten’ Internet, die nicht alle Möglichkeiten von HTML nutzen.
Zur Übertragung benutzt NTT DoComo ein eigenes paketvermittelndes Netz, in dem jedes eingeschaltete Handy immer angemeldet ist. Es überträgt zwar wie GSM mit maximal 9,6 kBit/s, nutzt diese aber durch die Paketübermittlung effektiv aus. Zusätzlich gibt es einen Übertragungsmodus, der 64 kBit/s erreicht, allerdings nur über kurze Strecken zu speziellen Basisstationen innerhalb des Hauses.
Mit i-mode hat NTT DoComo in Japan das mobile Internet in großem Maßstab in Bewegung gesetzt. Die Hälfte der NTT-Kunden nutzt das System, das sind über 18 Millionen bewegliche Surfer. Allerdings war die Situation in Japan günstiger als hierzulande, denn dort gab es wesentlich weniger private PCs mit Internet-Zugang. Das i-mode-Handy gewährt so vielen Nutzern den ersten Blick ins Netz der Netze.
Dennoch rechnet sich NTT DoComo auch in Europa gute Marktchancen für sein System aus und nutzt seine Beteiligung an KPN Mobile, um es einzuführen. Die deutsche KPN-Tochter E-Plus will i-mode installieren, rechnet aber frühestens zum nächsten Jahreswechsel mit dem Start des Dienstes, zu spät also, um die passenden Handys im Weihnachtsgeschäft unters Volk zu bringen.
Voraussetzung sind ein paketvermittelndes Netz, das in Europa GPRS sein wird, und passende Handys. Hier setzt E-Plus auf Kombi-Geräte, die sowohl i-mode als auch WAP beherrschen. Über die Hersteller schweigt man sich zwar aus, doch in Japan liefern neben diversen japanischen und koreanischen Anbietern auch Nokia und Ericsson i-mode-Handys.
Wie E-Plus wollen sich auch viele Diensteanbieter nicht zwischen i-mode und WAP entscheiden. So sagt Bernd Rützel, Vorstand des Portals YourWAP.com: ‘Es ist keine Frage, ob WAP kommt oder i-mode oder was auch immer. Das sind nur Technologien. Entscheidend ist, dass das Internet eine mobile Komponente bekommt.’ Auch YourWAP-Konkurrent Space2Go hat wenige Tage nach der Ankündigung von i-mode für Europa angekündigt, seinen Dienst auf beiden Plattformen anzubieten. Wie die DoComo-Konkurrenten in Japan werden die anderen Netzbetreiber hierzulande wohl auf i-mode verzichten, denn anders als der offene Standard WAP ist i-mode ein proprietäres System, für das sie bei NTT DoComo eine Lizenz erwerben müssten.
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Während bei WAP noch einige Eigenschaften fehlen, um die neuen mobilen Internet-Dienste aufzubauen, sind die Mobilfunknetze schon dafür bereit. Fast heimlich haben T-Mobil und Viag Interkom Anfang Februar den GPRS-Betrieb aufgenommen. Der General Packet Radio Service ist ein paketorientiertes Verfahren, die Handys können also dauernd online sein und so Push-Dienste empfangen. Außerdem steigt die verfügbare Datenrate, bei T-D1 auf immerhin 40 kBit/s. Alle deutschen Netzbetreiber streben im Endausbau eine maximale Übertragungsrate von rund 115 kBit/s an [#literatur [1]].
Mit der neuen Netztechnik kommen auch neue Tarifmodelle, denn GPRS wird nicht mehr nur nach Online-Zeit, sondern vorwiegend nach übertragener Datenmenge abgerechnet. So verlangt beispielsweise Viag Interkom neun Pfennige für jeweils 10 KByte, zuzüglich einer Tagesnutzungsgebühr von 49 Pfennig. T-Mobil berechnet nach demselben Prinzip. Ob ein solcher Tarif für die Kunden zu ungewohnt ist oder eher die Toleranz für langsame Übertragungen erhöht, muss sich noch erweisen. Auf jeden Fall ist er gut für das mobile Surfen per WAP geeignet, denn eine WAP-Seite ist durchschnittlich 1 KByte klein. Beim Internetzugang mit Handy und Notebook werden dagegen Datenmengen übertragen, die schnell ins Geld gehen.
Für Geschäftsanwendungen eignet sich GPRS dagegen weniger, da das mobile Gerät bei diesem Verfahren prinzipbedingt immer Teil eines öffentlichen Netzes ist. Während ein herkömmlicher Einwahlrouter sicherstellt, dass zum Abhören der Verbindung erheblicher Aufwand nötig ist, benötigt GPRS als verbindungsloses Verfahren gleich ein virtuelles privates Netz (VPN). Durch seinen Overhead verringert das die ohnehin nicht üppige Bandbreite. Außerdem bringt es erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich. T-D1 will Geschäftskunden zwar noch dieses Jahr VPN als Service anbieten, doch mit HSCSD (High Speed Circuit Switched Data) steht schon eine ebenso sichere Technik zur Verfügung [#literatur [2]].
HSCSD bündelt mehrere herkömmliche GSM-Kanäle zu einer Verbindung mit höherer Geschwindigkeit. Je nach Handy und Netzausbau sind bis zu 57,6 kBit/s erreichbar, derzeit 38 kBit/s realistisch. Durch die Punkt-zu-Punkt-Einwahl lassen sich sichere Verbindungen zum Intranet aufbauen. Dafür muss man auf die Vorteile der paketorientierten Verfahren verzichten. Derzeit bieten D2-Vodafone und E-Plus (unter dem Namen HSMD, High Speed Mobile Data) in ihren Netzen HSCSD-Verbindungen an.
Sowohl GPRS als auch HSCSD lässt sich durch den Austausch einiger Teile der Netzstruktur auf höhere Datenraten bringen, die über denen von zwei gebündelten ISDN-Kanälen liegen. Kein Netzbetreiber will bisher bekannt geben, ob er das EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) genannte Verfahren einführen will [#literatur [3]]. Dafür spricht, dass sich die höhere Bitrate auch nutzen lässt, um ohne neue Funkzellen mehr Gespräche gleichzeitig zu vermitteln. Dagegen spricht, dass EDGE im Markt für UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) wildert.
| GSM | HSCSD | GPRS | ISDN | ECSD (EDGE) | EGPRS (EDGE) | UMTS/FDD | UMTS/TDD | ||
| theoretische Spitzen-Datenrate (zum Handy) |
beweglich |
stationär |
|||||||
| geschätzte mittlere Datenrate | 9,6 kBit/s | 9,6 kBit/s | 38 kBit/s | 60 kBit/s | 64 kBit/s | 170 kBit/s | 170 kBit/s | 240 kBit/s, beweglich |
1 MBit/s stationär |
| maxim. Anzahl von Nutzern mit maxim. Datenrate/Zelle |
ca. 45 | k. A. | ca. 11 | - | - | ca. 11 | ca. 11 | ca. 9 | 1 |
| neue/zusätzliche Standorte | - | - | - | - | - | +2 | -2 | + | + |
| Always On | - | + | - | + | - | - | + | + | + |
| Ortung | + | + | + | + | + | + | + | + | + |
1Nur in Japan 2Abhängig von Datenrate
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