Tintensprinter

Tintendrucker mit festem Druckkopf erreicht enormes Drucktempo

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Wenn der Druckkopf eines Tintendruckers über die gesamte Papierbreite reicht, kann man mit enormer Geschwindigkeit drucken. Die so simple wie technisch komplizierte Idee hat die australische Firma Memjet jetzt in ein superschnelle Gerät umgesetzt.

Die Idee ist eigentlich einfach, die Realisierung schwierig: Wenn der Druckkopf eines Tintendruckers über die gesamte Papierbreite reicht, kann man mit enormer Geschwindigkeit drucken. Das Herzstück des Memjet bildet denn auch ein Druckkopf mit über 70 000 Düsen. Man kannte das schon mit 80 Typenrädern, die ganze Zeilen auf einmal druckten. Und dass die Zukunft des Tintendrucks in solchen feststehenden Druckköpfen bestehen würde, haben auch altbekannte Hersteller wie etwa Epson bereits Anfang der 2000er-Jahre vorhergesagt. Die Entwicklung eines eigenen Druckkopfes auf Basis seiner Piezo-Technik in Serienreife ist dem japanischen Hersteller aber bis heute nicht gelungen.

Vergrößern Da der Druckkopf feststeht, braucht es für die Tintenzuführung beim Memjet keine besondere Vorrichtung wie Schläuche.

Die australische Firma Memjet setzt auf das ursprünglich von Canon entwickelte thermische Druckverfahren, bei dem die Tintentröpfchen durch kurzes Erhitzen aus der Düse geschleudert werden. Die Grundlagen dieser Technik sind seit einigen Jahren patentfrei geworden. Die Herausforderung bestand darin, einen Fertigungsprozess zu entwickeln, der die Herstellung einer solch großen Anzahl von Druckdüsen auf Wafern in Serienstückzahlen und mit zuverlässiger Qualität erlaubt. Denn bereits der Ausfall einer Düse zieht sich bei dieser Technik als deutlicher Streifen übers Papier. Das ist bei herkömmlichen Druckköpfen nicht ganz so dramatisch, weil sie überlappend drucken, sodass mehrere Düsen einen Druckpunkt bedienen.

Im Test druckte der Memjet fast 50 Seiten pro Minute.

Von dem Druckkopf abgesehen ist der Memjet ein eher unspektakulärer Drucker: Er fasst 250 Seiten Papiervorrat und kann über LAN oder USB an Windows-PCs oder Macs angeschlossen werden. Sein Arbeitstempo ist allerdings enorm, einen Unterschied zwischen Farb- und Schwarzweißdruck konnten wir nicht messen. Für ein PDF-Handbuch von 200 Seiten benötigte der Memjet im Test gerade 4,2 Minuten. Das entspricht einer Druckleistung von fast 47 Seiten pro Minute. Der Hersteller spricht gar von bis zu 60 Seiten. Das kann bei etwas kleineren Druckaufträgen durchaus der Fall sein, denn im Test legte der Memjet kurz vor Ausgabe der letzten Seiten eine deutliche Verschnaufpause ein – vermutlich muss der Druckkopf gelegentlich abkühlen. Ebenso kam es mitunter zu geringen Verzögerungen beim Beginn eines Druckjobs, weil der Memjet erst seinen Druckkopf spülen wollte. Das gute Stück benötigt offenbar etwas Pflege, weshalb die Software insgesamt drei Reinigungsmodi von schnell bis intensiv an bietet.

Beim Fotodruck, den der Memjet bis zum A4-Format randlos beherrscht, kam es dann auch zu besagter Streifenbildung. Nach einem Reinigungsvorgang war er beseitigt. Die Druckqualität auf Normalpapier ist der von Farblaserdruckern nicht ganz ebenbürtig. Die Fotos geraten etwas unscharf, dafür ist hier kein Raster sichtbar. Auf Fotopapier ist die Qualität deutlich besser, die Detailschärfe, Tiefenzeichnung und Farbwiedergabe aber nicht ganz so gut wie bei gehobeneren Fototintendruckern. Die benötigen für einen randlosen A4-Ausdruck in höchster Qualität aber auch schon mal 15 Minuten und mehr – der Memjet nur 15 Sekunden. Auch beim Textdruck leistet der Memjet Ordentliches: Buchstaben fransen nur sehr wenig aus und erwiesen sich als recht resistent gegen Textmarker.

Vergrößern Die Schwarzpatronen des Memjet sollen für 7000, die Farbpatronen für 3500 Seiten reichen.

In Deutschland wird der Memjet von der Firma Compatech vertrieben, die mit der österreichischen Firma Takaef und der russischen Firma Lomond kooperiert. Letztere bietet den Memjet in Osteuropa unter der Bezeichnung Evojet an. Der Drucker soll knapp 800 Euro kosten. Die Farbpatronen sollen für 3500 Seiten reichen, die Schwarzpatronen für 7000 Seiten. Ein Satz aus allen vier Farben wird laut Anbieter für ungefähr 250 Euro zu haben sein – das würde einem Preis von 4,8 Cent je Seite entsprechen. Die Patronen seien so konzipiert, dass sie bis zu 20-mal wiederbefüllt werden könnten. Lomond und sein deutscher Partner Compatech wollen ein Refillsystem anbieten, bei dem im Austausch mit leeren Kartuschen wiederbefüllte um 30 Prozent günstiger angeboten werden sollen. Geringe Druckkosten und das enorme Arbeitstempo prädestinieren den Memjet für Vieldrucker, für die ganz großen Druckaufträge sind seine Tinten- und vor allem Papiervorräte aber doch etwas zu knapp bemessen. (tig)

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