Content Manager, Programmierer, Netzwerkadministrator oder IT-Fachfrau - auch im Zeitalter des lebenslangen Lernens will die Wahl des Erstberufes gut überlegt sein. Nicht jeder ist für jeden IT-Beruf geeignet.
Für Diplom-Informatiker, IT-Spezialisten oder Ingenieure brechen rosige Zeiten an: Insgesamt 28 239 offene Stellen für Computerfachleute ermittelte der Hamburger Personaldienstleister Adecco im erste Quartal 2000, eine Steigerung um 15 Prozent verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Und der Markt ist wie leergefegt: Viele Firmen böten ihren Mitarbeitern sogar ‘Kopfprämien’ bis zur Höhe eines Monatsgehaltes an, wenn sie aus ihrem Bekanntenkreis einen geeigneten Kandidaten zum Wechsel anregen könnten, weiß Rolf Scheuring, Bereichsleiter beim Control Data Institut in München, zu berichten. Kein Wunder also, dass viele Schulabgänger die Frage nach ihrem zukünftigen Traumberuf ratzfatz beantworten: Na klar, ich werde Computerspezialist.
Doch Vorsicht: Weltmeister im Daddeln zu sein qualifiziert mitnichten für den Beruf des Programmierers. Ein beachtlicher Highscore von 1150 Punkten beim Abschießen von Moorhühnern garantiert nicht unbedingt, dass der ehemalige Champion dann auch in Zukunft als Netzwerkadministrator, EDV-Dozent oder Programmierer seine Frau oder seinen Mann steht.
Im Internet verbrachte Nächte demonstrieren zwar Zähigkeit und Ausdauer, aber nicht notwendigerweise auch Talent im professionellen Umgang mit Computern. ‘Gute Mathematik-Noten sind nach wie vor ein wichtiges Kriterium’, erklärt Stefan de Greef, Berufsberater beim Arbeitsamt in Hannover. Mathematik trainiert das logisch-analytische Denkvermögen; wer damit gut zurecht kommt, kann später im Beruf auch die Aufgaben eines Programmierers mit Erfolg bewältigen. Dabei hat nicht nur der Klassenprimus mit Spitzennoten eine Chance. Eine gute Drei im Leistungskurs reiche für einen dualen Ausbildungsberuf wie den IT-Systemkaufmann oder die Informatikkauffrau vollkommen aus, beruhigt de Greef die Gemüter. Selbst Albert Einstein, der geniale Entdecker der Relativitätstheorie, soll bekanntlich in Mathe auf der Schule eine komplette Niete gewesen sein.
Schlechte Schulnoten allein sind also sicher kein Killerkriterium. ‘Hauptsache, die Leidenschaft ist da’, bringt Mariele Weber, Human Resource Managerin bei eBay, die Einstellungsphilosophie ihres Unternehmens auf den Punkt. Das Internet-Auktionshaus stellt am liebsten Selbststarter mit viel Eigeninitiative ein und lässt dafür schon mal ein Einstiegsgehalt von sechzig- bis siebzigtausend Mark im Jahr springen. Nicht schlecht für den Anfang.
Auch Philip Graf Lambsdorff, IT-Direktor von buecher.de, achtet weniger auf den klassischen Werdegang der Bewerber als vielmehr auf das, was sie gemacht haben und was sie interessiert. Besonders erstaunlich: Gerade diejenigen Kandidaten, ‘denen wir es nicht zugetraut hatten, sind heute unsere wertvollsten Mitarbeiter, wohingegen die Vorzeige-Bewerber zum Teil nicht überzeugen konnten’. Das Märchen von den Supermännern mit den Prädikatsexamen, um die sich alle Unternehmen reißen, stimmt so nicht.
Noten sind nichts, Persönlichkeit ist alles. Viele Unternehmen legen verstärkt Wert auf die sogenannten ‘soft skills’ wie Sozialverhalten, Kreativität und Leistungsbereitschaft. Der künftige Abteilungsleiter soll auch mal über den Tellerrand geschaut haben; mehrmonatige Weltreisen auf eigene Faust sind gern gesehen. Ohnehin beträgt im hochinnovativen Internet- und Multimediabereich die Halbwertszeit des Wissens durchschnittlich nur zwei Jahre. Welchen Sinn macht da noch ein langjähriges Studium? Was man am Anfang gelernt hat, ist am Ende schon wieder veraltet.
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| Teamfähigkeit und praktische Berufserfahrung halten viele Arbeitgeber für besonders wichtig. Befragt wurden 80 hauptsächlich größere Unternehmen. Quelle: Staufenbiel-Studie 1999 |
Ehrgeizige Autodidakten und passionierte Hacker ohne Diplom haben bei den jungen Startup-Unternehmen der Internet-Branche beste Chancen. Wirft man jedoch einen Blick auf renommierte Softwarehäuser, ändert sich das Bild. ‘90 Prozent aller Neuanfänger haben ein abgeschlossenes Studium’, verrät Florian Merk, Personalbetreuer beim Datenbankhersteller Oracle. Das sei immer noch der gängigste Fall.
Auch Berufsberater de Greef verpasst leidenschaftlichen Selbstlernern und ungeduldigen Studienabbrechern einen kleinen Dämpfer. ‘Wir leben in einer Zeit mit einer immer stärkeren Akademisierungsquote’, gibt der Arbeitsmarkt-Spezialist aus Hannover zu bedenken, und rät auf jeden Fall zum Studium. Ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung rutscht man leichter in minder qualifizierte Tätigkeiten ab.
Außerdem: Zwar arbeiten bei Internet-Pionieren wie Amazon.com viele Quereinsteiger. Über die Anfangsgehälter der Kollegen aber will Pressesprecher Steffen Riedel am liebsten kein Wort verlieren, über die Arbeitszeiten auch nicht. Zudem stecken viele der jungen Hightech-Firmen noch tief in den roten Zahlen; Experten schätzen, dass zwei von drei Startups die nächsten Jahre nicht überleben werden - der Überlebenskampf tobt. Ist man da mit einem abgeschlossenen Studium nicht doch auf der sicheren Seite, hat am Ende mehr Möglichkeiten und bekommt auch noch ein höheres Gehalt?
Fachleute warnen davor, die Entscheidung für einen bestimmten Beruf von Image-Kriterien wie Gehalt, Karriere oder dem Hubraum des Firmenwagens abhängig zu machen. Das geht meist schief. ‘Es reicht nicht, den IT-Bereich toll zu finden, die Person muss dazu passen’, rät Hildegard Happach, Leiterin der Abteilung Berufsberatung beim Arbeitsamt in Hannover. Ein praktisch begabter Mensch wird sich nur mit großer Mühe durch ein Informatikstudium quälen, dass zu einem guten Teil eben aus der Beschäftigung mit theoretischen Grundlagen besteht. Viele hätten sich den Umweg über ein abgebrochenes Studium erspart, hätten sie sich gleich für einen Lehrberuf wie zum Beispiel IT-Kaufmann entschieden. Da gilt es gut zu überlegen. Auch Praktika helfen, in ein Berufsfeld reinzuriechen, auf Probe zu arbeiten, um sich dann nachher für eine bestimmte Ausbildung zu entscheiden.
Praktiker lernen anders als Theoretiker. Fachhochschulen bilden praxisnäher aus - für zukünftige Macher, die auf dem theoretischen Auge nicht vollkommen blind sind, eine sinnvolle Alternative zur Uni. Außerdem sind FH-Studiengänge kürzer und führen durchschnittlich nach zehn Semestern zum Abschluss, während Studenten an Universitäten sich im statistischen Mittel dreizehn Semester lang an der Alma Mater abmühen, bevor sie ihr Diplom in die Tasche stecken können.
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Fachhochschulen bilden praxisnäher aus als Universitäten. |
Auch danach gibt es kleine, aber feine Unterschiede. Zwar unterscheiden viele Arbeitgeber wie zum Beispiel Oracle beim Einstiegsgehalt nicht zwischen FH- und Uni-Absolventen. Andere wie 3Soft aus Erlangen oder die Landesbank Schleswig-Holstein aber doch: Da nehmen Uni-Abgänger einige Hunderter pro Monat mehr mit nach Hause. Beim Gehaltspoker ist dann wieder Persönlichkeit und soziale Kompetenz gefragt. Nicht nur Startups, sondern auch traditionelle Softwarehäuser legen Wert auf ‘soft skills’, nur gelten sie dort als Zusatzqualifikationen neben einer soliden fachlichen Ausbildung.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen: Der prominenteste Studienabbrecher der Branche, Microsoft-Chef Bill Gates, hat es mittlerweile zu einem Vermögen von zig Milliarden Dollar und einem Software-Imperium gebracht, das die ganze Welt umspannt. Tendenziell aber zeichnet sich ab: Eine abgeschlossene Ausbildung hat bei Einstellungsgesprächen mehr Wert als Wissen Marke Eigenbau, und ein Diplom in Informatik oder einer technischen Disziplin genießt bei Personalchefs mehr Respekt als eine Ausbildung zum Informatikassistenten - trotz Internet-Boom und Multimedia-Euphorie.
In den Köpfen der meisten Personalchefs größerer Unternehmen ist ein Abschluss in einer technisch-analytischen Disziplin wie Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik oder auch Chemie immer noch der Königsweg zu einem Beruf in der IT-Branche. Microsoft Deutschland zum Beispiel stellt pro Jahr rund 200 Leute neu ein, und als klassischer Einstieg in den technischen Großkundensupport gilt ein Ingenieursdiplom oder ein Abschluss in Wirtschaftsinformatik. ‘Wir haben auch Philosophen dabei, die nebenbei PC-Freaks waren’, erzählt Guido Walraff, Human Resources Manager bei Microsoft München, ‘aber das ist die Ausnahme’. Die Fachkenntnisse, Kundenorientierung und die persönliche Motivation solcher Quereinsteiger werde besonders gründlich getestet.
Die Greencard-Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder ist bei Microsoft Deutschland und auch anderen IT-Firmen kein Thema. Wegen des engen Kontaktes zum Kunden seien sehr gute Deutschkenntnisse unerläßlich, die bei Greencard-Kandidaten häufig nicht vorhanden seien, erläutert Microsoft-Manager Walraff. Bei Programmierern sei das nicht so wichtig, aber programmiert wird in Redmond, nicht in München. Allerdings begrüsse man diese Initiative, weil sie Partnerfirmen helfen werde, offene Stellen zu besetzen.
Auch Oracle stellt am liebsten Hoch- und Fachhochschulabsolventen neu ein. Berufseinsteiger gingen zunächst sechs bis acht Wochen auf ein europaweit organisiertes Trainingscamp und würden dort auf Oracle-Produkten geschult, erklärt Personalbetreuer Florian Merk, außerdem seien für den Consultant-Bereich zwanzig Tage im Jahr für firmeninterne Fortbildungsveranstaltungen reserviert.
Beliebt sei auch die Möglichkeit, über ein mehrwöchiges Praktikum in eine Festanstellung reinzuwachsen. Das kann sich lohnen, denn mit rund 80 000 Mark pro Jahr liegt das Einstiegsgehalt knapp über dem Durchschnitt für Informatiker. Auch bei Oracle erhalten viele Greencard-Kandidaten wegen mangelnder Deutschkenntnisse eine Absage.
Sun Microsystems vertraut ebenfalls auf das von Unis oder Fachhochschulen abgesegnete Diplom. System-, Support-, oder Projektingenieure müssen ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches Studium vorweisen können. Auch mit Unix, C und Java muss man sich auskennen, um bei Sun Microsystems eine Chance zu haben. Außerdem sind Eigeninitiative und eine überzeugende persönliche Ausstrahlung gefragt. Und es muss nicht immer ein Uni- oder FH-Diplom sein: Das Unternehmen bildet im dualen System, das betriebsinterne und schulische Ausbildung miteinander verquickt, auch zum Fachinformatiker Systemintegration und zum IT-Systemkaufmann aus.
C/C++, Java, Windows und Unix stehen ganz oben auf der Wunschliste von Unternehmen, fand die Dekra Akademie in Stuttgart heraus. Das Institut wertete an vier Stichtagen insgesamt 35 000 Stellenanzeigen aus. Das Ergebnis: PC-Systemsoftware wird immer wichtiger, Großrechner verlieren mehr und mehr an Boden. Fundierte PC-Kenntnisse werden in 88 Prozent aller Stellenanzeigen verlangt - Tendenz steigend. Bei den großen Server-Datenbanksystemen hat Oracle die Nase vorn, bei Desktop-Datenbanken dominiert Access, Excel gibt in der Riege der Tabellenkalkulationen den Ton an und bei den Textverarbeitungen führt MS Word. Bei den Grafikern ist Powerpoint das gefragteste Produkt, dicht gefolgt von Photoshop.
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C++, Windows und Java stehen bei Unternehmen hoch im Kurs. |
Auch interessant: Trotz überstandener Jahrtausendwende zählen Programmierer nach wie vor zu den meist gesuchten IT-Fachleuten. Anwendungsprogrammierer genießen dabei eine mehr als dreimal so hohe Beliebtheit wie Systemfachleute.
Die Dekra-Erhebung beruht allerdings nicht nur auf Stellenanzeigen, die ein Diplom voraussetzen. Programmieren in Java, C++ oder Access lernt man nicht nur - oder gerade nicht - an Fachhochschulen und Universitäten. Und überhaupt: Es soll Leute geben, die gar nicht an einer soliden, sicheren, aber meist auch langweiligen Karriere in einem der renommierten System- und Softwarehäuser interessiert sind. Internet- und Multimedia-Startups haben neben flachen Hierarchien einen weiteren Vorteil: Sie vergeben Unternehmensbeteiligungen in Gestalt von Aktien, bei der rasanten Kursentwicklung der Hightech-Aktien eine mehr als verlockende Option, die viele alteingesessene Häuser nicht zu bieten haben.
Das ostdeutsche Vorzeigeunternehmen Intershop, nach eigenem Bekunden weltweit Marktführer für E-Commerce-Lösungen, begann schon früh, Aktienoptionen an seine Mitarbeiter auszugeben. Lead-Ingenieur Michael Brunsch stieg vor etwas zweieinhalb Jahren als Programmierer bei Intershop ein (siehe Kasten [#k1 ‘Internet-Pioniere’]). ‘Damals war der Aktienkurs noch gar nicht absehbar’, gesteht Brunsch, Intershop schrieb rote Zahlen. Heute unterhält der E-Commerce-Spezialist Filialen auf fünf Kontinenten und die Aktien des Unternehmens stehen sehr gut da.
Licht und Schatten, Gewinn und Verlust liegen am neuen Markt eng beieinander. Wer bei Zeiten den richtigen Riecher entwickelt, kann sich leicht eine goldene Nase verdienen, aber ebenso drei Monate später einen grausamen Schnupfen bekommen. Web.de zahlt einen deutlichen Teil des Gehaltes als Aktienoptionen an seine Mitarbeiter aus. Momentan schwächelt das Papier, vielleicht geht es in Zukunft ja wieder steil aufwärts.
Für diejenigen Charaktere, die mehr den schnellen Erfolg als den sicheren Arbeitsplatz suchen, ist möglicherweise - ähnlich wie an der Börse - statt eines langwierigen Studiums eine kürzere Ausbildung der bessere Weg ins Leben. Stefan Menne, Leiter für Vollzeitmaßnahmen beim Ausbildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) in Paderborn, warnt allerdings davor, sich allzu sehr auf Multimedia und Internet zu stürzen. ‘Alle sind verrückt nach Multimedia, doch die Bedeutung wird meiner Meinung nach stark überschätzt’, prophezeit Menne. Auch bei Ausbildungen nach dem Motto ‘kurz und knapp’ sollte man sich genau überlegen, welche Fachrichtung man einschlägt. Für Menne gehört ‘den klassischen Softwarehäusern auch weiterhin die Zukunft’. Online-Buchhandlungen, Auktionshäuser oder E-Commerce-Dienstleister dagegen seien als Stellenmarkt nur eine Nische.
Trotzdem entscheiden sich 45 Prozent der Studierenden am b.i.b. für den Ausbildungsgang Multimedia. Viele der Absolventen, prognostiziert Menne, werden jedoch nicht in diesem Bereich arbeiten. Nur rund 20 Prozenz wählen die Fachrichtung Software-Technologie, eine fundamentale Ausbildung für alle Anwendungsprogrammierer.
Den Abschluss geschafft, die Bewerbungen abgeschickt, wie gehts dann weiter? Bammel vor Eignungs- und Einstellungstests im Multiple-Choice-Verfahren braucht keiner mehr zu haben. ‘Tests zum logischen Denken stellen wir nicht mehr so in den Vordergrund, wegen der kulturellen Unterschiede’, erläutert Perdita Löhr, Leiterin für höhere Berufsfachschulen am b.i.b. in Paderborn. Afrikaner kämen zum Beispiel aller Erfahrung nach mit Logik- und Mathematiktests nicht so gut zurecht, eigneten sich aber trotzdem für den Beruf des Informatikers genauso gut wie etwa Europäer.
Auch Philip Graf Lambsdorff von buecher.de rät, gerade im IT-Bereich Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum zu beobachten, bevor man ein endgültiges Urteil fälle. Das Unternehmen nutze aber, je nach Position und Funktion, selbst gebastelte Eignungstests, gibt Graf Lambsdorff zu.
Die Gesamtpersönlichkeit sei wichtig, das Potenzial entscheidend, unterstreicht Oracle-Personalbetreuer Florian Merk. Apropos Potenzial: ‘Von zehn Führungskräften haben vier einen universitären Abschluss, drei einen FH-Abschluss und weitere drei keinen Hochschulabschluss’, resümiert die Studie ‘Berufsplanung für den IT-Nachwuchs’ des Staufenbiel-Instituts in Köln. Spätstarter hat es schon immer gegeben, und auch ohne Diplom oder Doktor kann man sich hocharbeiten.
Allerdings hätten bei den Führungskräften der ersten Ebene Absolventen von Universitäten bessere Chancen, urteilen die Kölner Forscher. Der Organisations- oder Anwendungsprogrammierer dagegen sei ein typischer Beruf der mittleren Ebene, und in Multimedia-Berufen sei besonders die stetige Bereitschaft zur Weiterbildung wichtig. Kein Wunder: Alle paar Tage kommt ein neues Produkt auf den Markt. Für Hochschulabsolventen mit der ‘Doppelbegabung’ Informatik und Gestaltung böten sich gerade auf dem Multimedia-Arbeitsmarkt glänzende Entwicklungsmöglichkeiten.
Wer nun immer noch nicht weiß, was er werden soll, der sucht am besten weisen Rat bei der Mutter aller Netze - dem Internet. Auf www.testedich.de schaut einem kein Chef oder Lehrer über die Schulter, und Fragebögen wie ‘Welcher Berufstyp sind Sie?’, ‘Studium oder Lehre?’ und ‘Sind Sie ein Workoholic?’ dauern zwischen zehn und dreißig Minuten. Wers lieber offline und persönlich mag: Auch die kostenlose Berufsberatung beim Arbeitsamt hat schon so manchem auf den richtigen Weg geholfen.
Geht die Entscheidung trotz aller Einsicht dann doch daneben - macht nichts. Arbeitsmarktexperten prognostizieren, dass Azubis und Studis von heute im Laufe ihre Lebens durchschnittlich vier bis fünf Berufe ausüben werden. Also Kopf hoch: Der nächste Beruf kommt bestimmt. (ku)
[1] Staufenbiel, Joerg/Birgit Giesen (Hrsg.) Berufsplanung für den IT-Nachwuchs, mit aktuellen Stellenangeboten von über 100 Unternehmen, Staufenbiel Institut für Studien- und Berufsplanung, Köln 1999
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Ursprünglich wollte Michael Brunsch als Psychologe arbeiten. Kognitive Psychologie und Sozialpsychologie hatten es dem jetzigen Lead-Ingenieur beim E-Commerce-Spezialisten Intershop besonders angetan. Im Laufe seines Studiums entdeckte Brunsch jedoch mehr und mehr seine Liebe zum Computer.
Nach dem Diplom besann sich der gebürtige Freiburger deshalb auf seine mathematischen Fähigkeiten und heuerte als Programmierer bei einem Systemhaus seiner Heimatstadt an. Dort gab es viel zu lernen, aber nur wenig zu verdienen. ‘Am Anfang waren wir zehn, dann, als ich aufgehört habe, waren es noch vier’, erzählt Michael Brunsch mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Nach einer Phase des Job-Hoppings quer durch Süddeutschland verschlug es den Ex-Psychologen in eine Frankfurter Multimedia-Agentur. Da drehte sich alles ums Internet. Aber auch die Mainmetropole blieb nur Durchgangsstation. ‘In Frankfurt fehlte der Reiz, das internationale Flair’, gesteht Michael Brunsch freimütig, ‘dann habe ich eine E-Mail an Intershop geschrieben, und bekam prompt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.’
Intershop, heute weltweit auf fünf Kontinenten vertreten, hatte damals gerade einmal zwei Filialen. Nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch fing Michael im Januar 1998 beim E-Commerce-Spezialisten aus Jena als Software-Entwickler an. Da habe er erst einmal unter anderem in Perl und Sybase programmiert.
Beim Börsengang bot Intershop seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, Aktienoptionen als Teil des Gehalts zu erwerben. Dass sich der Aktienkurs des Unternehmens allerdings so prächtig entwickeln sollte, dass sei damals noch nicht absehbar gewesen, erzählt der Software-Entwickler. Die Umsätze von Intershop gingen steil nach oben und anderen Quellen zufolge sollen die Aktienpakete mancher Kollegen ihr eigentliches Gehalt weit in den Schatten stellen.
Im Team herrscht eine lockere Atmosphäre. Im Durchschnitt sind die IT-Spezialisten bei Intershop, wie auch bei anderen Internet-Startups, sehr jung. ‘Hier im Team bin ich (mit 36 Jahren) der Älteste’, verrät Brunsch.
Besonders spannend war es, beim Aufbau eines E-Commerce-Unternehmens, das heute weltweit zu den Marktführern gehört, von Anfang an mit dabei zu sein, eine ganz neue Art von Software zu entwickeln. Und ‘einige Entwickler kommen rum’, erzählt Brunsch, der auch schon in Australien für Intershop Bits und Bytes zu einem funktionierenden Software-System zusammengebaut hat. Internet-Pioniere programmieren weltweit, auch ohne Diplom in Informatik. (ku)
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