Glaubt man der Bundesregierung, dann ist Deutschland ja hervorragend mit Breitband-Internetanschlüssen ausgestattet. Schaut man genauer hin, dann surfen die über 98 Prozent der Bevölkerung, die die Regeriung mit Breitbandanschlüssen versorgt sieht, mit Anschlüssen ab einem Megbait/s. Eine Geschwindigkeit, die für moderene Webanwendungen oder gar für die Verlagerung in die Cloud beileibe nicht ausreicht. Kommt gar in ländliche Regionen, dann ist man froh, wenn überhaupt ein Megabit/s erreicht wird - und allzu oft ist dann auch das Mobilfunknetz weg bzw. nicht für Datenübertragung geeignet.
Was sich wie Jammern auf hohem Niveau einer digitalen Elite anhören mag, die zu keinem Zeitpunkt und an keinem Ort auf den Online-Zugang per Smartphone, Tablet oder PC verzichten mag, ist aus anderer Sicht aber ein Problem breiter Bevölkerungsschichten. Die technische Integration des Echtzeit-Überallnetzes ist natürlich nicht überall so souverän und problemlos ist wie in den städtischen Zentren der Industriestaaten. Es zeigt sich aber immer wieder, wie selbstverständlich die Aufhebung der Trennung zwischen Online- und Offlinewelt schon im Alltag der meisten Menschen außerhalb der digitalen Elite ist.
Das Überall-Netz, das jederzeit Zugriff auf Daten, Musik, Videos bietet, dass die Kommunikation und die sozialen Kontakte erleichtert und verfielfältigt, das das Alltagsleben bereichert, ist eine Realität - in technisch bislang noch unterschiedlichen Ausprägungen. Es stellt sich die Frage, was nun kommt, was nun kommen muss.
Wie sehen denn die Geräte aus, die uns auch in der Zukunft begleiten für den Zugriff auf das Überallnetz? Wohin bewegt sich der Markt für mobile Geräte, nachdem der Smartphone-Typ, den Apple mit dem iPhone etabliert hat, schon wieder an technische Grenzen zu stoßen scheint? Und welche Formen nehmen die Tablets künftig an?
Aber nicht nur die Geräte, auch die Netze entwickeln sich weiter - müssen sich weiterentwickeln. Eine Kluft bei der Netzversorgung zwischen städtischen Zentren und ländlichen Regionen kann die Geselschaft zerreißen. Eine Verpflichtung der Provider, allen Bundesbürgern ein Angebot für einen Breitbandanschluss machen zu müssen, ist nach den aktuellen Diskussionen in der schwarzgelben Bundesregierung erst einmal vom Tisch. Das Netz zu einem Universaldienst zu erklären, wie es auch Telefon-, Strom- und Wasserversorgung sind, könnte aber zumindest eine Grundversorgung garantieren. Die EU spricht bei solch einem Netz-Universaldienst sogar von Mindestbandbreiten zwischen 3 und 8 MBit/s. Möglicherweise aber ist das Netz sowieso als staatliche Aufgabe zu definieren, eine Infrastruktur, die der Staat bereitstellt und auf deren Basis dann Provider erweiterte Angebote machen können.
Besonders angesichts der von den Providern beklagten Bandbreiten-Knappheit in den Mobilfunknetzen spielt dann auch die Frage der Netzneutralität eine entscheidende Rolle. Soll es den Providern wirklich gestattet sein, nach ihrer Einschätzung und nach ihrem Gutdünken den Netzverkehr etwa nach Anwendungsart oder Anbieter unterschiedlich zu behandeln? Gibt es, wenn wirklich Bandbreiten-Engpässe existieren, andere Möglichkeiten?
Die Chancen und Herausforderungen, die auf uns mit der Verbreitung des Echtzeit-Überallnetzes zukommen, diskutiert Moderator Philip Banse im c't-Onlinetalk (Samstag, 15.10.2011, 11 Uhr) auf DRadio Wissen mit:
Jürgen Kuri (Twitter: @jkuri, Facebook: Juergen Kuri, Google Plus: Jürgen Kuri), stellv. Chefredakteur der c't/heise online
Falk Lüke, Autor, Netzpolitik-Aktivist, Mitglied des Lobby-Vereins "Digitale Gesellschaft" und früher zuständig für den Verbraucherschutz in der digitalen Welt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (www.falk-lueke.de, Twitter: @flueke, Facebook: Falk Lüke, Google+: Falk Lueke)
Christoph Dernbach, Leiter dpa-Netzwelt, Kommentator bei Mac & i und "Mr. Gadget" (www.mr-gadget.de, Twitter: @CDernbach, Facebook: Christoph Dernbach, Google+: Christoph Dernbach
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