Am 16. August 1993 gründete Ian Murdock das Debian-Projekt. Seitdem ist viel passiert: Das Projekt hat sich selbst organisiert, umfasst mittlerweile über tausend Entwickler und ist ein wichtiger Bestandteil der GNU/Linux-Welt. Und nach wie vor steht Debian fest für das Prinzip Freier Software.
Als Ian Murdock vor zehn Jahren das Debian-Projekt ins Leben rief, gab es zwar schon Linux-Distributionen mit einer Menge Software, deren Quelltexte im Internet verfügbar waren. Allerdings liefen diese Systeme nicht wirklich rund, boten den Anwendern keine Möglichkeit zur Mitarbeit und unterschieden nicht zwischen Freier und nicht-freier Software. Murdock war wichtig, Debian (der Name setzt sich zusammen aus den Vornamen von Ian und seiner Frau Debra) als offenes Projekt zu begründen und interessierte Anwender mitentwickeln zu lassen - ganz im Sinne der Entwicklung Freier Software.
Bruce Perens und Ian Jackson traten dem Projekt direkt nach der Ankündigung bei. Zu dritt entwickelten sie das Paketformat .deb und das Verwaltungsprogramm dpkg. Nach gut zwei Jahren, bei Veröffentlichung der Version 0.93R6, bestand das Debian-Projekt aus etwa 50 Entwicklern, von denen sich die meisten noch nie persönlich getroffen hatten. Diese Release galt als erste benutzbare Version und zog daher viele neue Entwickler an. Seitdem erscheinen regelmäßig neue Releases, die nach Charakteren aus dem Film Toy Story benannt sind - aktuell ist die Version 3.0, Codename Woody.
Damit die Arbeit von mittlerweile rund 1100 Entwicklern nicht im Chaos versinkt, hat das Projekt detaillierte Richtlinien aufgestellt. Die wohl wichtigsten sind die Debian-Richtlinien für Freie Software, die seit 1997 genau festlegen, was Freie Software ist [1]. Sie waren die ersten allgemeinen Regeln zur Unterscheidung zwischen Freier und nicht-freier Software und wurden später als Open Source Definition übernommen [2]. Zahlreiche Details des Entwicklungsprozesses - wo welche Dateien abzulegen sind, wie mit einem Bug umzugehen ist und so weiter - sind durch weitere Dokumente [3] festgelegt. Darin unterscheidet sich Debian von vielen anderen Projekten, erlaubt es den Entwicklern aber, sich ganz auf die Distribution zu konzentrieren, da sie nicht immer wieder dieselben Fragen diskutieren müssen.
Das Debian-Projekt ist mit seinen Aufgaben gewachsen: Je mehr Personen an der Distribution mitarbeiteten, desto stärker organisierten die Entwickler ihre Arbeit durch Richtlinien und desto mehr wurde automatisiert. So existieren verschiedene Werkzeuge, mit denen sich die einzelnen Pakete in das bestehende System integrieren lassen. Grafische Applikationen etwa können bei der Installation einen systemweiten Menü-Eintrag registrieren, den alle Fenstermanager im Debian-Menü anzeigen. Mit debconf existiert eine allgemeine Schnittstelle zur Konfiguration von Paketen während der Installation mit (auf Wunsch) grafischer Bedienoberfläche, die als Basis des zukünftigen GUI-Installers dient.
Die über die ganze Welt verteilten Debian-Entwickler koordinieren sich hauptsächlich elektronisch: über private Mails, Mailing-Listen, IRC und ICQ. Die meisten pflegen eine kleine Anzahl an Software-Paketen (zumeist Programme, die sie privat oder geschäftlich interessieren) und fügen so einen Stein zum großen Mosaik hinzu. Andere übernehmen übergreifende Aufgaben wie die Pflege des Installers und das Erstellen von Dokumentation oder kümmern sich um die Infrastruktur wie interne Software und Webseiten.
Debian GNU/Linux ist die einzige Distribution, die für elf Prozessor-Architekturen (bei gleichem Versionsstand der Softwarepakete!) verfügbar ist - demnächst wird sich AMDs x86-64 dazugesellen. Der Entwickler eines Programmpaketes muss sich dabei nur um eine Plattform kümmern: Der Build Daemon nimmt den Quellcode, installiert benötigte Pakete und kompiliert das Programm automatisch für die restlichen zehn Architekturen - wenn alles gut geht ... Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Akzeptanz im professionellen Bereich kontrolliert Debian seit Jahren mit Hilfe von digitalen Signaturen, dass keine fremden Pakete in die Distribution gelangen.
Debian besteht ausschließlich aus Freier Software. Dabei achten die Entwickler vor allem auf die Stabilität der enthaltenen Software und verwenden im Zweifel lieber eine ältere, aber ausgereifte Programmversion. Das und die Möglichkeit, einzelne Programme oder die ganze Distribution einfach übers Netz zu aktualisieren, empfiehlt die Distribution nicht nur für den Servereinsatz, sondern macht Debian auch zur idealen Grundlage für speziell angepasste Linux-Versionen - die wohl bekannteste ist Knoppix.
Die Anwender genießen bei Debian maximale Freiheiten. Statt sich auf ein einziges Programm aus einer Anwendungsklasse zu beschränken, bietet Debian mehrere ähnliche Pakete sowie Mechanismen zur Auswahl an. So enthält Debian nicht nur Gnome und KDE als Desktop-Umgebungen, sondern zusätzlich über 20 Fenstermanager. Für Entwickler und Anwender richtet Debian seit 2000 spezielle Konferenzen, teilweise im Rahmen größerer Veranstaltungen, aus [4].
Natürlich feiert das Debian-Projekt seinen zehnjährigen Geburtstag auch angemessen. Da sich weder alle Entwickler noch alle interessierten Anwender an einem einzigen Ort zusammenfinden können, wird es weltweit an verschiedenen Orten Geburtstagspartys geben [5] - die deutsche findet in Wallenrod statt [6]. (odi)
[1] Debian Free Software Guidelines
[3] Entwicklerecke
[5] Geburtstagspartys weltweit: www.debian.org/events/0816-birthday
[6] Deutsche Geburtstagsparty: www.infodrom.org/Debian/party/
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| Debian GNU/Linux: Releases | |
| 26.10.95 | 0.93R6 |
| 17.06.96 | 1.1 (Buzz) |
| 12.12.96 | 1.2 (Rex) |
| 05.06.97 | 1.3 (Bo) |
| 24.07.98 | 2.0 (Hamm) |
| 09.03.99 | 2.1 (Slink) |
| 15.08.00 | 2.2 (Potato) |
| 19.07.02 | 3.0 (Woody) |
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