OLED-Fernseher noch nicht in Sicht

Serienproduktion von großen OLEDs stockt

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LG und Samsung trommeln lautstark für ihre großen OLED-Fernseher. Doch bis die 55-Zöller in den Massenmarkt kommen, dauert es noch eine Weile: Erstmal müssen Fabriken her, in denen sich die organischen Displays kostenverträglich fertigen lassen.

LG startete anlässlich der Olympischen Spiele in London eine massive Werbekampagne für OLED-Fernseher. Doch eigentlich sollten die schlanken Geräte nicht nur virtuell auf der heimischen Mattscheibe erscheinen, sondern rechtzeitig zu den Spielen in den Läden stehen.

Daraus ist bekanntlich nichts geworden: Die Fertigung der großen selbstleuchtenden Displays hat das koreanische Unternehmen noch nicht im Griff. Alle auf Messen gezeigten TVs mit großem OLED-Display sind Prototypen, im Labor entstanden, nicht serienreif.

Auch Samsung kann noch kein fertiges Produkt vorweisen, Produktionsstart und Preise für den auf der CES angekündigten OLED-Fernseher bleiben im Trüben.

Dass zwischen den beiden Displayspezialisten ein echter Wettstreit ausgebrochen ist, zeigt sich spätestens daran, dass Samsung nur deshalb an bestimmten Messen teilnimmt, weil Konkurrent LG dort seinen OLED-Fernseher präsentiert. Besonders sportlich ist dieser Kampf aber wohl nicht, denn Samsung bezichtigt LG zugleich des Technikdiebstahls: Ehemalige Mitarbeiter hätten die Finessen von Samsung Fine Metal Mask (FMM) – eine Metallmaske für das strukturierte Aufbringen der selbstleuchtenden Schichten – den Kollegen von Lucky Goldstar preisgegeben.

Die FMM ist ein entscheidendes Bauteil im Produktionsprozess: Wenn man die extrem dünne Schattenmaske stabilisieren kann und das Substrat statt der Maske in feinen Schritten bewegt, ließe sich das Verfahren auch für größere Displaydiagonalen einsetzen. Damit könnte die OLED-Fertigung in halbwegs vernünftige Kostenregionen vorstoßen. Bislang muss Samsung die Schichten mit Laserstrahlen strukturieren, was viel Zeit in Anspruch nimmt und in aktuellen Anlagen auf Displaydiagonalen bis maximal 55 Zoll begrenzt ist.

Generationenfrage

Die Diagonalen sind überhaupt der Knackpunkt bei der – noch nicht existenten – Serienfertigung der großen OLEDs. Samsung und LG besitzen jeweils eine Fabrik der Generation 5.5, in der 1,50 m × 1,30 m große Substrate verarbeitet werden. Ein 55"-Display mit 16:9-Format misst 1,22 m × 0,69 m, es lassen sich also nur zwei 55"-Fernseher aus einem Substrat schneiden. Das ist natürlich möglich, unter Kostengesichtspunkten aber haarsträubend – viel zu viel Verschnitt, viel zu zeitaufwendig und damit viel zu teuer.

Zumal nicht jedes produzierte Display ein fertiges OLED-TV ergibt: Die Ausbeute an „guten“ Displays, der sogenannte Yield, dürfte derzeit noch deutlich unter 70 Prozent liegen. Damit wäre etwa jedes dritte Display als Ausschuss verloren.

Erst in Fabriken der Generation 8.5 (Glasgröße: 2,50 m × 2,20 m) lassen sich aus einem Substrat sechs 55-Zöller schneiden. Samsung baut bereits eine solche Fab. Allerdings erfordern die größeren Substrate neue Belichtungstechniken für die Pixeltransistoren oder den Einsatz neuer Halbleiter wie IGZO. Für das Deponieren und Strukturieren der OLED-Schicht müssen ebenfalls neue Verfahren her, etwa Drucktechniken oder die Laser-induzierte Strukturierung (LITI). Mit LITI lassen sich auch höhere Auflösungen erzielen, wie Samsung erst kürzlich an einem kleineren OLED-Display mit 350 ppi bewiesen hat. Dass Verfahren wie die Laserstrukturierung bei großen Diagonalen in der Serienproduktion gelingen, muss das Unternehmen allerdings noch unter Beweis stellen.

Mangels Produktionsstätten wird es in diesem Jahr also keine nennenswerte Anzahl an 55-Zoll-OLED-TVs geben. Und die von Marktforschern auf weltweit maximal 20 000 Stück (neu) geschätzte Menge wird zu horrenden Preisen angeboten – gegen aktuelle 55"-LCDs mit LED-Backlight, extrem schmalem Rahmen, sehr geringer Displaydicke und leuchtstarken Farben kommen die OLED-TVs dann zumindest preislich nicht an. Das müssten sie aber, wenn sie in großen Stückzahlen verkauft werden sollen. (uk)

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