Xoom kontra iPad 2

Das Tablet-Duell: Hardware, Bedienung, Apps, Medieninhalte

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Mit Doppelkern-CPU, zwei Kameras, hochwertigem Display und dem Tablet-Betriebssystem Android 3 macht Motorolas Xoom dem iPad Konkurrenz – muss sich aber bereits mit dem verbesserten iPad 2 messen. Auch das Angebot an Apps, Lesestoff und Filmen zählt.

Kaum jemand hatte wohl vorhergesehen, was im Jahr eins nach dem iPad passierte, wie schnell das iPad begeisterte Anhänger fand, wie zahlreich und phantasievoll die Apps wurden, wie groß das Interesse auch bei den (Noch-)Nicht-Käufern und den Herstellern war. Die Tablets schaffen einen neuen Zugang zur digitalen Welt, direkter und effektiver als ein Notebook. Apple hat es als erster Hersteller geschafft, diese Idee so umzusetzen, dass sie trotz einiger Einschränkungen wirklich beim Anwender ankommt.

Obwohl das iPad weniger kann als jeder Tablet PC mit Windows, hat es sich in ein paar Monaten besser verkauft als diese in den fast zehn Jahren ihrer Existenz – möglicherweise weil die Windows-Tablets nicht einfacher, sondern eben komplizierter zu bedienen sind als normale Notebooks. Positiv formuliert: Sie decken einen anderen Nutzerkreis ab und wollen nicht am Wettrennen um die Gunst der Privatkäufer teilnehmen.

Andere hingegen reißen sich um eine Starterlaubnis: Schnell waren Tablets mit dem Smartphone-Betriebssystem Android 2.2 auf dem Markt, und das zu weit günstigeren Preisen als das iPad. Doch dessen Magie konnten auch sie wenig entgegensetzen, zu sehr sind Bedienoberfläche und Apps auf die kleinen Smartphone-Displays ausgelegt. Samsung hat sich beim Galaxy Tab mit 7-Zoll-Display eine Menge Arbeit gemacht, um diese Nachteile auszumerzen, was bei den mitgelieferten Anwendungen geklappt hat, aber kaum weitere angepasste Apps hervorgebracht hat.

Das kann sich erst mit Android 3.0 ändern. Google hat die Oberfläche an Tablet-Displays angepasst und neue Bedienkonzepte für Apps vorgesehen. Weil das SDK den Entwicklern erst seit Ende Februar zur Verfügung steht, nutzen das bislang aber nur wenige Apps, und es dürften Monate oder gar Jahre vergehen, bis der Market ähnlich gut gefüllt ist wie der App Store für das iPad. Viele Hersteller haben Android-Tablets angekündigt, darunter Asus, Acer, HTC, LG, Samsung und Toshiba. Erster am Markt ist das Xoom, weil Hersteller Motorola es zusammen mit Google entwickelt hat – so einen Kooperationspartner sucht sich Google bei fast jeder Android-Version, zuletzt Samsung beim Nexus S mit Android 2.3. Andere Tablets auch von RIM und HP werden vermutlich frühestens ab April erhältlich sein.

Somit buhlen zurzeit nur zwei Tablets der neuen Generation um Aufmerksamkeit, das Apple iPad 2 und das Motorola Xoom. Den günstigsten Einstieg bietet ungewöhnlicherweise Apple mit 500 Euro für eine 16-GByte-Version ohne UMTS-Modul – vermutlich, denn bis zum Redaktionsschluss verriet Apple keine Preise. Auch auf Vermutungen beruhen: 600 Euro für die 32-GByte-Version, 700 für die mit 64 GByte Version, jeweils 100 Euro Aufpreis für das UMTS-Modul. Der Verkauf soll in Deutschland am 25. März starten. Auch die bei den Mobilfunk-Providern gekauften Geräte haben voraussichtlich wie das erste iPad kein SIM-Lock und können deshalb mit jeder Micro-SIM genutzt werden.

Vergrößern Den Einschalter des Xoom (unten) erfühlt man nur schlecht, die Lautsprecher klingen je nach Unterlage unterschiedlich. Die iPad-Kamera hat keinen Blitz und schießt auch bei ausreichend Licht keine guten Fotos.

Motorola bietet die UMTS-Version des Xoom ab Ende April drei Monate lang exklusiv bei T-Mobile an, dort ist es mit 32 GByte Speicher wie das iPad für 700 Euro erhältlich, ebenfalls ohne Vertragszwang und ohne SIM-Lock. Eine Version ohne UMTS haben zum Redaktionsschluss einige Online-Händler um 640 Euro für Ende April in Aussicht gestellt. Xoom und iPad 2 gibt es in den USA für den Provider Verizon mit CDMA-Mobilfunk, der in Deutschland nicht nutzbar ist. Die Module lassen sich nach unserem Wissen nicht nachträglich gegen UMTS-Module austauschen. Motorola will CDMA-Xooms kostenlos um ein LTE-Modul erweitern lassen, man muss sie dazu voraussichtlich an Motorola USA einschicken.

Als interessante dritte Alternative vertickt Apple ab 380 Euro Restposten des ersten iPad, die aufgrund des verlockenden Preises möglicherweise schnell vergriffen sind. Die Frage, ob die Produktion des alten iPad bei hoher Nachfrage weiterläuft, wollte Apple uns nicht beantworten.

Der Wettkampf zwischen den beiden Tablets besteht aus mehreren Disziplinen: der Hardware, dem Bedienkonzept samt mitgelieferter Apps, den erhältlichen Multimedia-Inhalten und dem Angebot an spannenden Apps und Spielen. Für den Test lagen uns Geräte aus den USA vor: das Motorola Xoom in der CDMA-Version mit einem englischsprachigen Android, das iPad 2 in der WLAN-Variante.

Nur 9 Millimeter dünn ist das neue iPad, und in der Version ohne UMTS nur 600 Gramm schwer – um einiges flacher und leichter als der Vorgänger. Vor allem wenn man es hochkant hält, macht sich das positiv bemerkbar: Es liegt gut in der Hand und fühlt sich auch nach längerer Zeit nicht sonderlich schwer an. Einige Kollegen bekamen allerdings den Eindruck, es nun verkrampfter halten zu müssen.

Das Xoom ist mit 730 Gramm deutlich schwerer und 13 Millimeter dick, man legt es zum Lesen lieber vor sich auf dem Tisch ab. Dank des abgerundeten Rückens und der griffigen Beschichtung hält man es gut und sicher, doch trotz wertiger Verarbeitung fehlt ihm die Eleganz des iPad. Das Breitbild-Format spielt nicht nur bei Videos seine Stärken aus, auch auf Webseiten und in Apps wie Kalender oder Mail sind mehr Informationen sichtbar. Bei Magazinen und Buchseiten wirkt das 4:3-Format des iPad natürlicher.

Beide Tablets sind mit verspiegelten IPS-Panels ausgestattet, die mit über 300 cd/m2 angenehm hell leuchten. Bei Tageslicht bleiben sie gut lesbar, im Sonnenlicht spiegeln sie so stark, dass man nur mit Mühe etwas erkennt. Beide haben den für Mobilgeräte üblichen eingeschränkten Farbraum, der nicht mal sRGB komplett abdeckt; mit Wide-Color-Gamut- oder OLED-Displays können sie nicht mithalten.

Die Farben des iPad-Displays bleiben auch bei extremen Blickwinkeln unverändert, während das Xoom-Display ab etwa 40 Grad langsam flauer wird. Beide kann man gut ablesen, wenn sie auf dem Tisch vor einem liegen. Am unteren Displayrand des iPad fielen uns beim Anzeigen eines dunklen Bildes zwei helle Flecken auf. Solche Lichteinstrahlungen, die sich bei Druck mit dem Finger auf die Stelle verstärken, deuten darauf hin, dass zwischen Panel und Rahmen eine Spannung herrscht, möglicherweise eine Folge der extrem kompakten Bauweise des iPad.

Die Touchscreens reagieren beide präzise und schnell. Beide eignen sich nur für Fingereingaben. Es gibt Spezialstifte wie den Dagi Stylus, den iClooly Multi-Touch Pen oder den Pogo Sketch, die aber nur (wie beim ersten iPad) mittelprächtig funktionieren: Zweimal denselben Punkt zu treffen ist nach wie vor Glückssache, das reicht für Skizzen, aber kaum für präzise Zeichnungen [1] .

Für das iPad 2 hat Apple trotz kleinerem Akku eine ähnliche Laufzeit wie beim Vorgänger versprochen, der es im c’t-Labor (beim Abspielen von Videos bei gedimmter Helligkeit) auf stattliche 10,7 Stunden brachte. Tatsächlich übertrifft das iPad 2 das sogar: 11,6 Stunden. Auch das Motorola Xoom kommt auf sehr gute 9,2 Stunden. Das anspruchsvolle Rennspiel Reckless Racing HD lief auf dem iPad 9 Stunden, das Xoom brachte es bei der grafisch abgespeckten Android-Version des Spiels auf 8 Stunden. Selbst bei intensivem Gebrauch kommt man anders als bei den meisten Note- und Netbooks also ohne Netzteil über den Tag, bei gelegentlicher Nutzung reicht der Akku mehrere Tage.

Dem iPad 2 liegt ein leichtes und kleines USB-Netzteil bei, das für eine komplette Ladung über vier Stunden benötigt. Es lässt sich (mit Apples Spezialkabel) auch am Rechner oder aus anderen USB-Netzteilen laden, was aber noch länger dauert. Das Xoom braucht nur etwa zwei Stunden für eine Komplettladung, gibt sich sonst aber unpraktisch: Weder lädt es sich per USB, noch kann man das Netzteil für andere Geräte nutzen. (jow)

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 8/2011.

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