„Sieben von zehn Top-10-Alben sind keine Audio-CDs“, so die Kernaussage unseres Audio-CD-Schwerpunkts in c't 08/03. Seither haben Hunderte von verärgerten Kunden ihre Erfahrungen mit Abspielsperren auf Audio-CDs in das c't-CD-Register eingetragen.
Es ist schon ein Unding mit den Un-CDs - das fanden zumindest die Leser unseres Schwerpunktes zu nicht Standard-konformen Audio-CDs und machten ihrem Ärger in zahlreichen Leserbriefen Luft: Viele DVD-Standalone-Player bleiben stumm, die Stereosysteme mancher Nobelkarossen kommen ins Stocken - an eine Übertragung auf portable Player ist nicht zu denken.
Um den Abwärtstrend bei den CD-Verkaufszahlen zu stoppen, setzt die Musikindustrie weiter auf die Abspielsperren - insbesondere bei begehrten Neuerscheinungen. Die als kopierfreudig geltenden Deutschen dienen offensichtlich als Testmarkt, auf dem sich die Abspielsperren vor ihrer weltweiten Einführung bewähren sollen (siehe hierzu das [#interview Interview] mit Hartmut Spiesecke, dem Pressesprecher der deutschen Niederlassung der IFPI).
Die Umsetzung der EU-Urheberrechtsnovelle in deutsche Recht wird zusätzlich dazu beitragen, dem unbedarften Konsumenten das Anfertigen einer lauffähigen Privatkopie mit CloneCD & Co. zu erschweren - die Clone-Tools umgehen Kopierschutzmaßnahmen und sind künftig illegal (siehe c't 9/2003, S. 18).
Umso wichtiger ist es, für mehr Transparenz beim CD-Kauf zu sorgen - schließlich möchte der Kunde so früh wie möglich wissen, welche CD in heimischen Geräten Probleme macht. Zu diesem Zweck haben wir unter www.cd-register.de eine Website eingerichtet, auf der Musikfreunde ihre Erfahrungen mit den Un-CDs anderen Anwendern mitteilen können.
Kern des c't-CD-Registers ist die Datenbank mit Erfahrungsberichten zur Abspielbarkeit von CDs. Bisher haben die Nutzer mehr als 3000 Meldungen zu über 500 verschiedenen CDs abgegeben.
In rund 1300 Fällen berichten die Käufer von Problemen beim Abspielen oder Auslesen von CDs. Ein genauer Blick auf die betroffenen Gerätekategorien zeigt, dass die Musikindustrie zumindest ein Ziel erreicht hat: Betrachtet man das Verhältnis von Erfolgs- und Misserfolgsmeldungen je Gerätekategorie, treten in HiFi-CD-Spielern mit 15 Prozent Fehlerberichten am wenigsten Probleme auf. Eben diese Geräte sollen die CDs abspielen können. Auch die Tatsache, dass DVD-Computerlaufwerke mit 53 Prozent am meisten Probleme verursachen, dürfte der Absicht hinter der Abspielsperre entsprechen.
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Bei Hifi-CD-Spielern gab es mit 85 Prozent den größten Anteil an Erfolgsmeldungen. |
Dass Autoradios und DVD-Player stärker betroffen sind als CD-ROM-Laufwerke, dürfte jedoch kaum im Sinne der Erfinder sein. Dass bei den Autoradios eher die billigen Modelle betroffen sind (siehe Interview), lässt sich aus den abgegebenen Bewertungen nicht bestätigen. Eher scheinen teurere Stereosysteme in Oberklasse-Fahrzeugen ins Stolpern zu geraten - vielleicht weil diese Geräte für Car-Navigation vorbereitet sind und auch Daten-CDs lesen können müssen.
Leider lassen sich die Major Labels nicht in die Karten gucken, wenn es darum geht, welcher Kopierschutz zum Einsatz kommt. Während Cactus Data Shield 200 wegen des Software-Players auf PCs leicht zu identifizieren ist, konnten die Nutzer andere Abspielsperren nur schwer identifizieren. Ein Blick auf die Berichte zu Produkten einzelner Labels zeigt zumindest, dass es durchaus Unterschiede gibt: Während bei Universal nur 33 Prozent Erfahrungsberichte von Problemen handelten, waren es bei BMG 55 Prozent.
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Produkte aus dem Hause BMG sorgen für mehr Verdruss als Universal-Scheiben. |
Doch welches sind die Computerlaufwerke, die sich am wenigsten aus dem Tritt bringen lassen? Sortiert man die zehn am häufigsten bewerteten Hersteller von DVD- und CD-ROM-Laufwerken nach dem Verhältnis von positiven und negativen Erfahrungen, trifft man auf dem ersten Platz auf einen alten Bekannten: Plextor-Laufwerke erweisen sich als robust und weisen nur einen Anteil von 29 Prozent an Problemberichten auf.
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Plextor und Sony lassen sich am wenigsten von Abspielsperren beeindrucken. |
Überraschenderweise liegt Sony in dieser Betrachtung auf Platz zwei - spielt der japanische Konzern in seiner Doppelrolle als Gerätehersteller und Rechteinhaber doch sonst eine Vorreiterrolle, wenn es um irgendeine Form von digitaler Rechteverwaltung oder Kopierschutz geht. Sony-Laufwerke haben zumindest eher weniger Schwierigkeiten mit abspielgesperrten Audio-CDs.
Die goldene Ära, in der der Zweiterwerb durch den Wechsel von Vinyl auf CD und nicht zuletzt die Wiedervereinigung für sprudelnde Einkünfte aus CD-Verkäufen sorgte, ist endgültig vorbei. Die Musik löst sich vom Datenträger als Transportmedium und die Musikindustrie tut gut daran, mit ihrem für Sommer angekündigten Musik-Portal längst verlorenen Online-Boden wieder gut zu machen. (sha)
[#anfang Seitenanfang]
Dr. Hartmut Spiesecke, Pressesprecher der deutschen Phonoverbände, stand c't zum Thema Abspielsperren Rede und Antwort.
c't: Über Jahre haben die Kunden Vertrauen in den Standard der CD Digital Audio entwickelt. Hat sich die Musikindustrie mit der Einführung der Un-CDs einen Bärendienst erwiesen?
Dr. Hartmut Spiesecke: Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass wir sie nicht für „Un-CDs“ halten.
c't: Wofür halten Sie sie denn?
Spiesecke: Tonträger.
c't: Tonträger. Aber Audio-CDs im eigentlichen Sinn sind es nicht?
Spiesecke: Für mich sind es Audio-CDs. Ich finde es offen gestanden relativ egal, welche technische Spezifikation genau dahinter liegt. Wenn ich eine CD in einen CD-Spieler einlege und sie da Musik abspielt, ist es für mich eine CD.
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IFDI-Pressesprecher Spiesecke: Es geht nicht darum, einen zwanzig Jahre alten Standard einzuhalten. |
c't: Ich konnte CDs bisher in meinem CD-ROM-Laufwerk abspielen. Jetzt geht das nicht mehr.
Spiesecke: In den meisten CD-ROM-Laufwerken funktionieren kopiergeschützte CDs ohne Probleme. In bestimmten Geräten wie Brennern funktionieren sie nicht, aber das ist ja auch das Ziel von kopiergeschützten CDs.
c't: Viele Abspielprobleme gibt es auch auf DVD-Spielern und Autoradios. Sind das für Sie keine CD-Spieler?
Spiesecke: Wir möchten gerne, dass die Abspielkompatibilität so weit wie möglich gewährleistet ist. Das hängt auch von den Geräteherstellern ab. Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass immer mehr Hersteller aus irgendwelchen Gründen, beispielsweise weil sie drei Euro sparen können, dazu übergehen, CD-ROM-Laufwerke statt richtiger CD-Laufwerke einzusetzen. Solche Hersteller machen sich und ihren Kunden dann eventuell Probleme.
c't: Wie sollen die Hersteller die „richtigen“ Laufwerke einsetzen, wenn es keine verbindlichen Standards gibt?
Spiesecke: Viele Hersteller dachten bisher, das Problem des Musikkopierens auf unsere Kosten aussitzen zu können. Da hilft aber nur das Ziehen an einem Strang in gleicher Richtung weiter.
c't: Der Chef von Macrovision sagte jüngst in einem Interview, dass die US-amerikanischen Konsumenten ihre Rechte lautstärker artikulieren würden als europäische Kunden. Ist das der Grund, weshalb Deutschland noch vor den USA in den Genuss der Un-CDs gekommen ist?
Spiesecke: In Deutschland haben wir das Problem von Millionen und Abermillionen von Musikkopien ein bis zwei Jahre früher gehabt als im internationalen Markt. Deswegen ergab sich hier auch früher die Notwendigkeit zu handeln. Vor zwei Jahren haben die Amerikaner noch gesagt „wo sind eure Marktprobleme?“ - Heute wissen sie es und reagieren mit den gleichen Schutzmaßnahmen.
c't: Unter welchen Bedingungen würde die Musikindustrie zur Produktion standardkonformer Audio-CDs zurückkehren?
Spiesecke: Wir produzieren standardkonforme Audio-CDs.
c't: Zumindest keine nach dem CDDA-Standard.
Spiesecke: Der Red-Book-Standard ist zwanzig Jahre alt. Mit dem kann man außer reinen Audio-Files auf einen Tonträger nichts hinzufügen. Die Welt hat sich da weiterentwickelt. Die Frage dreht sich in der Tat nicht mehr darum, ob wir einen zwanzig Jahre alten Standard einhalten, sondern wie wir es erstens gewährleisten können unsere eigenen Produkte weiterzuentwickeln und zweitens dafür zu sorgen, dass es auch unsere Produkte bleiben.
c't: Man hört viel von Kopiersperren, Tauschbörsen-Sabotage und rechtlichen Schritten gegen Nutzer von Tauschbörsen. Wie sieht es mit einem konstruktiven Gegenangebot aus?
Spiesecke: Ich bin ganz sicher, dass wir einen strategischen Doppelschritt brauchen: Wir bereiten zurzeit ein legales nationales branchenweites Download-Angebot vor. Gleichzeitig brauchen wir eine konsequente und noch strengere Verfolgung illegaler Angebote. Ich denke, dass wir beides erreichen werden.
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In meinem DVD-Spieler läuft die CD problemlos. Kann ich über eine digitale Verbindung zwischen DVD-Spieler und Computer eine Sicherheitskopie anfertigen?
Grundsätzlich ist das möglich. Selbst wenn auf der Original-CD das Copybit gesetzt ist, erlauben die meisten Soundkarten eine 1:1-Kopie über einen optischen oder elektrischen Digital-Eingang. Natürlich sind solche Kopien nur in einfacher Geschwindigkeit möglich.
Wenn ich die CD einlege, erscheint ein unbekannter Mediaplayer und die Musik wird in komprimierter Form abgespielt. Kann ich diese Files nicht für meinen portablen Player nutzen?
Ihre CD ist mit Cactus Data Shield 200 geschützt und enthält die Audiotracks im WMA-Format (oft in stark komprimierter Form bei 64 kBit/s und weniger). Abgesehen von der schlechten Klangqualität sind die Dateien zusätzlich in einen Sicherheitscontainer (yucca.cds) eingebunden, der nur mit dem proprietären Cactus-Player abgespielt werden kann.
Soll ich auch ältere CD-Titel in die Datenbank eintragen?
Die erste geschützte CD (Razorblade Romance, HIM) kam am 24. Januar 2000 auf den deutschen Markt. CDs vor diesem Stichtag wurden ohne Schutz ausgeliefert und sollten nicht eingetragen werden.
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