Gibt es sprachlichen Trouble beim Online-Shopping auf manchen Websites? Ist der Server nicht performant genug, weil niemand die Tuning-Tips im Manual realisiert hat? Wörterbücher machen nicht nur Sinn bei den Anglizismen des Alltags - mit der richtigen Disc im Player lassen sich auch New York Times, Encyclopedia Britannica oder Sheryl Crow sprachlich checken.
Im Gegensatz zu ihren übergewichtigen Vorfahren zeichnen sich elektronische Wörterbücher dadurch aus, daß sich ihr Inhalt in Sekundenschnelle durchsuchen läßt. Auch umfangreiche Wendungen findet der Anwender dadurch auf Anhieb. Er darf Suchbegriffe verknüpfen oder nach ähnlichen Wörtern fahnden. Gedruckte Wörterbücher organisieren ihre Einträge dagegen alphabetisch nach Stichwörtern - einen anderen Zugang gibt es nicht.
Zudem lassen sich Lexika in Buchform nur durch Lesezeichen, Leuchtstifte und Randbemerkungen individuell anpassen. Wer ein gutes Wörterbuch auf CD-ROM besitzt, kann es dagegen um neue Einträge ergänzen, bestehende kommentieren oder unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten gruppieren. Wirklich kommunikative Werke lesen die Stichwörter sogar vor, lassen sich aus anderen Anwendungen heraus aufrufen, etwa beim Schreiben eines Textes, und gestatten es, die gefundenen Übersetzungen direkt in den Text einzufügen.
Doch der Umstieg vom Folianten auf die Silberscheibe kann auch schiefgehen. Beim Aufschlagen einiger Wörterbücher im Laden lassen sich leicht Unterschiede in der Qualität ihrer Einträge feststellen, was bei CD-ROMs kaum möglich ist. Auf dem Cover steht etwa `über 400 000 Wörter, Wendungen und Wortformen´, was sich nach unheimlich viel anhört, aber tatsächlich nichts über die Brauchbarkeit eines Wörterbuchs aussagt. Auch der Preis taugt nicht als Indikator für die Qualität eines Wörterbuchs - wie schon vor zwei Jahren lassen sich auch diesmal mit dem teuersten Produkt manche einfachen Aussagen nicht übersetzen. Wer sich nicht auf bunte Bildchen und hochtrabende Versprechungen verlassen will, braucht nachvollziehbare Testkriterien.
Über das übliche Maß an Augenwischerei hinaus kämpfen die Wörterbuchanbieter auch mit härteren Bandagen. Nachdem uns schon im letzten Vergleichstest ein Produkt auffiel, daß zu einem großen Teil aus Material der Konkurrenz bestand, wurden wir auch diesmal wieder fündig. Als Konsequenz muß ein Wörterbuch (TrueDic98) vorübergehend vom Markt verschwinden, während in einem weiteren Verdachtsfall die Schuldfrage noch nicht geklärt ist. Die Ähnlichkeit der Wortbestände von drei weiteren Produkten verschiedener Anbieter erklärt sich dadurch, daß sie tatsächlich vom gleichen Hersteller stammen.
In der Wissenschaft der Lexikographie hat sich über Jahrhunderte hinweg ein gewisser Konsens darüber gebildet, welche Angaben einen brauchbaren Wörterbucheintrag auszeichnen. Dies kümmert viele Hersteller jedoch überhaupt nicht. Manche Programme sind kaum mehr als alphabetisch sortierte Vokabellisten, die versuchen, einzelnen Wörtern der Fremdsprache ihre deutschen Pendants zuzuordnen.
Statt beispielsweise zu verraten, daß `gone´ das Partizip Perfekt des unregelmäßig konjugierten Verbs `to go´ ist, schreiben viele Werke schlicht `gegangen´. Dies ist nicht falsch, verhindert aber, daß Lernende das nachgeschlagene Wort durch die Einbettung in seinen Zusammenhang besser in Erinnerung behalten können. An anderen Punkten fiel uns sogar auf, daß manche Autoren von Englischwörterbüchern selbst des Englischen nicht genug mächtig sind. Die false friends genannten Stichwörter unseres Vokabeltests versuchen gerade solche Lexikographen zu entlarven, die beim Englischen zu sehr ans Deutsche denken - `sensible´ heißt eben nicht `sensibel´.
Da sich Sprachen zwar stetig, aber nicht über Nacht verändern, entwickelt sich der Markt der Wörterbücher nicht sehr dynamisch. Einige Produkte haben sich seit unserem letzten Test nur wenig verändert. Eine Neuerung stellen jedoch die sogenannten Popup-Wörterbücher dar, die diskret im Hintergrund auf ihren Einsatz lauern und es erlauben, Problemwörter blitzschnell aus verschiedensten Anwendungen heraus durch einen einzigen Mausklick nachzuschlagen, etwa beim Surfen im Internet. Da sie das Ergebnis der Suche in einem kleinen Tooltip-Fenster anzeigen und weder komplizierte Fingerakrobatik noch langwierige Fensterschließmanöver erfordern, beeinträchtigen diese praktischen Dienstleister des Internetzeitalters den Lesefluß nur minimal. Die beiden Popup-Vertreter Babylon und QuickDic konnten wir im Internet downloaden, während alle anderen Wörterbücher auf CD-ROM ausgeliefert werden. Die detaillierten Testergebnisse finden Sie im gedruckten Heft.
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