Leseprobe aus c't 14/12
Jo Bager, Axel Vahldiek, Dr. Volker Zota
Wo Windows 8 punktet
Die Release Preview im Praxistest
Microsoft baut sein wichtigstes Produkt zu einem Universal-Betriebssystem um: Windows 8 soll nicht nur auf herkömmlichen Desktop-PCs und Notebooks laufen, sondern auch auf Geräten mit Touch-Bedienung wie Tablets. Wie weit Microsoft auf diesem Weg schon gekommen ist, zeigt die frisch veröffentlichte Vorabversion.
Am letzten Tag des Mai war es soweit: Einige Tage früher als ursprünglich angekündigt stellte Microsoft die letzte öffentliche Vorabversion von Windows 8 unter http://preview.windows.com zum freien Download bereit. Die als Release Preview bezeichnete Software stellt bis auf wenige Ausnahmen bereits das dar, was Microsoft im Herbst als fertiges Produkt veröffentlichen möchte. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft sollen dann Geräte mit dem neuen Windows in den Läden stehen, und zwar nicht nur herkömmliche Desktop-PCs und Notebooks, sondern vor allem solche mit Touch-Bedienung. Dabei wird es sich nicht nur um Tablets handeln, sondern auch um Hybrid-Geräte, die sich sowohl mit Finger als auch mit Tastatur und Maus bedienen lassen. Tablets verkaufen sich seit der Markteinführung des iPads wie geschnitten Brot, ohne dass Microsoft in diesem Markt bislang mitmischt – das soll sich mit Windows 8 endlich ändern.
Das neue Betriebssystem stellt für Microsoft also einen enorm wichtigen Schritt dar, und damit der gelingt, hat man sich einiges einfallen lassen – die wichtigsten Neuerungen der Release Preview (RP) stellt dieser Artikel vor. Die nachfolgenden drei Beiträge widmen sich der Frage, wie sie sich auf Tablets, herkömmlichen Desktop-PCs sowie auf Hybrid-Geräten anfühlt und welche Änderungen seitens der Hardware jeweils zu erwarten sind. Ein weiterer Artikel zeigt, wie Sie die RP auf Ihrem eigenen PC ausprobieren können, und zwar ohne Umpartitionieren der Festplatte, ohne virtuelle Maschine. Und vor allem ohne Risiko, die vorhandene Windows-Installation zu verhunzen.
Wischtechnik
Die Installation der Release Preview lief auf diversen c’t-Testrechnern recht zügig durch. Selbst auf einem mittlerweile doch recht betagten Medion Netbook Akoya E1210 (bekannt als Aldi-Netbook) dauerte das mit der x86-Variante keine halbe Stunde, und dieses Modell liegt nur knapp über den Minimalanforderungen. Doch selbst hierauf läuft sie anschließend stabil und schnell. Auf anderen Rechnern wie dem Samsung-Tablet XE700T1A war die Installation schon nach einer viertel Stunde erledigt.
Wer die Beta-Version von Windows 8 kennt (die Microsoft als „Consumer Preview“ bezeichnete [1]), findet sich in der RP schnell zurecht: Nach der Installation landet man wieder auf dem Metro-Startscreen, der neuen Schaltzentrale von Windows. Auf ihm sind haufenweise Kacheln in satten Farben zu sehen, die zum Starten der Metro-Apps dienen, also von Vollbild-Anwendungen in Kacheloptik. Leider fehlt dem Kachelhaufen weiterhin jede erkennbare Ordnung. Man kann ihn zwar wie anno ’95 von Hand ordnen, einzelne Objekte aber weder umbenennen noch umfärben. Heftet man weitere Kacheln von Hand an, erscheinen sie ganz hinten, was erneutes Umsortieren oder ständiges Scrollen nach sich zieht. Die Fähigkeit, sich oft genutzte Anwendungen zu merken, fehlt dem Startscreen ganz, das Suchfeld ist nicht zu sehen – man kann aber einfach lostippen. Allerdings erscheinen dann erst mal nur Programme als Suchtreffer, nicht aber Einstellungen oder Dateien, dafür sind zusätzliche Handgriffe erforderlich.
Den Startscreen hat Microsoft genauso wie die Apps – man will ja auf die Tablets – vor allem für die Bedienung mit dem Finger entwickelt, wobei die meisten Tipp- und Wischgesten bereits von anderen Touch-Betriebssystemen bekannt sind: Mit Wischern in eine Richtung scrollt man, ein Tipp auf eine Kachel startet die zugehörige App und die Ansicht vergrößert man durch das Auseinanderziehen zweier Finger. Ungewohnt sind hingegen die Menüaufrufe. Ein Fingerwisch wahlweise vom oberen oder unteren Displayrand in Richtung Display-Mitte öffnet das Kontextmenü von Startscreen oder App, wobei es Sache der jeweiligen Programmierer ist, wo es erscheint. Es kann also durchaus passieren, dass ein Wisch von oben ein Menü unten öffnet. Von links wischt man die zuvor geöffnete App ins Bild und ein Wischer von rechts öffnet die „Charms“, eine Art Standardmenü, welches unter anderem eine Schaltfläche für die Suche enthält und unter „Geräte“ die installierten Drucker zeigt. Alle Apps sollen zum Suchen und Drucken stets nur diese Schaltflächen verwenden, damit der Anwender diese Funktionen immer an der gleichen Stelle findet. Was genau die Suchen-Funktion aus den Charms durchforstet, hängt also davon ab, was gerade zu sehen ist: Falls das der Startscreen ist, wird nach Programmen gesucht, ist stattdessen beispielsweise die Wikipedia-App geöffnet, wird die Datenbank des Lexikons durchsucht. Mehr zu den Wischgesten lesen Sie im Artikel ab Seite 88 in c't 14/2012.
Ladenfüller
Apps laufen weiterhin grundsätzlich im Vollbildmodus, allerdings erst ab einer Auflösung von mindestens 1024 x 768. Sonst verweigern sie den Start mit einer Fehlermeldung, womit sie auf älteren Netbooks derzeit nutzlos sind. Ab einer Auflösung von 1366 x 768 lassen sich maximal zwei Apps in einem festen Seitenverhältnis von ungefähr 2:1 bis 3:1 nebeneinander anordnen. Das genaue Verhältnis hängt von der Bildschirmauflösung ab.
Der Store füllt sich so langsam. Um eine App mit bekanntem Namen zu finden, wählt man „Suchen“ im Charms-Menü.
Microsoft versprach im Zuge der Veröffentlichung der neuen Vorabversion hunderte neuer Apps. Einige davon bringt die Vorabversion bereits mit, etwa passend zur EM eine Sport-App und passend zur Urlaubszeit eine namens „Reise“. Gleich doppelt vorhanden ist eine App namens „Nachrichten“, hier haben sich die Übersetzer offensichtlich nicht abgestimmt. Nur hinter einer stecken wirklich Nachrichten, die andere dient zum Lesen von Mitteilungen, die man etwa per Chat oder Facebook erhält. Nicht mehr an Bord ist die App „Remotedesktop“, man kann sie aber aus dem Store herunterladen – wie derzeit alle Apps kostenlos. Dieser Store füllt sich so langsam, wenn auch zumindest in der deutschen Version bei Weitem nicht so schnell wie von Microsoft versprochen. Zu finden sind bislang vor allem Tablet-typische Apps aus Bereichen wie Nachrichten, Unterhaltung, Bildung und Spiele, die man eher auf dem Sofa als am Schreibtisch nutzt.
Bunt kostet extra
Das Media Center fehlt nun ebenfalls. Später wird man es dazukaufen können, was Besitzer der teureren Version „Windows 8 Pro“ weniger kosten dürfte als Besitzer der funktional eingeschränkten Version namens „Windows 8“. Bei der Release Preview kann man das gegenüber Windows 7 praktisch unveränderte Media Center stattdessen einfach nachinstallieren.
So schnörkellos wie in Microsofts FAQ (http://windows.microsoft.com/de-DE/windows-8/faq) beschrieben, klappt das allerdings nicht. In die Windows-Suche (Maus in die obere rechte Bildschirmecke schubsen) gibt man „Fea“ ein und klickt dann auf das Feld „Einstellungen“ unter dem Eingabefeld. Nun wählt man in der linken Bildschirmhälfte „Features zu Windows 8 hinzufügen“ aus (den Nachfolger des „Anytime Upgrade“). Nicken Sie die Sind-Sie-sicher-Abfrage ab und wählen Sie bei der Frage „Wie möchten Sie beginnen?“ die Antwort „Ich habe bereits einen Product Key“. Geben Sie im folgenden Dialog den Schlüssel MBFBV-W3DP2-2MVKN-PJCQD-KKTF7 ein. Die Installation gelingt nur, wenn Windows 8 aktiviert ist.
Ohne das Windows Media Center spielt Windows 8 mit Bordmitteln keine DVDs mehr ab. Microsoft spart sich so die Lizenzkosten für deren Wiedergabe und verweist stattdessen auf Software von Dritten; wie zu XP-Zeiten ist man also auf Programme wie PowerDVD, ArcSoft Total Media Theatre oder kostenfreie Tools wie Media Player Classic Homecinema oder VLC media player angewiesen. Mehr Details hierzu verrät ein Blog-Eintrag, den Sie wie die genannten Programme über den c’t-Link am Ende des Artikels finden.
Abgesehen von dem erst mit dem Windows Media Center nachinstallierten und für DVD-Wiedergabe und TV-Empfang nötigen MPEG-2-Codec unterstützt Windows 8 weiterhin die gängigen Codecs und Container H.264, WMV/VC-1, MPEG-4, AAC, WMA, MP3, PCM sowie Dolby Digital Plus.
(axv)
Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 14/2012.
Windows 8 Release Preview
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