Leseprobe aus c't 5/12
Windows gegen iOS und Android, Tastatur gegen Touchscreen: Notebooks und Tablets haben gegensätzliche Bedienkonzepte, müssen im Alltag aber die gleichen Aufgaben lösen. Tablets sind oft schneller – aber können sie das Notebook komplett ersetzen?
Tablets? Langsam, teuer und überflüssig, sagen die einen. Schnell, günstig und unverzichtbar, erwidern die anderen. Die Positionen klingen widersprüchlich, sind es aber nicht: Beide Lager haben recht, und zwar in allen Punkten.
Einige Aufgaben erledigen Tablets um ein Vielfaches schneller als Notebooks, manche aber langsamer. Sie kosten doppelt so viel wie Netbooks, aber nur halb so viel wie Ultrabooks, die neuen, besonders flachen und schnellen Subnotebooks. Sie können viel weniger als jeder beliebige Laptop, sind in den Familien der c’t-Redakteure aber die am härtesten umkämpften Gadgets.
Wer Tablets mit Netbooks und Ultrabooks vergleicht, kann deshalb keine pauschalen Empfehlungen geben. Auch Benchmarkwerte und Ausstattungstabellen helfen nur bedingt weiter, wenn unterschiedliche Bedienkonzepte und Betriebssysteme aufeinandertreffen.
Anstatt die Geräte durch Grafik-, CPU- und Speicherbenchmarks zu jagen, haben wir deshalb eine Reihe von alltäglichen Aktionen definiert, zwei c’t-Redakteure bei der Ausführung gefilmt und die jeweils benötigten Zeitspannen ermittelt. Die Ergebnisse sind nicht so objektiv wie klassische Benchmarks – Tastatur- und Touch-Virtuosen wären schneller als unsere Testpersonen, Anfänger langsamer und auf Geräten mit anderen Tastaturen oder kleineren Bildschirmen sähen die Werte wieder anders aus. Doch über die in der Praxis spürbaren Unterschiede zwischen den Gerätetypen verrät die Stoppuhr-Methode am meisten:
Insgesamt fällt auf, dass Tablets in einigen Disziplinen bis zu achtmal so schnell sind wie Notebooks, während die Notebooks in ihren Domänen die Tablets weniger deutlich abhängen – obwohl sie in puncto Rechenleistung laut Benchmarks meilenweit überlegen sind und ein Vielfaches an Strom verbrauchen. Diese Tatsache erklärt vielleicht einen großen Teil der explodierenden Tablet-Verkaufszahlen: Sie lösen manche Aufgaben so einfach und so schnell, dass auch Laien den Unterschied zum Notebook sofort registrieren, bewusst oder unbewusst.
Das eingeschränkte Multitasking der Tablets schlägt sich in unseren Messungen als Nachteil nieder, hat aber auch einen Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte. Vermutlich eher unbewusst genießen es viele Nutzer, dass sie vom Tablet weniger abgelenkt werden, weil alle Anwendungen im Vollbild laufen. Besonders nach einem Tag am Büro-PC, mit ständig blinkender Taskleiste, wirkt es wohltuend, sich ganz auf einen Artikel oder eine Mail konzentrieren zu können.
Bei der Akkulaufzeit kommt es weniger auf die Kategorie an als auf das konkrete Gerät: Anständige Tablets laufen zwischen sechs und elf Stunden, bei Netbooks sieht es ähnlich aus. Die Ultrabooks sind nicht ganz so ausdauernd, ihre Spanne reicht von fünf bis neun Stunden (siehe Artikel auf den folgenden Seiten).
Doch nicht nur die Akkulaufzeit im eingeschalteten Zustand ist wichtig. Ein Mobilrechner sollte auch im Standby-Modus möglichst lange durchhalten, damit man nach dem Einschalten nicht als Erstes das Netzteil suchen muss. Das iPad 2 verlor während eines Wochenendes im Standby nur drei Prozent Akkuladung. Ein Ultrabook von Asus (UX31) verbrauchte im gleichen Zeitraum rund 15 Prozent, ungefähr so viel wie das Android-Tablet Motorola Xoom. Noch stromdurstiger im Standby waren unsere anderen Android-Tablets. Die Samsung-Modelle verloren ein Viertel bis ein Drittel, das Medion Lifetab saugte seinen Akku sogar fast komplett leer. Von drei Netbooks mit ähnlich starken Akkus waren zwei nach dem Wochenende halb leer, das dritte immerhin noch zu zwei Dritteln geladen.
Schließlich haben Tablets eine Reihe von Vorteilen, die sich auf den ersten Blick erschließen: Sie wiegen nur halb so viel wie Netbooks und Ultrabooks, sind flacher, sehen hübscher aus und haben keinen Lüfter.
Wir haben uns auch unter den Langzeit-Tablet-Nutzern in der Redaktion umgehört. Die meisten nennen das schnelle Aufwachen als größten Vorteil, gefolgt von der langen Standby-Laufzeit. Und fast alle greifen täglich zum Tablet. Heißt das, es hat das Notebook ersetzt? Keineswegs.
Die Gründe dafür sind zahlreich. Alle sind sich darin einig, dass die virtuellen Tastaturen nicht zum Arbeiten taugen. Hinzu kommen zig individuelle Frustrationen: Der Speicher ist zu schnell voll und lässt sich nur umständlich mit Fotos befüllen, der Browser ist nicht kompatibel zum Redaktionssystem und muss aufgrund des kleinen Arbeitsspeichers seine Tabs neu laden, der Mail-Client zeigt IMAP-Ordner nicht vernünftig an …
Tablets boomen: 2011 wurden in Deutschland rund 2,1 Millionen Stück verkauft, mehr als doppelt so viele wie 2010. Damit stehen sie für 16 Prozent der hierzulande verkauften PCs. Die Netbooks sind innerhalb eines Jahres von 13 auf 7 Prozent Marktanteil abgestürzt.
Überraschend viele sagen, dass sie anfangs sogar versucht hätten, das Tablet als Notebook-Ersatz zu verwenden. Das habe jedoch nicht funktioniert. Mittlerweile nutzen auch sie das Tablet nur noch zum Surfen, Spielen oder Musik-Streamen. Das Problem: Mit Ansteck- und Bluetooth-Tastaturen, SD- und HDMI-Adaptern sowie Cloud-Druck-Diensten werden die Tablets ein kleines bisschen flexibler, verlieren dabei aber ihre Vorteile. Packt man eine Tastatur mit in den Rucksack, kann man auch gleich ein Netbook mitnehmen.
Wer wirklich Spaß an einem Tablet haben will, muss sich ganz darauf einlassen. Und braucht folglich weiterhin ein Notebook, das immer dann einspringt, wenn das Tablet an seine Grenzen stößt. Die Flexibilität im Alltag – das Zusammenspiel mit anderen Geräten, die große Festplatte – ist aber nicht der einzige Vorteil der Notebooks. Vielen Nutzern ist auch die Flexibilität in einem anderen Sinne wichtig: Die Freiheit, ein beliebiges Betriebssystem zu installieren, Programme und Inhalte aus beliebigen Quellen auszuwählen und die Hardware nach Bedarf zu verändern.
Diese Freiheiten bieten billige Netbooks sogar in noch höherem Maße als Ultrabooks, weil sie sich besser aufrüsten lassen. Allerdings haben nur die leistungsstarken Ultrabooks das Potenzial, als alleiniger Rechner zu dienen, was ihren hohen Preis relativiert. Gleichzeitig versuchen sie, mit ihren schicken Gehäusen und beschleunigten Aufwachzeiten etwas Tablet-Feeling ins Notebook-Format zu packen. Das gelingt aber nur ansatzweise.
Die drei folgenden Artikel steigen in die drei Gerätekategorien Tablets, Ultrabooks und Netbooks ein. Ab Seite 98 lesen Sie, wer beim iPad richtig liegt und wer bei einem Android-Tablet. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, ob sich das Warten auf das iPad 3, weitere Android-Tablets sowie Windows-8-Tablets lohnt.
Der Artikel auf Seite 102 nennt die wichtigsten Testergebnisse von fast allen zurzeit erhältlichen Ultrabooks, vergleicht sie mit günstigeren Subnotebooks und verrät, welche Fortschritte in den nächsten Monaten zu erwarten sind. Und die Netbooks? Sie stehen zwar nicht mehr im Rampenlicht, sind bei näherer Betrachtung aber attraktiver denn je. Der Artikel auf Seite 106 erklärt die Unterschiede zwischen den Modellen mit AMD- und Intel-Hardware sowie die Besonderheiten von Googles Browser-Betriebssystem Chrome OS.
(cwo)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 5/2012.
Artikel zum Thema "Die besten Tablets, Ultrabooks und Netbooks" finden Sie in c't 5/2012:
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