Schnell und scharf

Android-Tablets von 100 bis 720 Euro

Test & Kaufberatung | Test

Tablets mit Touch-Bedienung sind die idealen Sofa-Computer, das hat das iPad vorgemacht. Jetzt gibt es reichlich Alternativen: für Anspruchsvolle die ersten Android-Tablets mit Full-HD-Auflösung, für Preisbewusste günstige Sieben-Zöller. Auch die Geräte dazwischen brauchen sich dank Quad-Core-CPU und langer Laufzeit nicht zu verstecken.

Android-Tablets verbinden Einfachheit mühelos mit Flexibilität. Der Einrichtungsaufwand nach dem ersten Einschalten beschränkt sich auf das Eintippen der Zugangsdaten für Google, Exchange oder ein beliebiges E-Mail-Konto. Danach kann man sich austoben. YouTube, Mail, Kalender, Hangouts für Videogespräche und Maps inklusive Navi-Funktion sind vorinstalliert, oft auch ein Office-Paket. Der Browser erschließt dank Flash auch den TV-Dienst Zattoo und sämtliche Mediatheken. Und dann gibt es ja noch Googles App-Laden „Play“ mit 600 000 Apps. Bücher und MP3s lädt man ohne Umweg über den PC zum Beispiel bei Amazon oder 7digital. Die Auswahl an Filmen und Zeitschriften ist noch gering, aber die Zeichen mehren sich, dass Google sein Angebot bald auch in Deutschland ausbaut.

Die zweite große Stärke der Android-Tablets ist, dass es für jeden Anspruch das passende Modell gibt. Das zeigt schon die Preisspanne unseres Testfeldes, die von 100 bis 720 Euro reicht. Erstmals dabei sind 10-Zöller mit Full-HD-Displays, nämlich das Acer Iconia A700 (450 Euro) und das Asus TF700 (ab 600 Euro). Ihre Displays sind ähnlich scharf und farbstark wie das des neuen iPad.

Die 10-Zöller mit „normaler“ Auflösung sind günstiger. Hier tummeln sich zig Modelle, deshalb haben wir nur die spannendsten herausgesucht: das Toshiba AT300, das Acer A510, das Asus TF300 und das günstige Medion S9512. Sie vergleicht man, wenn überhaupt, besser mit dem iPad 2, das Apple für 400 Euro verkauft.

7-Zöller bieten sich an, wenn man ein Tablet fürs Sofa und für unterwegs sucht. Sie passen nicht nur in den Rucksack, sondern auch in die Sakko- oder Handtasche. Streng genommen muss man hier weiter unterscheiden zwischen der Billigklasse um 100 Euro und Markengeräten wie dem Google Nexus 7, dem ersten Tablet mit Googles jüngster Android-Version 4.1. Das Nexus ist zwar noch nicht in Deutschland erhältlich, getestet haben wir es aber trotzdem.

Full HD im Tablet

Das A700 von Acer und das TF700 von Asus zeigen 1920 × 1200 Pixel auf 10,1 Zoll, das entspricht einer Pixeldichte von 225 dpi. Damit liegen sie zwar unter dem iPad 3 (264 dpi), aber aus üblicher Entfernung sieht man auch auf diesen Displays keine einzelnen Pixel. Auf den anderen Tablets kann man die Punkte erkennen, aber das empfindet bei Weitem nicht jeder Nutzer als Nachteil.

Von hoher Pixeldichte profitiert vor allem die Textdarstellung: Kleine Schriften wirken schärfer und besser lesbar, Treppen in schrägen Linien bleiben aus. Fotos müssen in ausreichend hoher Auflösung vorliegen, damit man einen Unterschied bemerkt. Im Web ist das bislang kaum der Fall. Nur wenige Seiten, zum Beispiel apple.de, erfassen, ob der Besucher ein High-DPI-Display hat und liefern Fotos dann automatisch in höherer Auflösung aus.

Wer mit dem iPad 3 mithalten will, braucht neben hoher Auflösung auch satte Farben. Das schafft das Acer A700: Sein Farbraum entspricht unseren Displaymessungen zufolge in etwa dem sRGB-Standard und damit dem des iPad 3. Die restlichen Displays im Test sind blasser, aber den Unterschied bemerken die meisten erst, wenn sie die Geräte nebeneinander halten.

Im Alltag wichtiger ist die Helligkeit: Hier liegt das Asus TF700 weit vorne, seine 520cd/m2 reichen auch für draußen. Es punktet darüber hinaus mit starkem Kontrast. Blickwinkelunabhängigkeit ist wichtig, wenn man zu zweit auf das Display schaut oder das Tablet flach auf den Tisch legt. In dieser Disziplin versagt nur das 100-Euro-Tablet Odys Xelio.

Flüssig dank Android 4.1

Die Testkandidaten laufen mit Android 4.0, nur das Nexus 7 hat schon Android 4.1. Der in der neuen Version als Standard-Browser eingesetzte Chrome läuft geschmeidig und erreicht beinahe iPad-Niveau: Nur wenn man genau aufpasst, merkt man, dass er nach dem Scrollen oder Zoomen einen Tick langsamer rendert als Safari auf dem iPad. Aber das ist Gejammer auf hohem Niveau – das Nexus macht einfach Spaß.

Der Browser von Android 4.0 scrollt hingegen selbst auf Tablets mit Vierkernprozessor verzögert und ruckelt beim Zoomen. Chrome, den man nachträglich installieren kann, reagiert etwas schneller, läuft aber nicht so flüssig wie auf dem Nexus. Android 4.1 als Update für seine Tablets hat bislang nur Asus angekündigt.

In der Ausstattung unterscheiden sich die Testkandidaten nur wenig. Das einzige Gerät ohne HDMI-Ausgang und ohne Speicherkarten-Steckplatz ist das Google Nexus 7, das einzige Gerät ohne GPS das Odys Xelio. Alle haben eine Kamera auf der Vorderseite, alle außer Xelio, Nexus 7 und Lifetab auch eine auf der Rückseite. Die besten Fotos machen die Acht-Megapixel-Kameras der Asus-Tablets TF300 und TF700, gefolgt von den Acer-Kameras – sie taugen aber allesamt nur für Schnappschüsse und reichen nicht an die Qualität guter Smartphone-Knipsen heran. Beim GPS- und WLAN-Empfang schnitt das Nexus 7 auffallend gut ab, aber auch der Rest überzeugte.

Acer Iconia Tab A510 und A700

Die beiden Acer-Tablets haben das gleiche Kunststoffgehäuse und unterscheiden sich optisch nur in einem Detail: Das A510 trägt ein Olympia-Logo auf der Rückseite. Beide sind mit 11 Millimetern Dicke und rund 670 Gramm Gewicht etwas dicker und schwerer als ihre 10-Zoll-Konkurrenten, das wirkt sich im Alltag aber kaum spürbar aus. Sie fühlen sich stabil an und liegen sicher in der Hand. Das Design wirkt eigenständig, die Verarbeitung einwandfrei.

Hinter einer Plastikklappe befindet sich ein Slot für microSD-Karten, daneben ein Micro-HDMI-Ausgang. Ungewöhnlich ist der Anschluss an der Unterseite, er ist eine Kombination aus Micro-USB-Buchse und Acers proprietärer Strombuchse. An den Stromanschluss passt nur der Stecker von Acers mitgeliefertem Netzteil, an anderen Netzteilen oder am PC lädt das Tablet nicht. Via Micro-USB verbindet man das Tablet mit dem PC, das dafür nötige Kabel liefert Acer nicht mit – aber immerhin einen USB-Adapter zum Anschluss von Mäusen, Tastaturen und externen Speichermedien.

Das A700 hat das schönste Display im Testfeld, doch sein Prozessor hat mit der hohen Auflösung zu kämpfen. Das manifestiert sich in einer zäher reagierenden Oberfläche und ruckligeren Animationen als beim A510 mit dem gleichen Chip. Das A700 liegt sogar im GLBenchmark, der die Leistung unabhängig von der Auflösung ermittelt, hinter dem günstigeren A510 – möglicherweise hat Acer den Takt heruntergedreht. Bei der reinen Prozessorleistung liegen beide Tablets hingegen gleich auf.

Beide Geräte werden recht warm, sobald die Grafikeinheit gefordert ist, und zwar genau dort, wo man sie mit der rechten Hand hält. Die Temperaturen stiegen bereits nach einigen Minuten auf unangenehme Werte, das schnellere A510 wurde bis zu 45 Grad warm. Entgegen den Berichten einiger Käufer konnten wir keine hitzebedingten Abstürze feststellen, zum Zeitpunkt des Tests zeigte sich der Sommer jedoch auch eher von der kühlen Seite.

Das A700 nervt außerdem durch seinen etwas zu träge reagierenden Touchscreen. Das verbessert sich, wenn man die Empfindlichkeit in den Einstellungen auf die höchste Stufe setzt. Doch selbst dann verpasst es gelegentlich Eingaben. Für Ende Juli stellt Acer ein Firmware-Update für das A 700 in Aussicht, das einige Probleme beheben soll.

Auf beiden Geräten kommt Android 4.0 mit nur dezent angepasster Oberfläche zum Einsatz. Wie üblich gibt es einige vorinstallierte Apps, darunter Polaris Office und einen Virenscanner. Sie lassen sich problemlos deinstallieren. Mit Acers clear.fi-App kann man Medien im Netzwerk freigeben und auf andere Freigaben zugreifen.

Die Akkulaufzeiten sind aufgrund der großen Akkus sehr gut. Das A510 hält deutlich über zehn Stunden Videowiedergabe durch, das A700 gibt knapp eine Stunde früher auf. Das A510 bietet Acer auch mit UMTS an, diese Variante heißt A511.

Asus Transformer Pad TF300

Das TF300 lässt sich in ein Android-Netbook verwandeln. Dazu steckt man es in das „Mobile Dock“, eine flache Tastatur mit Docking-Anschluss. Dank des Scharniers im Dock lässt sich die Kombination auf- und zuklappen, die Verbindung wirkt stabil.

Die Tastatur beschleunigt die Texteingabe enorm: Im Vergleich zur Bildschirmtastatur tippten wir längere Texte beinahe doppelt so schnell. Auf dem kleinen Touchpad scrollt man mit zwei Fingern – vertikal im Browser und horizontal über die Startbildschirme. Weil Asus außerdem an Sondertasten für Befehle wie „Home“ und „Zurück“ gedacht hat, lässt sich Android mit dem Dock besser bedienen, als man zunächst vermutet.

Auch der integrierte Zusatzakku ist praktisch: Im Test verlängerte er die Laufzeiten um rund 50 Prozent auf 11 bis 16 Stunden. Obendrein bietet das Dock einen normalgroßen USB-Port für Speichersticks und einen Slot für normalgroße SD-Karten.

Asus hat allerdings nicht alle Details zu Ende gedacht: Da die Tablet/Tastatur-Kombination beim Zuklappen einschläft, erwartet man, dass man sie durch Aufklappen oder wenigstens mit der Tastatur wieder aufwecken kann, wie man das vom Notebook gewohnt ist. Doch mitnichten, man muss den Einschalter an der Oberkante des Tablets bemühen.

Das Plastikgehäuse fühlt sich zwar nicht sonderlich hochwertig an, liegt aber gut in der Hand. Die Schnittstellen-Auswahl ist typisch für Android-Tablets dieser Preisklasse: Es gibt einen Micro-HDMI-Ausgang, einen microSD-Slot und eine Audiobuchse. Zum Verbinden mit dem PC braucht man das mitgelieferte Asus-Kabel für den Docking-Anschluss, eine USB-Buchse hat das TF300 nicht.

Asus installiert eine Reihe sinnvoller Apps, darunter einen übersichtlichen Dateimanager, Office-Programme von Polaris sowie den „App Locker“. Mit Letzterem kann man andere Apps mit einem Passwort verriegeln, also zum Beispiel den Browser sperren, bevor man das Tablet an Kinder weitergibt. Da Android von Haus aus keine Jugendschutzfunktionen bietet, eignet sich das TF300 dadurch ein Stück weit besser als Familiengerät als andere Android-Tablets.

Mit 32 GByte Speicher kostet es 400 Euro, für 480 Euro bekommt man es im Paket mit der Tastatur. Es ist auch mit UMTS erhältlich, dann kostet es 600 Euro inklusive Tastatur. Damit ist das TF300 das günstigste der aktuellen Transformer-Tablets.

Asus Transformer Pad Infinity TF700

Das TF700 ist das Topmodell von Asus: Es hat das bessere Display, den schnelleren Prozessor und das edlere Gehäuse als das TF300. Damit konkurriert es mit seinem wenige Monate alten Vorgänger Transformer Prime – und mit dem iPad 3.

Das Display hat nicht nur eine feine Auflösung, sondern leuchtet auch sehr hell. Wir haben 520 cd/m2 gemessen, rund 100 cd/m2 mehr als bei den schon sehr hellen Tablets von Toshiba und Medion und fast 200 cd/m2 mehr als beim iPad 3. Damit man die Hinterleuchtung drinnen nicht unnötig aufdreht (und so Strom verschwendet), erreicht sie ihre volle Leuchtkraft nur im „Outdoor-Modus“, den man in den Einstellungen aktiviert. Im Normalmodus wird das Display bis zu 350 cd/m2 hell. Der Kontrast von fast 1400:1 ist höher als beim Vorgänger und beim iPad.

Die Rückseite besteht aus Alu, aber nicht komplett. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass Asus oben einen gleichfarbig lackierten Plastikstreifen eingelassen hat. Damit haben die Entwickler eine Macke des Vorgängers Prime beseitigt, der GPS-Signale kaum durch seine Alu-Schale lässt. In unserem GPS-Versuch ortete sich TF700 sogar etwas schneller als der Durchschnitt. Auch die WLAN-Leistung stimmt. Anders als das iPad funkt das TF700 aber nicht im 5-GHz-Band, sondern nur im überfüllten 2,4-GHz-Band.

Als Prozessor dient die schnellste Variante von Nvidias Quad-Core Tegra 3. Sie erreicht 1,7 GHz und hängt die „normalen“ Tegras in den restlichen Tablets im CPU-Benchmark Coremark ab. Doch spürbar ist das Leistungsplus im Alltag nicht.

Asus verkauft das TF700 mit Dock für 720 Euro, ohne Dock kostet es 600 Euro. Das Dock des Vorgängers Prime passt auch zum TF700. Im Dock des TF300 wackelt es hingegen, weil es schlanker ist. 64 GByte Speicher sind immer an Bord, Varianten mit UMTS oder kleinerem Speicher hat Asus nicht angekündigt.

Google Nexus 7

Google hat das Nexus 7 gemeinsam mit Asus entwickelt und verkauft es in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien. Asus und Google schweigen zu ihren Deutschland-Plänen, uns ist es als erstes Google-Tablet und erstes Tablet mit Android 4.1 trotzdem einen Test wert. Im Vergleich zu den anderen Android-Tablets fallen an Android 4.1 vor allem die butterweichen Animationen und das ruckelfreie Scrollen auf. Die weiteren Neuheiten des Betriebssystems erklären wir im Artikel auf Seite 52.

Das handliche 7-Zoll-Tablet konkurriert zum Beispiel mit dem Amazon Kindle Fire oder dem Samsung Galaxy Tab 2 (c’t 14/12). In puncto Rechenleistung steht es den 10-Zöllern dank seines Tegra-3-Chips aber in nichts nach. Mit rund 340 Gramm ist es angenehm leicht, mit 11 Millimetern Dicke aber eines der dicksten Geräte. Das Kunststoffgehäuse wirkt nicht perfekt verarbeitet: Bei unserem Testgerät stand die Bildschirmfassung links um einen Millimeter aus dem Gehäuse heraus, vielleicht, weil sich ein Klebepunkt oder eine Halterung gelöst hatte.

Das blickwinkelstabile Display hat 1280 × 800 Pixel, also mehr als das Galaxy Tab und das Kindle Fire (1024 × 600). Der Browser zeigt deshalb genauso viele Infos auf einen Blick wie auf den meisten 10-Zoll-Tablets.

Um unter der 200-Dollar-Marke zu bleiben, hat Google auf einige Ausstattungsdetails verzichtet. So hat das Nexus keinen Vibrationsmotor, der für haptisches Feedback sorgen könnte, und keine Rückkamera. Angesichts der Qualität vieler Tablet-Kameras ist dies zwar kein herber Verlust, dennoch wäre es bei einem Gerät, das sich für unterwegs eignet, eine willkommene Ergänzung. Für Video-Chats gibt es eine brauchbare Frontkamera mit 1,2 Megapixeln.

Der interne Speicher ist mit 8 GByte oder optional 16 GByte knapp bemessen, zumal es keinen Slot für SD-Karten gibt. Möchte man das Gerät hauptsächlich als Medienplayer verwenden, stößt man recht bald an die Grenzen. Außerdem unterstützt es nur wenige Videoformate: Lediglich mit H.264 und H.263 konnte das Tablet umgehen, die mit x264 kodierten Dateien konnte es nicht abspielen; zudem erkannte es nur wenige Containerformate.

Medion Lifetab S9512

Das ursprünglich nur bei Aldi Nord verkaufte Lifetab will Medion demnächst auch in seinem Online-Shop verkaufen. Ungewöhnlich für Android-Tablets ist das 4:3-Format, das sich vor allem bei Webseiten und Dokumenten positiv bemerkbar macht, zu Filmen aber schlecht passt. Da das helle und blickwinkelstabile IPS-Display nur 1024 × 768 Pixel hat, wirkt es im Vergleich zu den anderen Geräten etwas pixelig.

Nur rund 9 Millimeter ist das Gerät flach und mit knapp 600 Gramm auch vergleichsweise leicht. Es liegt sehr gut in der Hand. Das Gehäuse besteht aus grauem Kunststoff und wirkt gut, aber nicht perfekt verarbeitet: Der Bildschirm unseres Testgerätes wurde nicht ganz sauber eingepasst, deshalb störte eine überstehende Gehäusekante. Ungewöhnlich sind die vier Lautsprecher auf der Rückseite. Tatsächlich klingt das Lifetab besser als die meisten anderen Tablets, aber eben noch wie ein Tablet.

Als Prozessor kommt ein OMAP 4430 von Texas Instruments mit zwei CPU-Kernen zum Einsatz. Der etwas betagte Chip kann nicht mit dem Tegra 3 mithalten. Das macht sich beim Zoomen auf Webseiten bemerkbar, es dauert deutlich länger, bis der Inhalt neu berechnet wird. Ansonsten reagiert die Oberfläche aber genauso flott wie bei den anderen Geräten mit Android 4.0.

Medion installiert einige Anwendungen, unter anderem das Office-Programm Documents to Go und ein umfangreiches Malprogramm. Die Android-Oberfläche ist unverändert bis auf einige Icons. Das Tablet spielte unsere mit x264 kodierten Videos nicht ab und konnte zwar DivX-Videos wiedergeben, ignorierte aber die gleichnamige Endung. Mit Quicktime-Dateien kam es auch nicht zurecht.

Sehr umfangreich ist der Lieferumfang. So gibt es neben In-Ear-Kopfhörern, Netzteil, Tasche und Putztuch die notwendigen Kabel für den Micro-USB- und Micro-HDMI-Anschluss sowie ein Adapter-Kabel, um Eingabegeräte und USB-Speicher anzuschließen. Die Anleitung hilft Anfängern bei der Bedienung. Die Garantiedauer von drei Jahren ist ein Alleinstellungsmerkmal – bei der Konkurrenz gibt es maximal zwei Jahre, bei Acer und Apple sogar nur ein Jahr.

Odys Xelio

Das Odys Xelio kostet gerade mal 100 Euro. In dieser Preisklasse ist eine abgespeckte Ausstattung unumgänglich. Das Xelio hat daher zwar eine Webcam auf der Vorderseite, aber keine Kamera auf der Rückseite, kein Bluetooth und kein GPS. Der Flash-Speicher misst nur 4 GByte, davon ist knapp 1 GByte für Apps frei. Viele kann man aber auf eine SD-Karte auslagern.

Odys hat auch an den Kernkomponenten gespart: An der CPU, am Display und am Akku. Die CPU ist die einzige im Test mit nur einem Kern. Dadurch ruckelt das Tablet beim Scrollen und legt oft mehrere Sekunden lange Denkpausen ein, bevor eine App startet. Wenn im Hintergrund eine Installation läuft, eine Datei kopiert oder eine Webseite geladen wird, reagiert es sogar auf Texteingaben verzögert. Dann tippt man zum Beispiel bei der URL-Eingabe mehrmals hintereinander, weil zunächst kein Buchstabe erscheint, verschreibt sich dadurch – und ist frustriert.

Nervig ist auch, dass das Xelio aufgrund seines kleinen Arbeitsspeichers (512 MByte) weniger Browser-Tabs offen halten kann als die anderen Tablets. Im Test löschte es oft schon nach dem Öffnen eines dritten Tabs den ersten.

Die niedrige Display-Auflösung (800 × 480) macht sich vor allem beim Surfen negativ bemerkbar. Blickt man von schräg unten oder oben auf das Gerät, zum Beispiel, weil es flach auf dem Tisch liegt, kippen die Farben weg. Als Surftablet macht das Xelio also keine gute Figur, obwohl man mit einem USB-OTG-Adapter (On-the-Go) einen UMTS-Stick anschließen kann. Eine Liste kompatibler Sticks findet sich auf der Webseite des Händlers Conrad.

Als Videozuspieler für den Fernseher taugt es aber durchaus: Ein Mini-HDMI-Ausgang ist an Bord und Full-HD-Filme spielt es ruckelfrei ab. Einziger Schönheitsfehler dabei: Die untere Android-Bedienleiste bleibt eingeblendet, was die Konzentration auf den Film ein wenig stört.

Das Xelio ist ab Werk „gerootet“ – das heißt, dass bestimmte Apps uneingeschränkt auf das System zugreifen können. Das gibt dem Nutzer mehr Freiheiten, bedeutet aber auch ein geringeres Schutzniveau gegenüber bösartigen Apps, wenn man nicht aufpasst. Die wichtigsten Google-Apps wie Play Store und Mail sind vorinstalliert, die meisten fehlenden kann man sich aus dem Store besorgen. Unser Testgerät hatte einen nervigen Software-Bug: Die Tastatur-Töne ließen sich nicht ausschalten. Davon berichten im Netz auch andere Nutzer, es handelt sich also nicht um einen Einzelfall.

Es wäre unfair, das Xelio an den mindestens doppelt so teuren anderen Testkandidaten zu messen. Es konkurriert vielmehr mit anderen Billigtablets wie dem Ainol Novo 7 Paladin, das wir in c’t 7/12 getestet haben. Diesem hat es den HDMI-Ausgang und die Webcam voraus, der Novo-Akku hält allerdings doppelt so lange durch wie der des Xelio.

Toshiba AT300

Die technischen Daten des Toshiba-Tablets klingen langweilig, weil man sie von vielen anderen Tablets kennt: 10,1-Zoll-Display mit 1280 × 800 Pixeln, Tegra-3-Chip, Android 4.0. Auch optisch bleibt das AT300 im bekannten Rahmen. Die Ecken sind rund, die Rückseite ist silbern und fühlt sich nach Plastik an, obwohl Toshiba von einer „robusten Aluminiumlegierung“ spricht.

Die Details gefallen aber: Das AT300 liegt sehr gut in der Hand und ist zusammen mit dem Medion-Gerät das leichteste 10-Zoll-Tablet im Test. Positiv fällt auch das sehr helle Display auf. Der Speicherkartenslot nimmt normalgroße SD-Karten auf – also die, die auch in den meisten Kameras und Camcordern zum Einsatz kommen. Toshiba verkauft zwei Varianten des AT300, die sich nur in der Größe des fest eingebauten Speichers unterscheiden: Mit 16 GByte kostet es 380 Euro, mit 32 GByte 450 Euro.

Ein schlechteres Bild als die Hardware gibt Toshibas Software ab. Die voreingestellte Bildschirmtastatur hat ein eigenwilliges Layout mit der Kommataste links der Leertaste und den Zifferntasten in Telefon-Anordnung auf einer zweiten Ebene. Gut, dass man zur Android-Standardtastatur wechseln kann, aber noch schöner wäre eine Tastatur mit Zifferntasten auf der ersten Ebene wie bei Asus.

Toshibas Medienshop „Places“ verdient die Bezeichnung „Shop“ streng genommen nicht: Wenn man die aufgeführten Inhalte antippt, wird klar, dass er nur auf die Shops diverser Partner wie txtr, Zinio oder Viewster verweist. Man muss sich bei diesen Firmen einzeln registrieren und teilweise sogar weitere Apps installieren, bevor man ein E-Book herunterladen oder einen Film leihen kann. Bequem geht anders.

Der Video-on-Demand-Dienst Viewster hat nach eigenen Angaben über 1400 Titel im Programm. Das ist ein Bruchteil des iTunes-Angebotes, könnte für Toshiba aber trotzdem ein Pluspunkt sein, da solche Dienste auf Android-Tablets noch selten sind. Doch wir bekamen bei diversen kostenlosen Filmen und auch nach Eingabe unserer Kreditkartendaten nur Fehlermeldungen zu Gesicht.

Toshiba installiert noch ein paar weitere Apps, darunter das sonst kostenpflichtige PrinterShare zum Drucken via WLAN. Abgesehen von diesen Apps und der Bildschirmtastatur ändert Toshiba an Android 4 nichts. Etwas seltsam fanden wir, dass ein kleiner Motor das Tablet bei jeder Bildschirmberührung vibrieren lässt. Die haptische Rückmeldung bei jedem Tipper und jedem Wischer ist Geschmackssache – und lässt sich zum Glück ausschalten. Toshiba liefert kein USB-Kabel für den Datenaustausch mit dem PC mit. Geladen wird das Tablet über einen proprietären Anschluss, der aber auch mit anderen USB-Netzteilen als dem von Toshiba harmoniert.

Fazit

In der Klasse der hochauflösenden Tablets liefert sich Asus ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Apple: Das TF700 ist etwas leichter und leuchtet heller. Das iPad 3 zeigt die kräftigeren Farben, lässt sich noch einen Tick flüssiger bedienen und greift auf ein größeres Medienangebot zu. Wer bequem Filme und Zeitschriften herunterladen will, kommt deshalb ums iPad immer noch schwer herum. Andererseits bietet Asus mit seinem Tastatur-Dock die bessere Lösung für den Notebook-Ersatz. Die Entscheidung zwischen den beiden Geräten ist also eine Frage der individuellen Anforderungen – aber auch des Budgets, denn bislang bietet Asus sein Flaggschiff nur mit 64 GByte für 600 Euro an, während Apple das iPad auch mit 16 GByte für 480 Euro verkauft. Acers A700 kann mit den beiden nicht mithalten.

Die 10-Zöller mit normaler Auflösung liegen in den „harten“ Kriterien Displayhelligkeit, Laufzeit und Leistung so dicht gleichauf, dass die Entscheidung ebenfalls aufgrund der Nutzungsszenarien fällt. Geht es darum, auch unterwegs zu surfen, eignen sich das Asus TF300 und das Acer A510 mit UMTS (A511). Zählt das Gewicht, kommen eher das Toshiba- und das Medion-Tablet in Frage. Das Medion Lifetab muss man auch wegen der 3-Jahres-Garantie und des mitgelieferten Zubehörs hervorheben.

Unter den 7-Zöllern gefällt das schnelle Nexus 7 besser als seine bislang von uns getesteten Konkurrenten. Jetzt muss es nur noch nach Deutschland kommen. Wer UMTS oder mehr als 16 GByte Speicher braucht, muss allerdings mit den langsameren Alternativen leben – sie heißen Samsung Galaxy Tab 2 7.0, Acer A100 und Huawei MediaPad. Das Odys Xelio ist hingegen keine ernstzunehmende Alternative, sondern eher ein Spielzeug, das Gefahr läuft, schnell in der Schublade zu verschwinden. (cwo)

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