Vor einem Vierteljahrhundert hatte der Student Scott E. Fahlman die Idee, Emotionen in elektronischen Nachrichten durch quer zu lesende Zeichenkombinationen darzustellen - das Emoticon war geboren.
Ein trauriger Brief war im Zeitalter von Papier und Füllfederhalter mitunter daran zu erkennen, dass auch schon mal die eine oder andere Träne die Tinte auf dem Papier zerfließen ließ. Während man für Briefe ein bestimmtes Papier wählen und sie parfümieren und mit Herzchen bekleben kann, hatte man bei E-Mails keine individuellen Ausdrucksmöglichkeiten. Wer nicht poetisch mit Worten umzugehen weiß, hat emotional gesehen mit der elektronischen Post eher schlechte Karten. Doch die virtuelle Welt hat ihre eigenen Gefühlsmarker entwickelt: Doppelpunkt, Strich und Klammer zu - fertig ist das Emoticon, jenes landläufig „Smiley“ genannte Gesicht.
In seiner Urform erblickte es vor rund einem Vierteljahrhundert in Pittsburgh, USA, das Licht der Welt. Den Kopf um 90 Grad nach links gedreht, und schon lässt sich der Satz, der vor dem Gesicht aus ASCII-Zeichen steht, gefühlsmäßig einordnen. War das jetzt nett gemeint :-) , böse oder traurig :-( ? Hätte mein virtuelles Gegenüber im direkten Kontakt gar mit dem Auge gezwinkert ;-)? Zwar war schon 1963 der Original-Smiley von dem Werbegrafiker Harvey Ball erfunden worden. Die Umsetzung auf dem Bildschirm lässt sich jedoch dem späteren Informatikprofessor Scott E. Fahlman zuschreiben.
Nachforschungen förderten die Originalnachricht aus einem Diskussionsforum der Carnegie Mellon Universität zu Tage, in welchem der damalige Student Fahlman die Verwendung der Emoticons vorschlug:
19-Sep-82 11:44 Scott E Fahlman
:-)
From: Scott E Fahlman <Fahlman at Cmu-20c>
I propose that the following character sequence for joke markers:
:-)
Read it sideways. Actually, it is probably more economical to mark things
that are NOT jokes, given current trends. For this, use
:-(
Obwohl Fahlman selbst durch seine Erfindung nie reich wurde, haben sich die Emoticons nicht nur zu einem netten Accessoire, sondern durchaus zu einem Wirtschaftsfaktor gemausert. Microsoft beschäftigt sogar einen eigenen Emoticon-Designer. Millionenfach wurden die Zeichenfolgen bisher genutzt und stets weiterentwickelt. Sie bevölkern beinahe jede E-Mail und jeden Chat und dienen zur Belebung der elektronischen Nachrichten. Emotion und Icon, die Zusammensetzung der englischen Worte für Gefühl und Zeichen, gaben dem Gesichtchen seinen Namen.
Viel hat sich im Lauf der 25 Jahre getan: Weitere Emoticons kamen hinzu, die reinen ASCII-Zeichen wurden im HTML-Zeitalter in kleine Grafiken oder gar kleine Clip-Sequenzen umgearbeitet, sodass inzwischen nahezu jede Gefühlsregung mit Hilfe der putzigen Gesellen angezeigt werden kann. Nicht nur die klassischen Smileys - „lachen“, „traurig“ und „augenzwinkernd“ sind im Umlauf, sondern auch 8 -) Brillenträger, d:-) Hutträger oder : - # Zahnspangenträger sind darstellbar. Sogar Personen wie der Papst +O:-), Abraham Lincoln ==):-)= oder Charlie Chaplin C|:-)= wurden im Lauf der Zeit auf Emoticons reduziert. Es gibt Hunderte, ganze Webseiten dienen als Emoticon-Lexika.
Andere Länder, andere Smileys: In Japan wurden ab dem Jahr 2000 so genannte „Emojis“ entwickelt. Vorteil der Asia-Smileys ist, dass der Kopf zum Erkennen der Emoticons nicht mehr gedreht werden muss. Sie bestehen hingegen nicht nur aus ASCII-Zeichen, sondern teilweise aus japanischen Schriftzeichen, den Katakana. Als ein Beispiel für japanische Emojis, möglicherweise auch typisch für japanische Umgangsformen, kann folgendes Signet angesehen werden: (+.+)(-.-)(_ _) zum Beispiel bedeutet „einen Fehler erkennen und sich dann per Verbeugung entschuldigen“.
Wissenschaftliche Texte wurden über das Emoticon geschrieben und die Autoren erkannten: Emoticons verändern die Menschen. In ihrer Arbeit über Freizeitnetzwerke stellt Martina Lenk schon 1995 bei einer Umfrage eine gewisse Abhängigkeit von der Smiley-Nutzung fest. Zitat eines Befragten: „Mir ist aufgefallen, dass ich die Smileys vermisse. Wenn ich Briefe schreibe an andere Leute (als *richtige* Briefe, die gibt’s noch!) dann habe ich immer Smileys mit reingeschrieben um meine Stimmung/Kommentar dazu abzugeben. Und im nächsten Brief musste ich erst mal erklären, was ich damit meinte :-) Mittlerweile möchte ich sie nicht missen und male sie in Briefen senkrecht mit Kreis drumrum, so dass es jeder erkennt ...“
(jo)
[1] Martina Lenk: Der Einfluss der Computerkommunikation auf die deutsche Sprache. Magisterarbeit an der Universität Regensburg. Regensburg, 1994, Kurzversion
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