Test: Linux auf dem Aldi-Netbook [Update]

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Das Medion Akoya Mini E1210 gehört zu den besseren Vertretern der neuen Klasse der Netbooks: 10-Zoll-Display, 1 GByte RAM, 80-GByte-Platte. Aldi liefert das Gerät mit Windows XP aus, aber es läuft auch mit Linux.

Der Betrieb des Medion Akoya Mini E1210 (siehe Test auf heise mobil) unter anderen Betriebssystemen als dem vorinstallierten Windows XP gestaltet sich allerdings etwas mühsam. Ubuntu 8.04 und Fedora 9 bleiben bereits beim Start hängen, offenbar aufgrund eines Problems beim Zugriff auf das per USB angebundene externe DVD-Laufwerk. OpenSolaris kann die Grafik nicht initialisieren.

OpenSuse 11 auf dem Medion-Netbook
Vergrößern OpenSuse 11 auf dem Medion-Netbook

OpenSuse 11 startet auf dem Medion-Gerät, der Installer läuft glatt durch. Nach dem Linux-Start ist die Hardware-Unterstützung allerdings enttäuschend. Das Display wird zunächst mit 800x600 Pixeln angesteuert. Nach dem Umstellen der Auflösung auf die korrekten 1024x600 hat der Desktop eine Größe von 1024x768 Pixeln, sodass das bei OpenSuse immer am unteren Bildschirmrand angezeigt Panel nicht sichtbar ist. Das Problem lässt sich aber beheben, indem man mit

xrandr --output VGA --off

den externen VGA-Ausgang abschaltet. Die 3D-Beschleunigung des Intel-Chips (GMA950) lässt sich problemlos aktivieren, die Funktionstasten zur Steuerung der Display-Helligkeit funktionieren.

Der Netzwerkchip Realtek RTL8102E lässt sich zunächst nicht in Betrieb nehmen, obwohl ein Treiber dafür vorhanden ist. Des Rätsels Lösung: Der Windows-Treiber versetzt den Netzwerkchip beim Herunterfahren in einen Zustand, in dem ihn der Linux-Treiber nicht initialisieren kann. Abhilfe schafft ein kurzzeitiges Ausbauen des Akkus nach dem Windows-Shutdown – kein ernsthaftes Problem für den dauerhaften Linux-Betrieb, aber höchst lästig, wenn man Linux und Windows im Wechsel nutzen möchte.

Für den WLAN-Chip RT2700 von Ralink bringt der Linux-Kernel keinen Treiber mit, der Hersteller bietet jedoch auf seiner Website einen passenden Linux-Treiber (RT2860) im Quelltext als zum Download an. Das Kompilieren gelingt mit der beiliegenden Anleitung problemlos, sofern die Kernelquellen und die nötigen Entwicklerwerkzeuge installiert sind. Allerdings handelt man sich damit die üblichen Probleme ein, die externe Kernelmodule mit sich bringen; so muss man das Modul nach jedem Kernel-Update erneut übersetzen. Nach Laden des Treibers ließ sich über den NetworkManager eine WPA2-verschlüsselte Verbindung zu einem Access Point herstellen – sogar in 802.11n-Geschwindgkeit.

Touchpad und Sound funktionieren anstandslos, die Lautstärke kann man mit den dafür zuständigen Funktionstasten regeln. Der Kartenleser lässt sich nutzen, eine SD-Karte wurde beim Einlegen automatisch erkannt.

Die Stromaufnahme liegt unter Linux etwas höher als unter Windows, was sich in einer etwas verringerten Laufzeit niederschlägt – hier dürften erst neue Kernelversionen mit vollständiger Unterstützung der Stromsparmechanismen der Atom-Plattform Abhilfe schaffen. Immerhin wird der Prozessor korrekt heruntergetaktet, wenn nichts zu tun ist, und nutzt die Schlafmodi C1 bis C3. Der Lüfter bleibt auch unter Volllast angenehm leise.

Suspend to Disk funktioniert, Suspend to RAM gelingt nicht – hier ist mindestens manuelles Feintuning nötig, möglicherweise hilft auch erst eine neue Kernelversion mit speziellen Anpassungen an das Gerät.

[Update]

Der Suspend to RAM gelingt, wenn man den Schlafmodus mit

echo -n 3 > /proc/acpi/sleep

direkt ansteuert, nicht jedoch über von OpenSuse beim Abmelden angebotene Suspend-Funktion oder über die entsprechenden Einstellungen im Gnome-Power-Manager. Die Ursache hierfür ist allerdings noch unklar.

Prinzipiell lässt sich das Medion Akoya Mini E1210 auch unter Linux betreiben, der Weg dorthin ist allerdings steinig: Lediglich eine von drei aktuellen Linux-Distributionen ließ sich überhaupt installieren; wer kein OpenSuse 11 einsetzen mag, muss sich auf einige Mühen schon bei der Installation einstellen. Sämtliche verbaute Hardware lässt sich unter Linux nutzen, allerdings ist auch hier vielfach Handarbeit erforderlich. Wer sein Linux-Notebook einfach nur benutzen will, dürfte mit dem Medion nicht glücklich werden; wen das Kompilieren eines eigenen Kernelmoduls nicht abschreckt, kann ruhig zugreifen. (odi)

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  2. Strom sparen
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