Leseprobe aus c't 24/08
Geschäftsmann (38), beruflich viel auf Achse, privat Liebhaber gemütlicher Kinoabende, sucht zuverlässigen Gefährten für unterwegs und daheim, vorzugsweise schlank und tageslichttauglich. Ganz klar, der Mann braucht ein Notebook. Und was brauchen Sie?
Der versierte Spieler mag betonen, dass an einem imposanten Tower-PC mit mindestens einer High-End-Grafikkarte kein Weg vorbeiführt. Das muss der Bewohner einer Zelle im Studentenwohnheim dann allerdings wörtlich nehmen. Notebook-Fans preisen den geringen Platzbedarf ihrer Schützlinge, richten für Erweiterungen aber gern mal einen USB-Kabelsalat auf dem Schreibtisch an oder spannen Netzteil-Fußangeln durchs Wohnzimmer.
Für meine Freundin Paula liegt das Wahre dazwischen. Als Lehrerin ist sie zu Hause auf einen zuverlässigen PC angewiesen, um Arbeitsbögen, Klausuren und anderes vorzubereiten. Unter ihrem Schreibtisch kümmert sich daher ein leiser Rechner um Berufliches, Digitalfotos und das MP3-Archiv. Nach getaner Arbeit lockt das Sofa. Zum Chatten und Surfen dient dort ein günstiges Mini-Notebook (Eee PC – Pionier der Netbooks), das auch in der Küche mal ein paar Tricks für eine besonders cremige Mousse au Chocolat verrät. Auf dem Schulweg, im Lehrerzimmer und abends in der Kneipe hält sie mit einem iPhone Kontakt, trägt aber ganz bewusst keine sensiblen Daten – wie die Aufgaben der nächsten Klassenarbeit – mit sich herum.
Anders Richard: Die eine Hälfte der Woche bereitet er vom Home-Office aus Termine bei Ärzten, Prüfzentren und Kliniken vor. Den Rest der Zeit tingelt er durch halb Europa, um vor Ort Daten einzusammeln und Schulungen zu halten. Er braucht einen Rechner, der ihn einerseits ständig begleitet und andererseits im Home-Office komfortables Arbeiten erlaubt. Eine unkomplizierte Anbindung an heimische Infrastruktur wie Drucker, VPN-Router, Scanner, Fax und Co. ist ebenso wichtig wie geringes Gewicht und lange Akkulaufzeit. Spiele und Multimedia untersagen indes Dienstanweisungen. Richard arbeitet unterwegs mit einem leichten Business-Notebook mit relativ kleinem 14"-Display. Im Büro wartet eine Dockingstation auf seine Rückkehr. An dieser hängen neben einem großen LC-Display auch eine ergonomische Tastatur, Maus, Scanner und Drucker. Somit hat er immer Zugriff auf dieselbe Software, aber zu Hause dennoch einen bequemen Arbeitsplatz, ohne sich mit Kabeln herumschlagen zu müssen. Selbst das Netzteil kann zu Hause im Koffer bleiben. Manchmal treffe ich ihn nach Feierabend und wir spielen auf seiner Wii-Konsole Tennis.
Seine Freundin Katja forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Uni-Institut – nominell auf einer halben Stelle. Obwohl im Uni-Büro ein älterer PC steht, arbeitet sie lieber mit ihrem privaten Notebook. Ihr kommt es darauf an, immer alles dabei zu haben. Zu Hause sitzt sie mal auf dem Sofa, mal am Küchentisch, aber kaum in ihrem Arbeitszimmer – Platz wäre da eh nicht. Abends füttert ihr Macbook Pro auch mal die Stereoanlage mit einem Musikstrom aus dem Internet oder kommt zum DVD-Schauen mit ins Bett. Laut darf der Rechner daher keinesfalls sein. Ein schickes Display, eine große Festplatte und Bedienkomfort sind ihr dabei wichtiger als niedriges Gewicht. Für ein paar schicke Extras gibt sie, ohne mit der Wimper zu zucken, auch mal ein paar Euro mehr aus.
Mein Kollege Charlie indes geht am liebsten auf die Jagd – rein virtuell versteht sich. Seinen PC baut er selbst und spendiert ihm immer mal wieder eine neue Grafikkarte. Die 3D-Leistung eines Notebooks belächelt er – bestenfalls. Dennoch sollte sein PC halbwegs leise sein, denn nachts saugt Charlie schon mal die eine oder andere Datei aus dem Netz und will dabei ungestört schlummern. Dafür muss sein PC auch nicht portabel sein, denn im Büro steht ja einer und nach einem langen Arbeitstag trifft er Freunde lieber in der Kneipe – ohne PC.
Die vier beschriebenen Fälle zeigen: Den optimalen PC für alle gibt es nicht, wohl aber optimale Lösungen für die individuellen Bedürfnisse. Passt keines der oben beschriebenen Szenarien, so helfen ein paar grundsätzliche Überlegungen zum eigenen Bedarf weiter. Muss der Rechner auf Dienstreisen immer mit von der Partie sein, braucht man ihn für Recherchen oft in der Uni-Bibliothek oder soll er für Kurzweil auf langen Zugfahrten zur Wochenendbeziehung sorgen, so kommt nur ein Notebook in Frage. Mit externen USB-Festplatten, einer zusätzlichen Maus oder gar einer Dockingstation samt stationärem Display lassen sich einige der Einschränkungen von Notebooks kompensieren.
Steht allerdings maximale Rechenleistung im Vordergrund, braucht man derzeit einen (oder gar mehrere) Desktop-Prozessor(en) von Intel. Dieser Fall trifft beispielsweise auf die Redaktion des Fernsehmagazins c't-tv zu: Nach Drehschluss muss sie das fertige HD-Material transcodieren, damit es rechtzeitig als Flash-Film zum Download bereitsteht. Nach einem langen Drehtag spielt es da durchaus eine Rolle, ob der Redakteur eine oder zwei Stunden ausharren muss. Intel bietet zwar auch für Notebooks erste Vierkern-CPUs an, doch diese fallen bei Taktfrequenz und FSB hinter ihren Desktop-Kollegen zurück; zwei oder gar vier Prozessoren, mehr als 8 GByte RAM oder mehr als zwei Festplatten sind ohnehin stationären Workstations vorbehalten.
Ähnlich einfach und eindeutig fällt die Wahl auf einen Desktop-PC, wenn das Lieblings-3D-Spiel nicht für Spielkonsolen verfügbar ist und ohne High-End-Grafik nur ruckelt. Zwar bieten Dell und Alienware teure Gaming-Notebooks, doch selbst deren Grafikchips hinken ihren Desktop-Kollegen um mehr als eine Generation hinterher.
Für einige andere Anwendungszwecke ist die Portabilität eines Notebooks sogar unerwünscht: So sollen der Medienserver im Wohnzimmer, der Windows-Home- oder auch der File-Server für die WG ihre Dienste allen Bewohnern anbieten und nicht mal eben für eine PowerPoint-Präsentation im Seminar entführt werden. Auch fällt ein Notebook – samt allen Daten –Langfingern deutlich leichter zum Opfer als ein Desktop-PC.
Steht ein aufgeräumter Schreibtisch ganz weit oben auf der Wunschliste, bieten sich folgende Lösungen an: Eine Kombination aus klassischem Desktop-PC unter dem Tisch, drahtloser Maus und Tastatur sowie einem schicken Flachbildschirm mit digitalem Anschluss vermeidet störende Strippen auf dem Tisch. Außer dem Strom- und dem Monitorkabel für das Display lassen sich alle anderen Verbindungen in Kabelschächten verstecken. Behindert der Rechner unter dem Tisch die Putzkolonne, so bieten Apple, Sony, HP und seit kurzem auch Asus Displays mit integriertem PC an.
Auch wenn ein Notebook für sich genommen kompakter wirkt, verwandeln es die Leitungen zu Drucker, Scanner, Kartenleser, DVB-T-Empfänger und nicht zuletzt zum externen Netzteil schnell in eine Spinne im Kabelnetz. Für Business-Notebooks reduzieren Dockingstations – teils in den Sockel eines externen Displays integriert – dies ein wenig. Leider gibt es solche Stationen nicht für Consumer-Geräte.
Display und Tastatur bringen Notebooks zwar schon mit, wer allerdings viel Zeit vor dem PC verbringt, sollte auch auf einen ergonomischen Arbeitsplatz achten. Hier müssen insbesondere Notebooks mit Hochglanz-Displays Federn lassen.
Genau genommen verstoßen alle Notebooks im stationären Betrieb gegen die gesetzlichen Bestimmungen für Bildschirmarbeitsplätze, da sich die Tastatur nicht – wie vorgeschrieben – getrennt vom Bildschirm positionieren und neigen lässt. Die Display-Größe eines Notebooks bleibt zudem weit hinter dem zurück, was derzeit schon für kleines Geld bei externen Monitoren möglich ist. So gibt es 22"-Displays, die zwei DIN-A4-Seiten nebeneinander anzeigen, schon ab 140 Euro. Nun lässt sich auch ein Notebook am heimischen Arbeitsplatz mit einem solchen Display und einer Maus und einer Tastatur verbinden. Das führt jedoch wieder zu Kabelsalat. Mehr als insgesamt zwei Displays steuert derzeit ohnehin kein Notebook an und die hohen Auflösungen – wie sie beispielsweise 30"-Monitore verwenden – schaffen nur einzelne. Somit erfordern Multimonitorsysteme für Videoschnitt und Co. oder große CAD-Arbeitsplätze nach wie vor einen klassischen Desktop-Rechner.
Als Medienzentrale im heimischen Wohnzimmer eignen sich PCs bisher nur bedingt: Bei Abständen von einigen Metern zwischen Couch und Display braucht man fast ein Fernglas, um Windows-Schriften und -Symbole zu erkennen. Vereinfachte Oberflächen wie das Media Center von Windows scheitern spätestens, wenn der Blu-ray-Player mal wieder ein Update will oder über Länder-Codes meckert. Dedizierte Geräte – allen voran die Playstation 3 – spielen Blu-ray und andere Discs mit weniger Zicken ab als Software-Player.
Stromsparen ist nicht nur trendy, sondern spart auch Geld und schont die Umwelt. Notebooks verheizen im Betrieb wesentlich weniger Strom als ein herkömmlicher Desktop-PC. So begnügt sich ein Allround-Notebook – ohne leistungsfähigen 3D-Chip, aber samt 17"-Display – mit 20 bis 53 Watt. Unser relativ sparsamer PC-Bauvorschlag (mit Intel-CPU und gesteckter Grafikkarte) schluckt schon im Leerlauf mehr (62 Watt). Unter Volllast nimmt er bis zu 149 Watt auf, hat dann allerdings auch genug Rumms für die ein oder andere Monsterjagd. Dazu kommen noch einmal 35 Watt für ein schickes 24"-Display.
Pro Watt, das ein Gerät rund um die Uhr aufnimmt, kassieren die Energieversorger 2 Euro im Jahr. Schaltet man den PC außerhalb der Bürozeiten (40 Stunden pro Woche) ab, kostet ein Watt nur noch 50 Cent pro Jahr. Der ausschließliche Blick auf das Wattmeter trügt allerdings. Nur wegen ein paar Watt weniger Leistungsaufnahme einen neuen Rechner anzuschaffen führt sicher nicht zu einer positiven Ökobilanz – dafür ist die Herstellung eines neuen Gerätes zu energieintensiv. Bei einem Notebook kommen zudem noch Entsorgungsprobleme für die Akkus dazu.
(bbe)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 24/2008.
| "Der optimale PC" | |
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| Vom Netbook bis zum High-End-Notebook | S. 130 |
| Aktuelle PC-Hardware im Überblick | S. 140 |
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