Peter Siering
Wider Erwarten
Samba-Konferenz ohne Big Bang
Manchmal genügt es, eine Nachricht erst gar nicht aus zusprechen, um sie dennoch zu vermitteln: Die alljährliche Konferenz der Samba-Entwickler und Hardcore-User, die SambaXP in Göttingen, ließ das obligatorische Status-Update zu Samba 4 vermissen.
Zwanzig Jahre Samba und die elfte von SerNet ausgerichtete SambaXP wären perfekt gewesen, um zumindest eine Beta-Version der lang erwarteten Samba-Version 4 vorzustellen, also eine Fassung der Windows-Server-Alternative, die selbst ein Active Directory begründet. Doch das Samba-Team hat das 2011 selbst gesetzte Ziel verfehlt. Die Meinung, dass es noch nicht reif genug sei, ist keineswegs einhellig. Ende letzten Jahres schon war eine Diskussion im Team öffentlich geworden: Ein Teil wollte gern eine frühe Fassung unter die Nutzer bringen, der andere warnte davor.
Die Angst, eine unreife Variante herauszubringen, scheint aber weiterhin größer als die Neugier, den lange gepäppelten Code endlich in die Freiheit zu entlassen. So war allenthalben von Samba 4 die Rede, aber die Chuzpe für ein Status-Update auf der Konferenz brachte kein Team-Mitglied auf. Andrew Bartlett, der das traditionell übernahm, war diesmal nicht dabei und sein Partner Jelmer Vernooij hatte sich ein anderes Thema ausgesucht. Auch der Samba-Erfinder Andrew Tridgell konnte nicht beispringen, er war dieses Mal verhindert.
So hatten von allem die Microsoft-Referenten interessante Nachrichten im Gepäck: Die nächste Generation des SMB-Protokolls, die mit Windows 8 und Server 2012 kommt, heißt nicht mehr 2.2, sondern 3. Sie weist im Vergleich zum aktuellen 2.1 (in Windows 7) keine Änderungen an den Protokollen auf, sondern ergänzt sie lediglich: Optimierung für Storage-Systeme und Virtualisierung, direkte Block-I/O-Schnittstellen für Datenbanken wie Microsofts SQL-Server und Performance-Verbesserungen mit Hardwarebeschleunigung.
Viele Neuerungen sind auch bei den Samba-Entwicklern in Arbeit. So zeigte David Disseldorp ein (VFS-)Modul für Samba, das die BTRFS-Snapshots integriert – ähnlich wie Microsoft das mit seinen Volume Shadow Copy Services (VSS) in SMB 3 realisiert.
Christopher R. Hertel stellte mit Prequel eine Open-Source-Implementierung des Peer-Dist-Protokolls vor, dessen Implementierung Microsoft als Branch Cache führt; dahinter steckt eine in Windows 7 bereits integrierte Funktion, um Dateien, die auf einem vergleichsweise langsam angebundenen Server liegen, auf einem Client zwischenzuspeichern und im LAN weiterzugeben.
Obligatorische Abschlussrunde: Wenn das Team jedes Jahr weitere Konferenzteilnehmer assimiliert, bleibt bald kein Publikum mehr.
Matthieu Patou führte mit „shuss“ einen weiteren Ansatz vor, Windows-Clients mit Updates zu versorgen: Die Clients fordern die Downloads dabei an. Der Server lädt sie herunter und liefert sie per SMB-Freigabe aus. Während seines Vortrags kam heraus, dass Microsoft einige dafür nötige Details unterdessen dokumentiert hat, sodass sein Vorgehen deutlich vereinfacht werden könnte. Interessante Anregungen enthält sein Weg nichtsdestotrotz.
Wie intensiv das Team daran arbeitet, die installierte Basis zu unterstützen und von Verbesserungen profitieren zu lassen, wurde an anderen Vorträgen deutlich. Jeremy Allison ließ es sich trotz akuter Krankheit nicht nehmen, die diversen Performance-Verbesserungen in Samba zu erklären. Für die nächste 3.6-Release haben die Entwickler nochmals dafür gesorgt, asynchrone I/O-Operationen zu beschleunigen und setzen jetzt unter Linux auf dessen eigene Schnittstellen dafür. Michael Adam und Stefan Metzmacher von SerNet berichteten von ihren Aufräumarbeiten, unter anderem um durable Handles zu implementieren.
Als rotes Fädchen zog sich durch die ganze Konferenz die von Dirk Hohndel aufgebrachte Frage, ob Samba seinen Zenit bereits überschritten hat. Thomas Pfenning, der die SMB-Zukunft aus Microsofts Sicht beschrieben hatte, sieht die des Protokolls rosig, weil die Implementierung jetzt in Bereiche vorstoßen soll, die bisher Storage-Systemen vorbehalten sind. Das Samba-Team hofft auf den Rückenwind der Version 4. Im Anschluss an die Konferenz schmiedete es Pläne, wie Samba 4 jetzt zügig auf den Weg gebracht werden kann: Eine erste Beta-Version dürfte binnen weniger Wochen vorliegen.
Die Slides und Audioaufzeichnungen der Konferenz stellt SerNet stets auf der Konferenz-Website zum Download bereit. Sie finden diese und Hinweise zu den erwähnten Projekten über den c’t-Link.
(ps)








