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Das MacBook Pro mit Retina-Display gegen Windows-Notebooks

Test & Kaufberatung | Test

Apple stattet ein Notebook mit der bis dato ungesehen hohen Bildschirmauflösung von 2880 × 1800 aus – das ist die zweieinhalbfache Pixelanzahl eines Full-HD-Bildschirms. Zudem hat das MacBook Pro ein besonders schlankes Gehäuse, das dennoch die potentesten mobilen Vierkern-CPUs beherbergt. Was kann die Windows-Konkurrenz dagegenhalten?

Wow – das ist die Reaktion, wenn man das erste Mal Fotos auf dem Bildschirm des „MacBook Pro mit Retina-Display“, so Apples offizielle Namensgebung, sieht. Klar, hochauflösende Bildschirme kennt man inzwischen von Smartphones oder Tablets, doch auf der Bildfläche eines 15-Zoll-Notebooks wirken die feinen Pixel noch mal anders: Zusammen mit der spiegelnden Oberfläche entsteht der Eindruck, eine bedruckte Folie zu sehen.

Auch abseits seines Bildschirms setzt Apples Neuling Maßstäbe: Das Gehäuse hat die Dicke eines Ultrabooks, beherbergt leistungsstarke Core-i7-Vierkernprozessoren plus einen Mittelklasse-Grafikchip – und schafft lange Laufzeiten. Ein Windows-Notebook mit all diesen Eigenschaften gibt es nicht, wohl aber einige, die in jeweils mehreren Aspekten mithalten können. Wir haben drei solche 15-Zöller dem MacBook gegenübergestellt: Dells ähnlich flaches und leistungsstarkes XPS 15, Lenovos dicker Alleskönner ThinkPad T520 und Samsungs noch flacheres und leichteres 900X4C.

Bildschirm

2880 × 1800 Pixel bei 15,4 Zoll Diagonale entsprechen einer Punktauflösung von 221 dpi (dots per inch). So feine Pixel gab es bislang nur einmal bei Notebooks: Sonys Vaio P war ein 8-Zoll-Winzling mit schwachbrüstiger Atom-CPU und einem ungewöhnlichen Seitenverhältnis von etwa 2:1 (1600 × 768 Punkte) [1]. Die hohe Bildschirmauflösung stellt Betriebssystem und Anwendungen allerdings vor Herausforderungen. Wie sich Mac OS X, Windows 7 und gängige Anwendungen bei extrem hochauflösenden Bildschirmen schlagen, beleuchtet der Artikel ab Seite 84.

Generell sind bei Notebooks deutlich gröbere Auflösungen Standard. So gab es zwar mal ein optionales 2048×1536-Panel für IBMs 4:3-Notebook ThinkPad R50p, doch in den vergangenen Jahren hatte keines mehr als Full-HD-Auflösung. Bei 17-Zoll-Diagonale entspricht das 127 dpi, bei 15-Zöllern 141 dpi und bei 13-Zöllern 168 dpi [2]. In Kürze wird man diese Bildschirmauflösung auch bei 11,6-Zöllern vorfinden [3]. Acers Aspire S7 und Asus’ Zenbook UX21A stoßen dann mit 190 dpi ansatzweise in Regionen vor, die das Retina-MacBook vorgibt. Während die Windows-Mannschaft 16:9-Bildschirme hat, setzt Apple beim MacBook Pro weiterhin auf 16:10-Panels mit zehn Prozent mehr Bildhöhe – das merkt man beim Arbeiten enorm.

Lenovo und Samsung bieten matte Bildschirme an, Apple baut hingegen ein Spiegeldisplay ein: Matt gibt es als kostenpflichtige Option nur beim weiterhin erhältlichen MacBook Pro ohne Retina-Bildschirm (siehe Seite 88), auch Dell bietet keine Alternative. Immerhin: Apples Panel spiegelt sichtbar weniger als andere Glare-Displays, ohne dass die Reflexionen dabei einen Lila-Stich bekommen, wie es etwa bei einigen Premium-Bildschirmen in Sony-Notebooks der Fall ist. Zusammen mit der ausreichend hohen maximalen Helligkeit von rund 240 cd/m2 kann man in Innenräumen sogar in einem weißen T-Shirt am Gerät arbeiten – im Zug oder draußen im Café stören die Spiegelbilder trotzdem.

Grundsätzlich könnte man den Bildschirm mit einer Entspiegelungsfolie nachträglich matt machen, doch selbst bei perfekt aufgebrachter Folie ohne Staubeinschlüsse und Luftbläschen muss man mit einer reduzierten Bildqualität leben: Durch Interferenzen zwischen der Pixelstruktur des Panels und der Mattierungsschicht sieht man in gleichmäßigen Farbflächen (vor allem bei Weiß) ein feines Regenbogen-Grisseln, das sich bei leichten Kopfbewegungen permanent ändert. Details wirken zudem nicht mehr so knackig-scharf, Farben etwas blasser.

Letzteres wäre besonders ärgerlich, gehört das Panel doch zu den besseren seiner Art: Es überdeckt den sRGB-Farbraum und schafft damit mehr als viele Desktop-Monitore, kommt aber nicht an Wide-Gamut-Farbgewalt heran, die das ThinkPad T520 zeigt. So kräftige Farben findet man sonst nur bei wenigen anderen Notebooks überhaupt: Bei HPs Elitebook-Serien 8560w und 8760w heißen solche Bildschirme Dreamcolor, Dell nennt die farbkräftigen Panels seiner Precision-Serien M4600 und M6600 B+RGLED. Dells XPS 15 war bislang ein günstiger Einstieg in die Welt der Farben und schaffte fast AdobeRGB, doch die hier getestete aktuelle Gerätegeneration kommt kaum mehr über sRGB hinaus. Ein anderes Panel wird es laut Dell in diesem Gerät nicht mehr geben.

Hinsichtlich der Blickwinkelabhängigkeit zeigt Apple der Konkurrenz, wo der Hammer hängt: Selbst aus extrem flachen Blickwinkeln bleiben die Farben stabil. Einzig die Helligkeit nimmt beim Blick von der Seite etwas ab – das ist aber bei fast allen Notebook-Bildschirmen so. Der Bildschirm von Lenovos ThinkPad T520 ist ähnlich gut, die Panels bei Dell und vor allem Samsung hingegen deutlich schlechter. Das XPS 15 zeigte beim Blick von der Seite eine Rasterung in eigentlich gleichmäßigen Farbflächen. Einige Zwischenfarbtöne werden über zeitliches Dithering darstellt, was manche Leute als leichtes Flimmern wahrnehmen. Das 900X4C verfälscht Farben schon bei leichten Abweichungen von einer senkrechten Blickrichtung. Von oben oder unten mag man bei beiden nicht gucken, weil die Farben dann invertiert erscheinen.

Performance

Apple bietet das Retina-MacBook in zwei High-End-Konfigurationen an: Den Core i7-3610QM (2,3 GHz, mit Turbo bis 3,3 GHz) und eine 256-GByte-SSD gibt es für 2280 Euro, den Core i7-3720QM (2,6 GHz, mit Turbo bis 3,6 GHz) mit 512er-SSD für 2900 Euro. Nur letztere Ausstattungsvariante lässt sich wahlweise mit dem nochmals schnelleren Core i7-3820QM (2,7 GHz, mit Turbo bis 3,7 GHz, plus 250 Euro) und einer 768-GByte-SSD (plus 500 Euro) aufrüsten, der Mittelklasse-Grafikchip GeForce GT 650M ist immer an Bord. Der Arbeitsspeicher fasst 8 GByte, eine Verdopplung kostet 200 Euro und ist bei beiden Grundmodellen möglich. Weil Prozessor, Arbeitsspeicher und Grafikchip auf die Hauptplatine gelötet sind, kann man das MacBook nicht nachträglich aufrüsten. Das ist bei vielen flachen Notebooks wie den Ultrabooks genauso, bei Power-Notebooks aber die Ausnahme.

Einzig die SSD realisiert Apple als Steckmodul, welches nach Abnahme der mit Pentalobe-Schrauben gesicherten Bodenplatte getauscht werden könnte, doch wegen des proprietären Formats gibt es derzeit keine passenden Alternativen. Der Akku ist nicht festgeschraubt, sondern eingeklebt; ein Austausch beim Hersteller kostet 200 Euro. Da erscheint es sinnvoll, die 350 Euro teure Garantieverlängerung (AppleCare Protection Plan) von ein auf drei Jahre abzuschließen, denn ein Akkutausch bei Defekt ist darin enthalten. Im Vollausbau samt Garantieverlängerung kostet das Retina-MacBook über 4000 Euro – ganz schön happig.

Eine ähnliche Rechenleistung bekommt man bei Windows-Notebooks bereits für deutlich weniger Geld. So kostet Dells XPS 15 mit etwas geringerer Performance als Apples Basismodell nur 1650 Euro; selbst mit 128er-SSD plus 1-TByte-Festplatte und Blu-ray-Laufwerk liegt man noch mehrere Hunderter darunter. Die Preise für Lenovos ThinkPad T520 beginnen bei 1050 Euro; das Testgerät kostet 1800 Euro. Als Business-Laptop bekommt man das ThinkPad nicht nur mit optional bis zu fünf Jahren Garantie, sondern kann auch aus viel passendem Zubehör wählen – etwa verschiedenen Docking-Stationen oder mehreren Zusatzakkus.

Mobilität

Liest man das Datenblatt des Retina-MacBooks, so wird man bei den Schnittstellen stutzig: kein Netzwerkadapter und kein optisches Laufwerk bei einem 15-Zöller? Ja, darauf muss man verzichten, weil Apple das Gerät deutlich weiter in Richtung Mobilität getrieben hat als alle bisherigen Power-Notebooks: Das Gehäuse misst keine 2 Zentimeter inklusive Deckel und wiegt unter 2,1 Kilogramm – eine beachtliche Ingenieurleistung. Zum Vergleich: Lenovos ThinkPad T520 ist schlicht doppelt so dick und wiegt 700 Gramm mehr. Dells XPS 15 ist mit rund 2,5 Zentimetern Dicke bereits ein ausgesprochener Flachmann unter den potenten 15-Zöllern und wiegt trotzdem so viel wie das Lenovo-Gerät.

Das einzige 15-Zoll-Notebook, das das Retina-MacBook bei Gewicht und Dicke unterbietet, ist Samsungs 1500 Euro teures 900X4C: Es wiegt rund 1,7 Kilogramm und ist auch nur 1,7 Zentimeter flach. In Sachen Performance hechelt es aber hinterher: Sein ULV-Doppelkern-Prozessor (1,7 GHz, mit Turbo bis 2,6 GHz) liefert nur einen Bruchteil der Rechenleistung der i7-Quad-Cores. Einen flotten 3D-Chip gibt es nicht und mehr als eine – immerhin sehr schnelle – 128-GByte-SSD auch nicht.

Apple verspricht sieben Stunden Laufzeit, unser Testgerät hielt bei geringer Systemlast und auf 100 cd/m2 abgedunkeltem Display sogar fast neun Stunden durch. Das gilt allerdings nur unter Mac OS X: Unter Windows 7 Ultimate 64 Bit haben wir bestenfalls knapp fünfeinhalb Stunden gemessen. Daran sind unter anderem Beschränkungen der Hardware schuld: Während sich unter Mac OS X die im Intel-Prozessor integrierte Grafikeinheit HD 4000 um die Bildschirmausgabe kümmert und sich der Nvidia-Grafikchip nur bei (3D-)Bedarf zuschaltet, ist letzterer unter Windows immer aktiv, während die Intel-Grafik brachliegt. Zudem lassen sich WLAN- und Bluetooth-Adapter unter Windows nicht deaktivieren. Wenn Prozessor und Grafikchip zu tun haben, geht der Akku unter Mac OS wie Windows deutlich früher zur Neige: Viel mehr als zwei Stunden sind dann nicht drin.

Bei voll aufgedrehter Hintergrundbeleuchtung hält das MacBook nur noch sechseinhalb Stunden durch, Lenovos ThinkPad T520 schafft hingegen über acht Stunden – bei vergleichbarer Akkukapazität und ähnlicher Helligkeit. Dass das MacBook so viel schlechter dasteht, liegt am Display: Weil die Pixel so extrem klein sind, die jeweils zugehörigen, lichtundurchlässigen Transistoren aber gleich groß geblieben sind, muss Apples Hintergrundbeleuchtung viel stärker leuchten als bei einem normal auflösenden Bildschirm, damit dieselbe Helligkeit beim Nutzer ankommt – und höhere Helligkeit heißt höherer Energieverbrauch. Einen ähnlichen Effekt sieht man auch beim neuen iPad [4].

Dells XPS 15 und Samsungs 900X4C schaffen dieselben Laufzeiten wie das MacBook mit einem 65-Wh-Akku. Dass das Samsung-Notebook trotz ULV-Prozessor nicht besser dasteht, wundert nicht: Intel hat bei den leistungsstarken Ivy-Bridge-Prozessoren wie im Dell die Idle-Energieaufnahme auf das Niveau der schwächeren ULV-Varianten abgesenkt. ULV bedeutet also hauptsächlich, dass sich Gehäuse besonders flach bauen lassen, weil die Lüfter wenig Platz brauchen, und dass die Laufzeit unter CPU-Last nicht so einbricht.

Ergonomie

Auch lassen sich mit ULV-Prozessoren potenziell leisere Systeme bauen, doch das ist nicht automatisch der Fall: Während Samsungs ältere Serie-9-Geräte selbst unter Last leise waren, dreht der Lüfter des 900X4C schon bei kurzer Prozessorlast hörbar auf und nervt zudem mit einem unangenehmen Röhren. Mit einer Silent-Taste kann man zwar einen geräuschlosen Betrieb erzwingen, doch dann wird die Rechenleistung gedrosselt.

Lenovos ungleich leistungsstärkeres ThinkPad T520 bleibt hingegen nicht nur bei geringer Rechenlast leise, sondern auch unter Volldampf: 1,1 Sone sind ein hervorragender Wert. Apple und Dell werden bei anhaltender Rechen- und Grafiklast mit bis zu 3,1 beziehungsweise 2,8 Sone aufdringlich laut, was ihren flachen Gehäusen geschuldet ist: Dort lässt sich die Abwärme halt nur durch kleinere Kühler abführen – mit viel Luftdurchsatz gleich hohen Lüfterdrehzahlen.

Dennoch gebührt den beiden Lüftern im MacBook Lob: Bei geringer Rechenlast bleiben sie unhörbar leise, und selbst bei mittlerer CPU-Last, etwa beim Surfen auf Flash-lastigen Webseiten, fallen sie nie nervig auf, obwohl sie dann hörbar säuseln. Zudem hat Apple die Trägheit der Lüftersteuerung optimiert: Wo so manches Notebook schon bei kurzen Lastspitzen aufheult, bleibt das MacBook erst mal leise; erst bei anhaltender Last steigt der Lärm langsam. Nach Ende einer Berechnung fällt die Drehzahl recht zügig wieder ab – die rauschenden Gedenkminuten, die ältere MacBooks den Ohren zumuteten, sind weg.

Das Alu-Gehäuse wird bei anhaltender Rechenlast, etwa bei 3D-Spielen, unangenehm warm: Sowohl an der Unterseite als auch am hinteren Ende der Tastatur haben wir bis zu 47 Grad gemessen – da möchte man das Notebook weder auf dem Schoß haben noch in Spielen per länger gedrückter WASD-Tasten nach vorne stürmen.

Große Touchpads – auch hier war Apple Pionier – findet man mittlerweile in fast allen Windows-Notebooks (ab 500 Euro). Die hier getesteten Geräte von Dell und Samsung bieten genauso viel Fläche wie das von Apple und verstehen ebenfalls Gesten mit bis zu vier Fingern. Das Touchpad von Lenovo ist kleiner und erkennt maximal drei gleichzeitig aufgelegte Finger. Als zusätzliches Eingabemedium steht hier ein Trackpoint zur Verfügung: Damit kann man den Mauszeiger schnell steuern, ohne die zum Zehn-Finger-Schreiben aufgelegten Hände weit bewegen zu müssen. Unter Windows funktionieren beim MacBook übrigens maximal Zwei-Finger-Gesten; die anderen, besonders praktischen behält Apple dem Mac-OS-Treiber vor.

Beleuchtete Tastaturen haben alle vier Testgeräte. Die Tastaturen von Apple, Dell und Samsung werden von unten erleuchtet, bei Lenovo sitzt eine weiße LED neben der Webcam und strahlt nach unten. Apple, Dell und Samsung steuern über Helligkeitssensoren auf Wunsch automatisch die Intensität der Bildschirm- und Tastaturbeleuchtungen, bei Dell verharrte der Bildschirm aber auch in Innenräumen bei maximaler Helligkeit. Bei Apple klappt die Automatik wiederum nicht unter Windows.

Testdetails

Was uns sonst noch bei den Testgeräten aufgefallen ist:

Apple gibt dem MacBook Pro mit Retina-Display zwei Thunderbolt-Ports, einen HDMI-Ausgang und zwei USB-3.0-Buchsen mit auf den Weg. Damit ist man deutlich flexibler als bisher, wenn man externe Bildschirme und schnelle Festplattengehäuse anschließen möchte. Gigabit-Netzwerk- und FireWire-800-Schnittstellen lassen sich über Thunderbolt-Adapter (je 30 Euro) nachrüsten. Der WLAN-Chip erzielte hohe Transferraten, fand aber nach dem Aufwecken des Notebooks aus dem Standby manchmal keine Funknetze mehr. Auch die Tastaturbeleuchtung funktionierte dann mitunter nicht mehr. Beide Fehler traten sowohl unter Mac OS als auch Windows auf. Apple liefert den Windows-Treiber 296.49 für den GeForce-Grafikchip aus, Nvidias neuerer Beta-Referenztreiber 304.48 für Notebooks ließ sich nicht installieren.

Dell baut im XPS 15 eine Festplatte und eine Puffer-SSD ein und kombiniert dadurch schnelle Zugriffszeiten mit hoher Kapazität, wodurch sich das Notebook tatsächlich sehr flott anfühlt (Intel Smart Response Technology). Beim WLAN hat Dell hingegen gepatzt, denn unser Testgerät erreichte auf unserer 20-Meter-Teststrecke nur arg niedrige Transferraten von unter 2 MByte/s netto. Das XPS 15 wird in sechs vorgegebenen Konfigurationen mit dem Doppelkern Core i5-3210M (4 GByte Arbeitsspeicher) oder dem Quad-Core i7-3612QM (8 oder 16 GByte Arbeitsspeicher) verkauft. Nur in der günstigsten Variante steckt der GeForce GT 630M, in allen anderen wie im Testgerät der schnellere GT 640M. Bei unserem Exemplar zickten die USB-3.0-Ports und lieferten nur arg magere Transferraten von rund 40 MByte; Dell stellte auf Nachfrage ein BIOS- oder Treiber-Update in Aussicht.

Lenovo gibt seinem ThinkPad T520 außer einem Docking-Anschluss auch einen ExpressCard/54-Schacht und eSATA mit auf den Weg – alle drei fehlen den anderen Kandidaten. USB 3.0 ist hingegen nicht an Bord, sondern erst beim Nachfolger T530. Erste T530-Konfigurationen kommen dieser Tage in den Handel, Modelle mit hochauflösendem und farbstarkem Panel sind noch nicht darunter. Mit Unterschnall-Zusatzakku lässt sich die so schon lange Laufzeit abermals verdoppeln – dann wird das Notebook aber nochmals klobiger und schwerer. Zu teureren Ausstattungsvarianten wie dem Testgerät gehören drei Jahre Vor-Ort-Service.

Bei Samsungs 900X4C fordert das flache Gehäuse Tribut: Der HDMI-Ausgang hat das von Smartphones bekannte Micro-Format, die winzige LAN-Buchse kann man nur mit dem mitgelieferten Adapter auf RJ-45 nutzen. VGA gibt es ebenfalls als proprietäre Mini-Buchse, doch ein passendes Adapterkabel legt Samsung unverständlicherweise nicht bei. Ein DisplayPort, den alle anderen Kandidaten bieten, fehlt hier – externe Monitore mit mehr als 1920 × 1200 Punkten lassen sich also nicht ansteuern. Anders als bei den ersten Serie-9-Geräten nimmt der SDXC-Kartenleser nun normal große Speicherkarten auf. Samsung verkauft das 900X4C einzig in der hier getesteten Konfiguration, als 900X4B ist eine ähnliche mit Core-i-Prozessor der zweiten statt dritten Generation erhältlich.

Fazit

Apple zeigt allen Windows-Notebook-Herstellern, was technisch möglich ist: Ein so flaches Gehäuse bei dieser Leistungsklasse gab es bislang nicht, und das hochauflösende Display macht einfach Spaß – sei es bei der Bildbearbeitung, beim Videoschnitt oder einfach nur beim Websurfen. Sicher, Lenovos ThinkPad T520 hat mehr Schnittstellen und Laufzeit, aber eben auch ein doppelt so dickes, schwereres Gehäuse; das Display ist matt und farbgewaltig, zeigt aber „nur“ Full-HD-Auflösung. Samsungs 900X4C ist flacher und leichter, bietet aber nur einen Bruchteil der Performance. Dell XPS 15 ist ein flaches, leistungsstarkes Notebook, aber eben doch eher ein Konkurrent des normalen MacBook Pro und nicht des Retina-Modells.

Mit Preisen zwischen 2300 und 4000 Euro liegt das Retina-MacBook in einer ganz anderen Preisregion als viele Windows-Notebooks, doch wer so viel Geld ausgeben kann und will, bekommt dafür ein stimmiges Gesamtwerk, das – typisch Apple – in vielen Richtungen zu Ende gedacht wurde. Das lassen viele Windows-Geräte vermissen, weil die Hersteller eher in Richtung Produktionskosten und anvisierte Preispunkte denken denn in Richtung technische Innovation. Windows-Notebooks in diesem Preisbereich sind entweder mobile Workstations oder dicke Gaming-Klopper. Beide Kategorien bieten viel Power, lassen aber flache Gehäuse, geringes Gewicht und lange Laufzeiten vermissen – und Gaming-Geräte zusätzlich häufig auch noch zurücknehmendes Design und Wertigkeit.

Der hohe Preis des MacBooks dürfte auch damit zusammenhängen, dass es kaum so große, hochauflösende Panels gibt: Experten rechnen damit, dass innerhalb der nächsten Monate lediglich rund 2 Millionen hochauflösende Notebook-Displays die asiatischen Panel-Werke verlassen können – und die dürfte Apple allesamt schon eingekauft haben. Das große Fragezeichen ist, wann die Hersteller von Windows-Notebooks mit hochauflösenden Bildschirmen jenseits von 200 dpi aufwarten. Die nächste Portfolio-Aktualisierung steht bei allen Herstellern erst mit Windows 8 auf dem Programm. Sie dürfte viel Entwicklungskapazität binden: für Treiber, für Touch-Notebooks beziehungsweise Tablets mit Windows und an vielen anderen kleinen Baustellen. Nach unseren Einschätzungen wird sich deshalb wohl niemand gleichzeitig noch die Anpassungen an ein extrem hochauflösendes Display ans Bein binden. Damit ist das Weihnachtsgeschäft in dieser Hinsicht wahrscheinlich gegessen. Selbst wenn die hochauflösenden Windows-Notebooks dann im Frühjahr endlich kommen sollten, werden die Bildschirme wie bei Apple erst einmal im Hochpreissegment Einzug halten.

Nicht zuletzt darf man nicht vergessen, dass es derzeit nicht danach aussieht, als ob Intel oder Microsoft besonders hochauflösende Bildschirme pushen würden. Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Notebook-Hersteller ziemlich einfallslos sind, wenn sie keine Branchengröße antreibt. Intel musste beispielsweise erst seine Ultrabook-Kampagne starten, damit auch andere Hersteller schicke, flache Subnotebooks auf den Markt brachten – Jahre nach dem ersten MacBook Air. Wir sind deshalb skeptisch, dass sich auf absehbare Zeit ein Windows-Notebook-Hersteller an einem flachen und leichten Power-Notebook nach Art des Retina-MacBook versucht – selbst ohne so ein Display. Das ist umso ärgerlicher, weil ein MacBook zwar eine Windows-Nutzung zulässt, aber darunter nicht so rund läuft wie unter Mac OS X. (mue)

Literatur
  1. [1] Jörg Wirtgen, Luxus-Netbook, Sonys superleichtes Netbook mit UMTS und guter Tastatur, c’t 3/09, S. 52
  2. [2] Jörg Wirtgen, Schärfer unterwegs, Notebooks mit hochauflösenden Displays, c’t 6/12, S. 136
  3. [3] Christian Hirsch, Florian Müssig, Jörg Wirtgen, Die Windows-8-Show, Messeneuheiten der Computex 2012, c’t 14/12, S. 18
  4. [4] Achim Barczok, iPad vs. Android, Das neue iPad im Vergleich mit dem iPad 2 und den besten Android-Tablets, c’t 8/12, S. 74

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  4. Ergonomie
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