Apple hat mit IBMs PowerPC-970 einen 64-Bit-Prozessor mit großem Potenzial zur Verfügung, der den G5-Mac laut Hersteller zum „schnellsten PC der Welt“ machen soll. Noch fehlt es aber an G5-optimierten Anwendungen und einem 64-Betriebssystem. Am Rande der Apple Expo in Paris sprach c't mit dem Chef-Entwickler von Apple, Jon Rubinstein, über Apples neues Flagschiff.
c't: Viele Leute haben sich ein PowerBook mit G5-Prozessor gewünscht, stattdessen hat Apple hier drei neue Modelle mit G4 vorgestellt. Was macht es so schwer, einen G5 in ein PowerBook zu bauen?
Rubinstein: Vor allem der Energieverbrauch des G5. Der Prozessor benötigt sehr große Kühlkörper. Der Tower hat neun Ventilatoren. Es ist aber nicht unmöglich, einen G5 in ein Notebook zu setzen - alles eine Frage der Zeit. Wir arbeiten sehr eng mit IBM zusammen, unter anderem um den Stromverbrauch zu senken. Irgendwann in der Zukunft werden Sie vielleicht einen G5 in einem PowerBook sehen.
c't: In unseren Tests hat der G5 sehr gemischte Benchmark-Resultate gezeigt - die besten mit den neuen IBM-Compilern.
| Rubinstein: ”Benchmarking ist eine der Sachen, mit denen man niemanden glücklich macht, egal was man tut. |
Rubinstein: Offensichtlich hatte IBM mehr Zeit, Optimierungen zu ergänzen. Der Compiler kommt ja vom Power4, ebenso wie der G5. Wir haben im Wesentlichen die Power4-Architektur übernommen und für unsere Bedürfnisse modifiziert: den Prozessorkern, die Velocity-Engine, die Multipipeline-Architektur und das Gigahertz-Interface. Sie sehen, IBM blickt auf eine lange Geschichte mit dem Prozessor und dem Compiler zurück. Aber Sie sehen auch beim GCC-Compiler signifikante Anstrengungen, ihn zu verbessern, damit er höhere Performance bringt.
c't: Und wie sieht es mit dem neuen Code Warrior von Metrowerks aus? Die neue Version ist offenbar noch nicht G5-optimiert.
Rubinstein: Ich kann dazu nichts sagen, da ich nicht über die Compiler von anderen Anbietern Bescheid weiß. Ich weiß nur, dass viele Kunden aus dem Wissenschaftsbereich sehr zufrieden sind, aufgrund der IBM-Partnerschaft einen verbesserten Fortran-Compiler angeboten zu bekommen.
c't: Glauben Sie, dass viele Programme demnächst mit dem IBM-Compiler übersetzt werden?
Rubinstein: Ich glaube, die Leute arbeiten nicht so. Typischerweise benutzen sie die Apple-Tools in der Apple-Entwicklungsumgebung. Wenn es zeitkritische Abschnitte im Code gibt, macht es Sinn, andere Tools zu verwenden. Aber das ist jetzt hypothetisch, wir sprechen über einen Compiler, der noch nicht in Produktion gegangen ist. Er funktioniert allerdings schon sehr gut. Zeitkritische Stellen kann man damit handoptimieren. Es gibt aber auch jede Menge andere Tricks, um die Geschwindigkeit von Applikationen zu erhöhen.
„Irgendwann in der Zukunft werden Sie vielleicht einen G5 in einem PowerBook sehen.“
Die Programme laufen auf dem G5 ohnehin schon schneller. Wenn Sie aber hergehen und sie für den G5, der eine unglaublich schnelle Maschine ist, optimieren, bekommen sie für diesen zusätzlichen Aufwand eine enorme Steigerung der Geschwindigkeit.
c't: Wie sieht das im Einzelnen aus? Nutzung der neuen Befehle, wie Wurzelziehen, oder Anpassung an 64-Bit-Breite?
Rubinstein: Natürlich können sie die 64-Bit-Power nutzen, aber viel wichtiger ist, dass der G5 mehr als 200 Instruktionen simultan verarbeiten kann, da er viele Funktionseinheiten mitbringt. Je mehr Ihr Code auf die Multiple-Units angepasst ist, desto mehr Vorteile können sie aus dem G5 ziehen. Nehmen sie etwa das Photoshop-Plug-in für den G5 ...
c't: ... das vor allem dessen AltiVec-Einheit besser einsetzt.
Rubinstein: Nein, es ist wesentlich stärker optimiert. Adobe hat einen guten Job gemacht.
c't: Wir haben jedenfalls herausgefunden, dass der G5 damit eine größere Menge RAM besser ausnutzt.
Rubinstein: Das ist der nächste Aspekt des G5. Für Leute, die professionell mit Video, Publishing und Ähnlichem arbeiten, ist der Durchbruch der 4-GByte-Barriere ein wichtiger Schritt. Mit 8 GByte physikalischem Speicher können sie viel größere Applikationen laufen lassen und sie können bestimmte Probleme lösen, die vorher nicht zu lösen waren.
c't: Wie viel RAM kann denn eine Applikation für sich beanspruchen?
Rubinstein: 4 GByte pro Prozess.
c't: Kann man mit 2-GByte-Modulen auch 16 GByte in den G5 einsetzen?
Rubinstein: Ja, mit zukünftigen Generationen von RAM. Die konnten wir noch nicht qualifizieren, weil es sie noch nicht gibt.
c't: Wo liegt das Maximum?
Rubinstein: Ich weiß im Moment nicht, wo es liegt. Es ist jedenfalls genug. Wir sind ja erst bei der ersten Ausgabe einer neuen Generation von Maschinen, die uns noch einige Jahre begleiten wird. Deshalb haben wir auch die Architektur auf Wachstum ausgelegt und die am höchsten entwickelten Technologien verwendet, etwa AGP 8X, Hypertransport und PCI-X.
c't: Inwieweit wird Mac OS X 10.3 alias Panther ein 64-Bit-OS sein und mehr von der Prozessor-Power des G5 nutzen?
Rubinstein: Was wir heute ausliefern, ist Jaguar-basiert. Es hat schon 64-Bit-Adressierung, sodass Sie die 8 GByte RAM nutzen können. Es hat einen Satz von Mathematik- und anderen Bibliotheken, die 64-Bit-tauglich sind. Aber das ist erst der Anfang. Die erste Ausgabe von Panther wird schon mehr 64-Bit-Fähigkeiten haben und das geht weiter mit jeder neuen Version.
c't: Ist denn 64-Bit-Code schneller als 32-Bit?
Rubinstein: Es kommt drauf an, was Sie machen. Wir haben den G5 ja so designed, dass 32-Bit-Code auch viel schneller darauf läuft; man muss nicht auf 64 Bit gehen. Wenn Sie umfangreiche mathematische Berechnungen machen, ist 64 Bit schneller, ansonsten nehmen Sie 32 Bit.
c't: Apple musste eine Menge Kritik für die G5-Benchmarks einstecken. Wäre das kein Problem geworden, wenn die IBM-Compiler vorher fertig gewesen wären?
Rubinstein: Nein, das denke ich nicht. Die Leute haben sich daran gestoßen, dass wir behauptet haben, wir hätten die schnellste Maschine. Ganz gleich, was wir gemacht hätten, die Leute hätten sich daran gestört. Wir wollten den fairsten Vergleich, um direkt Maschine zu Maschine zu vergleichen. Alles ist Open Source, sodass man sehen kann, was wir gemacht haben. Wir haben White-Papers veröffentlicht, um zu dokumentieren, wie getestet wurde und die Messung wurde von unabhängiger Seite gemacht. Wir waren da offener als alle anderen, niemand sonst veröffentlicht das alles. [Pause] Benchmarking ist eine der Sachen, mit denen man niemanden glücklich macht, egal was man tut.
c't: Nach unseren SPEC-Messungen ist der G5 mit dem IBM-Compiler schneller. Hätten Sie ihn verwendet, wenn er bereits am 23. Juni verfügbar gewesen wäre?
Rubinstein: Nein, hätten wir nicht. Wir wollten ja nur den fairen Vergleich der Maschinen, ohne den Compiler, ohne Betriebssystem, Hardware zu Hardware. Im Übrigen hatten wir den IBM-Compiler schon damals.
c't: Steve Jobs kündigte an, der G5 werde im Sommer 2004 Taktraten von 3 Gigahertz erreichen. Heißt das, wir werden dann auch entsprechend ausgestattete Macs in den Shops sehen?
Rubinstein: Ich denke, das meinte er mit seiner Ankündigung. Vielleicht wird bis dahin wieder jemand in der Performance vor uns liegen, aber wir werden ihn dann wieder überholen. Die Quintessenz lautet: In den letzten Jahren waren wir nicht so konkurrenzfähig, wie wir hätten sein sollen. Nun können wir wieder voll mithalten.
c't: Apple gewinnt des Öfteren Designpreise, die neuen Desktops sind aber kaum erweiterbar. Im Gehäuse des letzten G4-Mac war noch Platz für zwei optische Laufwerke, vier Festplatten und vier PCI-Karten. Warum haben Sie das geändert?
Rubinstein: Sie bräuchten dafür ein größeres Gehäuse. Die meisten unserer Kunden kommen mit den Erweiterungsmöglichkeiten aus. Wenn Sie viel mehr Speicherkapazität brauchen, ist es der beste Weg, ein RAID anzuschließen.
c't: Die neuen PCI-X-Slots sind nicht mehr kompatibel zu reinen 5-Volt-PCI-Karten. Warum haben Sie nicht einen normalen PCI-Slot behalten?
Rubinstein: Wir haben die modernste Low-Volt-Technologie auf unserem Board: Die Northbridge, der Memory-Controller, alles läuft mit niedriger Spannung. 5 Volt findet man dort nicht mehr, es ist einfach veraltet.
c't: Können Sie uns etwas über angekündigte oder bereits verfügbare PCI-X-Hardware sagen?
Rubinstein: Ja, es gibt da bereits einige Karten am Markt, auch für den Mac. Wir haben sie bisher aber noch nicht getestet. Dazu gehören SCSI-Karten, Fibre-Channel-Karten. Überall, wo Sie hohe Bandbreite benötigen. Ansonsten brauchen Sie die Performance nicht. Sie können ja auch normale 3-Volt-Karten verwenden.
c't: Vermissen Sie den „little endian mode“? Microsoft tut es ganz offensichtlich.
Rubinstein: Ja das stimmt, wegen VirtualPC. Aber sie sind offenbar die einzigen Betroffenen, weil das eine sehr spezielle Sache ist. Nun haben sie einige Arbeit vor sich und dann ist das Problem beseitigt. (jes)
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Heft bestellen
Permalink: http://heise.de/-289026
Das aktuelle Heft ist jetzt im Handel erhältlich.
Ältere Artikel können Sie über unser Zeitschriften-Archiv bestellen.