Leseprobe aus c't 2/13
Florian Müssig
Touchen und Tippen
Leistungsstarke Windows-8-Geräte zwischen Notebook und Tablet
Windows 8 ist für fingerbedienbare Bildschirme entwickelt worden, und die Hardware-Hersteller liefern dazu passende Geräte: Es gibt sowohl klassische Notebooks mit Touchscreen als auch neue Hardwarekonzepte mit dreh-, klapp- oder verschiebbaren Displays – oder gleich zwei Bildschirme in einem Gerät.
Ein Touchscreen im Notebook erleichtert die Bedienung der Kachel-Oberfläche von Windows 8 und der Apps enorm, ohne dass man wie beim Tablet auf flottes Tippen per Tastatur und präzises Mauszeiger-Steuern per Touchpad verzichten müsste. Gegenüber All-in-One- oder Desktop-PCs mit Touch-Monitor wiederum ist die kürzere Distanz zwischen Tastatur und Bildschirm von Vorteil, nur wenige Zentimeter sind zu überbrücken. Zudem sind die Wege auf dem Bildschirm klein: Anders als auf den Desktop-typischen Diagonalen jenseits von 20 Zoll, auf denen man sich bei der Touch-Bedienung wie im Hollywood-Film Minority Report vorkommt, hat die erste Riege an Touch-fähigen Windows-8-Notebooks 11- bis 14-Zoll-Bildschirme. Zu den ersten Modellen zählen Acers Aspire S7, das VivoBook S400CA von Asus, HPs Envy 4 TouchSmart und Samsungs Serie 5 540U3C.
Während man mit solchen Geräten schnell das gewünschte Icon auf dem Desktop per Fingerzeig markiert oder die Verwandtschaft durch die letzten Urlaubsfotos blättern lässt, machen speziell für Touch entwickelte Anwendungen und Spiele wenig Spaß: Im mitunter von der App vorgesehenen Hochkantformat lassen sich die Notebooks nicht sinnvoll halten, zudem kann man das Display üblicherweise nicht flach wie ein Tablet vor sich legen. Einzig Acers Touch-Ultrabook Aspire S7 erlaubt ein Aufklappen auf 180°, sodass Deckel und Rumpf auf dem Tisch aufliegen.
Hybrid-Konzepte
Sind Hochkantformat oder einhändige Tablet-Handhabung auf dem Arm gefragt, dann schlägt die Stunde der Hybrid-Geräte, die sich vom Notebook in ein Tablet verwandeln. Ihre Entwickler konnten den Ideen freien Lauf lassen, weshalb es viele unterschiedliche Konzepte gibt.
Bei Sonys Vaio Duo 11 zeigt der Bildschirm bei zusammengelegtem Notebook nach außen und wird von hinten hochgeklappt. Ganz ähnlich hat Toshiba gedacht: Hier klappt man den Deckel nach hinten um und schiebt ihn dann nach vorne über die Tastatur. Der Deckel ist deutlich weiter hinten befestigt als beim Sony-Gerät, was vor der Tastatur Platz für ein Touchpad lässt – Sony bietet lediglich einen optischen Trackpoint. Zudem lässt sich der Öffnungswinkel hier von ganz flach nach hinten bis fast senkrecht variieren.
Dells XPS 12 sieht auf den ersten Blick wie ein normales Notebook aus. Der Clou: Der Touchscreen lässt sich in einem Rahmen wie eine alte Schultafel nach hinten drehen, sodass bei zugeklapptem Deckel der Bildschirm wahlweise nach außen guckt. Dreht man ihn nach innen, ist er beim Transport vor Kratzern geschützt.
Asus baut ins Taichi 21 statt komplizierter Mechanik schlicht je ein Panel innen und außen ein. Das äußere lässt sich mittels Finger bedienen, das innere verwöhnt mit matter Oberfläche – alle anderen Kandidaten haben Touchscreen-typisch spiegelnde Oberflächen. Man muss sich allerdings entscheiden, ob gerade Tippen oder Tatschen angesagt ist, denn für einen einzigen Wischer oder Tipper klappt man nicht den Deckel zu und danach wieder auf. Im Notebook-Modus muss man Windows 8 also eher umständlich per Tastatur und Touchpad bedienen.
Im Unterschied zu den eingangs erwähnten Touch-Notebooks haben die vier Hybrid-Geräte eine zusätzliche Windows-Taste unter ihren Touch-Bildschirmen, damit man auch im Tablet-Betrieb immer schnell zur Kacheloberfläche zurückkehren kann. Zudem sind nur hier Sensoren an Bord, die den Bildschirminhalt automatisch drehen und zum Steuern von Spielen genutzt werden können. Unter dem c't-Link am Ende des Artikels gibt es ein Video mit allen Hybriden in Aktion.
Tablet-Brocken
Alle acht Testkandidaten tragen Intels Ultrabook-Siegel, sind also flache Notebooks mit langer Laufzeit und geringem Gewicht – im Testfeld zwischen 1,3 Kilo (Acer, Asus Taichi, Sony) und 2 Kilo (HP). Für Tablet-Verhältnisse sind es allesamt dicke Brocken: Das iPad etwa wiegt weniger als 800 Gramm, Siebenzöller unter 400 Gramm. Einhändiges Halten der Kandidaten ist damit nicht drin, doch hält man sie auf einem Unterarm, so liegen die Geräte sicher und bequem auf und können mit der anderen Hand bedient werden. ...
(mue)








