Der nano geht in die Breite, der iPod kommt mit Touch und mit dem „größten“ MP3-Player steckt man nun 160 GByte in die Tasche. Eigentlich hatte Apple-Chef Jobs bei seiner jüngsten Produktpräsentation nur gute Nachrichten in petto, doch die Reaktionen auf die jüngsten Ankündigungen fielen verhalten aus.
Den iPod shuffle gibt es nun in spannenden neuen Farben“. Steve Jobs ließ es gewohnt ruhig angehen, als er den versammelten Journalisten im Moscone Center in San Francisco die neuen Produkt-Highlights des Apfelimperiums näher bringen wollte. Den erfolgreichen Mini-Player gibt es nun auch als RED-Edition, bei dem ein Teil des Kaufpreises von 80 Euro an den Global Fund zur Bekämpfung von Aids in Afrika geht.
Stark verändert präsentiert sich nun der iPod nano. Unter dem Motto „a little video for everyone“ lernt er wie das große Vorbild Videos abzuspielen, gerät jedoch aufgrund des nun quer über dem Clickwheel angeordneten 2-Zoll-Displays mit QVGA-Auflösung (320 x 240 Bildpunkte) ein wenig aus der Form. Überraschenderweise handelte es sich um eben jenes Gerät, dessen Foto zuvor schon in einschlägigen Blogs kursierte und von der Community liebevoll als „Fatty“ bezeichnet wurde. Zumindest was die Dicke angeht, wird er diesem Spitznamen kaum gerecht: 6,5 mm lassen ihn bei einer Kantenlänge von 70 mm x 52 mm eher als feines - wenn auch breites - Täfelchen erscheinen.
Die im iTunes Store angebotenen Minispiele funktionieren nun auch auf dem iPod nano, drei Spiele werden bereits mitgeliefert (Vortex, iQuiz, Klondike). Den Player gibt es in fünf Farben: Silber, Schwarz, Blau, Grün und ebenfalls als RED-Edition. Als Spieldauer gibt Apple 24 Stunden an; für Videos fünf Stunden. Die nur in Silber erhältliche 4-GByte-Fassung kostet 150 Euro, der in allen Farben erhältliche 8-GByte-nano 200 Euro.
Der „normale“ iPod hört in Zukunft auf den Namen iPod classic. Sein Gehäuse besteht komplett aus Metall: Die Rückseite aus Edelstahl, die Front aus eloxiertem Aluminium. Das Topmodell ist nun mit satten 160 GByte Speicherkapazität erhältlich - mehr ist bei der Festplattengröße von 1,8-Zoll momentan nicht möglich. Ebenso wie der neue nano verfügt der iPod classic über eine erweiterte Bedienoberfläche mit Cover-Flow-Unterstützung, mit der man über die Titelbilder der Alben durch die Musiksammlung blättern kann. Der Akku des 160-GByte-Modells soll für 40 Stunden Musikgenuss reichen, die kleinere 80-GByte-Variante soll es immerhin auf 30 Stunden bringen. Der in Schwarz und Silber erhältliche iPod Classic kostet 250 respektive 350 Euro.
Der jüngste Spross der iPod-Familie heißt iPod touch. Äußerlich ähnelt der Player stark dem iPhone, es fehlen lediglich Lautsprecher, Telefonfunktion und Kamera. Er lässt sich über die vom iPhone bekannte Bedienoberfläche steuern - inklusive Cover Flow und Multi-Touch. Mit acht Millimeter Dicke ist der Neue etwa vier Millimeter dünner als das iPhone. Er wird mit 8 oder 16 GByte Flash-Speicher ausgeliefert und soll ab September für 300 beziehungsweise 400 Euro in den Handel kommen.
Im gleichen Zug kündigte Jobs Preisanpassungen beim bisher nur in den USA verfügbaren iPhone an: Das 4-GByte-Modell soll eingestellt werden, das 8-GByte-iPhone gibt es nun für 400 statt 600 US-Dollar. Angesichts des plötzlichen Wertverlusts dürfte auch der ein oder andere iPhone-Besitzer im Publikum zusammengezuckt sein. Bereits kurz nach dem Event schlug das Thema hohe Wellen - höhere als der iPod touch. Nur einen Tag nach der Präsentation sah sich Jobs daher genötigt, die Wogen durch einen offenen Brief an die iPhone-Kunden der ersten Stunde zu glätten. Die Preissenkung sei „die richtige Entscheidung“, denn nun könnten noch mehr Kunden in den Genuss des iPhones kommen. „This is life in the technology lane“, so Jobs. Dass es irgendwann immer das bessere Produkt für weniger Geld gibt, gehöre dazu. Dennoch kam man den iPhone-Erstkäufern auf halbem Wege entgegen und spendierte ihnen einen Warengutschein von 100 US-Dollar für den Apple Store.
Wichtige Anpassungen gibt es auch beim iTunes Store: Mit der WLAN-Funktion des iPod touch kann man zukünftig auch unterwegs auf den Wi-Fi Music Store zugreifen - Filme bleiben im ersten Schritt offenbar noch außen vor. Songs lassen sich am iPod touch wie am PC vorhören und herunterladen. Beim nächsten Synchronisieren werden sie automatisch in die Bibliothek des heimischen Rechners übertragen.
US-Kunden profitieren von einer Kooperation mit Starbucks: Hält man sich mit seinem iPod touch oder iPhone in der Nähe einer Filiale auf, lässt sich die dort gerade gespielte Musik mit einem Knopfdruck im iTunes Wi-Fi Music Store erwerben.
Besitzer des iPhone können ab sofort auch Klingeltöne selbst erstellen und auf ihr Telefon übertragen. Dabei können sie aus 500 000 Titeln des iTunes-Katalogs wählen und aus diesen eine beliebige, 30-sekündige Sequenz als Klingelton herausschneiden. Hat man einen Musiktitel bereits erworben, lässt er sich für 99 US-Cent zusätzlich in einen Klingelton umwandeln.
Schnell machten in Foren Anleitungen zum Umwandeln jedes beliebigen Musikstücks in einen Klingelton die Runde. Apple sah sich genötigt, die für den iPod touch neu bereitgestellte iTunes-Version 7.4 eilig durch die Nachfolgeversion 7.4.1 zu ersetzen. Doch auch hier soll es noch Lücken bei den Kauf-Klingeltönen geben, sodass sich manch ein Kunde das Geld sparen dürfte.
Blickt man auf die Kursentwicklung der Apple-Aktie, scheinen Jobs’ Neuigkeiten nicht gut angekommen zu sein. Hatte die Präsentation des iPhone Ende Juni den Apple-Aktienkurs noch in die Höhe getrieben, zeigte sich der Markt von den jüngsten Ankündigungen eher negativ beeindruckt: der Aktienkurs sank. Die Analysten stritten sich, ob die Preissenkung als Eingeständnis schwacher Absatzzahlen oder als genialer Schachzug für das Weihnachtsgeschäft zu werten sei.
Aus deutscher Perspektive kann man sich auf jeden Fall über den neuen iPod touch freuen: Jetzt ist auch hierzulande ein Gerät mit dem einzigartigen Multitouch-Bedienkonzept erhältlich, das den Hype um das iPhone ausgelöst hat. Mit dem iPod touch als Light-Version des iPhones hat das Warten nun ein Ende.
(sha)
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