Viel Hauptspeicher für wenig Geld, das versprechen derzeit diverse Händler und offerieren 512-MByte-DIMMs für kaum mehr als 150 Mark. Ein toller Preis, könnte man meinen, doch der Teufel steckt wie immer im Detail.
Unser Testkaufteam holte sich den Speicherkick in Form von drei 512-MByte-DIMMs beim Versender Alternate. Für 535 DM inklusive Versandkosten erhielten wir zwei Tage nach der Bestellung 1,5 GByte Hauptspeicher. Den dezenten Hinweis ‘SDRAM, VIA’ und die Erläuterung ‘Achtung! Dieses Modul läuft nur auf Mainboards mit VIA-Chipsatz’ auf der Webseite des Anbieters bestätigten erste Tests in verschiedenen Boards mit Intel i81x- und BX-Chipsatz. Je nach Hersteller und BIOS booteten die Platinen entweder gar nicht oder erkannten nur die halbe Kapazität der Module. Ältere VIA-Boards mit CPUs der Pentium-Klasse gefiel der neue Speicher ebenfalls nicht.
Etwas mehr Glück hatten wir bei Boards mit aktuellen VIA-Chipsätzen. Hier wurde der Speicher in der Regel korrekt erkannt und das System bootete. Einzige Ausnahme: das Epox 8KTA3 lief mit den Speicherriegeln sehr instabil und erkannte sie auch nicht bei jedem Start korrekt.
Booten alleine ist bei Speicherchips freilich kein ausreichendes Stabilitätskriterium. Also schleusten wir die drei 512-MByte-Module durch unseren üblichen Testparcours (siehe ct 16/2001, S. 94). Im Labortest fielen alle drei DIMMs durch. Jenseits von 100 MHz hagelte es geradezu Fehler. Im Praxistest sah es auch nicht viel besser aus: Bestückt mit drei Modulen gab es im Asus A7V 133 (VIA KT133A) diverse Speicherfehler (MyTest). Auch mit dem MSI-Board MS-6309 (VIA 694X) vertrug sich der billige Speicher nicht so recht. Hier entdeckten Memtest und MyTest ebenfalls Bitfehler. Genauso erging es uns mit dem Gigabyte-Modell GA-7zX-H mit KT133A-Chipsatz. Das MSI-Modell K7T-Turbo mit gleichem Chipsatz schluckte die DIMMs dagegen ohne Murren. Ohne jegliche Beanstandungen verliefen die Praxistests mit dem Asus CUV4X-M (VIA 694X) und mit dem A7A266 aus gleichem Hause. Letzteres arbeitet mit dem Magik-I-Chipsatz von ALi.
Schaut man sich den Aufbau und die Organisation der verramschten Module näher an, verwundert es nicht, dass sie in diversen Boards Probleme bereiten. Auf den DIMMs sitzen 16 ICs, die 64 MBit x 4 organisiert sind. Diese Organisationsform (x 4) ist laut Intels PC133-Spezifikation ausschließlich für so genannte Registered-DIMMs zulässig. Bei diesen sorgen spezielle Treiberbausteine dafür, dass die Last für den Chipsatz nicht zu groß wird. Streng genommen sind die Module damit eigentlich keine PC133-DIMMs. Spitzfindige Zeitgenossen könnten jetzt einwenden, das es ja neben der Intel-Spezifikation auch noch einen JEDEC-Standard (Version 2.0) gibt, der auch bei nichtgepufferten Modulen theoretisch einen Aufbau mit x4-Chips gestattet.
Für die von uns bei Alternate gekauften Module gibt es diesen Ausweg aber nicht: Sie geben sich in ihrem SPD-EEPROM als PC133-333-DIMMs nach der aktuellen Intel-Spezifikation 1.2 zu erkennen - und dieser genügen sie definitiv nicht. Ansonsten entspricht der Inhalt des SPD-EEPROMs in Sachen Vollständigkeit dem, was man von typischer NoName-Ware erwarten darf. Korrekte Einträge für Modultyp und Seriennummer gibt es nicht, dafür aber eine unzulässige Nutzung des Herstellerfeldes. Hier hat Memtech einfach seinen Namen im Klartext vermerkt, statt sich um eine JEDEC-Hersteller-ID zu bemühen.
Zudem arbeiten die Module selbst als 13 x 11-Riegel (Row x Col). Aktuelle Intel-Chipsätze, die nur 512 MByte Hauptspeicher unterstützen, können aber nur mit x10-Modulen umgehen. Damit adressieren sie lediglich das halbe DIMM. Aus diesem Grund erkennen i81x-Boards auch nur 256 MByte - wenn sie denn überhaupt mit einem dieser Module booten.
Unterm Strich verbietet sich der Kauf dieser Billig-Module damit für alle Besitzer von Rechnern mit Intel-Chipsatz. Doch auch wer ein System mit VIA- oder ALi-Chipsatz besitzt, geht, wie unser Test zeigt, ein erhebliches Risiko ein, wenn er diese Module einsetzt. Im Interesse eines zuverlässigen und stabilen Systems sollte man deshalb lieber einen Bogen um entsprechende Speichermodule machen, die es übrigens bei einigen Anbietern auch als 256-MByte-DIMMs ‘nur für VIA’ gibt. (gs)
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Fallende Preise und sinkende Verkaufszahlen zwingen die Hersteller von Speichermodulen offenbar dazu, beim Vertrieb neue Wege einzuschlagen. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Micron-Tochter Spectek: Dessen bislang vornehmlich als No-Name-DIMMs bei PC-Läden und Internet-Shops anzutreffende Speicherriegel will der Hersteller nun auch als ‘Spectek-Select’-Speicher direkt an den Endkunden bringen. Entsprechend verpackt sollen die RAM-Riegel künftig über Ingram Micro zu haben sein.
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