Ragni Serina Zlotos
Wie auf Schienen
RailsGirls bringt Frauen das Programmieren näher
Eine Gruppe von RailsGirls in Hamburg hat Frauen eingeladen, das Web-Framework Ruby on Rails intensiv zu lernen.
Mehr brauchten die Teilnehmerinnen nicht, um Rails zu lernen: Laptop mit Terminal, Ruby und Rails, Editor und Browser.
Einen Laptop mitbringen, das war die einzige Voraussetzung für die Teilnehmerinnen, die in Hamburg zum Workshop „RailsGirls“ eingeladen waren. „Wir haben Euch danach ausgewählt, wie wenig ihr programmieren könnt, damit ihr hier alle richtig viel lernt“, sagt Moderatorin Birte Goldt am Freitagabend zur Ermunterung.
RailsGirls ist ein Seminarkonzept, das in Finnland begann und inzwischen in Großstädten in Asien, Nord- und Südamerika und Europa von lokalen Gruppen übernommen wurde. Freiwillige sorgen für Organisation und Coaching und unterstützen die Teilnehmerinnen beim Lösen einer häppchenweise aufbereiteten Aufgabe.
Im Betahaus Hamburg arbeiteten programmierwütige Frauen mit dem Ruby-Tutorial „TryRuby“.
Zwei bis drei Teilnehmerinnen bekamen jeweils einen Coach, sie teilten sich nach Selbsteinschätzung in Gruppen mit mehr oder weniger Computerkenntnissen ein. Mehr passierte am ersten Abend in den Räumen der Hamburger Firma Mindmatters nicht, denn die hochmotivierten angehenden Programmiererinnen hatten die benötigte Software bereits installiert.
Volles BetaHaus
„Eigentlich hatten wir für 30 Teilnehmerinnen geplant“, sagt Organisatorin Irina Balko. „Aber mehr als 80 hatten sich angemeldet.“ 14 Coaches und 36 Teilnehmerinnen machten dann mit. Balko hatte sich vor ihrem Engagement für den Workshop in Hamburg schon einmal an frei verfügbaren Rails-Tutorials versucht. „Alleine habe ich aber die Motivation verloren. Dann habe ich von RailsGirls Berlin gehört und nach anderen Interessentinnen gesucht.“ So fanden sich dann die acht Organisatorinnen.
Das „Wie“ des Design-Prozesses von Webanwendungen erklärte Uygar Galbis Gomez den RailsGirls-Teilnehmerinnen in Hamburg.
Das Veranstaltungsprogramm war ziemlich vollgepackt. Neben Erfolgen beim Coden sollte auch vermittelt werden, welche Schritte, Tools und Arbeitsweisen es in der Entwicklung von Webseiten gibt. Samstag früh nach dem Frühstück erklärte Uygar Galbis Gomez zunächst in einem kurzen Vortrag, wie man von einer Idee über Mockups und Akzeptanztests zu einem Website-Design kommen kann. Aufgabe des Tages war es, eine App zu programmieren, mit der anonyme Nutzer Ideen sammeln können – mit Überschrift, Beschreibung und Foto.
TryRuby ist eine Seite,
die englischsprachige Anleitungen mit einer
Ruby Shell verbindet.
Zuvor gab es ein paar Grundlagen: Entwicklerin Catrin Schröder-Jaross führte in den Online-Kurs TryRuby ein. Auf der Seite werden Konzepte und Syntax von Ruby erklärt, die Übungen kann man gleich dort erledigen. Etappe für Etappe lernten die Teilnehmerinnen so die Programmiersprache, in der das Framework Ruby on Rails geschrieben ist.
Erst Ruby, dann Rails
Dann ging es in die Gruppenarbeit. Die Frauen klappten ihre Laptops auf und legten los. Umzusetzen war das App-Tutorial der RailsGirls. Bei Fragen und Problemen war der Coach gleich da und erklärte etwa am Bildschirm, welche Datei vom Rails-Server beim Generieren der Seite zuerst angesprochen wird und welche Datei die anderen eingebundenen Stylesheets überladen kann.
In der Mittagspause gab es dann Zeit, den Kopf etwas zu lüften. Coach Anne Lamprecht hatte zwei der wenigen Windows-Benutzerinnen in ihrer Gruppe. „Wir sind schon richtig gut vorangekommen, aber ich bin mal gespannt, ob wir denn noch mit dem Tutorial fertig werden.“ Lamprecht war erst eine Woche zuvor auf das Konzept gestoßen, als sie auf der Developer-Konferenz RailsGirls-Organisatorin Birte Goldt kennenlernte. „Ich finde es total interessant, Leute so schnell und intensiv ans praktische Programmieren heranzuführen. Bisher klappt es super“, sagte Lamprecht.
Nach der Pause sollen mit der „Bentobox“ einige Begriffe geklärt werden. In einem Kästchensystem wurde versucht zu veranschaulichen, welche Techniken mit Rails oder anderen Sprachen zusammenspielen müssen, damit eine Webseite ausgeliefert werden kann: Doch die Erklärungen erfolgten auf Englisch, und nicht alle Zuhörerinnen konnten die nie gehörten Namen der Komponenten mit Datenbanksystemen, Serverumgebungen, Backend und Frontend zusammenbringen. Die vielen Fragezeichen über den Köpfen lösten sich dann aber nach und nach auf. Mit Kurzvorträgen wollten die Organisatorinnen und Coaches dann die Teilnehmenden zum Weitermachen bewegen und listeten Tutorials und Gruppen auf.
Wie auf Schienen
Dann ging es an den Endspurt mit der Ideen-App. Wer eher mit den sechs Schritten fertig wurde, durfte noch mehr machen. Die Bilder der Ideen für die Listenansicht verkleinern oder die App auf dem Clouddienst Heroku deployen, also einrichten und der Öffentlichkeit bereitstellen.
„Wir sind noch richtig gut durch das Tutorial gekommen“, sagte Lamprecht nach dem Seminar, trotz thematischer Sprünge. „Das Einzige, was wir nicht mehr geschafft haben, war der Upload der gesamten App auf Heroku. Wichtiger war den beiden die Umsetzung und das Styling der App“, so Lamprecht.
Das Seminar war intensiv und anstrengend, scheint aber vielen Lernerfolge beschert zu haben. „Es war ein bisschen chaotisch, aber es war ein produktives Chaos“, sagt Irina Balko. Vor dem Seminar sei sie noch an dem Tutorial von Michael Hartl gescheitert, sagt sie, nach dem Seminar falle es ihr jetzt leichter. RailsGirls Hamburg wird weitermachen, sagt Balko: „Es gibt viel Interesse an einem zweiten Workshop, aber auch an einem Treffen der Teilnehmerinnen des ersten.“
Weitere Termine in Deutschland sind geplant, siehe c’t-Link.
(rzl)








