Mitte Oktober feierte das KDE-Projekt seinen zehnten Geburtstag. Aus diesem Anlass trafen sich 80 Mitglieder der KDE-Community in Esslingen, um über die Vergangenheit und Zukunft des populären Unix- und Linux-Desktops nachzudenken. Der KDE-Begründer zieht seine Bilanz.
Schon die bloßen Zahlen rund um das KDE-Projekt sind beeindruckend. Was mit einem kurzen Posting im Usenet begann [1], hat sich in wenigen Jahren zu einem stattlichen Projekt mit über 1200 aktiven Accounts für die Versionsverwaltung Subversion und rund 800 weiteren Mitarbeitern gemausert. Im Durchschnitt kommt alle fünf Minuten ein neues Stück Code zu KDE hinzu. Der Desktop ist in 91 Sprachen übersetzt, und die diesjährige Entwickler-Konferenz Akademy in Dublin war mit 185 Teilnehmern besser besucht als je eine zuvor. Allein in der Jubiläumswoche wurden 215 anstehende Aufgaben abgeschlossen, 193 Entwickler haben über 2000 Änderungen an den Quelltexten durchgeführt.
Das Wachstums des Projektes über die letzte Dekade ist insofern beeindruckend, als KDE nie den Regeln klassischer Open-Source-Projekte folgte. So gab und gibt es keinen „wohlwollenden Diktator“, wie ihn Eric S. Raymond in seinem wegweisenden Aufsatz „The Cathedral and the bazaar“ [2] als notwendig für den Erfolg eines Open-Source-Projektes postulierte. Wo beim Linux-Kernel Linus Torvalds letzte Entscheidungen trifft und die Richtung vorgibt, hat KDE eine offene Struktur, in der die meisten Entscheidungen lokal in Unterprojekten getroffen werden. Dass dies funktioniert und skaliert, verdankt KDE seiner in der Software-Welt einzigartigen Kultur des Miteinanders und der Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber neuen Mitgliedern. „Diesen besonderen Geist bewahren“, war dann auch der Geburtstagswunsch von Eva Brucherseifer, Präsidentin des KDE e.V., in ihrem Festvortrag.
Der KDE e.V. ist die seit diesem Jahr als gemeinnützig anerkannte Rahmenorganisation des KDE-Projektes. Der Verein wurde einst gegründet, um sich um rechtliche und finanzielle Belange zu kümmern. Mittlerweile sind aber andere Aufgaben hinzugekommen, etwa die Organisation der jährlichen Entwicklerkonferenz oder verschiedene Arbeitsgruppen, die sich beispielsweise mit der Mensch-Computer-Interaktion oder Fragen des Marketing befassen.
KDE sieht sich mit dieser Struktur für die nächsten zehn Jahre bestens gewappnet. Die Entwickler sind zuversichtlich, die größten Probleme bei freier Software in den Griff zu kriegen. So will man die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Open-Source-Projekten auf Linux verbessern, und Endanwenderfreundlichkeit soll von Anfang an zum zentralen Teil des Entwicklungsprozesses werden.
Auch die Frage, ob sich ein KDE-Engagement für den einzelnen Entwickler lohnt, lässt sich überzeugend und eindeutig beantworten. Zwar wurde niemand mit KDE zum Dotcom-Millionär, trotzdem sind aus der Riege der frühen KDE-Entwickler alle in Lohn und Brot - entweder im akademischen Sektor oder als Chefs oder leitende Mitarbeiter in verschiedensten Firmen im Linux-Umfeld.
(odi)
Matthias Ettrich brachte mit seinem Usenet-Posting vom 14. Oktober 1994, in dem er das neue Projekt „Kool Desktop Environment“ (KDE) ankündigte, den Stein ins Rollen und trägt auch heute noch Code bei. Er arbeitet bei Trolltech, dem Hersteller der GUI-Bibliothek Qt, auf der die Desktop-Umgebung aufbaut.
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