Leseprobe aus c't 16/12
Holger Bleich, Ragni Serina Zlotos
Vernetzte Präsenz
Die eigene Website mit Facebook, Twitter und Co. kombinieren
Soziale Netzwerke bieten ihren Nutzern mittlerweise viele Funktionen, für die vor Kurzem noch eine eigene Website nötig war. Doch das macht Hosting und Homepage keinesfalls überflüssig, denn nur im eigenen Webspace ist man Herr im Haus. Mit etwas Geschick lassen sich soziale Plattformen prima an den eigenen Internet-Auftritt andocken. So sorgt man für neue Besucherströme, ohne die Präsenz ganz aus der Hand zu geben.
Wenn Sascha Lobo ruft, lauscht nicht nur die Netzgemeinde. Auf der re:publica-Konferenz Anfang Mai hat er mit der „apellativen Kraft meiner Frisur“ dazu animiert, 2012 zum „Jahr der Blogs“ zu machen. Lobo verdeutlichte ein Problem, das mit der starken Nutzung von sozialen Diensten, insbesondere Facebook, einhergeht: „All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden“, merkte er mit Recht an. „Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.“
Plattformen wie Facebook und Google+ leben davon, dass möglichst viele Mitglieder dort möglichst aktiv sind. Deshalb sind sie bestrebt, es an nichts fehlen zu lassen. Die Nutzerpräsenz dort soll idealerweise eine Webpräsenz anderswo überflüssig machen. Das Profil etwa ersetzt die Homepage, Statusmeldungen das Blog, Kommentarfunktionen und geschlossene Gruppen bilden ab, was auf der eigenen Website ein Forum leistet, und multimediale Nutzerinhalte zu präsentieren gehört mittlerweile für ein soziales Netzwerk zum Standard-Repertoire.
All dies ist bei Facebook und Google+ kinderleicht zu bedienen, Software- oder Administrations-Know-how benötigt niemand. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen erhalten auf sie zugeschnittene Angebote. Hinzu kommt, dass sie präzise Statistiken zum Besucherverhalten abrufen können. Und all diese Services kosten kein Geld – als Währung dient die eingeblendete Werbung.
Die Folge ist, dass immer mehr Webnutzer auf eine eigene Homepage verzichten und die bequemere Facebook-Variante wählen. Von mehreren Webhostern erfuhr c’t hinter vorgehaltener Hand, dass sich dieser Trend mittlerweile deutlich bemerkbar macht. Privatleute und kleine Unternehmen, so erklärte uns der Chef eines großen deutschen Webspace-Providers, sehen nicht mehr ein, warum sie in eine Website noch Geld und Arbeit investieren sollen, wenn es doch bei Facebook alles für lau gibt.
Geborgtes Web
Sascha Lobo brachte diesen Trend auf die plakative Formel: „Euer Internet ist nur geborgt!“ Wie Recht er damit hat, mussten jüngst die Betreiber einiger Städteseiten auf Facebook erfahren. Im Februar etwa verschwand ohne Vorwarnung die mit viel Mühe aufgebaute Facebook-Präsenz der Stadt München, und mit ihr auch die 400 000 Fans. Facebook teilte dem Betreiber auf Nachfrage lapidar mit, es handle sich um ein „technisches Problem“. Ein Support der verzweifelten Portalverantwortlichen fand nicht statt. Später stellte sich heraus, dass Facebook beschlossen hat, die Städteseiten lieber selbst zu betreiben. Nun müssen sich alle Portale – auch die großen von Berlin oder Hamburg – umbenennen, was mit erheblichen Kosten verbunden sein dürfte.
Der Vorgang macht deutlich: Wer bei Facebook publiziert, unterliegt deren Bedingungen und Entscheidungen. Dies gilt sowohl für kommerzielle Anbieter als auch für Privatnutzer. Mit einer eigenen Domain und Webpräsenz dagegen ist man sein eigener Herr. Einen kleinen Webauftritt mit Blog zu administrieren ist kein Hexenwerk – viele Webhoster stehen mit nützlichen Werkzeugen zur Seite. Im Test auf Seite 124 finden Sie konkrete Angebote, die Neulingen und Erfahrenen gleichermaßen entgegenkommen.
Die eigene Website und Aktivitäten in sozialen Netzwerken können sich überdies wunderbar ergänzen. Mit etwas Geschick und den richtigen Tools gelingt eine Kombination, die der Webpräsenz sogar noch erhebliche Besucherzuwächse beschert. Am Beispiel der beliebten Blog- und Webpublishing-Software Wordpress, die sich problemlos bei den getesteten Webhostern installieren lässt, zeigen wir, was möglich und sinnvoll ist.
Facebook-App und Plug-in
Wordpress mit Facebook zu verbinden ist nicht schwer. Facebook selbst hat ein mächtiges Plug-in für die Blogsoftware herausgegeben. Je nach Konfiguration macht dieses Tool die Wordpress-Installation zu einem regelrechten Außenposten von Facebook. Es postet auf Wunsch die Blogbeiträge ins soziale Netzwerk und holt so interessierte Leser ins eigene Blog. Im Blog selbst bekommen Nutzer die Möglichkeit, Beiträge mit „Gefällt mir“ zu versehen. Ein Widget zeigt ihnen, wie vielen anderen Facebook-Nutzern ein Blog-Beitrag gefällt. Es bietet sogar die Möglichkeit, die Wordpress-eigene Kommentarfunktion durch die von Facebook zu ersetzen.
Mit dem Facebook-Plug-in für Wordpress posten Sie nahtlos von Blog
zu Facebook, und Ihre Nutzer können „Gefällt mir“ sagen.
Nach der Installation des Plug-ins sind nur noch ein paar Schritte auf der Entwickler-Site von Facebook (developers.facebook.com) nötig, die vom Plug-in erläutert werden. Dort erstellen Sie im eigenen Facebook-Account eine App, die das Wordpress-Plug-in mit dem Facebook-API verbindet. Über diese App erkennt Facebook Ihre Site und verifiziert die Herkunft der Aktivitäten in Ihrem Wordpress. Der Vorteil der engen Facebook-Verknüpfung: Sie bekommen ähnlich wie ein Betreiber einer Facebook-Page detaillierte Einsichten in die Statistik. So erfahren Sie, wie viele Nutzer die geteilten Links von Ihrer Seite gesehen haben, wie viele sie angeklickt haben – und wie sich diese Aktivitäten über die Zeit entwickelt haben.
Durch das Plug-in wird unter Umständen das Laden und der Aufbau der kompletten Seite mitsamt der Facebook-Elemente verlangsamt. Diesen Effekt kann man ein wenig abmildern, indem man nicht benötigte Facebook-Widgets in der von Wordpress im Blog eingeblendeten Seitenleiste weglässt.
Mit der „Social Publisher“-Funktion im Plug-in lassen sich neue Blogbeiträge übrigens sogar in die Chronik von Freunden oder Fanseiten auf Facebook posten. Das erfordert allerdings noch etwas zusätzlichen Aufwand: Für den Social Publisher müssen Sie in der App-Verwaltung im Developer-Bereich von Facebook unter „OpenGraph“ eine „Publish“-Aktion erstellen und diese zur Freigabe abschicken. Beschreiben Sie dabei im ersten Schritt in Form einer Anleitung, wie man Nutzer in Ihren Wordpress-Posts taggen kann, und klicken Sie danach zweimal „Weiter“ ohne weitere Funktionen zu wählen.
Sobald das Plug-in deaktiviert wird, verschwinden die Funktionen aus dem Wordpress-Blog. Falls die Kommentar-Funktion aktiviert war, sind die Einträge nun auch verschwunden. Zumindest bis man das Plug-in wieder aktiviert. Facebooks eigenes Plug-in ist eine Allround-Lösung. Vielleicht brauchen Sie jedoch nicht alle Funktionen.
In diesem Fall könnten Sie sich darauf beschränken, im Blog oder auf anderen Webseiten den „Gefällt mir“-Knopf einzublenden, und gleichzeitig der Privatsphäre Ihrer Besucher etwas Gutes tun. Dafür gibt es die von heise online entwickelte Zwei-Klick-Lösung [1]. Sie steht unter dem Namen „socialshareprivacy“ als jQuery-Plug-in unter Open-Source-Lizenz zum Download bereit. Nach dem Motto „2 Klicks für mehr Datenschutz“ haben unsere Entwickler darauf geachtet, dass die Daten von Webseitenbesuchern nicht ohne deren Zustimmung an Facebook, Google oder Twitter gesendet werden. Für Wordpress gibt es gleich mehrere Plug-ins, die die jQuery-Bibliotheken integrieren: „2-Click Social Media Buttons“, „xsd socialshareprivacy" und „Privacy Share Buttons“.
(rzl)
Präsent sein im Netz
Artikel zum Thema "Präsent sein im Netz" finden Sie in c't 16/2012:
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 16/2012.








