Wer beim Speicherkauf auf Nummer Sicher gehen will, kauft Markenspeicher. Das dachte sich auch Erik H. aus Essen und erwarb in einem PC-Shop ‘Original Infineon Speicher’. Was er mit dem Modul dann erlebte, passte aber überhaupt nicht zu einem echten Markenmodul.
Gute Speichermodule von Markenherstellern sind derzeit kaum teurer als No-Name-Ware: Erik H. zahlte für sein 128-MByte-DIMM Anfang letzten Monats gerade mal 69 DM. Ein guter Preis für einen Original-Infineon-Riegel, dachte er. Doch das mit 16 Infineon-ICs (HYB39S128800CT-7.5) bestückte Modul verhielt sich bereits bei den ersten Gehversuchen im System höchst eigenwillig. Mal erkannte der Rechner 128 MByte RAM, mal waren es 256 MByte. Zudem stürzte das Betriebssystem immer wieder ab, obwohl der Rechner mit gemächlichen PC133-333-Timing arbeitete.
An ein echtes Infineon-Modul wollte unser Leser nun nicht mehr glauben und überprüfte mit ctSPD das so genannte SPD-EEPROM des Speicherriegels. Dort steht bei Originalmodulen nicht nur, wie das Modul aufgebaut und wie schnell es arbeiten kann, sondern auch, wer es hergestellt hat. Wie befürchtet, spuckte ctSPD als Hersteller nicht ‘Infineon’ aus, sondern meldete ‘Micron’.
| Was wird hier wohl tatsächlich verkauft? Ein echter Speicherriegel von Infineon wie versprochen, ein No-Name-Modul mit Infineon-Chips oder etwa das abgebildete Spectek-Modul, bei dem weder die Platine noch die ICs von Infineon stammen? |
Im c't-Labor bestätigte sich dies: Das mit Infineon-ICs bestückte Modul behauptete im SPD-EEPROM tatsächlich, ein Speicherriegel aus dem Hause Micron zu sein, was eigentlich ausgeschlossen ist, da Micron ja selbst Speicherchips fertigt. Zudem fehlten die sonst bei Micron-Modulen üblichen Einträge für den Modultyp und die Seriennummer. Nähere Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem vermeintlichen 128-MByte-DIMM tatsächlich um einen 256-MByte-Speicher handelt (DS-Typ), dessen zweite Speicherbank aber fehlerhaft arbeitet. Damit findet das Board-BIOS mal nur 128 MByte und gelegentlich auch die volle Kapazität von 256 MByte.
Das Modul, so ergaben unsere Nachforschungen, wird laut Auskunft des deutschen Importeurs von der Firma eBiz International Limited aus Honkong angeboten. Ob es sich hierbei auch um den Hersteller handelt oder nur um einen weiteren Zwischenhändler, konnten wir nicht ermitteln.
Mit diesen Erkenntnissen wandten wir uns an Micron, wo man uns bestätigte, dass es solche Module von Micron nicht gebe. Die Micron-Vendor-ID wird hier also illegalerweise verwendet. Das von uns entdeckte Modul haben wir als Beweismittel an Micron weitergegeben, damit der Hersteller gegen die Plagiatoren vorgehen kann.
Der beschriebene Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, bereits beim Einkauf darauf zu achten, das Modul zu bekommen, das man tatsächlich bezahlt hat. Echte Markenmodule von Infineon, Micron oder anderen bestehen eben nicht nur aus einer Platine mit den entsprechenden Bausteinen, sondern werden komplett vom jeweiligen Hersteller gefertigt. Damit tragen sie üblicherweise einen eindeutigen Aufkleber mit Herstellername, Modultyp und -timing. Zudem findet man im SPD-EEPROM die Hersteller-ID sowie korrekt ausgefüllte Felder für den Modultyp und die Seriennummer.
| Originalmodule von Infineon oder Micron sind schon äußerlich am Aufkleber des jeweiligen Herstellers zu erkennen. |
Beim Einkauf im Laden empfiehlt es sich also, auf diese Merkmale zu achten. Zudem sollte man den Verkäufer veranlassen, auf der Rechnung zu vermerken, dass man etwa Original-Micron-DIMMs oder Original-Infineon-Module erworben hat. Der einfache Hinweis ‘Original Infineon’ oder gar nur ‘Infineon’ reicht hier leider nicht aus. Spitzfindige Händler können sich dann im Streitfall damit herausreden, dass es sich ja um Module mit Infineon-Chips handele.
Wirklich verantwortungsbewusste Händler - sei es nun vor Ort oder im Internet - werden ihr Angebot ohnehin eindeutig kennzeichnen. Hier findet man dann neben so genanntem OEM-Speicher oder den billigen No-Name-Modulen auch ‘Micron on 3rd’ und ‘Original Micron DIMMs’. Bei ersterem handelt es sich dann um beliebige Ware mit undefinierter Herkunft, die sich oft als RAMsch entpuppt. ‘Micron on 3rd’ steht dann in der Regel für Speicherriegel beliebiger Herkunft, die nur mit Micron-Chips bestückt wurden. Welche Qualität man hier letztlich erhält, ist nicht garantiert, wie unser Test auf Seite 144 belegt. Nur beim letztgenannten Typ stammt das ganze Modul, also Leiterplatte und Chips, vom angegebenen Hersteller, und nur diese Speichermodule tragen die zugehörige JEDEC-ID im SPD-EEPROM zu recht. (gs)
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