Mitte Juni versammelte sich die Fachwelt für große und kleine Netze auf der NetWorld+Interop in Frankfurt/Main. Diese Kombination aus Konferenz und Austellung, deren Besucher meistens aus dem deutschsprachigen Raum kamen, stand im Zeichen des neuen Schlagwortes Intranet. Für professionelle Web-Benutzer und Entscheider bot sie in diesem Jahr zusätzlich erstmals die DotCom, eine Kongreßmesse für Business im Internet.
Während man allgemein - und speziell auch für Deutschland - vermutet, daß das Internet in Zukunft große Wachstumsimpulse auslösen wird, gehen die Erwartungen vieler Unternehmen für den Absatz von Intranet-Produkten noch weiter. Der Netzsoftware-Branchenprimus Novell, dessen Mitarbeiter nicht müde werden, ihre Firma als mehr als 'bloß' eine LAN-Company zu verkaufen, zielt mit seinem Engagement für Web-Software hauptsächlich auf weltweit verteilte firmeninterne Intra-Netze. Der NetWare-Hersteller vermutet in den nächsten Jahren eine enorme Ausweitung dieses Marktes, wenn die einzelnen räumlich verstreuten LANs einer Firma unter dem Dach eines einzigen Intranets mittels Internet-Technologie zusammengefaßt werden.
Bisher haben viele Abteilungen in mittleren und größeren Unternehmen in eigener Regie WWW-Server aufgesetzt und auf diese Weise autonom Informationen firmenintern publiziert. Novell erwartet, daß dieser Web-Server-Wildwuchs 'von unten' bald beendet sein wird und viele Unternehmen eine einheitliche Technik für interne WWW-Server präferieren werden. Novell sieht hierin seine Chance, den NetWare Web Server als Intranet-Lösung an den Mann zu bringen. Da man auch unternehmenskritische Informationen auf internen Web-Servern abgelegt wird, sollen Sicherheits- und Zugriffsschutzmechanismen im Intranet eine wichtige Rolle spielen.
Genauso wie Novell geht Borland davon aus, daß die Internet-Technologie zukünftig besonders in firmeninternen Netzen Eingang finden wird. Die Softwareschmiede stellte auf der NetWorld+Interop in einer frühen Version ihre Java-Entwicklungsumgebung Latté dem Messepublikum vor. Die Erstellung von Java-Programmen erfolgt hier visualisiert mit Hilfe von grafischen Bausteinen, der Programm-Code tritt in den Hintergrund. Dieses Tool soll hauptsächlich im Intranet Verwendung finden und Schnittstellen zu Datenbanken enthalten. Den Hauptvorteil für den Einsatz von Latté und damit von Java sieht Borland neben den plattformübergreifenden Einsatzmöglichkeiten darin, daß alle im Unternehmen benutzten Java-Programme auf einfache Weise verändert werden können.
Ergeben sich Änderungen bei der Software, so müssen die neuen Programmversionen lediglich von einem zentralen Rechner auf die anderen Arbeitsstationen im firmeneigenen Intranet übertragen werden; aufwendige Umkonfigurierungen entfallen. Borland will seine Erfahrung bei der Produktion von Entwicklungs-Tools bei Latté einsetzen, möchte noch in diesem Jahr Latté zur Marktreife bringen und hofft, damit nicht zu spät zu kommen.
Intels Adaptive Technology ermöglicht das Verändern des Microcodes, also der Steuersoftware des Microcontrollers auf Netzadaptern, von Fast-Ethernet-Karten aus dem Hause Intel. Dieses Verfahren erspart beim Wechsel hin zu einer neueren Netztechnologie den Austausch der Adapter. Nötig ist nun nur noch das Heraufspielen der neuen Software auf die Netzwerkkarte.
Die Intel-Treiber für NDIS 3.0 und DOS ODI sind die ersten, die die Adaptive Technology unterstützen; sie sind speziell an die Netz-Betriebssysteme Windows NT sowie Novell NetWare angepaßt. Intel (http://www.intel.com/commnet/sns/) stellt diese Treiber - weitere sind in Vorbereitung - den Benutzern ihrer Fast-Ethernet-Karten kostenlos zur Verfügung. Zur Zeit kann lediglich der Microcode auf Intels 82557 Fast Ethernet-Controller, der sich auf dem Modell B des PCI EtherExpress PRO/100 befindet, nachgeladen werden. Zukünftig will Intel diese Fähigkeit in alle seine Fast-Ethernet-Karten implementieren.
Das deutsche Softwarehaus Tobit stellte seinen kostenlosen Public HPCS-Service erstmals der Öffentlichkeit vor. Dieser High Performance Communication Server funktioniert nach dem Prinzip einer Universal In-Box: Ein einziger Server speichert Nachrichten verschiedener Medien, bis der Empfänger diese abruft. Tobits Public HPCS-Server verarbeitet einkommende EMails, Faxe und Telefonanrufe (als Sounddateien), deren Inhalt der Adressat mittels Fax, Telefon oder Zugriff auf eine Web-Seite abfragen kann.
Die Basis dieses Servers bilden die auf einem NetWare-Server als NLM aufgesetzten Tobit-Programme FaxWare, WebBox, FaxBox, PostMan und AnsWare. Der Public HPCS-Server (http://www.hpcs.de) ist über einen Web-Server und Telefon (0 25 61-9 13 71-10 00)zu erreichen. Er kann - mitsamt einer persönlichen In-Box - kostenlos genutzt werden. Von August an will Tobit die Software in einem Paket unter dem Namen David als NLM für Novell NetWare ab 3.11 kommerziell vertreiben. Auf den eigenen David-Kommunikationsserver kann dann durch LAN, Fax, EMail und WWW zugegriffen werden. Der Grundpreis für David liegt bei 5000 Mark.
Ein Schwerpunkt auf der NetWorld+Interop 96 in Frankfurt war das Netzmanagement, dem infolge der immer größer werdenden LANs wachsende Bedeutung zukommt. Allied Telesyn International (ATI) bietet mit ihrer Remote-Network- Monitoring-Probe AT-RMON eine Möglichkeit an, die Datenströme in einem Netz zu erfassen und zu analysieren.
Diese Sonde für 10-MBit-Ethernet kann als Stand-alone-Lösung mit jedem 10BASE Ethernet-Hub oder -Switch verschiedener Hersteller über ein RJ45 10BASE-T-Kabel verbunden oder als Plug-and-Play-Modul integriert in die 3600er sowie TurboStack-Hubs von ATI eingesetzt werden. Das Gerät unterstützt den RFC-1573-RMON-Standard voll und kostet 2500 Mark. Allied Telesyn offeriert für die AT-RMON Netzmanagement-Software für Windows und einige UNIXe.
Mit dem Expert Sniffer Network Analyzer in der neuen Version 5.0 präsentierte Network General ein Analysetool, optimiert für schnelle Netze wie FDDI und Fast Ethernet. Im Vergleich zu seinen Vorgängerversionen dekodiert der aktuelle Sniffer auch Oracle- und Sybase-Datenbankprotokolle sowie HTTP und macht somit sichtbar, mit welchen WWW-Rechnern die LAN-PCs kommunizieren.
Ebenfalls erweitert wurden die Möglichkeiten des Sniffers, den Datentransfer mittels Novell NetWare zur überwachen und zu analysieren. Der Sniffer filtert den Datenverkehr und zeigt die Ströme der einzelnen Protokolle an. Er hilft bei der Lokalisation von Problemen, Fehlern und Engpässen im Datentransport des eigenen Netzes. Die kombinierte Lösung aus Hard- und Software kostet ab 22 400 Mark. (ha)
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