Die Bundesinitiative 'Schulen ans Netz' (SaN) hat bislang 8500 Schulen bei der Einrichtung eines Internet-Zugangs unterstützt. Am 17. und 18. September waren Lehrer dieser Schulen eingeladen, sich über die Möglichkeiten der neuen Medien zu informieren. Dabei stand die Praxis im Vordergrund. Doch angesichts der engen Finanzlage an seiner eigenen Schule konnte so mancher Teilnehmer nur neidisch auf die vorgestellten Musterlösungen blicken.
Der Informationsbedarf an den Schulen ist riesig: Rund 2500 Schulen hatten auf die Einladung reagiert, doch die Veranstaltung, die an sechs Standorten gleichzeitig durchgeführt wurde, bot lediglich rund 750 Teilnehmern Platz. Die Telekom stellte dafür an ihren Bildungszentren die technische Plattform zur Verfügung: Teile der Veranstaltung wurden aus dem Studio in Bonn und von den einzelnen Standorten per Business-TV und ISDN-Videokonferenz übertragen; den Höhepunkt stellte eine Live-Schaltung nach Kanada statt, von wo SaN Anregungen für neue Projekte übernommen hat.
Viele Teilnehmer, die an ihren Schulen mit veralteter Hardware versuchen, einen einzelnen Internet-Zugang sinnvoll zu nutzen, zeigten sich angesichts dieses High-Tech-Szenarios verschreckt. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die vorgestellten Lösungen, wie das Göttinger Stadtschulnetz: Dort sind derzeit 15 Schulen über das stadteigene Behördentelefonnetz kostenlos mit einem zentralen Server verbunden, der eine von allen Teilnehmern finanzierte Standleitung ins Internet besitzt. Langfristig sollen 50 Göttinger Schulen über diese Infrastruktur Netzzugang erhalten. Den technischen Betrieb sichert ein Verein, dem unter anderem lokale Firmen als Sponsoren angehören.
Ein ähnliches Projekt wurde in Leipzig präsentiert: Die berufsbildenden Schulen Koethen nutzen das TV-Kabelnetz, um darüber die Internet-Standleitung der Fachhochschule Anhalt zu erreichen. Langfristig wollen die Schulen auch als Provider fungieren: Die Schüler sollen per Kabelmodem von zu Hause aus surfen können.
An diesem Projekt wurden aber auch die Probleme vieler Schulen deutlich: Obwohl die Verbindung über das TV-Kabelnetz bereits besteht, kann der Internet-Zugang noch nicht in allen Rechnerräumen der Berufsschule genutzt werden: Es fehlt dafür noch Netzwerkhardware im Wert von rund 1000 Mark - ein vergleichsweise geringer Betrag, der jedoch nicht zur Verfügung steht.
Doch die Fachtagung zeigte auch Lösungen auf, die sich mit geringen Mitteln realisieren lassen. Die großen Projekte, die sich in für viele der Tagungsteilnehmer unerreichbaren technischen und finanziellen Dimensionen bewegten, hatten meist klein angefangen, häufig als einzelner PC mit Internet-Zugang. Das Engagement der Lehrkräfte, verbunden mit erkennbaren Erfolgen im Unterricht, bringt solche Projekte dann voran.
Daß sich das Internet im Unterricht erfolgreich einsetzen läßt, davon waren die Lehrer auf der Fachtagung einhellig überzeugt. Allerdings darf die Bereitstellung der Technik nicht vom Engagement einzelner Lehrer abhängen, wie dies noch allzu häufig der Fall ist. So klagte ein bayerischer Lehrer, daß er 16 Schulen betreue. Zum Ausgleich erhalte er gerade mal zwei Unterrichtsstunden angerechnet. Eine solche Situation ist unhaltbar; Systemadministration ist keine Freizeitgestaltung für Lehrer, sondern eine Vollzeitbeschäftigung für Spezialisten.
Ganz bewußt ließ der Veranstalter auf der Fachtagung deshalb Verantwortliche von Schulen zu Wort kommen, deren Träger dieses Problem erkannt haben. Ein Raunen ging durchs Publikum, als Kathrin Paschen von der Realschule im Hansaviertel Rostock feststellte: 'Wir lassen administrieren.' Was für viele der Anwesenden noch ein Wunschtraum ist, wurde in Rostock bereits Realität: Der Schulträger bezahlt eine Firma für die Verwaltung der technischen Einrichtung. Langfristig ist dies sicherlich der einzig gangbare Weg.
Immerhin räumen diverse Hersteller den Schulen Sonderkonditionen ein. Auf der Fachtagung waren die Firmen Apple, Microsoft und Novell vertreten. Apple konnte allerdings keine Konditionen für Schulen nennen, sondern verwies auf die Fachhändler. Microsoft verwirrte die Lehrer durch die Vielzahl der einzelnen Pakete, die man für den Aufbau eines NT-Servers mit Internet-Anschluß benötigt, und machte damit indirekt Werbung für den c't/ODS-Kommunikationsserver auf Linux-Basis, der zwar nicht so leistungsfähig und flexibel wie NT, dafür jedoch sehr einfach zu handhaben ist. Novell erregte mit seinem Support-Angebot für Schulen Mißfallen, die noch keine Förderung von SaN erhalten: Diese sollen 45 Mark berappen, nicht jährlich oder monatlich, sondern pro Anfrage.
Support ist ein Punkt, auf den SaN in Zukunft verstärkt Wert legen will. Zur Fachtagung präsentierte die Initiative ihr neues Web-Angebot. Es enthält unter anderem einen technischen HelpDesk, an den die Schulen Anfragen zu technischen Problemen stellen können. Der SaN-HelpDesk arbeitet mit verschiedenen Herstellern zusammen, leitet die Anfragen an diese weiter und überwacht die Qualität der Antworten. Gleichzeitig wird eine Wissensdatenbank aufgebaut, in der die Lehrer selbst nach Lösungen suchen können.
Der Bereich Lehrer-Online auf dem Web-Server hält aktuelle Informationen zu laufenden Projekten, Wettbewerben und Themen aus technischen und pädagogischen Bereichen vor. Hier haben die Lehrer auch die Möglichkeit, untereinander in Kontakt zu treten.
Großen Anklang fand bei den Tagungsteilnehmern schließlich das Projekt 'Computer für Schulen', bei dem SaN in Zusammenarbeit mit der Firma Omnico überholte Gebrauchtgeräte zum Selbstkostenpreis an Schulen weitervermitteln will. Omnico soll dabei sicherstellen, daß die Geräte in einem funktionstüchtigen Zustand ausgeliefert werden. (ad)
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