Media in Transition, Brand Wikization, Me-Business, Adgets: Die Webkonferenz next07, zu der das IT-Unternehmen SinnerSchrader Anfang Mai in Hamburgs Speicherstadt einlud, bereicherte das Buzzword-Bingo um ein paar neue Begriffe. Während das Boomthema Web 2.0 allmählich aus der Mode kommt, machten sich die versammelten Blogger, Venture-Kapitalisten und Online-Startups Gedanken über das Leben 2.0 im Second Life und schwadronierten über Media 2- oder 3.0.
Mit Aussagen wie „Die wichtigsten Marken im Internet sind die alten“ legte sich der Werbefachmann Bernd Michael bei seiner Keynote mit einem großen Teil der Zuhörer an. Zuvor hatte Medienwissenschaftler Norbert Bolz in seiner Eröffnungsrede anschaulich über den „Long Tail“ (große Anzahl von Nischenangeboten) gesprochen und die Authentizität der Blogs dem Expertenwissen der älteren Medien gegenübergestellt.
Referenten wie Frank Wagner von nugg.ad oder Gregor Hochmuth von Hasso Plattner Ventures wetterten gegen die bisherigen Online-Werbeformen, die aus dem Printbereich kämen, von den Nutzern abgelehnt würden und wegen hoher Streuverluste für Produktgruppen wie Supermarktware unattraktiv seien. Als Lösung hatte Wagner nur Targeting durch Cookies zu bieten, Hochmuth ließ die Zuhörer mit dem Problem allein.
Im Zeichen des Euro stand auch die wohl meistdiskutierte Projektvorstellung. Mit Shoppero.com, als Vorabversion pünktlich zur Konferenz gestartet, will Nico Lumma Shopping, Werbung und Social Web zusammenrühren. Bindeglied sind Produktempfehlungen und „Adgets“, eine Art konfigurierbare, interaktive Banner. Solche Werbe-Widgets könnten bald häufig zu sehen sein, denn auch Google und eBay feilen an solchen Reklametechniken.
Auch bei anderen Vorträgen ging es oft um Werbung - um Eigenwerbung nämlich, denn hinter Titeln wie „Media in Transition“, „Die Schwarmintelligenz von Links“ oder „Monetarisierung von User Generated Content“ verbarg sich oft nicht viel mehr als eine Firmenpräsentation.
Chancen und Grenzen des Web ab Version 2.0 zeigte ein Interview mit drei jungen Menschen auf, die stellvertretend für ihre Generation sprachen - auf der einen Seite das selbstverständliche Ausreizen des Internet für alle Arten von Kommunikation, auf der anderen die fehlende Bereitschaft, dort Geld auszugeben. Trotz mancher hochfliegender und durch Fakten kaum ausgebremster Zukunftsvisionen zeigte die next07 auch, dass die Branche die Lektionen aus dem Platzen der Dot-Com-Blase nicht ganz vergessen und die Füße noch auf dem virtuellen Boden hat. (heb)
Mehr zum Thema "Internet" finden Sie in c't 11/2007 ab Seite 50.
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